Umgang mit Demenz: Eine Präsentation für Betroffene, Angehörige und Pflegekräfte

Demenz stellt eine erhebliche Herausforderung dar, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen, Freunde und professionellen Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Umgang mit Demenz, basierend auf dem Konzept der personenzentrierten Pflege und den Erfahrungen mit dem Expertenstandard in der Praxis.

Einführung in die Demenz

Die Diagnose Demenz ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen erschütternd und wirft viele Fragen auf. Es ist wichtig, sich intensiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, um neue Möglichkeiten zu entdecken, die den Alltag erleichtern. Beratungsangebote wie Demenzsprechstunden, Schulungskurse, Selbsthilfegruppen und Pflegestützpunkte stehen zur Verfügung, um Unterstützung zu bieten.

Was ist Demenz?

Demenz ist ein Syndrom, das durch den Verlust kognitiver Funktionen (z. B. Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung, Sprache) gekennzeichnet ist und die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, beeinträchtigt. Es gibt verschiedene Ursachen für Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist.

Alzheimer-Demenz

Als häufigste Ursache einer Demenz gilt in den westlichen Ländern die Alzheimer-Krankheit. Erste Veränderungen im Gehirn können schon bis zu 25 Jahre vor den ersten Alzheimer-Symptomen auftreten. Die Ursachen hierfür sind bislang nicht eindeutig geklärt und Gegenstand der Forschung. Die Alzheimer-Krankheit verläuft in vier Stadien, die mit einer leichten kognitiven Störung beginnen. Der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung vom ersten bis zum letzten Stadium kann bis zu 20 Jahre umfassen. Bei den meisten Betroffenen verschlechtert sich der Zustand stetig. Es kann aber auch vorkommen, dass die Krankheit scheinbar akut beginnt oder einen wechselhaften Verlauf mit Verschlechterungen und Verbesserungen nimmt.

Lewy-Körperchen-Demenz

Neben der Alzheimer Krankheit gibt es weitere Ursachen für eine Demenzerkrankung wie z.B. die Lewy-Körperchen-Demenz. Die Lewy-Körperchen-Demenz ist deutlich seltener als die Alzheimer Demenz. Die Patientinnen und Patienten werden weniger durch eine Gedächtnisstörung als durch starke Schwankungen ihrer Wachheit, gelegentliche Sinnestäuschungen (vor allem visuelle Halluzinationen), Stürze oder Bewegungsstörungen wie bei der Parkinson-Krankheit beeinträchtigt.

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Personenzentrierte Pflege als Schlüssel zum Umgang mit Demenz

In der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz geht es um eine veränderte Perspektive, eine andere Haltung und bewusstes, empathisches Interagieren: weg von der funktionalen Ausrichtung hin zum Erhalt und zur Stärkung der Person. Menschen mit Demenz verlieren immer mehr Kompetenzen, wodurch ihr Identitätsgefüge aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Damit sich Pflegekräfte besser in diese Situation einfühlen können, hat Barbara Klee-Reiter das Demenz-Balance-Modell erarbeitet.

Der Expertenstandard "Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz"

Der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ wurde durch das Deutsche Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP) in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat und mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit entwickelt. Er zielt darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz durch personenzentrierte Interaktions- und Kommunikationsangebote zu erhalten und zu fördern.

Leistungsniveau gemäß Expertenstandard:

  • Beziehungen zählen zu den wesentlichen Faktoren, die aus Sicht von Menschen mit Demenz Lebensqualität konstituieren und beeinflussen.
  • Durch person-zentrierte Interaktions- und Kommunikationsangebote kann die Beziehung zwischen Menschen mit Demenz und Pflegenden sowie anderen Menschen in ihrem sozialen Umfeld erhalten und gefördert werden.

Kernaussagen des Expertenstandards:

  • Die Pflegefachkraft hat das Wissen und die Kompetenz, Menschen mit Demenz zu identifizieren und damit einhergehende Unterstützungsbedarfe in der Beziehungsgestaltung fachlich einzuschätzen.
  • Die Einrichtung fördert und unterstützt eine person-zentrierte Haltung für eine die Beziehung fördernde und -gestaltende Pflege von Menschen mit Demenz sowie ihren Angehörigen und sorgt für eine person-zentrierte Pflegeorganisation.
  • Die Pflegefachkraft plant auf Basis einer Verstehenshypothese unter Einbeziehung des Menschen mit Demenz und seiner Angehörigen sowie den beteiligten Berufsgruppen individuell angepasste beziehungsfördernde und -gestaltende Maßnahmen.
  • Eine person-zentrierte, die identifizierten Unterstützungsbedarfe und mögliche fluktuierende Zustände berücksichtigende Maßnahmenplanung liegt vor und ist allen an der Pflege des Menschen mit Demenz beteiligten Personen bekannt.
  • Die Angehörigen des Menschen mit Demenz kennen die Notwendigkeit und Bedeutung beziehungsfördernder und -gestaltender Maßnahmen.
  • Die Pflegefachkraft kennt beziehungsfördernde und -gestaltende Angebote und ist in der Lage, die Pflege von Menschen mit Demenz darauf auszurichten.
  • Die Pflegefachkraft gewährleistet und koordiniert das Angebot sowie die Durchführung von beziehungsfördernden und -gestaltenden Maßnahmen.
  • Die Pflegefachkraft überprüft laufend die Wirksamkeit der beziehungsfördernden und -gestaltenden Maßnahmen.
  • Der Mensch mit Demenz zeigt Anzeichen für den Erhalt und die Förderung seines Gefühls, gehört, verstanden und angenommen zu werden sowie mit anderen Personen verbunden zu sein.

