Vestibuläre Migräne und Basilaris-Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden regelmäßig an Migräne-Attacken. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer. Laut dem Gesundheitsministerium haben etwa 15 Prozent der Frauen regelmäßig Migräne-Anfälle, am häufigsten im Alter zwischen 35 und 45 Jahren. Damit zählt Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland. Sie ist zudem einer der häufigsten Gründe für kurzfristige Krankmeldungen. Trotzdem wird sie als Krankheit häufig unterschätzt. Hinter Migräne verbergen sich nicht nur besonders starke Kopfschmerzen, sondern eine neurologische Erkrankung. Es handelt sich um eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns und des Nervensystems.

Was ist Migräne?

Migräne ist ein primärer Kopfschmerz, der durch anfallsweise auftretende Kopfschmerzen charakterisiert ist, die durch Bewegung und körperliche Aktivität verstärkt werden. Häufig bestehen weitere Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Konzentrationsstörungen. Teilweise geht den Kopfschmerzen eine sogenannte Aura voraus, am häufigsten finden sich Sehstörungen (z.B. Flimmern, Flackern, Zackenmuster, wandernde Skotome, verzerrt Sehen). Es können aber auch Kribbelmißempfindungen, Taubheit, Lähmungen, Schwindel oder Sprachstörungen vorkommen. Die Diagnose der Migräne erfolgt durch die Anamnese und die unauffällige neurologische Untersuchung.

Unterschiede zu Spannungskopfschmerzen

Der Unterschied zu „normalen“ Kopfschmerzen, die in der Medizin als Spannungskopfschmerzen bezeichnet werden, liegt besonders an der Intensität. Migräne-Kopfschmerzen sind häufig pulsierend und pochend. Meist kommen die Schmerzen ganz plötzlich und treten nur in einer Kopfhälfte auf. Sie kehren in unregelmäßigen Abständen zurück. Spannungskopfschmerzen treten dagegen häufig am gesamten Kopf auf. Für sie gibt es meistens keine spezielle Ursache.

Verlauf und Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke weist unterschiedliche Phasen auf. Nach einer Prodromalphase (z.B. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Heißhunger, Licht-, Lärm-, Geruchsempfindlichkeit) können fokale Hirnausfall- oder Reizsymptome wie oben beschrieben auftreten. Dieses muss aber nicht der Fall sein. Danach oder nach der Prodromalphase setzen Kopfschmerzen ein, häufig verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Der Kopfschmerz ist häufig (aber nicht obligat) halbseitig mit pulsierend-pochendem Charakter. Es besteht Ruhebedürfnis, bei Bewegung nimmt der Kopfschmerz zu. Meist handelt es sich bei der Migräne um einen Attacken Kopfschmerz mit variabler Frequenz (wenige Male im Leben bis zu einmal pro Woche). Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn Migränekopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat bestehen.

Ein Migräne-Anfall kann unterschiedlich lange anhalten. Die typischen Kopfschmerzen und Begleiterscheinungen halten teilweise bis zu 72 Stunden an. Mehrtägige Anfälle sind jedoch eher selten. Meistens beschränkt sich eine Attacke auf einen Tag. Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen ab. Häufig kündigt sich eine Attacke bereits einige Tage vorher an - diese Phase wird Prodromalphase genannt. Anschließend kann eine sogenannte Aura auftreten. Dabei handelt es sich um eine neurologische Sehstörung. Betroffene sehen ein Flackern oder Flimmern, häufig blitzartig. Manche sehen auch doppelt. Die Auraphase tritt jedoch bei den meisten Menschen, die an Migräne leiden, nicht auf. Nur bei etwa 20 Prozent der Betroffenen kommt es zu diesen Begleiterscheinungen. Bei den meisten Betroffenen bleibt die Aura-Phase aus. Dann tritt die Schmerzphase meist ganz plötzlich ohne Vorankündigung ein.

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Formen der Migräne

Migräneattacken sind von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt unterschiedliche Formen der Migräne, am häufigsten ist die Migräne ohne Aura. Bei Frauen besteht häufig eine Assoziation zur Regel. Bei 10% der Migräne kommt es zu einer Migräne mit Aura, gelegentlich kann eine Migräneaura auch ohne Kopfschmerzen (Migraine sans Migraine) auftreten. Selten tritt eine Migräne mit einem autosomal-dominanten Erbgang und Halbseitenlähmung auf (familiär hemiplegische Migräne). Eine sogenannte Basilarismigräne kann zu starkem Schwindel führen und einen vestibulären Schwindel imitieren. Selten kann es zu einem Status migraenosus kommen, bei dem die Migräne über mehr als 3 Tage anhält und ggf. auch die Aura länger als 1 Stunde dauert.

