Migräne ist eine weitverbreitete Erkrankung, die viele Menschen betrifft. Die vestibuläre Migräne ist eine spezielle Form, die neben Kopfschmerzen auch Schwindel verursacht. Dieser Artikel befasst sich mit der vestibulären Migräne und beleuchtet die Möglichkeiten der Homöopathie als Therapieansatz.
Was ist vestibuläre Migräne?
Vestibuläre Migräne ist eine Sonderform der Migräne, die erst seit den 1980er-Jahren in der Neurologie bekannt ist. Sie zeichnet sich durch Migräneattacken aus, die von Schwindel begleitet werden. Der Name "vestibulär" bezieht sich auf das vestibuläre System, das im menschlichen Körper für die Wahrung des Gleichgewichts zuständig ist. Bei der vestibulären Migräne ist dieses System gestört.
Symptome
Neben den typischen Migränekopfschmerzen können bei vestibulärer Migräne folgende Symptome auftreten:
- Schwindel (Drehschwindel oder Schwankschwindel)
- Übelkeit und Erbrechen
- Ohrgeräusche
- Sehstörungen
- Desorientierung
- Zuckende Augenbewegungen
Die Schwindelattacken dauern in der Regel nur wenige Minuten, können aber auch Stunden oder sogar Tage anhalten. In manchen Fällen tritt der Schwindel auch ohne Kopfschmerzen auf, was die Diagnose erschwert.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der vestibulären Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass sowohl innere als auch äußere Faktoren eine Rolle spielen können. Zu den möglichen Auslösern gehören:
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- Genetische Veranlagung
- Stress
- Schlafmangel
- Hormonelle Veränderungen (z.B. Wechseljahre, Schwangerschaft)
- Bestimmte Lebensmittel
- Licht- oder Geräuschreize
- Wetterveränderungen
- Mangel an Nährstoffen
- Nikotin und Alkohol
Die Trigger einer Migräne mit vestibulärer Aura sind sehr individuell und können von Mensch zu Mensch verschieden sein.
Diagnose
Die Diagnose einer vestibulären Migräne ist nicht immer einfach, da die Symptome diffus sein und auch auf andere Erkrankungen hinweisen können. Sehr ähnlich sind beispielsweise die Symptome der sogenannten Menière-Krankheit, die das Innenohr betrifft. Um eine eindeutige Diagnose zu stellen, hat die Bárány-Society (The International Society for Neuro-Otology) Kriterien aufgestellt:
- Mindestens fünf Attacken mit vestibulären Symptomen mit einer Dauer von fünf Minuten bis 72 Stunden
- Diagnose einer Migräne mit oder ohne Aura
- Bei mindestens 50 % der Schwindelanfälle treten ein oder mehrere Migränesymptome auf
- Die Beschwerden sind nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Attacken der vestibulären Migräne im Gegensatz zu Morbus Menière nicht zu einem fortschreitenden Hörverlust führen.
Therapie
Da die Neurologie noch vergleichsweise wenig über die vestibuläre Migräne weiß, ist eine gezielte erfolgreiche Therapie oft schwierig. Im Mittelpunkt steht deshalb vor allem die Vorbeugung.
Konventionelle Behandlung
Vestibuläre und gewöhnliche Migräne werden von der Neurologie mit ähnlichen Ansätzen therapiert. Vestibuläre Migräne gehört zu den Erkrankungen, die vorwiegend mit Medikamenten bekämpft bzw. abgemildert werden. Dabei geht es zum einen um die Verhinderung der schubweise auftretenden Attacken sowie der damit verbundenen Symptome, also der verschiedenen Schwindelformen und der Kopfschmerzen.
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- Akutbehandlung: Bei gelegentlichen und schwachen Symptomen können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und Aspirin den Kopfschmerz im akuten Fall lindern. Gegen schwere Attacken werden für gewöhnlich Triptane verschrieben. Bei Übelkeit können Antiemetika helfen.
- Prophylaxe: Zur Vorbeugung chronischer Migräneanfälle hat die Neurologie Betablocker und Calciumkanalblocker als Wirkstoffe ausgemacht. In schweren Fällen können auch Antidepressiva, Antiepileptika oder CGRP-Antikörper eingesetzt werden. Seit kurzem gibt es eine neue Wirkstoffklasse zur Migräne-Prophylaxe, die sogenannten Gepante.
Homöopathie als alternativer Therapieansatz
Viele Migränepatienten suchen nach alternativen Behandlungsmethoden, um die Einnahme von Schmerzmedikamenten zu reduzieren. Die Homöopathie ist eine beliebte Option, bei der der Patient ein homöopathisches Mittel erhält, welches in seiner Reinform bei gesunden Menschen ähnliche Beschwerden auslösen würde. Die Homöopathie soll die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen und so zu einer Linderung beitragen.
