Ein erheblicher Teil der Menschen mit Querschnittlähmung leidet an einer Tetraplegie. Diese Schädigung der Halswirbelsäule kann vielfältige Ursachen haben und macht eine umfassende Langzeittherapie notwendig.
Was ist eine Tetraplegie?
Der Begriff Tetraplegie beschreibt eine Ausprägung der Querschnittlähmung, die von einer Schädigung der Halswirbelsäule ausgeht. Er setzt sich aus den griechischen Termini "tetra" für "vier" und "plege" für "Lähmung" zusammen. Bei rund der Hälfte aller Menschen, die unter einer Querschnittlähmung leiden, liegt eine Tetraplegie vor. Die andere Hälfte ist von einer sogenannten Paraplegie betroffen, die auf eine Rückenmarkschädigung im Bereich unterhalb der Brustwirbelsäule zurückzuführen ist und nur die unteren Extremitäten betrifft.
Ursachen einer Tetraplegie
Ob sich eine Querschnittlähmung als Tetra- oder Paraplegie manifestiert, hängt davon ab, in welchem Bereich der Wirbelsäule das Rückenmark verletzt oder geschädigt wurde. Beiden Formen der Querschnittlähmung liegen Zerstörungen von Nervenzellen oder Unterbrechungen von Nervenfasern zugrunde. Solche Schädigungen können durch unterschiedliche Ereignisse oder Erkrankungen zurückzuführen sein.
In den meisten Fällen, bei rund fünfzig bis sechzig Prozent aller Patienten, wird eine Querschnittlähmung durch Traumata ausgelöst. Solche Verletzungen entstehen vor allem im Rahmen von Unfällen im Straßenverkehr oder bei sportlichen Aktivitäten. Neben Extremsportarten gehen auch beliebte sportliche Freizeitbeschäftigungen wie etwa Skifahren und Snowboarden, Klettern, aber auch Radfahren immer mit einem gewissen Verletzungsrisiko einher. Aus diesem Grund sind vor allem jüngere Menschen von Querschnittlähmungen betroffen. Auffallend ist, dass der Anteil an Tetraplegie-Patienten in dieser Altersgruppe besonders hoch ist. Da Männer grundsätzlich risikobereiter sind als Frauen, sind männliche Tetraplegiker mit fast siebzig Prozent deutlich in der Überzahl.
Neben Verkehrs- und Sportunfällen sind verschiedene Erkrankungen häufige Auslöser einer Tetraplegie. Diese können wie etwa die Kinderlähmung oder eine Syringomyelie angeboren sein. Es ist auch möglich, dass eine solche Querschnittlähmung als Folge von neurologischen Autoimmunerkrankungen auftritt. Durch bisher nicht vollständig geklärte Auslöser richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe und zerstört dieses im Rahmen chronisch-entzündlicher Prozesse. Jene Autoimmunerkrankung, der als Auslöser der Tetraplegie besondere Bedeutung zukommt, ist die Multiple Sklerose.
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Auch infektiöse Erkrankungen, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden, können eine Tetraplegie zur Folge haben. Infektionen mit Herpes-Viren wie beispielsweise Herpes zoster, Varizellen, das Eppstein-Barr- und das HI-Virus kommen als Ursachen ebenso in Betracht wie Mykoplasmen, Brucellen und andere bakterielle Erreger.
Auch Tumorerkrankungen, Osteoporose sowie Thrombosen und Embolien von Arterien, die im Rückenmark verlaufen, spielen als mögliche Ursachen von Querschnittlähmungen ein Rolle. Nur äußerst selten entwickelt sich eine Querschnittlähmung aus Erkrankungen, die durch Nährstoffmängel ausgelöst werden. So ist es möglich, dass eine durch Vitamin-B1-Mangel verursachte Polyneuritis mit einer Tetraplegie einhergeht. Schädigungen des Rückenmarks und neurologische Erkrankungen können auch durch chronische oder akute Vergiftungen eintreten. Dadurch stehen verschiedene toxische Gefahrstoffe ebenfalls in Verdacht, das Risiko für eine Tetraplegie zu erhöhen. Allerdings bleiben die genauen Ursachen für toxisch bedingte Schädigungen des Rückenmarks in vielen Fällen ungeklärt.
Ursachen für eine Querschnittssymptomatik können Trauma (v.a. Unfälle), Kompressionen (v.a. (Hämorrhagien) sein. Auch im Rahmen neurodegenerativer Erkrankungen (Amyotrophe Lateralsklerose, etc.) und Stoffwechselstörungen (Vitamin B12 Mangel) kann eine Querschnittssymptomatik auftreten. der Ausdruck Paraplegie/Paraparese verwendet.