Es gibt neben der Migräne mit und ohne Aura noch weitere Formen. „Dabei handelt es sich jedoch um seltene Sonderfälle“, erklärt der Experte. Hemiplegische Migräne: Die Migräne wird von einer motorischen Aura begleitet. Vestibuläre Migräne: Die Migräne betrifft auch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Basilaris Migräne: Wird auch Migräne mit Hirnstammaura genannt.

Man kann zwischen mehreren Migräneformen unterscheiden:

  • einfache Migräne oder auch Migräne ohne Aura
  • klassische Migräne oder auch Migräne mit Aura
  • komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée

Die zwei häufigsten Formen sind Migräne ohne und Migräne mit Aura. Zudem lassen sich folgende Unterformen unterscheiden:

  • Migräne der Augen (auch okulare Migräne genannt): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
  • menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
  • vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.

Vestibuläre Migräne

30 bis 50 Prozent der migränekranken Patienten leiden während einer Kopfschmerzattacke zusätzlich an Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen. Diese Form der Erkrankung wird als vestibuläre Migräne oder Schwindelmigräne bezeichnet und rückt immer mehr in den Vordergrund der Wissenschaft und Medizin. Denn häufig treten die Symptome auch ohne Kopfschmerzen auf und werden daher nicht mit einer Migräne in Verbindung gebracht, sondern mit anderen Krankheiten wie Morbus Menière. Die Bezeichnung vestibuläre Migräne leitet sich vom sogenannten vestibulären System ab. Es besteht aus Teilen des Innenohrs und wird zur Steuerung des Gleichgewichts und der Haltung benötigt.

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Symptome der vestibulären Migräne

Treten die Migräne-typischen Kopfschmerzen und Schwindel oder eine Gleichgewichtsstörung zusammen auf, deutet das oft auf eine vestibuläre Migräne hin. Allerdings können die Schwindelattacken auch ohne schmerzenden Kopf auftreten - das ist sogar bei circa 30 Prozent der Patienten der Fall. Weitere Anzeichen einer Schwindelmigräne:

  • Meistens handelt es sich um einen Drehschwindel.
  • Unsicherheiten im Gehen oder Stehen sind möglich.
  • Die Beschwerden dauern zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an.
  • Der Schwindel nimmt eventuell bei Veränderung der Körperlage zu.
  • Es kommt zu zuckenden Augenbewegungen, die für den Betroffenen selbst spür- und für andere sichtbar sind.
  • Der Schwindel kann durch Licht oder sich bewegende Objekte ausgelöst werden (visuell-induzierter Schwindel) und zu Beginn der Kopfschmerzattacke, die ganze Zeit über oder erst danach auftreten.

Ursachen der vestibulären Migräne

Die Ursachen für eine vestibuläre Migräne sind noch nicht bekannt. Wissenschaftler vermuten derzeit, dass die enge räumliche Nähe zwischen dem Gleichgewichtssystem und dem schmerzverarbeitenden System im Hirnstamm eine Rolle spielt.

Genau wie bei der normalen Migräne gibt es auch hier bestimmte Trigger-Faktoren, die Schwindel und Migräne auslösen können:

  • Stress
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Wetter
  • Licht- oder Geräuschreize
  • hormonelle Schwankungen

Diagnose der vestibulären Migräne

Bis vor einigen Jahren wurde die Schwindelmigräne nicht als eigenes Krankheitsbild angesehen. Die internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) und die Bárány-Society (The International Society for Neuro-Otology, Schweden) veröffentlichten daraufhin ein Dokument mit vorgegebenen Diagnosekriterien. Dieses soll Ärzten eine Hilfestellung geben, um eine Schwindelmigräne festzustellen und dadurch andere Erkrankungen wie Morbus Menière auszuschließen.

Die wichtigste Differentialdiagnose zum M. Menière ist die vestibulären Migräne. Diese manifestiert sich meistens als attackenförmig auftretender Schwindel, mit Übelkeit und Erbrechen über mehrere Minuten bis zu einer halben Stunde mit anschließendem halbseitigen Kopfschmerz und den typischen Migräne Begeleitsymptomen wie Licht- und Lärmempfindlichkeit, Rückzugstendenz, Müdigkeit und Verschlechterung bei körperlicher Belastung.

