Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist, die auf einer plötzlichen, abnormalen elektrischen Aktivität im Gehirn beruhen. Diese Anfälle können vielfältige Symptome hervorrufen, abhängig von der Lokalisation und Ausdehnung der neuronalen Fehlfunktion. In einigen Fällen kann eine Epilepsie zu Sprachverlust oder Aphasie führen, insbesondere wenn die Anfälle das Sprachzentrum im Gehirn betreffen. Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, bei der die Fähigkeit zu sprechen und/oder Sprache zu verstehen beeinträchtigt ist.
Ursachen der vaskulären Epilepsie und Aphasie
Die Ursachen für Epilepsie und Aphasie sind vielfältig. Eine häufige Ursache im Erwachsenenalter ist eine zerebrale Durchblutungsstörung, wie beispielsweise ein Schlaganfall, der mehr als 80 % der Fälle ausmacht. Bei älteren Menschen sind Durchblutungsstörungen des Gehirns oder vorangegangene Schlaganfälle in etwa der Hälfte der Fälle die Ursache von Epilepsie. Narben und Blutabbauprodukte, die im Gehirn verbleiben, können ebenfalls zu Anfällen führen. Andere Ursachen für Epilepsie können sein:
- Schädel-Hirn-Verletzungen: Jährlich erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen eine Schädel-Hirn-Verletzung.
- Hirntumore
- Infektionen des Gehirns
- Genetische Faktoren
- Demenzerkrankungen: Insbesondere die Alzheimer-Krankheit und vaskuläre Demenz können Epilepsie verursachen.
- Immunologische Ursachen: Autoimmun vermittelte Entzündungen des zentralen Nervensystems können zu Epilepsie führen.
- Metabolische Ursachen: Stoffwechselstörungen, die epileptische Anfälle als Kernsymptomatik aufweisen.
Eine Aphasie tritt nicht isoliert auf, sondern ist immer die Folge einer Hirnschädigung. Bei einem Schlaganfall wird beispielsweise häufig das Sprachzentrum im Gehirn geschädigt.
Häufigkeit von Epilepsie und Aphasie
Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Prävalenz in Industrieländern wird mit 0,5-0,9 Prozent angegeben. Die Neuerkrankungsrate liegt bei 40-70/100.000 Einwohnern pro Jahr. Im Alter nimmt die Häufigkeit von Epilepsie zu und erreicht bei den über 85-Jährigen 1-2 Prozent. Die Altersepilepsie ist die dritthäufigste Krankheit des Nervensystems im Alter, nach Demenzen und Schlaganfall.
Ungefähr 3000 Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr erkranken in Deutschland an einer Aphasie. Eine Aphasie kann jedoch auch im Erwachsenenalter auftreten, insbesondere nach einem Schlaganfall.
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Symptome der vaskulären Epilepsie und Aphasie
Die Symptome der Epilepsie können stark variieren, abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß der neuronalen Fehlfunktion. Mögliche Symptome sind:
- Motorische Symptome: Zuckungen, Krämpfe, Muskelanspannung, unwillkürliche Bewegungen
- Sensorische Symptome: Parästhesien, visuelle oder auditive Halluzinationen
- Kognitive Symptome: Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsverlust
- Autonome Symptome: Epigastrales Wärmegefühl, Schwitzen, Hautblässe, Inkontinenz
Bei älteren Menschen treten Anfälle oft in Form von fokal nicht bewusst erlebten Anfällen mit Arrest auf, ohne klassische Symptome wie Automatismen oder psychische Phänomene.