Primäre Symptome einer Tetraplegie
Der medizinische Begriff Tetraplegie bezieht sich auf die Lähmung, die bei dieser Erkrankung alle vier Gliedmaßen betrifft. Die Paraplegie führt zu Funktionsstörungen in der Muskulatur des Rumpfes und der Beine. Bei Vorliegen einer Tetraplegie ist zusätzlich auch die Bewegungsfähigkeit der Armmuskulatur eingeschränkt. Durch äußere Krafteinwirkungen bei Unfällen oder erkrankungsbedingte Einflüsse kommt es zu Schädigungen der Nervenbahnen im Bereich des Rückenmarks.
Sind im Rahmen einer Tetraplegie die absteigenden Nervenbahnen betroffen, hat dies zur Folge, dass vom Gehirn an die Arme und Beine ausgesendete motorische Signale nicht mehr vollständig übertragen werden. Bei Verletzungen oder Schädigungen aufsteigender Nervenfasern kommt es zu einem Verlust des sensorischen Empfindens. Viele Menschen, die unter dieser Form der Tetraplegie leiden, spüren in den Gliedmaßen keinen Schmerz oder nehmen Temperatureinwirkungen auf der Haut nicht mehr wahr. In schweren Fällen ist auch die Atmungsfähigkeit vermindert oder erheblich eingeschränkt.
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Unmittelbar nach dem Trauma kommt es unterhalb der Schädigungsstelle zu einer totalen Funktionslosigkeit der Muskulatur und einem Ausbleiben der Reflexe (spinaler Schock). gut tastbar sind und die Hände gut durchblutet sind (differentialdiagnostisch zum klassischen Schockzustand). Muskelanspannung) entwickelt.
Weitere mögliche Symptome und Komplikationen
Bei schweren Ausprägungen geht eine Tetraplegie nicht nur mit dem Verlust motorischer und sensorischer Fähigkeiten einher, sondern auch mit Funktionsstörungen innerer Organe. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Verletzung des Rückenmarks auch Störungen im autonomen Nervensystem verursacht. Dadurch ist die unwillkürliche Kontrolle über Organsysteme und den Blutkreislauf ebenfalls beeinträchtigt. Dies kann sich in Funktionsstörungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes, der Blase und der Sexualorgane manifestieren. Auch die unwillkürliche Regulation der Herzfrequenz, der Körpertemperatur oder des Blutdrucks ist ein häufig auftretendes Begleitsymptom. Die Patienten sind dadurch deutlich anfälliger für Infektionen und degenerative Prozesse, die zum Abbau von Gewebe im Bereich des Bewegungsapparats führen. Abhängig von der Art und Ausprägung der Querschnittssymptomatik treten unterschiedliche Symptome und Folgen auf. (schmerzhafte Versteifung von Gelenken) durch die Spastik (übersteigerte Spannung der Muskulatur). Ob die Lebenserwartung beeinträchtigt ist, hängt ebenfalls stark von der Ausprägung und vor allem von der Höhe des Querschnitts ab (Niethard & Pfeil, 2005). Treten mehrere Begleiterscheinungen auf, z.B. Bei gestörter Blasenfunktion, vor allem wenn die Blase nicht vollständig entleert werden kann, können vermehrt Harnwegsinfekte auftreten. sein. medikamentöse oder operative Therapie durchgeführt wird.
Eine Querschnittlähmung bringt eine Reihe von teils lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen mit sich. Diese reichen von zunehmenden Harnblasen- oder Darmfunktionsstörungen über gehäufte Harnwegsinfekte bis zu überlasteten Muskeln und Sehnen, einem überlasteten Skelett oder Druckbelastungen von Haut und Nerven.