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Behandlung der vestibulären Migräne

Das Vermeiden der Trigger kann helfen, Migräneattacken zu reduzieren. Die Therapie der Schwindelmigräne ähnelt der einer normalen Migräne. Gegen den Schwindel kommen zudem spezielle Medikamente, sogenannte Antivertiginosa, zum Einsatz. Neben einer medikamentösen Therapie sind alternative Verfahren verbreitet.

Basilaris-Migräne (Migräne mit Hirnstammaura)

Vor 40 Jahren wurde die Migräne mit Hirnstammaura das erste Mal beschrieben. Damals war noch von Basilarismigräne die Rede. Auch heute werden die Symptome oft nicht sofort einer Migräne mit Hirnstammaura zugeschrieben. Die Migräne mit Hirnstammaura ist eine sehr seltene Form der Migräne mit Aura.

Symptome der Basilaris-Migräne

Sobald Patienten an einer Aura leiden, kommt es generell zu neurologischen Ausfällen oder Reizungen, die von den kortikalen (die Großhirnrinde betreffenden) Arealen im Gehirn ausgehen. Im Gegensatz dazu treten die Durchblutungsstörungen bei dieser Unterform im Hirnstamm auf. Daher betreffen die Beschwerden auch die Bereiche, die im Hirnstamm gesteuert werden, zum Beispiel die Motorik.

Folgende, beidseitig auftretende Symptome sind bei der Migräne mit Hirnstammaura möglich:

  • Sprachstörung
  • Schwindel (vestibuläre Migräne)
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Hörminderung
  • Doppeltsehen
  • beidseitige Sehstörung
  • Ataxie (Koordinationsstörung)
  • Störung des Bewusstseins
  • auf beiden Seiten gleichzeitig auftretendes Taubheitsgefühl (simultane bilaterale Parästhesie) zum Beispiel der Arme

Die Taubheitsgefühle breiten sich häufig allmählich in die Arme oder Beine aus, sodass Patienten beispielsweise nicht mehr in der Lage sind, zu laufen oder zu stehen. Kopfschmerzen stehen bei einer Migräne mit Hirnstammaura nicht im Mittelpunkt - viele Betroffene entwickeln auch gar keine. Für die Patienten ist eine Migräne mit Hirnstammaura belastend: Viele berichten, dass sie nach einer Attacke müde und erschöpft sind und manchmal noch tagelang wackelige Beine haben. Noch dazu sind die Symptome beängstigend, da sie Parallelen zu einem Schlaganfall aufweisen.

Ursachen der Basilaris-Migräne

Die ursrpünglich für Migräne mit Hirnstammaura verwendeten Begriffe Basilarismigräne oder basiläre Migräne sind auf eine anatomische Struktur zurückzuführen: Die sogenannte Arteria basilaris ist eine Schlagader, die den Hirnstamm mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Bei einer Migräne mit Hirnstammaura liegen funktionelle Störungen im Bereich dieser Arterie vor beziehungsweise kommt es zu Durchblutungsstörungen im Hirnstamm. Daher wurde der Begriff Basilarismigräne mittlerweile durch die medizinisch korrekte Bezeichnung ersetzt.

Neben dem Hirnstamm, der unter anderemAtmung,Herzschlag,Sehen,Hören undTasten reguliert,versorgt die Arteria basilaris auch das Hinterhirn.

Diagnose der Basilaris-Migräne

Für die Diagnosestellung wird von der International Headache Society (IHS) als Kriterium angegeben, dass mindestens zwei der oben genannten Symptome auftreten, sie wieder vollständig verschwinden und keine motorische Schwäche (zum Beispiel Lähmung der Arme oder Beine) vorkommt - erst dann kann von einer Migräne mit Hirnstammaura ausgegangen werden. Taubheitsgefühle zählen zu den sensiblen Störungen und fallen somit nicht unter motorische Symptome.

Ein intensives Arztgespräch, bei dem die Patienten ihre Symptome genau schildern, steht am Anfang der Diagnosestellung. Hilfreich ist es, sich schon vorher Gedanken zu machen und diese am besten schriftlich festzuhalten. Dazu empfiehlt sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs über einige Zeit. Gut zu wissen: Trotz der Vorgaben ist die Diagnose einer Migräne mit Hirnstammaura eine Herausforderung.