Grundlagen der Homöopathie
Die Homöopathie basiert auf dem Prinzip "Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden". Das bedeutet, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorruft, bei einem kranken Menschen mit ähnlichen Symptomen zur Heilung eingesetzt werden kann. Die Substanzen werden dabei stark verdünnt (potenziert), um ihre Wirkung zu verstärken und Nebenwirkungen zu minimieren.
Homöopathische Mittel bei vestibulärer Migräne
Bei der Auswahl des passenden homöopathischen Mittels werden die individuellen Beschwerden des Patienten berücksichtigt. Es gibt kein allgemeingültiges Mittel gegen Migräne, sondern die Therapie wird auf die spezifischen Symptome und Begleitumstände abgestimmt.
Einige Beispiele für homöopathische Mittel, die bei Migräne eingesetzt werden können:
- Globuli: Kleine Kügelchen aus Zucker, die mit einem stark verdünnten Wirkstoff benetzt werden. Die Wahl der Globuli richtet sich nach der Art der Schmerzen und den begleitenden Symptomen. Für die Selbstbehandlung eignen sich die Potenzen D6 bis D12.
- Schüßler-Salze: Tabletten, die aus verschiedenen Mineralsalzen bestehen. Sie sollen den Mineralstoffhaushalt der Zellen regulieren und so die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Bei Migräne eignen sich beispielsweise Ferrum phosphoricum Nr. 3, Kalium sulfuricum Nr. 6, Magnesium phosphoricum Nr. 7, Natrium chloratum Nr. 8 und Natrium sulfuricum Nr. 10.
- Bachblüten: Konzentrate, die aus verschiedenen Blüten gewonnen werden. Sie sollen bei emotionalen und psychischen Beschwerden helfen, die Migräne auslösen oder verstärken können. Bei Kopfschmerzen gilt vor allem die Gedankenblüte White Chestnut als geeignet.
Einige spezifische homöopathische Mittel, die bei Migräne in Betracht gezogen werden können:
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- Cimicifuga racemosa: Bei Migräne in den Wechseljahren, begleitet von Schwindel und stechenden Augenschmerzen.
- Cyclamen europaeum: Bei Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen.
- Iris versicolor: Bei "Wochenendmigräne", die während Entspannungsphasen schlimmer wird.
- Sanguinaria canadensis: Bei rechtsseitigen Migräneschmerzen.
- Belladonna: Bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind.
Anwendung und Dosierung
Die Anwendung und Dosierung homöopathischer Mittel richtet sich nach den individuellen Beschwerden und dem gewählten Mittel. Es ist ratsam, sich von einem erfahrenen Homöopathen oder Heilpraktiker beraten zu lassen, um das passende Mittel und die richtige Dosierung zu finden.
Für akute Verschreibungen kann eine D12-Potenz verwendet werden. Am ersten Tag werden drei Globuli ca. alle zwei Stunden bis zu einer eindeutigen Besserungstendenz eingenommen. Wenn das Mittel richtig gewählt wurde, sollte diese spätestens am Folgetag erkennbar sein. Dann kann der Patient die nächsten zwei bis drei Tage immer dann eine weitere Dosis einnehmen, wenn die Besserungstendenz stagniert. Dabei sollten nicht mehr als drei bis vier Einzelgaben pro Tag erforderlich sein. Bei hartnäckigen Beschwerden und höchstwahrscheinlich passender Arznei können auch ein bis drei Globuli in einem Wasserglas aufgelöst werden. Vor jeder Einnahme (=ein Schluck) wird ordentlich umgerührt, um die Potenz zu erhöhen.
Wichtige Hinweise
- Vor einer homöopathischen Behandlung sollte eine fachärztliche Untersuchung erfolgen, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.
- Die Homöopathie sollte nicht als alleinige Therapie bei schweren Erkrankungen eingesetzt werden, sondern kann eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Behandlung sein.
- Bei einer Verschlimmerung der Beschwerden nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels sollte das Mittel abgesetzt und ein Arzt oder Heilpraktiker konsultiert werden.
- Während der homöopathischen Behandlung sollte auf Genuss- und Lebensmittel verzichtet werden, die die Behandlung stören könnten.
Weitere Maßnahmen
Neben der medikamentösen Behandlung und der Homöopathie gibt es weitere Maßnahmen, die bei vestibulärer Migräne helfen können:
- Gesunder Lebensstil: Erholsamer Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und genügend Trinken sind wichtig.
- Regelmäßige Bewegung: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Fahrradfahren können helfen.
- Stressmanagement: Entspannungsmethoden wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Meditation können Stress reduzieren.
- Gleichgewichtstraining: Kann Patientinnen und Patienten Sicherheit geben.
- Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die persönlichen Auslöser der Migräne zu kennen und diese möglichst zu vermeiden.
- Entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule: Eine entspannte Muskulatur kann einer Migräne-Attacke vorbeugen.
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