Torsionsskoliose sekundär lumbal: Ursachen, Diagnose und Behandlungsstrategien

Die Torsionsskoliose, eine dreidimensionale Verformung der Wirbelsäule, stellt eine komplexe Herausforderung dar. Sie manifestiert sich als seitliche Verbiegung in Kombination mit einer Rotation der Wirbelkörper. Im Erwachsenenalter kann insbesondere die lumbale Torsionsskoliose zu erheblichen Beschwerden und Einschränkungen der Lebensqualität führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsstrategien dieser spezifischen Form der Skoliose.

Was ist eine Torsionsskoliose?

Eine Skoliose ist definiert als eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule von mindestens 10 Grad Cobb-Winkel, begleitet von einer Rotation der Wirbelkörper um ihre Längsachse. Die Torsionskomponente bezieht sich auf die Verdrehung der Wirbelkörper, was die dreidimensionale Natur dieser Deformität unterstreicht. Man unterscheidet zwischen der idiopathischen Skoliose, deren Ursache unbekannt ist, und der sekundären oder symptomatischen Skoliose, die auf andere Erkrankungen zurückzuführen ist.

Ursachen der sekundären lumbalen Torsionsskoliose

Während ein Großteil der Skoliosen idiopathisch ist, also ohne erkennbare Ursache auftritt, können sekundäre Skoliosen auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbal) sind folgende Ursachen von Bedeutung:

  • Degenerative Veränderungen: Asymmetrischer Verschleiß der Bandscheiben und Facettengelenke führt zu einer ungleichmäßigen Lastverteilung und kann ein Drehgleiten einzelner Wirbelkörper begünstigen. Dies ist eine häufige Ursache für die Entstehung einer sogenannten "De-novo-Skoliose" im Erwachsenenalter.
  • Bandscheibenvorfälle: Bandscheibenvorfälle (Prolaps, Diskushernie, Nucleus-pulposus-Prolaps) sind Folge des Verschleiß- bzw. Abnutzungsprozesses infolge dauerhafter Belastung. Wenn es dann zu einem Riss in dem geschädigten äußeren Ring (Faserrring) kommt quetscht sich der weiche innere Kern nach außen.
  • Neuromuskuläre Erkrankungen: Erkrankungen, die das Nervensystem oder die Muskulatur beeinträchtigen (z.B. Zerebralparese, Muskeldystrophie), können zu einer Skoliose führen.
  • Angeborene Fehlbildungen: Seltenere Ursachen sind angeborene Fehlbildungen der Wirbelkörper.
  • Erkrankungen des Bindegewebes: Marfan-Syndrom oder andere Bindegewebserkrankungen können die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen und eine Skoliose begünstigen.
  • Metabolische Erkrankungen: Erkrankungen des Knochenstoffwechsels, wie Osteoporose, können die Wirbelsäule schwächen und zu Verformungen führen.
  • Traumatische Ereignisse: Verletzungen der Wirbelsäule können ebenfalls eine Skoliose verursachen.
  • Iatrogene Ursachen: Vorherige Operationen an der Wirbelsäule, insbesondere wenn sie zu einer Schwächung muskulärer oder struktureller Elemente führen, können eine Skoliose begünstigen.
  • Beinlängendifferenz: Eine Beinlängendifferenz kann eine skoliotische Fehlhaltung verursachen, um das Ungleichgewicht auszugleichen.
  • Weitere Ursachen: Entzündliche Erkrankungen, Tumore oder Multiorganerkrankungen können ebenfalls mit einer Skoliose assoziiert sein.

Symptome der lumbalen Torsionsskoliose

Die Symptome einer lumbalen Torsionsskoliose können vielfältig sein und hängen vom Schweregrad der Verkrümmung, dem Alter des Patienten und dem Vorliegen von Begleiterkrankungen ab. Typische Symptome sind:

  • Rückenschmerzen: Insbesondere im Lendenbereich, oft belastungsabhängig.
  • Muskelverspannungen: Schmerzhafte Muskelverhärtungen aufgrund der dreidimensionalen Deformität.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit: Verminderte Beweglichkeit der Wirbelsäule.
  • Radikuläre Beschwerden: Bei Kompression von Nervenwurzeln können Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Beinen auftreten (Ischialgie).
  • Claudicatio spinalis: Beinschmerzen, die zu einer Verkürzung der Gehstrecke führen.
  • Fehlhaltung: Sichtbare seitliche Verbiegung der Wirbelsäule, Schulter- oder Beckenschiefstand, asymmetrische Taille.
  • Rippenbuckel oder Lendenwulst: Sichtbare Deformitäten des Rumpfes.
  • Müdigkeit: Vermehrte Müdigkeit bei längerem Sitzen oder Stehen.
  • In fortgeschrittenen Fällen: Verminderte Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge sowie Blasen- und Mastdarmstörungen.