Zentrale Aspekte der Behandlung einer Tetraplegie
Die Behandlung von Tetraplegien erfordert eine umfassende Betreuung von Medizinern, Therapeuten und Pflegepersonal mit fachlicher Spezialausbildung und stützt sich auf mehrere Säulen. Abhängig von den Ursachen und der Ausprägung der Querschnittlähmung kommen in der Regel chirurgische Verfahren, fachneurologische Untersuchungsmethoden sowie verschiedene physiotherapeutische Ansätze zur Anwendung. Da viele Betroffene aufgrund ihrer Lebenssituation Depressionen entwickeln oder sogar suizidgefährdet sind, gilt auch die Psychotherapie als wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Schulmedizinische Behandlungsansätze bei Tetraplegien
Wenn nach einem Unfall der Verdacht auf eine Querschnittlähmung besteht, wird der Patient umgehend in die Klinik eingewiesen. Nach einer entsprechenden Diagnose erfolgt in vielen Fällen eine Operation, die eine Entlastung des Rückenmarks und die Stabilisierung der Wirbelsäule zum Ziel hat. Offene Verletzungen können im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs geschlossen werden. Zur Reparatur von Quetschungen oder Rissen von Nervenfasern stehen bis heute jedoch keine operativen Methoden zur Verfügung.
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Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung werden die Funktionen von Nerven und Muskulatur genau gemessen und das Ausmaß der Schädigung beurteilt. Darauf abgestimmt leiten die behandelnden Ärzte verschiedene akute Behandlungsmaßnahmen ein, um das Ausmaß der Gewebsschädigungen zu minimieren. Dies trägt maßgeblich dazu bei, wichtige Körperfunktionen zu erhalten und damit den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Ebenso bedeutsam ist das Erstellen eines langfristigen Behandlungsplans zur Vorbeugung möglicher Komplikationen und Folgeerkrankungen wie Thrombosen sowie Infektionen und Entzündungen innerer Organe. Auch oft auftretende Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes und der Harnwege sowie durch die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit verursachte Druckgeschwüre müssen schulmedizinisch behandelt werden.
Bei akuten Schäden des Rückenmarks versuchen Ärzte zunächst, die Situation soweit zu stabilisieren, dass sie sich nicht mehr verschlechtert. In vielen Fällen bleiben jedoch dauerhafte Schäden zurück. In der Regel bekommen Querschnitt-Patienten Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Metamizol, Mefenaminsäure oder Paracetamol. Eine frühe Behandlung ist wichtig, um zu verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden.
Rehabilitation und interdisziplinäre Therapie
Oberstes Ziel der Rehabilitation ist, dass der Patient nach dem Krankenhausaufenthalt ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führt und Komplikationen vermieden werden. Da eine Querschnittlähmung Einfluss auf viele unterschiedliche Lebensbereiche hat, wird der Patient in der Regel von einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegern, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychotherapeuten darin unterstützt, Schritt für Schritt zurück in den Alltag zu finden. Die Rehabilitation findet idealerweise in einem spezialisierten Zentrum statt und dauert etwa drei bis sechs Monate bei einer Paraplegie und sechs bis zwölf Monate bei einer Tetraplegie. Jeder Querschnittgelähmte erhält eine individuell an seine Bedürfnisse angepasste Therapie. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Therapeuten offen über Ihre Vorstellungen und Ängste!
Verschiedene Reha-Maßnahmen
- Gezielte Maßnahmen zur Darm- und Blasenkontrolle, um einen selbstständigen Toilettengang zu ermöglichen. Hier steht an erster Stelle das „intermittierende Katheterisieren“: Betroffene lernen, ihre Blase in regelmäßigen Abständen mit einem Einmalkatheter zu entleeren. Darüber hinaus gibt es mehrere Möglichkeiten, den Stuhlgang zu kontrollieren.
- Physiotherapie und Rollstuhltraining.
- In der Ergotherapie erlernen Betroffene neue Bewegungsabläufe mit dem Ziel, Alltagstätigkeiten wie Anziehen oder Essen zubereiten wieder selbstständig zu erledigen.
- Eine Psychotherapie vermittelt Strategien, um die neue Situation besser zu bewältigen.
- Logopädische Übungen helfen bei Sprach- und Schluckstörungen.
- Ist das Zwerchfell gelähmt, erlernen Betroffene Techniken, die es ihnen ermöglichen, tagsüber mehrere Stunden selbstständig zu atmen.
- Sexualberatung: Störungen der Sexualfunktion werden von vielen Querschnittgelähmten - unabhängig vom Geschlecht - als sehr belastend empfunden. Je nach Ausmaß der Störung gibt es unterschiedliche Ansätze, dennoch zu einem erfüllten Sexualleben zu finden.
