Tumorschmerzen sind ein komplexes Thema, das viele Krebspatienten betrifft. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen von tumorbedingten Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen und Rückenschmerzen, sowie über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist es, Betroffenen und ihren Angehörigen ein besseres Verständnis der Erkrankung zu vermitteln und ihnen zu helfen, die bestmögliche Versorgung zu erhalten.
Einführung
Krebserkrankungen können in verschiedenen Stadien Schmerzen verursachen. Diese Schmerzen können direkt durch den Tumor selbst, durch Metastasen oder als Nebenwirkung der Krebstherapie entstehen. Die Art, Häufigkeit und Stärke der Schmerzen sind individuell verschieden und hängen von der Krebsart, dem Stadium und der persönlichen Schmerzwahrnehmung ab. Es ist wichtig zu betonen, dass Schmerzen in den meisten Fällen gut behandelbar sind, wobei die Schmerztherapie stets auf die individuelle Situation des Patienten abgestimmt wird.
Ursachen von Tumorschmerzen
Tumorschmerzen lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:
- Tumorbedingter Schmerz: Dieser Schmerz wird direkt vom Tumor selbst oder seinen Metastasen verursacht.
- Tumorassoziierter Schmerz: Hierbei stehen die Schmerzen im Zusammenhang mit der Krebserkrankung, werden aber nicht direkt vom Tumor verursacht.
- Tumortherapiebedingter Schmerz: Diese Schmerzen entstehen als Nebenwirkung der Krebsbehandlung, beispielsweise nach einer Operation oder durch Chemotherapie.
- Tumorunabhängiger Schmerz: Diese Schmerzen stehen in keinem Zusammenhang mit der Krebserkrankung und können beispielsweise durch Migräne, Rheuma oder chronische Rückenschmerzen verursacht werden.
Tumorbedingte Schmerzen im Detail
Tumorbedingte Schmerzen sind die häufigste Ursache für behandlungsbedürftige Krebsschmerzen. Sie entstehen, wenn der Tumor oder seine Metastasen Druck auf umliegendes Gewebe, Nerven oder Organe ausüben.
Knochenschmerzen
Knochenschmerzen entstehen, wenn Knochentumoren oder Knochenmetastasen Druck auf die Schmerzrezeptoren der Knochenhäute ausüben oder Knochengewebe durch das Tumorwachstum zerstört wird. Dies kann zu kleineren oder größeren Knochenbrüchen führen. Betroffene bemerken diese Schmerzen oft zunächst nur bei körperlicher Belastung, sie können sich jedoch zu belastenden Dauerschmerzen entwickeln. Tumoren mit starker Metastasierung in das Skelettsystem verursachen häufiger Schmerzen als beispielsweise Lymphome oder Leukämie. Charakteristisch ist dies vor allem für Prostata-, Brust-, Lungen- und Darmkrebs.
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Weichteilschmerzen
Wächst ein Tumor in die Muskulatur oder das Bindegewebe ein, spüren die meisten Patienten zunächst ein dumpfes Druck- oder Spannungsgefühl. Daraus entwickelt sich dann oft ein Dauerschmerz, der eher unabhängig von Bewegungen auftritt, sich bei Belastung aber verstärken kann. Das schnelle Wachstum verursacht eine Schwellung im umliegenden Gewebe, denn die Tumoren üben mechanischen Druck aus und lösen so einen Schmerzreiz aus.
Organschmerzen, Kapselschmerzen
Verdrängt ein Tumor Organe oder dehnt er die bindegewebige Organhülle, können die meisten Betroffenen die entstehenden Schmerzen nicht genauer lokalisieren oder exakt benennen, wo es weh tut. Beschrieben werden solche Schmerzen tiefliegend, und allgemein oft als stechend oder auch drückend. Sogenannte Kapselschmerzen entstehen beispielsweise bei Lebertumoren und Lebermetastasen, weil der Tumor die feine Hülle um die Leber dehnt.
Hirntumoren und Kopfschmerzen
Hirntumoren oder Hirnmetastasen führen zum Beispiel zu Kopfschmerzen, die sich oft erst nach ein paar Tagen oder sogar Wochen durch ihre Intensität und Dauer von "normalen" Kopfschmerzen unterscheiden lassen.
