TENS-Gerät zur Anwendung bei Migräne: Eine medikamentenfreie Option

Migräne ist weit mehr als nur ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Sie kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Symptome wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und stechende Schmerzen, die jede Bewegung zur Qual machen, sind typisch. Viele Betroffene suchen nach alternativen Behandlungsmethoden, um ihre Beschwerden zu lindern. Eine solche Alternative ist die TENS-Therapie (Transkutane Elektrische Nervenstimulation), die mit sanften Stromimpulsen arbeitet - und das ganz ohne Medikamente.

Was ist TENS?

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine etablierte Methode in der Schmerztherapie. Dabei werden über Elektroden auf der Haut sanfte elektrische Impulse an die Nerven gesendet. Der Reizstrom geht durch die Haut und soll die Nerven stimulieren. Bei der Anwendung ist ein mehr oder weniger starkes Kribbeln zu spüren.

Mediziner gehen davon aus, dass TENS auf zwei Wegen wirkt. Zum einen können Nerven jeweils nur einen Reiz zum Gehirn übertragen - entweder das Kribbeln oder den Schmerz. Werden sie durch den Strom erregt, wird der Schmerzreiz damit blockiert. Zum anderen werden durch den Stromimpuls körpereigene Schmerzmittel ausgeschüttet, die Endorphine. Auch das lindert das Schmerzempfinden.

TENS bei Migräne: Wie funktioniert es?

Bei Migräne werden durch das TENS-Gerät niedrigintensive elektrische Impulse erzeugt und an die Nervenfasern in der Schmerzzone übertragen. Die elektrische Stimulation der Nerven hat eine unmittelbare Wirkung. Der Stimulationsstrom blockiert die Übertragung des Schmerzsignals an das Gehirn, wodurch Kopfschmerzen gelindert werden. Dieser Wirkmechanismus, der durch einen Strom hoher Frequenz und niedriger Intensität erzeugt wird, eignet sich für akute und lokale Schmerzen und ist daher besonders geeignet für die Behandlung von Migränekopfschmerzen.

Eine Studie in Neurology (2013, doi: 10.1212/WNL.0b013e3182825055) untersuchte die supraorbitale transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und fand heraus, dass sie die Häufigkeit der monatlichen Kopfschmerzattacken senken konnte. Die Wirkung von TENS ist vermutlich indirekt. Durch die wiederholte elektrische Reizung von Hautnerven soll im Zentralnervensystem die Bildung von Endorphinen gesteigert werden, die den Schmerz lindern.

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Anwendung eines TENS-Geräts bei Migräne

Die Anwendung eines TENS-Geräts, wie z.B. des Orthotens-Geräts, ist einfach und kann problemlos zu Hause durchgeführt werden. Für die Anwendung bei Migräne werden kleine, runde Elektroden mit einem Durchmesser von 3 cm empfohlen.

Wichtige Hinweise vor der Anwendung:

  • Elektrodenplatzierung: Die richtige Platzierung der Elektroden ist entscheidend für eine effektive Anwendung. Bei Migräne wird empfohlen, eine Elektrode auf die seitliche Stirn und eine zweite Elektrode auf den Schulter-/Nackenbereich zu kleben. So ist der Schmerzherd weitestgehend umschlossen und die TENS-Therapie kann sich optimal entfalten. Es ist eine beidseitige Behandlung möglich, aber da Migräne häufig einseitig auftritt, kann auch nur eine Seite behandelt werden.
  • Intensität: Die Stimulation sollte spürbar, aber nicht schmerzhaft sein. Die Intensität sollte so eingestellt werden, dass sie als angenehmes Kribbeln empfunden wird. Achte während der Elektrotherapie darauf, dass die Stimulation lediglich ein leichtes Kribbeln hervorruft und es zu keiner Muskelkontraktion kommt!
  • Dauer: Die Dauer der Anwendung sollte ca. 40 Minuten betragen, um eine nachhaltige Schmerzlinderung zu erzielen.
  • Hautvorbereitung: Die Haut muss vor der Anwendung möglichst unbehaart, trocken und sauber sein.

Programmeinstellungen:

  • Bei der Verwendung des SaneoTENS wird das frei verfügbare Programm U1 empfohlen. Die Parameter sollten auf 60Hz mit einer Impulsbreite von 250µs eingestellt werden.

