Gliom vs. Glioblastom: Ein umfassender Überblick

Gliome und Glioblastome sind beides Arten von Hirntumoren, die aus Gliazellen entstehen. Gliazellen sind Stützzellen im Gehirn, die Neuronen unterstützen und schützen. Obwohl beide Tumorarten aus Gliazellen entstehen, weisen sie unterschiedliche Eigenschaften, Prognosen und Behandlungsansätze auf. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die Unterschiede zwischen Gliomen und Glioblastomen, einschließlich ihrer Klassifizierung, Diagnose, Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung in Gliome

Ein Gliom ist ein allgemeiner Begriff für einen Tumor, der aus Gliazellen entsteht. Es gibt verschiedene Arten von Gliazellen, darunter Astrozyten, Oligodendrozyten und Ependymzellen. Je nachdem, welche Art von Gliazellen betroffen ist, werden Gliome in verschiedene Typen unterteilt, wie z.B. Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Gliome in vier Grade, von I (am wenigsten aggressiv) bis IV (am aggressivsten).

Glioblastom: Eine aggressive Form des Glioms

Das Glioblastom (GBM) ist ein hochgradig malignes Astrozytom (WHO-Grad IV) und die häufigste und aggressivste Form von Gliom bei Erwachsenen. Es zeichnet sich durch schnelles Wachstum, Infiltration in umliegendes Hirngewebe und die Bildung von neuen Blutgefäßen aus, die das Tumorwachstum unterstützen. Glioblastome sind in der Regel schwer zu behandeln und haben eine schlechte Prognose.

Klassifizierung von Gliomen

Die Klassifizierung von Gliomen basiert auf histologischen Merkmalen (d.h. dem Erscheinungsbild der Tumorzellen unter dem Mikroskop) und molekularen Markern. Die WHO-Klassifikation von Hirntumoren wurde im Jahr 2021 aktualisiert, um molekulare Informationen in die Diagnose und Klassifizierung von Gliomen zu integrieren. Diese Änderungen haben zu einer präziseren Diagnose und einer besseren Vorhersage des Therapieansprechens geführt.

Integrierte Gliomdiagnosen (2021)

Die integrierte Gliomdiagnostik kombiniert histologische und molekulare Informationen, um Gliome in verschiedene Untertypen zu klassifizieren. Zu den wichtigsten Kategorien gehören:

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  • Diffuse Gliome vom Erwachsenen-Typ:
    • IDH-mutiertes, 1p/19q-kodeletiertes Oligodendrogliom
    • IDH-mutiertes Astrozytom
    • IDH-Wildtyp Glioblastom
  • Hochgradige Gliome vom pädiatrischen Typ:
    • H3 K27-verändertes diffuses Mittellinien-Gliom
    • H3 G34-mutiertes diffuses Hemisphären-Gliom
  • Niedriggradige Gliome vom pädiatrischen Typ:
    • MYB- oder MYBL1-verändertes diffuses Astrozytom
    • MAPK-Signalweg-verändertes low-grade Gliom
  • Umschriebene astrozytäre Gliome:
    • Pilozytisches Astrozytom
    • Pleomorphes Xanthoastrozytom

IDH-Status: Ein wichtiger diagnostischer Schritt

Die Analyse des IDH-Gens (Isozitratdehydrogenase) ist ein wichtiger erster Schritt in der molekularen Diagnostik von diffusen Gliomen vom Erwachsenen-Typ. Gliome werden in IDH-mutierte und IDH-Wildtyp-Gliome unterteilt. Glioblastome sind nach der neuen WHO-Klassifikation immer IDH-Wildtyp-Gliome. Die frühere Diagnose "IDH-mutiertes Glioblastom" ist nicht mehr gültig.

ATRX-Expression und 1p/19q-Deletion

Unter den IDH-mutierten Gliomen ist die Bestimmung der ATRX-Expression (Alpha Thalassemia/mental Retardation Syndrome X-linked) und der 1p/19q-Deletion wegweisend. Eine nachweisbare ATRX-Expression und ein Verlust der Chromosomenstücke 1p/19q deuten auf ein IDH-mutiertes, 1p/19q-deletiertes Oligodendrogliom hin. Ein Verlust der ATRX-Expression deutet auf ein IDH-mutiertes Astrozytom hin.

WHO-Grad

Der WHO-Grad ist ein Maß für die Aggressivität des Glioms. Als Zeichen für ein aggressives Wachstum gelten Nekrosen und Gefäßproliferationen in der Histologie. Der WHO-Grad unterscheidet Untergruppen innerhalb der IDH-mutierten Oligodendrogliome und Astrozytome. Je nach Histologie wird ein WHO-Grad 2 oder 3 vergeben. Bei IDH-mutierten Astrozytomen können spezifische Veränderungen im CDKN2A/B-Gen die Zuordnung zum WHO-Grad 4 auslösen. Diffuse Astrozytome vom IDH-Wildtyp gelten generell als Gliome WHO-Grad 4.