Pflegerische und rehabilitativ-therapeutische Behandlung stellt die zweite wichtige Säule unserer querschnittspezifischen Erstbehandlung dar. Wir verfügen über spezialisiertes medizinisches Wissen in den Fachbereichen Orthopädie, Urologie, Neurologie, Gastroenterologie und Chirurgie. Darüber hinaus hat sich über die Jahre ein einzigartiges sozialmedizinisches und therapeutisches Know-how bei der Langzeitbetreuung von Querschnittpatienten entwickelt. Wir empfehlen unseren Patienten, einmal jährlich zu einer ambulanten Kontrolluntersuchung in die Ambulanz des Querschnittzentrums Heidelberg zu kommen.
Chancen der Physiotherapie in der Behandlung einer Tetraplegie
Nach der Erstversorgung wird eine intensive, meist viele Jahre andauernde Rehabilitationsbehandlung eingeleitet. Der individuelle Therapieplan richtet sich nach dem Allgemeinzustand des Patienten und dem Ausmaß der Symptome und Begleiterkrankungen. Ziel ist immer eine bestmögliche Wiederherstellung der Selbstständigkeit des Betroffenen.
Die Lähmung, die im Rahmen einer Tetraplegie auftritt, kann eine komplette oder inkomplette Ausprägung annehmen. Bei einer inkompletten Ausprägung sind noch sensorische und motorische Fähigkeiten vorhanden, die im Rahmen der Therapie aktiviert und erfolgreich trainiert werden können. Eine gezielte Sitzoptimierung im Rollstuhl und das Training im Umgang mit diesem gewährleisten die notwendige Versorgung des Patienten im Alltag. Das regelmäßige therapeutische Bewegen der Gliedmaßen aktiviert den Kreislauf und verhindert Muskelverkürzungen und Fehlstellungen. Um das Körpergefühl zu verbessern, wird der behandelnde Therapeut verschiedene Trainingsmethoden anwenden. Dadurch können Lagewechsel beim Sitzen und Liegen geübt, der Gleichgewichtssinn gestärkt und effiziente Rollstuhlfahrtechniken erlernt werden. Abhängig vom Lähmungsniveau kann auch eine Atemtherapie notwendig sein.
Einen besonders wichtigen Stellenwert nehmen nach Ablauf der ersten Rehabilitationsphase Maßnahmen zur Sehnenumlagerung und Ellbogenstreckung ein. Diese tragen wesentlich dazu bei, aus dem Rollstuhl aus alltägliche Tätigkeiten wie etwa das Ergreifen von Gegenständen oder das Bedienen eines Lichtschalters wieder zu bewerkstelligen. Solche Fähigkeiten erhöhen die Lebensqualität der Patienten und erlauben ein gewisses Maß an Unabhängigkeit, die das Selbstbewusstsein stärkt und wieder eine aktivere Teilnahme am Familien- und Sozialleben ermöglicht.
Die Maßnahmen der Physiotherapie begleiten Menschen mit Querschnittlähmung während der gesamten Rehabilitation und haben zum Ziel ihn dabei zu unterstützen, die größtmögliche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im täglichen Leben zu erlangen. Bereits in der Akutphase wird eine individuelle Therapie angepasst, je nach Ausmaß der Verletzung und abhängig von Begleitverletzungen bzw. -erkrankungen und Allgemeinzustand des Einzelnen. In der zweiten Phase der Rehabilitation steht die aktive Mitarbeit der Betroffenen im Mittelpunkt der Behandlung. Die Maßnahmen unterscheiden sich je nach Ausmaß der Lähmung, d. h.
Der Deutsche Verband für Physiotherapie definiert die Physiotherapie als Oberbegriff für alle aktiven und passiven Therapieformen. Demnach beinhaltet die Physiotherapie einerseits die klassische Krankengymnastik, die dem Physiotherapeuten vorbehalten ist, und andererseits alle physikalischen Therapien, die Physiotherapeuten und Masseure gleichberechtigt ausführen. Als natürliches Heilverfahren nutzt die Physiotherapie die passiven (z. B. durch den Therapeuten geführten) Behandlungen und die aktive, selbstständig ausgeführte Bewegung des Menschen. Diese aktiven bzw. interaktiven Maßnahmen, d. h.
Bei der Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung stehen in der Akutphase zunächst der Erhalt der vitalen Funktionen, der Gelenkbeweglichkeit und der Elastizität der Weichteilstrukturen im Vordergrund. Manuelle Techniken zur Verbesserung der Belüftung, z. Zusätzliche Physiotherapeutische Maßnahmen bei inkompletter bzw. sehr tiefer Querschnittlähmung bzw.