Schmerzen in Bauch und Becken
Die Organe im Bauchraum liegen sehr eng beieinander. Daher können die Schmerzen auf mehrere Organe oder Gewebe im Bauch- und Beckenbereich ausstrahlen. Als sogenannte viszerale Schmerzen bezeichnen Fachleute Beschwerden, die im weitesten Sinn den Magen-Darm-Trakt und die Organe im Becken betreffen. Betroffene bezeichnen sie oft als dumpf und eher diffus, unter Umständen kommen Übelkeit und Erbrechen oder Schweißausbrüche hinzu. Verlegt ein wachsender Tumor nach und nach die Darmpassage, kann das zumindest anfangs zu eher unauffälligen Verdauungsbeschwerden oder Krämpfen führen. Nicht selten kommt es erst dann zu schweren und lebensbedrohlichen Beschwerden, wenn der Darm weitgehend verschlossen ist.
Nervenschmerzen oder neuropathische Schmerzen
Nervenschmerzen treten auf, wenn ein Tumor Nervengewebe einengt oder in dieses hineinwächst. Intensität und Qualität der Nervenschmerzen unterscheiden sich stark von Patientin zu Patient. Wie man als Betroffener den Schmerz wahrnimmt, hängt davon ab, ob der Tumor in kleine Nervenenden oder in ein größeres Nervengeflecht einwächst, oder ob er das Rückenmark schädigt. Allgemein beschreiben Betroffene Nervenschmerzen oft als brennend, elektrisierend oder stechend. Möglich ist aber auch Taubheit des betroffenen Bereichs, oder - im Gegenteil - eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Berührung, Wärme oder Kälte. Ist ein größeres Nervengeflecht betroffen, strahlt der Schmerz unter Umständen über den eigentlichen Tumor hinaus aus.
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Spinale Tumoren und Rückenschmerzen
Spinale Tumoren sind Geschwülste der Wirbelsäule. Sie können von den Wirbeln ausgehen (extradurale Tumoren) oder innerhalb der Rückenmarkshaut liegen (intradurale Tumoren). Bei den intraduralen Tumoren unterscheidet man Tumoren des Rückenmarkes (intramedulläre Tumoren) und extramedulläre Tumoren, die nicht vom Rückenmark entspringen. Die häufigsten Symptome eines spinalen Tumors sind Schmerzen und neurologische Störungen, wie z. B. Taubheitsgefühl, Kraftminderung, Blasen-Mastdarm-Störungen und Störungen der Sexualfunktionen. Das Ausmaß der Beschwerden hängt von der Lokalisation des Tumors ab: ein Tumor in der mittleren Brustwirbelsäule kann zu einer Lähmung der Beine führen; ein Tumor im Bereich der Halswirbelsäule kann zu Lähmungen der Arme und Beine führen. Da die Tumoren häufig langsam wachsen, entwickeln sich die Symptome schleichend und werden initial vom Patienten kaum bemerkt. Manchmal fällt zuerst den Angehörigen eine progrediente Gangunsicherheit auf. Tumoren der Wirbelkörper können zu einer Instabilität der Wirbelsäule führen. Spontanfrakturen ohne adäquates Trauma sind häufig. Durch die Fraktur oder Raumforderung kann es zu einer Querschnittssymptomatik kommen.
Die häufigsten extraduralen Tumoren sind Töchtergeschwülste (Metastasen) anderer Tumoren (80 %). Der Lungen-, Brust-, Nieren-, Prostata- und Krebs macht besonders häufig Wirbelsäulenmetastasen. Aber auch Plasmozytome, Lymphome, Sarkome, Osteome, Chordome und Chondrome können in der Wirbelsäule gefunden werden.
Die häufigsten intraduralen Tumoren sind Meningeome (Tumoren der Rückenmarkshaut) und Neurinome (Tumoren der Nervenwurzeln). Aber auch Ependymome und Lipome kommen vor. Rückenmarktumoren sind selten (ca. 2 % aller Tumoren des zentralen Nervensystems). Die häufigsten Tumoren sind Ependymome (ca. 45 %) und Astrozytome (ca. 35 %). Hämangioblastome machen ca. 10 % aus.
Diagnose von Tumorschmerzen
Die Diagnose von Tumorschmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt wird den Patienten gezielt nach den spezifischen Symptomen, die es bei der jeweiligen Schmerzart gibt, fragen. Wichtige Fragen sind:
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- Wo habe ich Schmerzen?
- Seit wann habe ich Schmerzen?
- Wie stark sind die Schmerzen?
- Wie fühlen sie sich an? Wie kann ich die Schmerzen beschreiben?
- Werden die Schmerzen schlimmer, wenn ich eine bestimmte Körperhaltung einnehme, etwa liege oder stehe?