Molekulare Definition von Glioblastomen

Glioblastome entsprechen diffusen astrozytären Gliomen ohne IDH-Mutation, aber mit histologischen Merkmalen einer pathologischen Gefäßproliferation und/oder Nekrosen. Zusätzlich werden IDH-Wildtyp-Gliome jetzt auch ohne entsprechend aggressive Histologie als Glioblastom eingestuft, wenn eine oder mehrere der folgenden molekularen Marker vorliegen:

  • Amplifikation des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor-Gens (EGFR)
  • Promotormutationen des Telomerase-Reverse-Transkriptase (TERT)-Gens
  • Gewinn von Chromosom 7, kombiniert mit einem Verlust des Chromosoms 10 (+7/-10)

Histon-Modifikationen

Veränderungen in einzelnen Histonen definieren zwei neue Tumortypen bei den IDH-Wildtyp-Gliomen:

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  • Das Histon-3 K27M-veränderte diffuse Mittellinien-Gliom
  • Das Histon-3.3 G34-mutierte diffuse hemisphärische Gliom

Diese Tumoren wurden früher vermutlich vorwiegend als Glioblastom diagnostiziert und kommen vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor.

DNA-Methylierungsanalyse

Die DNA-Methylierung ist ein Prozess, der die Genaktivität beeinflusst. Der DNA-Methylom-Classifier vergleicht das Methylierungsmuster des untersuchten Hirntumors mit Methylierungsmustern, die zuvor aus vielen verschiedenen Tumorpräparaten für einzelne Hirntumortypen erstellt wurden. Der Methylierungs-Classifier verbessert in einzelnen Fällen die diagnostische Zuordnung eines Hirntumors zu einem speziellen Gliom-Untertyp.

NOS- und NEC-Diagnosen

Nicht immer kann bei der Untersuchung eines Hirntumors eine integrierte histomolekulare Diagnose gestellt werden. In solchen Fällen werden die Zusätze NOS ("not otherwise specified") oder NEC ("not elsewhere classified") verwendet.

Symptome von Gliomen und Glioblastomen

Die Symptome von Gliomen und Glioblastomen variieren je nach Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors. Einige häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen: Oft morgens am stärksten, können sich im Laufe des Tages bessern und kehren dann wieder verstärkt zurück. Schmerzmittel helfen oft nur schlecht.
  • Übelkeit und Erbrechen: Treten oft zusammen mit Kopfschmerzen auf, besonders morgens.
  • Sehstörungen: Beeinträchtigung der Sehschärfe, des Gesichtsfelds oder der Augenbewegung.
  • Neurologische Ausfälle: Schwäche, Lähmungen, Empfindungsstörungen oder Koordinationsprobleme.
  • Epileptische Anfälle: Neu auftretende Krampfanfälle können ein Zeichen für einen Hirntumor sein.
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Aggressivität, Stimmungsschwankungen oder Persönlichkeitsveränderungen.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Sprachstörungen.
  • Müdigkeit und Erschöpfung: Anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Depressionen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Gliomen und Glioblastomen sind weitgehend unbekannt. Es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren:

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  • Alter: Glioblastome treten häufiger bei älteren Erwachsenen auf.
  • Genetische Faktoren: Familiäre Vorbelastung oder bestimmte genetische Syndrome wie Neurofibromatose können das Risiko erhöhen.
  • Strahlenexposition: Ionisierende Strahlung, wie sie bei der Strahlentherapie eingesetzt wird, kann das Risiko für Hirntumoren erhöhen.

Diagnose von Gliomen und Glioblastomen

Die Diagnose von Gliomen und Glioblastomen umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen wie Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können ebenfalls eingesetzt werden.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen und molekularpathologischen Untersuchung. Die Biopsie hilft, die Art der Zellen, den WHO-Grad und wichtige genetische Marker zu bestimmen.

Behandlung von Gliomen und Glioblastomen

Die Behandlung von Gliomen und Glioblastomen ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die Behandlungsstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, sein Grad, seine Lage, die molekularen Eigenschaften des Tumors, das Alter des Patienten und sein allgemeiner Gesundheitszustand.

Standardtherapie für Glioblastome

Die Standardtherapie für Glioblastome umfasst in der Regel:

  • Operation: Entfernung so viel Tumorgewebe wie möglich, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu schädigen.
  • Strahlentherapie: Gezielte Bestrahlung, um verbliebene Tumorzellen abzutöten.
  • Chemotherapie: Temozolomid ist ein häufig verwendetes Chemotherapeutikum zur Behandlung von Glioblastomen. Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus beeinflusst die Wirksamkeit der Chemotherapie.
  • Tumor Treating Fields (TTF): Elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.

Weitere Behandlungsoptionen

  • Rezidivtherapie: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage.
  • Palliative Versorgung: Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder Hirndrucksymptomen.

Prognose

Die Prognose von Gliomen und Glioblastomen variiert stark je nach Art, Grad und molekularen Eigenschaften des Tumors sowie dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Glioblastome haben in der Regel eine schlechte Prognose, da sie aggressiv wachsen und schwer zu behandeln sind. Niedriggradige Gliome haben oft eine bessere Prognose, können aber im Laufe der Zeit in höhergradige Tumoren übergehen.

Klinische Studien

Experimentelle Behandlungsverfahren sollten bei Gliomen weiterhin bevorzugt in klinischen Studien eingesetzt werden - sowohl in der Primärtherapie als auch in der Rezidivsituation. Die Teilnahme an klinischen Studien kann Patienten Zugang zu neuen und vielversprechenden Therapien ermöglichen.

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