Effektive Übungen zur Linderung und Vorbeugung von Krämpfen

Muskelkrämpfe, insbesondere in der Wade, können äußerst schmerzhaft und unangenehm sein. Sie treten häufig nachts auf, sind meist harmlos und äußern sich durch ein leichtes Ziehen. In diesem Artikel werden verschiedene Übungen und Maßnahmen vorgestellt, die helfen können, Krämpfe zu lindern und vorzubeugen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Muskelkrämpfe ein weit verbreitetes Phänomen sind, das viele Menschen betrifft, und dass es effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Ursachen und Diagnose von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe entstehen durch hochfrequente Entladungsserien der motorischen Einheiten. Dies deutet auf eine neurogene Übererregbarkeit hin. Auch spinale Faktoren, wie der Wegfall inhibitorischer Einflüsse an den Vorderhornzellen, scheinen eine Rolle zu spielen.

Schmerzhafte Muskelkrämpfe können durch körperliche Belastung, Dehydration und Elektrolytverlust begünstigt werden. Muskelkrämpfe können spontan auftreten oder im Zusammenhang mit neurologischen oder internistischen Erkrankungen stehen.

Die Anamnese ist entscheidend für die Diagnose. Differenzialdiagnostisch sollte an das Restless-Legs-Syndrom (RLS) gedacht werden. Die Lokalisation der Krämpfe ist ebenfalls wichtig. Treten sie häufig am Rumpf, den Armen oder den Oberschenkeln auf, sollte eine neurologische Untersuchung erfolgen. Eine vollständige Medikamentenanamnese ist unerlässlich, da zahlreiche Medikamente Muskelkrämpfe begünstigen können.

Sofortmaßnahmen bei akuten Krämpfen

Bei einem akuten Krampf ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten. Hier sind einige Sofortmaßnahmen, die helfen können, den Krampf zu lösen:

Lesen Sie auch: Periode und Sport: Übungen zur Schmerzlinderung

  1. Dehnen Sie den betroffenen Muskel: Stellen Sie sich hinter einen Stuhl und platzieren Sie zwei mittelgroße Keile auf dem Boden. Dadurch erreichen Sie eine Dehnung in der oberen Wade. Um die Dehnung zu steigern, können Sie sich mit dem Becken langsam nach vorne bewegen.
  2. Wadenmuskulatur dehnen: Stellen Sie sich mit nach vorn ausgestreckten Armen vor eine Wand und stützen Sie sich mit den Händen daran ab. Strecken Sie in Schrittstellung das Bein mit der verkrampften Wade nach hinten durch und drücken Sie die Ferse auf den Boden. Winkeln Sie das andere Bein leicht an.
  3. Zehen zum Schienbein ziehen: Als Sofortmaßnahme bei einem Krampf reicht es meist, den Muskel zu massieren und langsam und vorsichtig zu dehnen. Am einfachsten gelingt dies, wenn Sie die Zehen - eventuell mithilfe der Hand - in Richtung Schienbein ziehen und die Position für einige Sekunden halten.
  4. Ausschütteln und Gehen: Das Ausschütteln der Beine und vorsichtiges Gehen können einen Krampf im Bein ebenfalls lindern.
  5. Wärme: Ebenfalls hilfreich können eine warme Dusche oder eine auf die betroffene Stelle gelegte Wärmflasche sein, da beides die Muskulatur entspannt.

Übungen zur Vorbeugung von Krämpfen

Regelmäßige Übungen und Dehnungen können helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen. Hier sind einige effektive Übungen:

  1. Waden-Dehnung mit Fuß: Greifen Sie mit der linken Hand Ihren rechten Fuß. Jeder Muskel hat bestimmte Gegenspieler, um Ihre Gelenke vielseitig zu bewegen. Mit dieser Übung dehnen Sie die Gegenspieler Ihrer Wade und entspannen somit indirekt die Wadenmuskulatur selbst.
  2. Dehnung der Wadenmuskulatur: Stellen Sie sich hinter einen Stuhl. Beugen Sie Ihre Knie ein wenig und gehen Sie mit Ihrem Becken leicht nach vorne, sodass Ihr Schwerpunkt über den Knien liegt.
  3. Dehnübung im Sitzen: Setzen Sie sich gerade hin, strecken Sie die Beine aus und stützen Sie sich mit den Händen ab. Ziehen Sie die Fußspitze des betroffenen Beins nach oben in Richtung Knie und bewegen Sie die Ferse weg vom Körper. Wer die Übung variieren möchte, kann zusätzlich das Knie anwinkeln und mit der Hand die Zehen zu sich heranziehen.
  4. Dehnübung auf der Treppe: Stellen Sie sich auf eine Treppenstufe. Setzen Sie den Fuß des betroffenen Beins auf die Kante der Treppenstufe und senken Sie die Ferse bis auf den Boden ab. Beugen Sie dann Ihren Oberkörper nach vorn und winkeln Sie das Knie des Standbeins an. Stützen Sie sich zusätzlich mit dem Arm am angewinkelten Bein ab.
  5. Fußgymnastik:
    • Stellen Sie sich zuerst aufrecht hin und finden Sie Ihr Gleichgewicht. Verlagern Sie Ihr Körpergewicht auf die Fersen, dann krümmen Sie ihre Zehen nach unten. Strecken Sie sie wieder und wiederholen das 10 Mal.
    • Stellen Sie einen Fuß auf ein auf dem Boden liegendes Handtuch. Ziehen Sie am Handtuch, indem sie mit den Zehen danach greifen. Fünfmal wiederholen, dann kommt der andere Fuß dran.
    • Setzen Sie sich auf einen Sessel oder Hocker und reiben Sie mit der Sohle des einen Fußes das andere Schienbein, angefangen am Knie bis hinunter zum Knöchel und wieder zurück. 20 Mal wiederholen.
    • Rollen Sie zwei Minuten lang einen Ball unter dem Fußballen hin und her.
    • Legen Sie sich auf den Boden und legen Sie ein Bein auf ein Polster, das sich auf Höhe Ihrer Wade befindet. Drehen Sie den Fuß 10 Mal im Uhrzeigersinn und dann gegen den Uhrzeigersinn.
    • Fangen Sie mit derselben Position wie bei Schritt 5 an und stellen Sie sich vor, Ihr großer Zeh sei ein Stift. "Schreiben" Sie Zahlen von 1 bis 10.
    • Ausgehend von der Anfangsposition von Übung 5 halten Sie Ihren Fuß in vertikaler Position (Zehen nach oben, Ferse nach unten). Beugen Sie den Knöchel, zeigen Sie mit den Zehen zu sich hin, dann in die entgegengesetzte Richtung.
    • Legen Sie 10 kleine (nicht scharfkantige) Gegenstände auf den Boden und daneben einen Behälter (Murmeln sind perfekt, es geht aber auch mit Münzen). Greifen Sie jeden Gegenstand einzeln mit den Zehen und lassen Sie ihn in den Behälter fallen.