Die Symptome einer Aphasie können ebenfalls vielfältig sein und alle Bereiche der Sprache betreffen:
- Phonologie: Lautauslassungen, Lautersetzungen, Lautergänzungen, Lautumstellungen
- Lexikon: Wortfindungsstörungen, Verwendung von Wörtern, die dem gewünschten Inhalt nicht ganz entsprechen
- Semantik: Schwierigkeiten beim Verstehen von Wortbedeutungen
- Syntax: Verkürzter und vereinfachter Satzbau, Nutzung vieler Nomen und Verben, Verben werden oft in der Grundform verwendet, Sätze werden ineinander verschränkt und Satzteile verdoppelt
- Pragmatik: Schwierigkeiten bei der Organisation von Gesprächen, Probleme beim Abwechseln in der Sprecherrolle, Schwierigkeiten, bei einem Thema zu bleiben
Neben den Symptomen auf den linguistischen Ebenen können auch sogenannte „repetitive Phänomene“ auftreten, wie z.B. Sprachautomatismen oder Stereotypien.
Diagnose der vaskulären Epilepsie und Aphasie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf der Anamnese des Anfallgeschehens und zusätzlichen Befunden, die auf eine Prädisposition für weitere epileptische Anfälle hindeuten. Dazu gehören:
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- Elektroenzephalogramm (EEG): Ableitung der Hirnströme, um epilepsietypische Potenziale zu identifizieren
- Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um strukturelle Läsionen zu erkennen
Die Aphasie-Diagnostik beginnt in der Akutphase im Krankenhaus und wird von Logopäden durchgeführt. Es stehen verschiedene Tests zur Verfügung, um die sprachlichen Fähigkeiten des Betroffenen zu beurteilen.
Was können Betroffene und Angehörige tun?
Sowohl Betroffene als auch Angehörige können aktiv dazu beitragen, den Alltag mit Epilepsie und Aphasie besser zu bewältigen. Hier sind einige Tipps:
- Offenheit für nichtsprachliche Mittel zur Übermittlung von Informationen: Gestik, Mimik, Zeichnungen oder Symbole können helfen, die Kommunikation zu erleichtern.
- Bei Nicht-Verstehen nachfragen: Ehrlichkeit ist wichtig. Es ist besser, nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat, als so zu tun, als ob.
- Geduld und Unterstützung: Menschen mit Aphasie benötigen Zeit und Geduld, um sich auszudrücken.
- Aphasie-Selbsthilfegruppen: Hier finden Betroffene und Angehörige weiteren Rat und Unterstützung.
- Pflegekurse: Pflegekurse werden von den Pflegekassen finanziert und vermitteln wichtige Informationen zum Umgang mit Aphasie.
- Kommunikationshilfen: Es gibt eine Vielzahl an elektronischen und nicht-elektronischen Kommunikationshilfen, die Aphasikern helfen können, an Gesprächen teilzunehmen.
- Berufliche Rehabilitation: Das Heidelberger Aphasie-Modell bietet Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg.
- Patientenverfügung: Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass die medizinischen Wünsche des Betroffenen respektiert werden, wenn er aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage ist, sie selbst auszudrücken.
- Pflegegrad: Betroffene sollten prüfen, ob ihnen ein Pflegegrad zusteht, um finanzielle Unterstützung zu erhalten.
Behandlung der vaskulären Epilepsie und Aphasie
Die Behandlung der Epilepsie basiert in der Regel auf einer medikamentösen Therapie mit Antiepileptika. In einigen Fällen können auch nicht-pharmakologische Maßnahmen wie eine ketogene Diät oder Psychotherapie hilfreich sein. Bei älteren Menschen ist die Therapie etwas komplizierter, da die Dosierung der Medikamente aufgrund des veränderten Stoffwechsels im Alter meist niedriger ist und zusätzliche Erkrankungen sowie andere notwendige Präparate und deren mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen.
Die Behandlung der Aphasie erfolgt in der Regel durch Logopädie. Ziel der Therapie ist es, die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Betroffene lernen, die Sprachstörung durch andere Ausdrucksmöglichkeiten wie Gestik oder durch die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln zu kompensieren. Die logopädische Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes.
Fazit
Vaskuläre Epilepsie und Aphasie sind komplexe neurologische Erkrankungen, die erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen haben können. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Durch die Kombination aus medikamentöser Therapie, Logopädie und unterstützenden Maßnahmen können Betroffene lernen, mit ihren Einschränkungen umzugehen und ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen.
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Literatur und Material
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