Diagnose der lumbalen Torsionsskoliose

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für eine gezielte Behandlung. Die Diagnose umfasst:

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  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden, Vorerkrankungen und familiärer Vorbelastung.
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Körperhaltung, Inspektion der Wirbelsäule auf Verkrümmungen, Überprüfung der Beweglichkeit, Kraft, Dehnbarkeit und Reflexe. Der Arzt bestimmt die Steh- und Sitz-Größe, anschließend begutachtet er den Rücken und insbesondere die Wirbelsäulenform. Weicht die Linie der Dornfortsätze ab, stellt er einen sogenannten Überhang fest. Dabei ist der Brustkorb seitlich verlagert. Eine gerade Linie vom letzten Halswirbel nach unten endet bei einer Skoliose infolgedessen nicht mehr in der Anal-Falte, sondern daneben. Zudem überprüft er die Seitengleichheit der Schulterblätter (symmetrischer Schulterstand) und der Taille sowie den Umriss des Rumpfes. Bei einer Skoliose sind die Schultern unterschiedlich hoch. Auch die beiden sogenannten Taillen-Dreiecke sind unterschiedlich groß, also die Abstände vom linken beziehungsweise rechten herabhängenden Arm zum Rumpf. Im Zuge der körperlichen Untersuchung betrachtet der Arzt das Standbild auch von der Seite. Dadurch erkennt er eine übermäßige Buckelung (Hyperkyphose) oder eine stark zum Bauch hin gekrümmte Wirbelsäule (Hyperlordose, wie etwa Hohlkreuz).
  • Adams-Test: Beurteilung des Rückens bei Vorbeugung mit gestreckten Knien, um einen Rippenbuckel oder Muskelwülste zu erkennen.
  • Skoliometer-Messung: Messung der Ausprägung des Rippenbuckels oder der Muskelwülste.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenaufnahmen: Darstellung der Wirbelsäule in zwei Ebenen zur Berechnung des Cobb-Winkels und zur Beurteilung der sakro-pelvinen Balance. Funktionsaufnahmen dienen zur Abklärung einer Instabilität einzelner Bewegungssegmente.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung des Spinalkanals, der Neuroforamina und der darin verlaufenden Nervenstrukturen.
    • Computertomographie (CT): Alternative zur MRT bei Kontraindikationen oder zur besseren Beurteilung knöcherner Strukturen.

Therapie der lumbalen Torsionsskoliose

Die Therapie richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad der Skoliose, dem Alter des Patienten und dem Vorliegen von Begleitsymptomen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Progression der Verkrümmung zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Konservative Therapie

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Haltungsschulung und Korrektur der Fehlhaltung. Eine spezialisierte, physiotherapeutische Methode zur Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung ist die Dreidimensionale Skoliosebehandlung (angeglichen an das Schroth-Konzept). Die Übungen sind auf die häufigste Form der Skoliose, die thorakal-rechtskonvexe Skoliose, ausgerichtet. Dabei ist der Hauptbogen der Brustwirbelsäule nach rechts zur Seite geschwungen.
  • Korsettbehandlung: Kann bei fortschreitenden Skoliosen eingesetzt werden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Progression der Verkrümmung zu verlangsamen. Die Behandlung mittels Korsett kommt bei fortgeschrittenen Skoliosen (zwischen 20 und 50 Grad, Winkel nach Cobb) zusätzlich zur Krankengymnastik zur Anwendung.
  • Schmerzmedikation: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder andere Schmerzmittel zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
  • Injektionstherapie: Periradikuläre Therapie (PRT) oder Single-Shot-Peridural-Anästhesie (SSPDA) zur gezielten Schmerzlinderung bei Nervenwurzelkompression. Je nach vorherrschender Symptomatik werden auch Facettengelenksblockaden oder ISG-Infiltrationen angewendet.
  • Anpassung des Arbeitsplatzes: Der Alltag von vielen Menschen ist heutzutage von langem Sitzen geprägt. Versuchen Sie, in diese Routinen so viel Abwechslung wie möglich hineinzubringen. Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz so, dass Sie sich häufig nach links drehen müssen.

Operative Therapie

Eine Operation wird in Erwägung gezogen, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Schmerzen unerträglich werden, neurologische Ausfälle auftreten oder die Verkrümmung fortschreitet.

  • Dekompression: Bei Nervenwurzelkompression kann eine mikrochirurgische Dekompression durchgeführt werden, um den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
  • Korrekturspondylodese: Bei instabilen Skoliosen oder ausgeprägten Deformitäten kann eine Fusion mehrerer Wirbelsäulensegmente erforderlich sein, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Fehlstellung zu korrigieren. Dabei gilt: Die Länge der Fusionsstrecke sollte so kurz wie möglich und so lang wie nötig gehalten werden. Durchgesetzt haben sich dorsale Schrauben-Stab-Systeme, vor allem unter Verwendung interkorporeller Platzhalter aus Kunststoff oder Titan (Cages), welche die ursprüngliche Höhe und Neigung der Bandscheibe wiederherstellen und zu einer sekundären knöchernen „Fusion“ der beiden benachbarten Wirbel führen. Ein in diesem Falle übliches und häufig angewandtes Verfahren ist die sogenannte TLIF (Transforaminal Lumbar Interbody Fusion) oder PLIF (Posterior LumbarInterbody Fusion).

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