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung

Neben den Übungen gibt es weitere Maßnahmen, die helfen können, Krämpfen vorzubeugen:

  1. Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend, mindestens anderthalb bis zwei Liter pro Tag - insbesondere nach dem Sport, nach körperlicher Arbeit und an warmen Tagen.
  2. Mineralstoffhaushalt ausgleichen: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und nehmen Sie ausreichend Magnesium zu sich. Vor allem Nüsse, Spinat und Bananen enthalten viel Magnesium.
  3. Alkohol und Koffein meiden: Meiden Sie Alkohol und Koffein, da diese den Elektrolythaushalt durcheinander bringen können.
  4. Schuhwerk überprüfen: Achten Sie auf bequemes Schuhwerk, das den Fuß nicht in eine Fehlstellung zwingt.
  5. Stress reduzieren: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und reduzieren Sie Stress, da psychische Anspannung Muskelkrämpfe begünstigen kann.
  6. Regelmäßige Bewegung: Wer wenig Sport treibt und viel sitzt, tut seinen Waden keinen Gefallen. Wie alle Muskeln Ihres Körpers ist auch dieser mächtige Wadenmuskel für seine Vitalität darauf angewiesen, dass Sie ihn vielfältig bewegen und dehnen.
  7. Faszien-Rollmassage: Zusätzlich können Sie das verhärtete Gewebe mit einer einfachen Faszien-Rollmassage für die Wade gezielt massieren und entspannen.

Medikamentöse Behandlung

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Hier sind einige Optionen:

  1. Magnesium: Ein günstiges Nebenwirkungsprofil hat die Gabe von Magnesium. Obwohl die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist, kann Magnesium deshalb versuchsweise genommen werden. Bei Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft hat sich Magnesium dagegen vielfach bewährt, zumal der Magnesiumbedarf vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel ansteigt. Organische Verbindungen wie Magnesium-Aspartat, -Orotat oder -Citrat werden vom Körper besonders gut aufgenommen.
  2. Chinin: Belegt ist außerdem die Wirksamkeit einer Behandlung mit 200 bis 400 Milligramm Chininsulfat oder Hydrochinin zur Nacht. In seltenen Fällen können jedoch Störungen der Blutgerinnung und andere schwere Nebenwirkungen auftreten. Daher wird Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt Chinin nur bei sehr schweren Krämpfen verschreiben. Die Gabe von Chinin zur vorbeugenden Behandlung von schmerzhaften Muskelkrämpfen ist etabliert und durch Studien belegt. Insofern wird diese Therapie auch in der aktuellen neurologischen Leitlinie empfohlen.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten Sie dagegen bei hartnäckigen Beinkrämpfen, die längere Zeit andauern oder häufig wiederkehren, ohne dass ein offensichtlicher Grund, wie eine starke körperliche Belastung, vorliegt. Auch sollten Sie nicht zögern, in die Arztpraxis zu gehen, wenn Muskelkrämpfe Sie in Ihrem Alltag beeinträchtigen. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie dann untersuchen und, wenn nötig, eine Blut- oder Urinuntersuchung veranlassen, um mögliche Erkrankungen, beispielsweise der Leber oder der Nieren, aufzudecken. Sollte es zu einer deutlichen Häufung der Muskelkrämpfe kommen oder diese in ungewöhnlichen Körperregionen außerhalb von Waden und Füßen auftreten, kann auch eine Vorstellung bei einer Neurologin oder einem Neurologen sinnvoll sein.

Wichtig: Schmerzen in der Wade hängen nicht immer mit Muskelkrämpfen zusammen. Sie können auch bei Gefäß-Erkrankungen wie einer tiefen Beinvenenthrombose oder Durchblutungsstörungen auftreten.

Lesen Sie auch: Was hilft gegen Fußkrämpfe?

Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden

tags: #ubungen #gegen #krampfe