Erfassung von Unterstützungsbedarfen:

  • Die Pflegefachkraft erfasst zu Beginn des pflegerischen Auftrags sowie anlassbezogen, schrittweise und unter Einbeziehung der Angehörigen bzw. anderer Berufsgruppen kriteriengestützt mit der Demenz einhergehende Unterstützungsbedarfe in der Beziehungsgestaltung, deren Auswirkungen auf seine Lebens- und Alltagswelt sowie Vorlieben und Kompetenzen des Menschen mit Demenz.
  • Die Pflegedokumentation enthält, der Dauer und dem Anlass des pflegerischen Auftrags entsprechend, systematische und konkretisierende Hinweise auf mit der Demenz einhergehende Unterstützungsbedarfe in der Beziehungsgestaltung.

Die "Verstehenshypothese":

  • Wie erlebt die Person sich selbst, andere Menschen, ihre Welt?
  • Aus welchem Denken, Fühlen, Erleben heraus ergeben die Verhaltensweisen, Befindlichkeiten und Erscheinungsweisen einen subjektiven Sinn?

Herausforderungen und Lösungsansätze im Alltag mit Demenz

Die häusliche Pflege und die mit dem Krankheitsbild verbundenen Auswirkungen auf die geistigen und teilweise auch körperlichen Fähigkeiten des Betroffenen stellen die pflegenden Angehörigen vor große Herausforderungen. Im Umgang mit Demenzkranken ist vor allem das Verstehen sehr wichtig. Immer wieder sollten sich Angehörige vor Augen führen, in welcher Situation sich die Betroffenen befinden. Dafür ist es wichtig, sich gut über das Krankheitsbild zu informieren.

Kommunikation und Interaktion

Menschen mit Demenz, insbesondere mit der Alzheimer-Krankheit, haben zunehmend Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern und Gesprächen zu folgen.

Tipps für die Kommunikation:

  • Sprechen Sie deshalb langsam und deutlich, verwenden Sie einfache Sätze und vermeiden Sie komplizierte Begriffe.
  • Auch wenn Alltagsgespräche irgendwann unmöglich werden, bleibt der Austausch wichtig.
  • Am einfachsten ist es, sich an bereits vertraute Abläufe zu halten, wie zum Beispiel Aufstehen, Frühstücken, Anziehen oder Duschen. Diese Routinen geben der erkrankten Person Sicherheit und Vertrautheit.
  • Versuchen Sie, möglichst täglich Aktivitäten einzubauen, die gut tun, wie zum Beispiel gemeinsame Spaziergänge oder Zeit für soziale Kontakte oder Hobbys.
  • Aktivitäten, die Angst auslösen könnten, sollten behutsam und in kleinen Schritten vorbereitet werden. So behält die erkrankte Person die Übersicht über die Situation, und Angst und Panik entstehen weniger schnell.

Gestaltung des Alltags

Bei einer Demenz geht nach und nach das Zeitgefühl verloren: Wochentage geraten durcheinander, Tag und Nacht lassen sich schwer unterscheiden. Auch die Schlafqualität leidet - viele Erkrankte schlafen kürzer, wachen öfter auf und sind tagsüber erschöpft.

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Tipps für die Gestaltung des Alltags:

  • Eine klare Tagesstruktur kann helfen, Orientierung zu geben: Tageslicht, frische Luft und feste Abläufe am Tag, Ruhe und gedimmtes Licht am Abend.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr, um Orientierung zu geben.
  • Vermeiden Sie Sinnesüberlastung: Laute Wassergeräusche, helles Licht oder intensive Düfte von Pflegeprodukten können ebenfalls Stress auslösen.

Ernährung

Eine Demenzerkrankung kann das Ess- und Trinkverhalten deutlich verändern. Manche Menschen vergessen zu essen und nehmen deshalb nicht ausreichend Nahrung zu sich. Andere wiederum essen scheinbar ohne Hemmungen - oft bevorzugt Süßes. Auch das Gefühl für Hunger und Durst nimmt ab, wodurch das Risiko für Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel steigt. Im späteren Verlauf treten häufig Koordinationsprobleme sowie Kau- oder Schluckbeschwerden auf.

