Morbus Parkinson, auch bekannt als idiopathisches Parkinson-Syndrom oder umgangssprachlich als Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des extrapyramidalmotorischen Systems. Sie ist durch die Symptome Rigor (Muskelsteifheit), Bradykinese (verlangsamte Bewegungen), Tremor (Zittern) sowie posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen) gekennzeichnet. Nach der Alzheimer-Krankheit ist Morbus Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 400.000 Menschen betroffen.
Ursachen und Risikofaktoren
Obwohl einige genetische Prädispositionen für die Erkrankung bekannt sind, bleiben die Ursachen des Morbus Parkinson häufig unklar. Neben auslösenden Faktoren wie mechanischen Erschütterungen oder Chemikalien werden auch virale Infektionen diskutiert. Es gibt Hinweise darauf, dass eine überstandene schwere Grippe das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verdoppeln kann. Eine Studie der University of British Columbia ergab, dass Patienten nach einer schwer verlaufenden Influenza in der Vergangenheit doppelt so häufig an Parkinson erkrankt waren, wie ihre gesunden Altersgenossen ohne durchgemachte Grippe. Allerdings wurde diese Assoziation abgeschwächt, wenn die Influenza länger als zehn Jahre zurück lag. Im Gegensatz dazu scheinen Masern im Kindesalter das Parkinson-Risiko zu minimieren.
Dopaminmangel im Gehirn
Die Ursache der Bewegungsstörungen bei Morbus Parkinson ist ein Sterben der Nervenzellen (Neurone) in der Substantia Nigra im Gehirn - genauer gesagt im Mittelhirn. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen zuständig ist. Warum die Nervenzellen absterben, ist nicht vollständig geklärt, jedoch spielen genetische Faktoren eine Rolle.
Verschiedene Parkinson-Syndrome
Das Parkinson-Syndrom umfasst vier Gruppen, die die typischen Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit und Zittern gemeinsam haben - auch wenn die Ursachen des jeweiligen Parkinson-Syndroms unterschiedlich sein können:
- Idiopathisches oder auch primäres Parkinson-Syndrom
- Genetisch bedingtes Parkinson-Syndrom
- Atypisches Parkinson-Syndrom
- Symptomatisches oder auch sekundäres Parkinson-Syndrom
Das primäre Parkinson-Syndrom ist mit einer Häufigkeit von etwa 75 Prozent die häufigste parkinsonsche Krankheit, dessen Ursachen und Auslöser bisher unbekannt sind. Bei einem genetisch bedingten Parkinson-Syndrom tritt die Krankheit gehäuft in Familien auf. Atypische Parkinson-Syndrome treten im Zusammenhang mit anderen neurologischen Erkrankungen wie etwa der Lewy-Körper-Demenz auf. Das symptomatische bzw. sekundäre Parkinson-Syndrom kann durch äußere Faktoren wie Medikamente oder Vergiftungen ausgelöst werden.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Weitere Risikofaktoren
Ein häufiger Kontakt mit Katzen oder Rindern wurde ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Morbus Parkinson in Verbindung gebracht. Als Risikofaktor für die Entstehung der Parkinson-Krankheit gelten unter anderem Mutationen im Gen des lysosomalen Enzyms Glukocerebrosidase (GBA), die zur Anreicherung von α-Synuclein im Gehirn beitragen.
Symptome
Die Symptome von Morbus Parkinson entwickeln sich schleichend. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Tremor (Zittern): In der Regel zittern bei Betroffenen die Finger, Hände oder Arme, während sie im Ruhezustand sind.
- Rigor (Muskelsteifheit): Die Muskeln sind steif und angespannt, was die Beweglichkeit einschränkt.
- Bradykinese (verlangsamte Bewegungen): Die Bewegungen von Rumpf, Armen, Beinen und der Gesichtsmuskulatur sind verlangsamt. Dies bewirkt Veränderungen der Körperhaltung, des Gangs, der Mimik, Sprache und Feinmotorik - wobei zunächst nur eine Körperhälfte betroffen ist.
- Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen): Durch die Störung der Reflexe, die für ein Ausbalancieren des Körpers während einer Bewegung sorgen, entstehen Gleichgewichtsstörungen. Unvorhergesehene Bewegungen können somit nicht mehr ausgeglichen werden.
Weitere Symptome
Zusätzlich zu den Hauptsymptomen von Parkinson können weitere Symptome auftreten, die sich in ihrer Schwere zwischen einzelnen Betroffenen unterscheiden oder nicht bei jeder Patientin bzw. jedem Patienten vorkommen:
- Depressionen
- Schlafstörungen
- Verstopfung
- Geruchsstörungen
- vegetative Funktionsstörungen (z. B. niedriger Blutdruck, übermäßiges Schwitzen)
- kognitive Einschränkungen (bis hin zur Demenz)
Frühsymptome
Vor den Hauptsymptomen wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit, Zittern und Gleichgewichtsstörungen können erste Frühsymptome auf Parkinson hindeuten. Da die Beschwerden sehr unspezifisch sind, werden sie häufig nicht mit der parkinsonschen Krankheit in Verbindung gebracht:
- Verlust des Geruchssinns
- Verstopfung
- Schlafstörungen
- Depressionen
- Schmerzen
Diagnose
Eine Diagnose der neurologischen Erkrankung Morbus Parkinson wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch bei einer Neurologin oder einem Neurologen gestellt. Zusätzlich werden die Reflexe, die Empfindlichkeit gegenüber Schmerz oder Druck und die Beweglichkeit getestet.
Lesen Sie auch: Die Nerven des Unterschenkels: Eine anatomische Betrachtung
L-Dopa-Test
Für eine noch sicherere Diagnosestellung der „Schüttelkrankheit“ kann der sogenannte L-Dopa-Test durchgeführt werden. Da Parkinson insbesondere im Anfangsstadium nur schwer von anderen Erkrankungen unterschieden werden kann, ist es sinnvoll, die Beschwerden und deren Entwicklung genau zu beobachten. Mit dem L-Dopa-Test wird das Medikament Levodopa verabreicht und geprüft, ob die Symptome abnehmen.
Bildgebende Verfahren
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Positronenemissionstomographie (PET) eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen oder die Diagnose zu unterstützen.
Behandlung
Die Parkinson-Krankheit ist bisher nicht heilbar. Dennoch lässt sie sich gut mit Medikamenten wie Levodopa behandeln, welche die Erkrankung zwar nicht verlangsamen, doch ihre Symptome lindern. Ein chirurgischer Eingriff am Gehirn, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation, wird ebenfalls zur Behandlung der Krankheit eingesetzt.
Medikamentöse Therapie
- Levodopa: Zu den wirksamsten Medikamenten bei Parkinson gehört Levodopa. Nimmt der Körper das Medikament in die Nervenzellen auf, kann er daraus Dopamin herstellen.
- Dopamin-Agonisten: Dopamin-Agonisten sind dem Dopamin chemisch ähnliche Moleküle, die wie der natürliche Botenstoff wirken.
- COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer: Zur Unterstützung von Levodopa und Reduzierung seiner Nebenwirkungen werden COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verwendet.
- Medizinisches Cannabis: Medizinisches Cannabis kann für die Behandlung von parkinsontypischen Begleitsymptomen wie Zittern, Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Beschwerden in Frage kommen. Zwar kann medizinisches Cannabis nicht den Krankheitsverlauf bei Parkinson aufhalten, aber unter Umständen einige Symptome und Nebenwirkungen der Parkinson-Medikamente lindern.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Manchmal kann auch ein hirnchirurgischer Eingriff sinnvoll sein, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS). Dazu werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die durch elektrische Impulse bestimmte Hirnregionen positiv beeinflussen. Die Tiefenhirnstimulation bei Parkinson ist nur eine symptomatische Behandlung darstellt und die Symptome lindert.