- Wenn ich meine Lage verändere?
- Wenn ich mich bewege oder körperlich aktiv bin?
- Wenn ich esse oder trinke?
- Wenn ich Stuhlgang habe?
- Wenn das Wetter umschlägt oder die Temperatur sich ändert?
- Hatte ich schon vor der Krebserkrankung chronische Schmerzen, etwa Kopf-, Rücken-, Gelenk- oder Bauchschmerzen? Haben sich diese Schmerzen in letzter Zeit verändert?
- Hängen die Schmerzen mit der Behandlung zusammen, treten sie beispielsweise direkt nach einer Therapie auf?
- Oder handelt es sich um Schmerzen, deren Ursache ich nicht zuordnen kann?
Um Schmerzen genauer zu beschreiben, kann ein Schmerztagebuch helfen. Fachleute haben deshalb verschiedene Verfahren entwickelt, um Schmerzart und Schmerzstärke genau zu erfassen. Der Fachbegriff dafür lautet "Schmerz-Assessment". Das Schmerz-Assessment spielt besonders in der Palliativversorgung von Krebserkrankten eine Rolle, also dann, wenn Krebs nicht mehr heilbar ist. Ziel ist in einer solchen Situation, für eine gute Lebensqualität der Betroffenen zu sorgen. Darunter fällt beispielsweise eine gute und individuell ausgerichtete Schmerztherapie.
Beispiele für Assessment-Instrumente, die die Schmerzintensität beschreiben:
- Numerische Skalen, in denen Betroffene selbst angeben können, wie stark der Schmerz ist: Auf einer Zahlenskala steht etwa 1 für "schmerzfrei" und 10 für "unerträgliche Schmerzen".
- Umschreibende Skalen: Sie ermöglichen, dass Betroffene die Schmerzen in Worten beschreiben können, beispielsweise als keine, leichte, mäßige, starke, sehr starke und unerträgliche Schmerzen.
- Gesichterskalen mit schematischen Gesichtsausdrücken in Abstufungen von fröhlich bis traurig: Insbesondere Kindern oder älteren Menschen kann es mit diesen Skalen leichter fallen, die Intensität ihres Schmerzes zu beschreiben.
Mit dabei ist oft eine Körperzeichnung, mit denen Patientinnen und Patienten angeben können, wo die Schmerzen im Körper auftreten. Neben der Schmerzintensität ist auch die Beschreibung der Schmerzqualität wichtig - also wie fühlt sich der Schmerz an? Und ändert er sich im Verlauf?
Auch bei Schwerkranken, die sich nicht mehr selbst äußern können, ist das sogenannte Schmerz-Assessment nicht einfach. Mit einiger Aufmerksamkeit können Angehörige, Ärzte und Pflegefachleute aber trotzdem erkennen, ob ein Krebspatient unter Schmerzen leidet: Blick und Gesichtsausdruck sind wichtig. Unruhe, Stöhnen und Schwitzen können Hinweise auf Schmerzen sein. Achten sollte man auch auf die Reaktion auf Berührung oder auf Lagewechsel, oder das Verhalten während der Körperpflege. Zeigt der Patient auffallende Schonhaltungen, oder bewegt er sich anders als bisher? Beides deutet unter Umständen ebenfalls darauf hin, dass Schmerzen ein Problem sind. Fachleute achten außerdem auf weitere Faktoren, die sich konkret messen lassen: Dazu gehören Veränderungen der Pulsfrequenz sowie auffällige Veränderungen des Blutdrucks, etwa beim Umbetten oder beim Abtasten.
Bildgebende Verfahren
Zur weiteren Abklärung können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden. Insbesondere bei Verdacht auf einen spinalen Tumor ist die Magnetresonanztomographie (MRT) die Methode der Wahl, um eine Kompression des Rückenmarkes oder der Nervenfasern zu beurteilen.
Behandlung von Tumorschmerzen
Die Behandlung von Tumorschmerzen richtet sich nach der Ursache, Art und Stärke der Schmerzen sowie nach dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.
Medikamentöse Schmerztherapie
Die medikamentöse Schmerztherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Tumorschmerzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für die medikamentöse Behandlung von Tumorschmerzen eine Leitlinie entwickelt, das sogenannte Stufenschema. Dieses Schema ist international die Grundlage für eine individuell angepasste Schmerztherapie bei erwachsenen Krebserkrankten: Für jede Schmerzstufe (schwach, mittelstark, stark) werden dabei ganz bestimmte Medikamente empfohlen.
