Dieses Werk befasst sich mit den Erfahrungen von Menschen, die mit Hirntumoren konfrontiert sind, sowohl aus der Perspektive der Betroffenen als auch der Angehörigen. Es beleuchtet die emotionalen, physischen und sozialen Herausforderungen, die mit dieser heimtückischen Krankheit einhergehen. Anhand persönlicher Berichte wird ein tiefes Verständnis für den Kampf, die Hoffnung und die unendliche Liebe vermittelt, die in solchen Situationen entstehen.
Die Diagnose: Ein Wendepunkt im Leben
Die Diagnose eines Hirntumors stellt einen schockierenden Wendepunkt im Leben der Betroffenen und ihrer Familien dar. Wie Liselotte Binias in ihrem Buch über den Leidensweg ihrer Tochter Simone schreibt: „Ich schreibe dieses Buch, weil ich es muss.“ Diese Worte verdeutlichen den inneren Zwang, die Erfahrungen und Emotionen festzuhalten, die mit der Krankheit einhergehen.
Simones Geschichte beginnt wenige Monate vor der Wende, als die Familie in den Westteil von Berlin übersiedelt, um ein neues Leben zu beginnen. Doch das Glück währt nur kurz. Simone, die kurz vor dem Abschluss ihrer Berufsausbildung steht, erkrankt wenige Tage vor ihrem 19. Geburtstag an einem aggressiven Gehirntumor.
Wie bei Simone beginnen die Leiden oft lange vor der eigentlichen Diagnose, oft mit Kopfschmerzen und allgemeiner Mattigkeit. Im Fall von Simone dauerte es über acht Monate qualvoller Schmerzen, bis am 13. Februar 1990 im Virchow-Krankenhaus die entsetzliche Diagnose gestellt wurde, die ihr Leben und das ihrer Familie mit einem Schlag veränderte.
Der Kampf gegen die Krankheit: Hoffnung, Verzweiflung und unendliche Liebe
Nach der Diagnose beginnt ein aufzehrender Kampf gegen die Krankheit, der von Hoffnung, Verzweiflung und unendlicher Liebe geprägt ist. Chemotherapie, Bestrahlung und Operationen werden eingesetzt, um den Tumor zu bekämpfen. Eine Operation bringt eine vorübergehende Besserung, doch der Tumor wächst weiter.
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Die Familie setzt alle Hebel in Bewegung, um Simone die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Die Berliner Morgenpost berichtet über ihr schweres Schicksal, was die Leser tief bewegt und zu spontaner Hilfe veranlasst. Mit Hilfe vieler wohlwollender Menschen kann Simone mit ihrer Mutter in die USA reisen, um sich dort von dem bekannten Neurochirurgen Dr. Neal Kassell behandeln zu lassen.
Doch auch die amerikanischen Ärzte können keine Wunder vollbringen. Nach einem halben Jahr kehrt Simone nach Berlin zurück, um im Kreis der Familie in Würde und ohne Angst zu sterben.
Leben mit einem Hirntumor: Eine Realität voller Herausforderungen
Der Alltag mit einem schwerkranken Menschen ist von vielen Herausforderungen geprägt. Liselotte Binias beschreibt in ihrem Buch die Realität der Pflege zu Hause rund um die Uhr, die sich ihr Mann, sie, Simones Schwester Conny und einige Freunde der Familie teilen. Sie beschreibt ihre Gefühle, ihre Gedanken, ihre Hoffnungen, ihre Fehler, ihre Nöte, allesamt verbunden mit dem Wunsch, es Simone so gut wie möglich gehen zu lassen.
Neben der emotionalen Belastung kommen auch noch Streitereien mit Behörden hinzu. Schwierigkeiten mit Sozialversicherung und Versorgungsamt, die auf Paragraphen reiten und Simone die Rente verweigern, weil sie das Pech hatte, noch vor dem Berufsabschluss schwer krank zu werden, und die dann läppische 500 DM einmalig kurz vor Simones Tod erst bewilligten.
Simone stirbt nach einem tapferen, von starkem Überlebenswillen geprägten Kampf im Alter von 21 Jahren.
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Der Verlust: Trauer, Schmerz und die Suche nach Trost
Der Verlust eines geliebten Menschen durch einen Hirntumor ist unerträglich. Die Trauer, der Schmerz und die Verzweiflung sind überwältigend. Liselotte Binias verliert kurz nach dem Tod ihrer Tochter auch ihren Mann Uve an Lungenkrebs. Sie schreibt im Epilog: „Man kann viel durchmachen und Ungeheures leisten, aber man stirbt nicht daran, wenn man sich nicht aufgibt und wenn man weiss: Der Tod ist nicht das Ende.“
Die Trauer ist ein lebenslanger Begleiter. Auch nach vielen Jahren ist der Schmerz noch präsent. Doch mit der Zeit lernen die Hinterbliebenen, mit dem Verlust zu leben und Trost in Erinnerungen, Freundschaften und dem Glauben zu finden.