Unterstützung bei der Körperpflege

Menschen mit Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen brauchen häufig mehr Zeit zum Anziehen. Sie tun sich schwer, sich Kleidung herauszusuchen oder wählen die falsche Kleidung für Wetter und Jahreszeit. Ermutigen Sie die oder den Erkrankten dennoch immer, sich selbst morgens anzuziehen.

Tipps für die Unterstützung bei der Körperpflege:

  • Halten Sie das Angebot klein, also lieber weniger Kleidung, dafür welche, leicht kombinierbar ist.
  • Bringen Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag, denn mehr Aktivität bedeutet mehr Wohlbefinden, wirkt glückssteigernd und fitnessfördernd! Das Alltagstrainigsprogramm (ATP) mit leicht umzusetzenden Tipps und Anregungen motiviert.

Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten

Häufig entwickeln sich durch eine Demenz Verhaltensweisen, die für die Angehörigen schwierig sind: Zum Beispiel stellen Menschen mit Demenz häufig immer wieder die gleichen Fragen, sie werden vielleicht misstrauisch, sehen Dinge oder Menschen, die nicht da sind oder reagieren aggressiv. Das liegt oft daran, dass sie Handlungen und Situationen nicht mehr verstehen. Sie finden sich in ihrer Umgebung nicht mehr zurecht und können sich immer weniger verständigen. Angehörige und Pflegende können Konflikte oftmals durch ihr Verhalten und einer angepassten Kommunikation vermeiden.

Autofahren und Demenz

Selbstständiges Autofahren bedeutet für viele Menschen Unabhängigkeit und die Chance, an vielerlei Aktivitäten teilhaben zu können. Eine Demenzerkrankung beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit zunehmend. Doch die Betroffenen wollen auf diese Form der Mobilität oft nicht verzichten. Es ist wichtig, hier Lösungswege zu finden, die die Sicherheit aller Beteiligten gewährleisten.

Gewalt in der Pflege verhindern

Sachliche Aufklärung ist eine wichtige Voraussetzung, um Gewalt in der Pflege vorzubeugen.

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Entlastung für pflegende Angehörige

Versorgende Angehörige eines Menschen mit einer Demenzerkrankung leisten eine seelisch wie körperlich schwierige und belastende Arbeit die höchsten Respekt verdient, aber leider von Außenstehenden oft unterschätzt wird und die Anerkennung dafür bleibt aus. Auch Ihre erkrankten Angehörigen können Ihnen in der Regel nicht mehr die Wertschätzung dafür entgegenbringen. Dabei gehen die Angehörigen oft einen langen Weg der Aufopferung, des Abschieds, der Überforderung und oftmals steht man Alltagssituationen mit absoluter Hilflosigkeit gegenüber.

Es ist gut und richtig, füreinander da zu sein. Doch niemand verlangt von Pflegenden, dass sie sich selbst aufgeben. Um selbst gesund zu bleiben, sollten sie von Verwandten, Freunden, Nachbarn und professionellen Pflegekräften Hilfe einfordern. Vielen Betroffenen und Angehörigen fällt es deshalb schwer, sich frühzeitig um adäquate Unterstützung zu kümmern und vor allem Hilfe zulassen.

Möglichkeiten der Entlastung:

  • Schulungskurse für Angehörige
  • Ehrenamtliche Angebote zur Unterstützung im Alltag
  • Angebote zur Tagespflege
  • Kurzzeitpflege
  • Pflegeheime

Es ist wichtig, rechtzeitig auch den Gedanken zuzulassen, dass die Pflege nicht mehr allein bewältigt werden kann und ein Umzug ins Pflegeheim der richtige Weg ist. Gut vorbereitet kann es ein Segen für beide sei und wieder Lebensqualität und Lebensfreude zurückbringen.

Hilfreiche Ressourcen

Es gibt eine Vielzahl von Ressourcen, die Betroffenen, Angehörigen und Pflegekräften helfen können, den Alltag mit Demenz besser zu bewältigen.

Online-Ressourcen:

  • Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet umfangreiche Informationen und Unterstützung.
  • Das Informationsportal Pflege der Universität bietet ebenfalls wertvolle Informationen.
  • Der AOK Pflegecoach und Demenzworld bieten e-Learning Module mit Filmbeispielen um die veränderten Verhaltensweisen besser zu verstehen.

Apps:

  • Die App der Deutschen Alzheimer Gesellschaft „Alzheimer & YOU - den Alltag aktiv gestalten“ bietet Angehörigen von Menschen mit Demenz Anregungen zur Alltagsgestaltung.

Lernvideos:

  • Lernvideos zum Thema Demenz können eine wertvolle Ergänzung zu Schulungskursen sein.

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