Behandlung der Basilaris-Migräne

Migräne ist eine vielschichte Erkrankung, die noch nicht vollständig verstanden ist. Deswegen ist eine Behandlung, die sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt, die beste Option. Dazu gehört zunächst, persönliche Auslöser zu erkennen und, wenn möglich, zu vermeiden. Weiterhin können Schmerzmittel (Analgetika) die Kopfschmerzen lindern.

Triptane, Schmerzmittel, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden, sind bei der Migräne mit Hirnstammaura allerdings nicht empfohlen. Der Grund: Die Medikamente bewirken eine Verengung der Arterien im Gehirn. Da nach derzeitigem Wissensstand eine eingeschränkte Blutzufuhr die Ursache für eine Migräne mit Hirnstammaura ist, wird befürchtet, dass eine zusätzliche Verengung durch Arzneimittel die Beschwerden noch mehr verstärkt.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Therapie einer Migräne mit Hirnstammaura sind prophylaktische Maßnahmen. Diese haben sich besonders bewährt:

  • regelmäßiger Ausdauersport
  • Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken
  • Biofeedback (gezieltes Entspannen von Muskeln)

In einer Ergotherapie kannst du zudem lernen, wie du mit den Beschwerden am besten umgehst. Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten.

Ursachen von Migräne im Allgemeinen

Die Ursachen von Migräne sind noch nicht restlos geklärt. Seit einigen Jahren wird intensiv an der Krankheit geforscht. Dennoch ist vieles noch unklar. Auch die komplexen Prozesse, die bei einer Attacke im Gehirn ablaufen, sind noch nicht vollständig erforscht. Bei einer Sache sind sich die Expertinnen und Experten inzwischen einig: „Migräne hat wahrscheinlich eine genetische Veranlagung.“ Wo sich dieser Gen-Defekt befindet, sei dagegen nicht bekannt. Eine sehr wahrscheinliche Theorie ist, dass Gehirn und Nervensystem bei Betroffenen besonders empfindlich auf äußere und innere Einflüsse reagieren. Die Reize werden auch Trigger genannt. Die genetische Veranlagung erklärt auch, weshalb Migräne nicht geheilt werden kann.

Triggerfaktoren

Es gibt bestimmte Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke hervorrufen können - auch da sind sich Expertinnen und Experten einig. Diese Reize werden auch Trigger genannt. „Die Liste ist sehr vielfältig und individuell“, erklärt der Experte. Heißt: Bei jedem Menschen können andere Reize Migräne-Attacken auslösen.

Trigger einer Migräne-Attacke können sein:

  • Stress und generell starke Emotionen wie überschwängliche Freude oder Angst (die Migräne-Attacke kommt dann oft erst nach dem Abklingen der Belastung)
  • Hormonelle Veränderungen (z. B. Hormonschwankungen innerhalb des Menstruationszyklus, hormonelle Verhütungsmethoden)
  • Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten (z. B. intermittierendes Fasten)
  • Bestimmte Lebensmittel wie Käse und Rotwein
  • Wetterveränderungen (z. B. Föhn, plötzliche Temperaturschwankung)
  • Unregelmäßiger Schlaf (z. B. mal zu viel, mal zu wenig Schlaf)
  • Äußere Reize (z. B. helles Licht, Straßenlärm, Gerüche, Rauch)
  • Bestimmte Medikamente

Pathophysiologie

Wie bei anderen primären Kopfschmerzformen (u.a. Spannungskopfschmerz, Trigemino-autonome-Kopfschmerzen) liegt keine im MRT oder mit anderen Standarduntersuchungen erfassbare Hirnerkrankung zugrunde. Man nimmt an, dass bei der Migräne das Gleichgewicht des Gehirnstoffwechsels gestört ist; besonderes Serotonin, Noradrenalin und CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptide) scheinen fehlreguliert. Diese beeinflussen unter anderem die Schmerzempfindlichkeit der Blutgefäße. Offenbar sind bei der Migräne die kleinen Blutgefäße des Gehirns (Arteriolen) entzündlich verändert. Es gibt zahlreiche Trigger Faktoren die Migräneattacken auslösen können.

Behandlung von Migräne im Allgemeinen

Viele Menschen wissen aus jahrelanger Erfahrung, welche Maßnahmen ihnen bei einer Migräne-Attacke am besten helfen. Auch gängige Schmerzmittel aus der Apotheke wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen helfen in sehr vielen Fällen. Kommt es häufiger zu starken Migräne-Attacken gibt es spezielle Migräne-Medikamente wie Triptane. Triptane imitieren den körpereigenen Botenstoff Serotonin und wirken damit auf die geweiteten Blutgefäße im Gehirn ein. Nach der Einnahme verengen sich diese wieder. Der Druck löst sich. Darüber hemmen die Triptane Entzündungsvorgänge und verhindern die Weiterleitung von Schmerzen. Damit setzen sie gleich an drei Problemstellen bei Migräne-Attacken ein. Einige Triptane sind ebenfalls ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Dennoch rät der Mediziner dazu, sie nur unter ärztlicher Anweisung zu verwenden. Triptane sollte nicht mehr als zehn Tage pro Monat eingenommen werden.