Persönliche Erfahrungen: Einblick in die Gefühlswelt der Betroffenen und Angehörigen
Die folgenden persönlichen Erfahrungen geben einen Einblick in die Gefühlswelt der Betroffenen und Angehörigen:
- Dina: „Mein schatz war nicht mehr bei bewusstsein, aber wir alle wussten, dass er bei uns im zimmer war. die ganze zeit redeten wir ihm gut zu, streichelten ihn, erzählten von gemeinsamen erlebnissen.“
- Eine Witwe: „Ich habe ihm gesagt, dass ich alles so mache wie wir uns das vorgenommen haben. Ich habe ihn in meinem Herzen und nehme ihn überall mit hin. Ich passe auf ihn auf und er auf mich.“
- Eine andere Witwe: „Ich hasse dieses Vieh Glioblastom und ich weine für meinen Mann um sein verlorenes Leben.“
- Noch eine Witwe: „Ich vermisse meinen Mann und die Vorstellung, dass ich nie wieder seine Stimme höre oder ihn an die Hand nehmen kann etc. - unerträglich. Ich leide seelisch und körperlich und manchmal denke ich, gleich fällst du um.“
- Martina: „Meine Tochter, mein Sonnenschein, wurde nur 5 Jahre alt. 2 Wochen vor ihrem 6. Geburtstag starb sie. An Krebs. An einen seltenen Gehirntumor ohne Aussicht auf Heilung. 0% Überlebenschance.“
- Uwe: „Am 09.12.23 ist meine so geliebte Frau Uti an einem bösartigen Hirntumor verstorben, ein Glioblastom, aggressiv, heimtückisch und unheilbar. Ich habe meine Frau drei Jahre mit diesem Tumor begleitet und gepflegt, habe meinen Job nach 37 Jahren für sie hingeschmissen, wenige Ruhephasen gaben zwischendurch Hoffnung, aber die letzten Monate waren nur noch grauenvoll.“
Diese persönlichen Berichte zeigen die Vielfalt der Erfahrungen und Emotionen, die mit einem Hirntumor einhergehen. Sie verdeutlichen den Schmerz, die Trauer, die Liebe und die Hoffnung, die in diesen schweren Zeiten eine Rolle spielen.
Unterstützung und Hilfe: Wege aus der Dunkelheit
In der Zeit der Trauer und des Schmerzes ist es wichtig, sich Unterstützung und Hilfe zu suchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dem Verlust umzugehen und neue Kraft zu schöpfen:
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- Gespräche mit Freunden und Familie: Der Austausch mit Menschen, die den Schmerz verstehen, kann sehr hilfreich sein.
- Trauergruppen: In Trauergruppen können sich Betroffene mit anderen austauschen und gegenseitig unterstützen.
- Psychologische Beratung: Ein Psychologe kann helfen, die Trauer zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.
- Kreative Ausdrucksformen: Schreiben, Malen, Musik oder andere kreative Aktivitäten können helfen, die Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten.
- Spirituelle Praktiken: Gebet, Meditation oder andere spirituelle Praktiken können Trost und Kraft spenden.
Es ist wichtig, den eigenen Weg der Trauer zu finden und sich die Zeit zu nehmen, die man braucht.
Leben nach dem Verlust: Ein neuer Anfang
Auch wenn der Verlust eines geliebten Menschen immer schmerzhaft bleibt, ist es möglich, nach einiger Zeit einen neuen Anfang zu finden. Das Leben wird nie mehr so sein wie vorher, aber es kann wieder lebenswert werden.
Es ist wichtig, sich neuen Zielen und Aufgaben zu widmen, neue Freundschaften zu schließen und die schönen Dinge im Leben wieder wahrzunehmen. Auch wenn die Trauer immer ein Teil des Lebens bleiben wird, kann sie mit der Zeit in Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit und die Liebe, die man erfahren durfte, umgewandelt werden.
Die Rolle der Behörden: Ein Mahnmal für mehr Menschlichkeit
Liselotte Binias' Buch gibt zu denken. Es zeigt, wieviel Menschen füreinander tun können, wenn sie von Liebe zueinander getragen sind, es zeigt, wie eine Sterbebegleitung aussehen kann, es spricht von unendlichem Leid und unendlicher Güte, mit der eine schwergeprüfte Familie umgehen lernen musste. Gerade aber was die Sache mit den Behörden angeht, so ist es auch ein Mahnmal, dieses System einmal zu überdenken und vielleicht in Härtefällen künftig etwas menschenfreundlicher zu handeln.