Ziele der Physiotherapie
Die wichtigsten Ziele der Physiotherapie sind das Erlangen bzw. der Erhalt der Selbständigkeit. Wichtig ist das Erlernen, das Verbessern und das Erleichtern sämtlicher Transfers und Bewegungsübergänge, die man im Alltag benötigt. Es geht darum, dass der Betroffene lernt, diese Bewegungen so effektiv wie möglich auszuführen. Zum anderen dienen die Maßnahmen der Physiotherapie der Prophylaxe von Sekundärschäden, z. B. Wie selbstständig ist der Betroffene bzw. Welche körperlichen Voraussetzungen bringt er mit? D. h. Dies ist wichtig, weil individuell abgewogen werden muss, was der Einzelne im alltäglichen Leben leisten kann bzw.
Forced Use Therapie
Die Bewegungsform basiert auf den Grundlagen der Forced use Therapie, speziellen Mobilisationstechniken und den neusten Erkenntnissen aus Forschung sowie aus unserer Arbeit am Patienten. Über diese Ressource verfügt JEDER Patient.In unserer langjährigen Erfahrung in der systemischen Forced use Therapie haben wir festgestellt, das jeder Patient noch vorhandene Funktionen in den Beinen besitzt. Unsere therapeutischen Aktivitäten werden auf der funktionellen Ebene des Patienten gegen die Schwerkraft aufgebaut. Die meisten Querschittspatienten erfahren zudem eine Überbenutzung der Arme für den Ausgleich der verloren gegangenen Funktionen. In unserer Therapie werden alle Körpersegmente einzeln beübt und aufgebaut um die Koordination des gesamten Körpers wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Für uns ist es sehr wichtig, dass Sie sich sicher fühlen und uns vertrauen, deswegen kann es sein, dass sie in manchen Therapiesituationen von zwei oder auch mehreren Therapeuten behandelt werden.Querschnitt u. HalbseitenlähmungUnser oberstes Ziel ist das Wiedererlangen der Gehfähigkeit an einem geeigneten Hilfsmittel oder auch ohne.
Weitere physiotherapeutische Maßnahmen
Bei muskulären Beschwerden bzw. Bewegungstherapeutische Ansätze dienen zur frühzeitigen Behandlung von aktuellen Beschwerden, z. B. bei einer Überbeanspruchung der Schulter und der Kräftigung bzw. dem Krafterhalt der innervierten Muskulatur (Rumpf- und Armkraft bzw. Da viele Menschen mit Querschnittlähmung außerdem Probleme mit Ödemen d. h.
Funktionelle Elektrostimulation (FES)
Informieren Sie sich, wie die funktionelle Elektrostimulation mit dem STIWELL® bei der Therapie einer inkompletten Querschnittslähmung eingesetzt werden kann!STIWELL® Elektrotherapie American Spinal Injury Association (1992). ASIA classification, Standards of neurological and functional classification of spinal cord injury. Bersch, I., & Fridén, J. (2016). Role of functional electrical stimulation in tetraplegia hand surgery. Cotoi, A., Iliescu, A., Foley, N., Mirkowski, M., Harris, J., Dukelow, S., Knutson, J., Chae, J., Miller, T., Lee, A., Janssen, S. & Teasell, R. (2018). EBRSR Evidence-Based Review of Stroke Rehabilitation. Chapter 10. 91. Fil, A., Armutlu, K., Atay, A. O., Kerimoglu, U., & Elibol, B. (2011). The effect of electrical stimulation in combination with Bobath techniques in the prevention of shoulder subluxation in acute stroke patients. Gollee, H., Hunt, K. J., Allan, D. B., Fraser, M. H., & McLean, A. N. (2008). Automatic electrical stimulation of abdominal wall muscles increases tidal volume and cough peak flow in tetraplegia. Kern, H., Carraro, U., Adami, N., Biral, D., Hofer, C., Forstner, C., … & Paolini, C. (2010). Home-based functional electrical stimulation rescues permanently denervated muscles in paraplegic patients with complete lower motor neuron lesion. Kern, H., Hofer, C., Mödlin, M., Forstner, C., Raschka‐Högler, D., Mayr, W., & Stöhr, H. (2002). Denervated muscles in humans: limitations and problems of currently used functional electrical stimulation training protocols. Kern, H., Hofer, C., Loefler, S., Zampieri, S., Gargiulo, P., Baba, A., … & Carraro, U. (2017). Atrophy, ultra-structural disorders, severe atrophy and degeneration of denervated human muscle in SCI and Aging. Functional Electrical Stimulation, updated 2017. Koyuncu, E., Nakipoğlu-Yüzer, G. F., Doğan, A., & Özgirgin, N. (2010). Popovic, M. R., Kapadia, N., Zivanovic, V., Furlan, J. C., Craven, B. C., & McGillivray, C. (2011). a randomized clinical trial. Neurorehabilitation and neural repair, 25(5), 433-442.