Weitere Therapien
- Physiotherapie: Mittels Physiotherapie werden die Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und die Stabilität des Körpers gefördert.
- Sprechtherapie: Die Sprechtherapie dient der Verbesserung der Sprechstörung. Dabei werden die Muskeln für die Lautstärke der Stimme, die Atemtechnik und eine klare Aussprache trainiert.
- Ergotherapie: Bei der Ergotherapie üben an Parkinson Erkrankte Alltagsbewegungen und -tätigkeiten.
- Psychotherapie: Im Rahmen einer Psychotherapie können sich Parkinson-Patienten aktiv mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen und den Umgang mit ihr erlernen. Eine Psychotherapie bietet außerdem die Möglichkeit, mit einer außenstehenden und professionellen Person über die persönlichen Herausforderungen und Sorgen sprechen.
- Künstlerische Therapien: Künstlerische Therapien wie etwa Kunst-, Mal- oder Tanztherapien können ebenso in Erwägung gezogen werden.
Physikalische Therapien
Physio- und Ergotherapien sollen die Beweglichkeit und das Wohlbefinden der Patienten erhalten oder wiederherstellen. Dazu werden individuelle Interessen der jeweiligen Person berücksichtigt, um die Behandlung möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Ein schlurfender Gang, kleine Schritte und stockende Bewegungen bei Parkinson können zu schweren Stürzen führen. Mithilfe von ergo- und physiotherapeutischen Maßnahmen wird die Beinmuskulatur gestärkt und ein Gangtraining absolviert. Stimm- und Sprechtherapien bei Patienten mit Parkinson-bedingten Sprechstörungen zielen darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und eventuelle Stimmprobleme zu lindern. Eine Schlucktherapie wird für Patienten mit Parkinson-bedingten Schluckstörungen empfohlen.
Lesen Sie auch: Wege zur Sprachwiederherstellung nach einem Schlaganfall
Alternative Therapien
Eine alternative Behandlung durch Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage kann sich im Einzelfall eignen. Therapiemöglichkeiten wie eine Massage lockern beispielsweise Muskelverspannungen und das kann einen hohen Wert für einen Parkinson-Erkrankten haben.
Verlauf und Stadien
Der Verlauf des Parkinson-Syndroms lässt sich in fünf Stadien beschreiben:
- Anfangsstadium (Stadium 0): Im Anfangsstadium lassen noch keine Symptome darauf hindeuten, dass Parkinson bei einer Person vorliegt, was eine frühzeitige Diagnose dieser Krankheit so schwierig macht.
- Einsetzen der Beschwerden (Stadium 1): Das erste Stadium zeichnet sich dann durch erste Symptome wie Zittern, eine veränderte Mimik und Körperhaltung auf einer Körperseite aus.
- Beidseitige Beschwerden (Stadium 2): Die Parkinson-Erkrankung ist im zweiten Stadium auf beiden Körperhälften sichtbar. Zu den bisherigen Symptomen können Antriebslosigkeit und Sprechstörungen hinzukommen.
- Langsamere Bewegungen (Stadium 3): Im dritten Stadium des Parkinson-Verlaufs verfestigen sich die Symptome und die Ausprägung wird stärker. Während sich die Erkrankung vorher in der Regel nur auf einer Körperseite äußert, können nun beide Seiten betroffen sein.
- Stark erkennbare Beschwerden (Stadium 4): Das vierte Stadium ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Symptomatik. Zwar können Patientinnen und Patienten in diesem Stadium noch stehen und gehen.
- Hilfs- und Pflegebedürftigkeit (Stadium 5): Im letzten und fünften Stadium sind Parkinsonpatienten und -patientinnen auf vollständige Hilfe oder Pflege angewiesen und können sich zunächst mit Gehhilfen oder einem Rollstuhl fortbewegen.