Im akuten Migräneanfall mit leichten bis mittelschweren Symptome können verschiedene Schmerzmittel eingesetzt werden (z.B. Ibuprofen, Paracetamol, ASS, Naproxen, Novalgin). Die Wirksamkeit ist am besten wenn das Medikament frühzeitig und in ausreichender Dosierung eingenommen wird. Kau- oder Brausetabletten werden am schnellsten vom Körper aufgenommen während Paracetamol am besten als Zäpfchen wirkt. Bei stärkeren oder schwereren Symptomen der Migräne können Triptane eingesetzt werden. Auch Triptane helfen am besten wenn sie frühzeitig eingenommen werden. Triptane gibt es auch als Schmelztablette um einen möglichst schnellen Wirkungseintritt zu erzielen, dieses ist vor allem bei Übelkeit zu empfehlen, denn hier ist die Aufnahme über den Magendarmtrakt verlangsamt oder reduziert. In der Attacke hilft es den Betroffenen meist, sich in einen dunkeln und ruhigen Raum zurückzuziehen. Schlaf wirkt häufig erleichternd.

Viele Erkrankungen können durch eine optimierte Ernährungsweise günstig beeinflusst und Beschwerden gelindert werden. Es gibt auch Möglichkeiten, die Migräne dauerhaft ohne Medikamente in den Griff zu bekommen. Dazu ist es zum einen wichtig, die Trigger im Alltag zu meiden. Auch eine gesunde Lebensweise, zu der Sport, Ernährung und Stressreduktion gehören, hilft gegen Migräne. Was davon hilft, muss jeder Mensch selbst herausfinden. Wer häufig unter Kopfschmerzen oder Migräne-Attacken leidet, sollte ein Migräne-Tagebuch führen. Dort können Sie aufschreiben, wann Sie Kopfschmerzen bekommen haben.

Medikamentöse Prophylaxe

Bei häufigen und auch schweren Migräneattacken ist eine Migräneprophylaxe ratsam. Eine medikamentöse Prophylaxe ist zu empfehlen ab 5-10 Kopfschmerztagen oder wiederholten Migräneattacken von 72 Std. Hier empfiehlt sich dann eine medikamentöse Prophylaxe mit einem Beta-Blocker, Flunarizin, Topiramat oder Amitriptylin über einen Behandlungszeitraum pro Medikament von mindestens 3 Monate, bis eine Bewertung der Wirkung auf die Migräne möglich ist. Limitierend können Nebenwirkungen sein, so dass eine Ausdosierung manchmal nicht möglich ist. Bei Versagen oder Nebenwirkungen dieser Therapien können Antikörper gegen den Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP)-Rezeptor (Erenumab) oder monoklonale Antikörper gegen CGRP selbst (Galcanezumab und Fremanezumab) zur medikamentösen Prophylaxe der episodischen sowie der chronischen Migräne eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um Präparate, die monatlich in das Unterhautfettgewebe injiziert werden, alternativ Rimegepant als orale Migräneprophylaxe. Bei chronischer Migräne ggf. Behandlungsversuch Botox nach vorheriger Ausschöpfung der o.g.

Nicht-medikamentöse Prophylaxe

Zur nicht medikamentösen Prophylaxe ist die positive Wirkung von aeroben Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen, Walken oder Fahrradfahren sowie die die progressive Muskelentspannung belegt.

Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können. Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden. Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern. Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat, sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden, keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht, die Migräneanfälle häufiger auftreten, sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen, die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt und es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern. Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht.

Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
  • Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
  • Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.

Auswirkungen von Migräne

Migräne kann große Auswirkungen auf den Alltag haben. Für Betroffene sind Migräne-Attacken oftmals kaum auszuhalten. Sie nehmen starken Einfluss auf den Alltag. Dennoch wird die Krankheit häufig unterschätzt. „Wer häufiger an starken Kopfschmerzen leidet, sollte dem auf jeden Fall auf den Grund gehen und eine Arztpraxis aufsuchen“, rät der Experte.

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