Wichtige Warnhinweise:

  • ⚠️ Achtung: Die Anwendung von TENS-Geräten im Bereich der Schläfen kann gefährlich sein! Es besteht ein Risiko für Nervenreizungen, unerwünschte Reflexe oder andere Komplikationen.
  • 🚨 Kontraindikationen: TENS sollte nicht angewendet werden bei Personen mit Herzschrittmachern, Epilepsie oder offenen Wunden im Behandlungsbereich.
  • Nebenwirkungen: Gelegentlich kann es zu einem leichten Kribbeln oder Muskelzuckungen kommen - dies ist normal und meist unbedenklich. Es kann zu Hautirritationen kommen, da der medizinisch wirksame Strom durchblutungsfördernd wirkt.

Auswahl des richtigen TENS-Geräts

Sichere TENS-Geräte für zu Hause erkennt man am CE-Zeichen, dann sind sie in Europa zugelassen. Die Preisspanne liegt zwischen etwa 25 und mehr als 200 Euro. Die im Handel erhältlichen Geräte bieten Voreinstellungen für unterschiedliche Therapien. Ob diese tatsächlich etwas gegen die Beschwerden ausrichten, muss jeder selbst ausprobieren oder sich medizinischen Rat holen, zum Beispiel bei Physiotherapeuten.

Einige Beispiele für TENS-Geräte sind:

  • SaneoTENS: Ein digitales TENS Reizstromgerät, das Schmerzen ohne Medikamente und Nebenwirkungen behandelt. Es verfügt über 19 Programme zur Schmerzlinderung.
  • Saneo4SPORT: Ein hochfunktionales Elektrostimulationsgerät für Muskelgruppen mit über 50 Programmen aus den Bereichen TENS und EMS.
  • SaneoVITAL TENS EMS Massagegerät: Bietet wohltuende Auszeit nach einem anstrengenden Tag und kann bei Muskelverspannungen helfen.

Wann sollte man TENS nicht anwenden?

Es gibt bestimmte medizinische Umstände, bei denen Vorsicht geboten ist oder von einer TENS-Therapie abgeraten wird. Grundsätzlich sollte in jedem Falle ein Arzt kontaktiert werden, da dieser den Krankheitsverlauf am besten kennt und individuell beraten kann.

Kontraindikationen:

  • Personen mit Herzschrittmachern
  • Personen mit Epilepsie
  • Personen mit offenen Wunden im Behandlungsbereich
  • Akute Entzündungen der Schleimhaut sowie bei Haut- bzw.
  • Metallische Implantate im Behandlungsgebiet
  • Nicht in der Herzgegend oder in der Nähe des Karotissinus (Halsschlagader) positionieren. Bei der Anwendung auf dem Brustkorb kann es zu Kammerflimmern kommen.
  • Während der Anwendung keine Maschinen (beispielsweise Auto) bedienen.

Tipps für eine erfolgreiche TENS-Therapie

  • Saubere Elektroden: Achte bei der TENS-Therapie darauf, dass die Elektroden vor der TENS Anwendung sauber sind. Die Textilelektroden können mit warmem Wasser per Handwäsche reinigen. Die Elektroden des Fitnessgürtels sollten regelmäßig nach der Anwendung mit einem feuchten und sauberen Tuch abwischen. Die TENS-Klebeelektroden verstaust Du nach der Anwendung am besten in dem wiederverschließbaren Druckverschlussbeutel, um ein Austrocknen zu vermeiden. Bei nachlassender Klebekraft kannst Du sie mit etwas Wasser oder einem Elektroden-Kontakt-Gel anfeuchten, so werden sie wieder regeneriert.
  • Haut reinigen: Auch Deine Haut solltest Du vor der Therapie reinigen, sodass sich keine Creme- oder Make-up Rückstände auf der Haut befinden.
  • Regelmäßiger Austausch: Die Klebeelektroden sollten nach ca. 30 Anwendungen ausgetauscht werden.
  • Auf den Körper hören: Bei der Einstellung der Stromintensität, ist es wichtig, dass Du auf Deine eigenen Empfindungen achtest! Das Stromgefühl sollte deutlich spürbar, aber keinesfalls unangenehm oder gar schmerzhaft sein.
  • Abwechslung: Um einer Schmerzsensibilisierung entgegenzuwirken, solltest Du unterschiedliche Programme nutzen.
  • Anwendungsdauer: Die verschiedenen TENS Programme dauern i.d.R. eine bestimmte Zeit, die im Gerät angezeigt wird. Wenn keine Hautreizungen oder ähnliche Nebenwirkungen auftreten, können bei Bedarf mehrere Behandlungen täglich durchgeführt werden. Grundsätzlich gilt natürlich, dass chronische Schmerzen eine längere Therapiezeit benötigten als akute Schmerzen.

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