Stufe 1: Bei leichten Tumorschmerzen erhält man zunächst nicht-opioide Schmerzmittel, also nichtsteroidale Antirheumatika und vergleichbare Medikamente wie Metamizol. Dazu zählen Schmerzmittel, die fast jeder auch unabhängig von einer Krebserkrankung schon einmal verwendet hat. Einige dieser Schmerzmittel sind frei verkäuflich. Andere müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden. Keines dieser Arzneimittel fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Das sind Arzneimittel, die entzündungshemmend, fiebersenkend und schmerzlindernd wirken. Dazu gehören beispielsweise Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac und die Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin").
- Metamizol und Paracetamol: Diese Stoffe wirken ebenfalls schmerzlindernd, aber in geringerem Maß entzündungshemmend. Metamizol ist außerdem krampflösend. Beide Arzneimittel haben einen anderen Wirkmechanismus als NSAR.
Stufe 2: Bei mittelstarken Tumorschmerzen setzen Ärzte schwache opioide Schmerzmittel ein. Das sind beispielsweise Tramadol, die Kombination Tilidin/Naloxon oder Oxycodon und Morphin in niedrigen Dosierungen.
Stufe 3: Bei starken Tumorschmerzen kommen starke Opioide infrage. Beispiele sind die vergleichbar stark wirkendenden Schmerzmittel Oxycodon, Morphin und Hydromorphon in höheren Dosierungen.
Reicht eine Stufe der Schmerzbehandlung nicht aus, wird die nächst höhere gewählt. Bei Bedarf können die Stufen 2 und 3 mit Stufe 1-Medikamenten kombiniert werden. Ist die alleinige Behandlung mit Schmerzmitteln nicht ausreichend wirksam? Dann wird die Ärztin oder der Arzt weitere Medikamente (sogenannte Koanalgetika) oder weitere Maßnahmen empfehen. Diese ergänzenden Behandlungen sind in allen 3 Behandlungsstufen möglich.
Wenn es geht, nehmen Betroffene opioide Schmerzmedikamente "oral" über den Mund ein, beispielsweise als Tabletten, Kapseln oder Tropfen. Ist das nicht möglich - etwa, weil Betroffene nicht schlucken können oder anhaltend erbrechen - gibt es Alternativen. Alternative: Schmerzpflaster - Die Opioide Fentanyl und Buprenorphin kann man über ein sogenanntes Schmerzpflaster erhalten. Diese geben ihren Wirkstoff über mehrere Tage über die Haut ab.
Ergänzende Medikamente zur Schmerzlinderung: Koanalgetika
Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) sind mit Opioiden nicht gut behandelbar. Hier haben sich Medikamente als wirksam erwiesen, die sonst zur Behandlung von Depression eingesetzt werden (Antidepressiva) oder die gegen Krampfanfälle wirken (Antiepileptika).
Schmerzen bei Knochenmetastasen lassen sich sehr gut mit Bisphosphonaten oder dem zielgerichteten Antikörper Denosumab lindern. Sie greifen in den Knochenstoffwechsel ein.
Kortikosteroide mit ihrer abschwellenden Wirkung können bei Schmerzen helfen, die durch Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe aufgrund von Entzündungsreaktionen verursacht werden.
Krampflösende oder muskelentspannende Medikamente, sogenannte Muskelrelaxanzien, sind ebenfalls wichtige Koanalgetika: Sie helfen je nach Schmerzursache gegen Muskelschmerzen, kolikartige Magen-Darm-Beschwerden oder Schmerzen in den Harn- oder Gallenwegen.
Angst, Sorgen und Schlaflosigkeit können Schmerzen verstärken, und stärkere Schmerzen machen ihrerseits Angst und können Schlafstörungen hervorrufen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, können Medikamente sinnvoll sein, die stimmungsaufhellend, angstlösend oder schlafregulierend wirken.
Was tun bei Durchbruchschmerzen?
Durchbruchschmerzen sind plötzliche, starke Schmerzen, die Patientinnen und Patienten erleben können, selbst wenn ihre übliche Schmerzbehandlung die meiste Zeit über gut funktioniert. Diese Schmerzen können ohne jede Vorwarnung auftreten oder durch alltägliche Handlungen wie Bewegen, Lachen oder Husten ausgelöst werden. Zur Behandlung von Durchbruchschmerzen stehen neue Entwicklungen schnell anflutender Opioide zur Verfügung. Wichtig ist, dass Tumorschmerzpatienten neben der „Dauermedikation“ mit einem Verzögerungs-Opioid bei Schmerzspitzen zusätzlich eine Bedarfsmedikation mit einem schnell den Wirkstoff freisetzenden Präparat verschrieben bekommen.