Parkinson-Demenz
Das sechste und letzte Stadium äußert sich durch die Parkinson-Demenz. Das Absterben der Gehirnzellen hat seinen Höhepunkt erreicht und die Betroffenen leiden unter Gedächtnisstörungen. Da diese durch eine Erkrankung hervorgerufen werden, spricht man von der Parkinson-Demenz. Das letzte Stadium wird in der Regel jedoch erst in einem hohen Alter erreicht, weshalb die geistigen Fähigkeiten altersbedingt zusätzlich nachlassen und den Effekt verstärken können.
Individueller Krankheitsverlauf
Der Krankheitsverlauf von Parkinson ist nicht genau zu definieren und bei jedem Patienten verschieden. Es kann Jahre dauern, bis da nächste Stadium erreicht ist und nicht jedes Symptom tritt garantiert auf. Grundsätzlich verstärken sich die Parkinson-Symptome über die Zeit, weil nach und nach immer mehr Nervenzellen absterben. Bei vielen Patienten schwanken die Symptome auch täglich.
Lebenserwartung und Prognose
Trotz der schweren Folgen vom Endstadium und den starken Einschränkungen im Alltag ist Parkinson keine tödliche Krankheit. Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson hängt von individuellen Faktoren ab wie der jeweiligen Parkinson-Form, dem Stadium, dem Gesundheitszustand und dem Alter des oder der Betroffenen. Laut Statistik hat ein optimal behandelter Mensch mit Parkinson-Syndrom heute fast die gleiche Lebenserwartung wie eine gleichaltrige gesunde Person. Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson verkürzt sich durchschnittlich um vier bis elf Jahre. Das gilt vor allem für die sogenannte Parkinson-Krankheit, welche die häufigste Form der Parkinson-Syndrome ist.
Leben mit Parkinson
Eine frühzeitige Erkennung und die richtige Therapie ermöglicht es Betroffenen, ein möglichst normales Leben zu führen. Es ist wichtig, aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen. Auch eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf schädliche Einflüsse wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Ernährung
An Parkinson Erkrankte sollten möglichst auf Fertiggerichte, gesättigte Fettsäuren und übermäßigen Zuckerkonsum verzichten. Eine ballaststoffreiche Ernährung und eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr dazu beitragen, Verstopfungen zu lindern und den entwässernden Wirkungen einiger Parkinson-Medikamente entgegenzuwirken.
Bewegung
Regelmäßige Bewegung verbessert die Muskelkraft, die Koordination, das Gleichgewicht und die Flexibilität - all dies kann dazu beitragen, das Sturzrisiko zu verringern.
Pflege
Mit abnehmender Selbstständigkeit des Betroffenen, kann er im Parkinson-Spätstadium pflegebedürftig werden. Dann kann für ihn und seine Angehörigen gegebenenfalls eine pflegerische Aufklärung hilfreich sein. Hinzu kommt, dass motorische Einschränkungen und die psychische Belastung die Pflege bei Parkinson erschweren. Hier sind viel Verständnis, Feingefühl sowie Akzeptanz gefordert. Grundsätzlich steht bei der Parkinson-Pflegeplanung im Vordergrund, die Selbstständigkeit des Patienten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.
Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.
Forschung und Ausblick
Die Forschung hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, um die Symptome der Parkinson-Erkrankung zu lindern. In Deutschland und international werden daher neue Therapien erforscht, die an der Ursache der Erkrankung ansetzen. Dringender denn je seien daher breite Forschungsaktivitäten vonnöten, die nicht nur - wie derzeit praktiziert - auf eine Therapie der Symptome, sondern auf Heilung der Erkrankung abzielen.
Ambroxol
Bereits vor Jahren haben erste In-vitro- und In-vivo-Studien gezeigt, dass Ambroxol die Glucocerebrosidase-Aktivität erhöhen und somit α-Synuclein-Spiegel reduzieren kann. Angenommen wird, dass das Sekretolytikum die GBA-Aktivität steigert, indem es den Transport veränderter GBA-Moleküle in den Lysosomen erleichtert.
tags: #verlauf #von #erkaltungskrankheiten #bei #morbus #parkinson