Stehtrainer (Balo)
Der Balo-Stehtrainer unterstützt Patient:innen, die Gefahr laufen, aufgrund ihrer Erkrankung sturzbedingt zu stürzen oder Schwierigkeiten haben, mobil zu bleiben.
Vorteile des Stehtrainings:
- Verbesserung der Blutzirkulation: Das Stehen fördert die Blutzirkulation, insbesondere in den unteren Extremitäten. Dies hilft, das Risiko von Thrombosen und anderen Kreislaufproblemen zu verringern, die bei längeren Phasen der Immobilität auftreten können.
- Vermeidung von Dekubitus: Durch das regelmäßige Stehen wird der Druck auf bestimmte Körperstellen, die beim Liegen oder Sitzen belastet werden, reduziert. Dies verringert das Risiko von Druckgeschwüren.
- Stärkung der Muskulatur: Das Stehen aktiviert und kräftigt verschiedene Muskelgruppen, insbesondere in den Beinen, dem Rumpf und dem Rücken.
- Förderung der Knochenstabilität: Das Stehen trägt zur Erhaltung und Förderung der Knochendichte bei, was das Risiko von Osteoporose und Knochenbrüchen verringert. Das Skelettsystem wird durch das Gewicht, das im Stehen getragen wird, stimuliert.
- Verbesserung der Verdauungs- und Blasenfunktion: Eine aufrechte Position kann die Verdauung erleichtern und die Blasen- und Darmfunktion verbessern. Das Stehen unterstützt die Schwerkraft beim Transport von Nahrung und Abfallstoffen durch den Verdauungstrakt.
- Unterstützung der Atmungsfunktion: Das Stehen fördert eine tiefere und effektivere Atmung, da die Lunge sich in einer aufrechten Position besser ausdehnen kann.
Bei welchen Erkrankungen kann der Balo eingesetzt werden?
- Neurologische Erkrankungen: Schlaganfall (Apoplexie), Multiple Sklerose (MS), Parkinson-Krankheit, Querschnittslähmung (Paraplegie/Tetraplegie), Schädel-Hirn-Trauma, Zerebralparese, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Guillain-Barré-Syndrom (GBS).
- Orthopädische Erkrankungen und Verletzungen: Postoperative Rehabilitation nach Gelenkersatz, Arthrose und Arthritis, Osteoporose.
Nachsorge und Therapeutenauswahl
Nach der Entlassung aus dem Querschnittzentrum müssen Betroffene sich einen geeigneten Therapeuten für die Nachbetreuung suchen. Häufig wird dies von der Klinik, in der die Reha vorgenommen wurde, angeboten. Wenn es aus räumlichen Gründen nicht möglich ist, dieses Angebot anzunehmen, sollte man bei der Wahl des Therapeuten darauf achten, dass dieser Erfahrungen mit Querschnittgelähmten hat. Im Zweifelsfall ist ein langer Anfahrtsweg - selbst wenn dieser dreimal in der Woche gefahren werden muss - besser als eine weniger optimale Betreuung. Dass die Praxis barrierefrei ist, ist für Rollstuhlfahrer natürlich unabdingbar. Damit ist nicht nur gemeint, dass die Räume frei zugänglich sein müssen und die sanitären Anlagen behindertengerecht (d. h. mit Haltegriffen) oder zumindest groß genug und mit dem Rollstuhl befahrbar sind. Auch die Praxisausstattung muss angepasst oder anpassbar sein.
Ist eine Heilung der Querschnittlähmung möglich?
Eine Heilung der Querschnittlähmung ist derzeit (noch) nicht möglich, da durchtrenntes Nervengewebe nicht wieder zusammenwächst. Ist das Rückenmark „nur“ gequetscht oder geprellt, bilden sich die neurologischen Ausfälle unter Umständen wieder zurück. Kann die Ursache nicht behoben werden, ist die Schädigung also permanent, gibt es derzeit noch keine Aussicht auf Heilung. Es gibt inzwischen gute Möglichkeiten, die Situation betroffener Menschen durch gezielte Therapien zu verbessern. Ziel jeder Behandlung ist eine ganzheitliche Rehabilitation, die Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen soll.
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