Nebenwirkungen der Schmerztherapie
Nicht-opiode Schmerzmittel können bei hoher Dosierung oder längerfristiger Anwendung zu Nebenwirkungen führen, die auch schwer verlaufen können. Beispiele:
- Acetylsalicylsäure (ASS) birgt vor allem ein gesteigertes Blutungsrisiko.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zu Magenproblemen wie beispielsweise Sodbrennen, Bauchschmerzen oder Übelkeit führen. Sehr selten bis selten kann es zu einer entzündeten Magenschleimhaut oder einem Magengeschwür kommen. Zur Vorbeugung dieser Beschwerden kann die Ärztin oder der Arzt ein "Magenschutzmittel" verordnen. Auch neuere Arzneimittel aus der Gruppe der NSAR sind nicht ganz ohne Risiko: Beobachtet wurde ein Ansteigen des Thrombose- und Herzinfarktrisikos, vor allem bei Menschen, die wegen anderen Erkrankungen von vornherein gefährdet waren.
- Die Schmerzmittel Metamizol und Paracetamol haben vergleichsweise wenige Nebenwirkungen. Paracetamol kann allerdings in höherer Dosierung Leberschäden verursachen. Selten verursacht Metamizol einen Rückgang der weißen Blutkörperchen. Blutdruckabfall und allergische Reaktionen sind ebenfalls selten, aber möglich.
Stark wirksame Opioide sind im Gegensatz zu frei verkäuflichen Schmerzmedikamenten auch bei längerfristiger Einnahme nicht schädlich für die inneren Organe und verursachen keine gefährlichen Magen-Darm-Blutungen. Sie haben andere Nebenwirkungen. So können in der Anfangszeit Übelkeit und Schwindel auftreten, die meist nach wenigen Tagen wieder nachlassen bzw. durch Gabe entsprechender Medikamente gut behandelt werden können. Bei älteren Patienten kann es aber zu Stürzen kommen. Eine meist dauerhafte Nebenwirkung der Opioid-Therapie ist die Verstopfung (Obstipation). Das macht die gleichzeitige und auch dauerhafte Gabe von Abführmitteln erforderlich.
Operation
Bei den meisten spinalen Tumoren ist die Operation die Therapie der Wahl. Die Operation dient der Entlastung des Rückenmarkes bzw. der Nervenwurzeln und / oder der Stabilisierung der Wirbelsäule. Handelt es sich um gutartige Tumoren, kann bei vollständiger Tumorentfernung eine Heilung erzielt werden. Bei malignen Tumoren, wie z. B. Metastasen erfolgt nach der Operation immer eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie. Ziel der Operation ist die Dekompression des Rückenmarkes bzw. der Nervenwurzeln sowie die Stabilisierung der Wirbelsäule.
Da diese Tumoren fast immer gutartig sind, ist die komplette Tumorentfernung Ziel der Operation. Eine Strahlentherapie ist nicht sinnvoll, da zum einem die Tumoren nicht strahlensensibel sind und zum anderen das Rückenmark bei hoher Strahlendosis geschädigt wird.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Neben der medikamentösen Therapie und der Operation gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten, die zur Linderung von Tumorschmerzen eingesetzt werden können:
- Bestrahlung: Bei Tumoren, die auf Nerven oder Organe drücken, kann eine Bestrahlung helfen, den Tumor zu verkleinern und den Druck zu reduzieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen.
- Psychologische Betreuung: Psychologische Betreuung kann helfen, mit den Schmerzen und den emotionalen Belastungen der Krebserkrankung umzugehen.
- Alternative Therapien: Einige Patienten finden Linderung durch alternative Therapien wie Akupunktur, Massage oder Yoga.
Was können Patienten selbst tun?
Neben der ärztlichen Behandlung können Patienten auch selbst aktiv werden, um ihre Schmerzen zu lindern:
- Regelmäßige Bewegung: Leichte körperliche Aktivität kann helfen, die Durchblutung zu fördern und Muskelverspannungen zu lösen.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, das Immunsystem zu stärken und den Körper bei der Heilung zu unterstützen.
- Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Krebspatienten kann helfen, sich verstanden zu fühlen und neue Strategien zur Schmerzbewältigung zu erlernen.
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