Parkinson-Pflege zu Hause: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose Parkinson stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor erhebliche Herausforderungen. Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April 2025 rückt diese Krankheit in den Fokus und betont die Notwendigkeit umfassender Unterstützung und Information. In Deutschland leben schätzungsweise 400.000 Menschen mit dieser unheilbaren Erkrankung. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten der Parkinson-Pflege zu Hause geben, von Selbsthilfegruppen und Beratungsangeboten bis hin zu modernen Therapieansätzen und praktischen Tipps für den Alltag.

Selbsthilfe und Austausch: Gemeinsam stark

Für Betroffene und Angehörige ist der Austausch mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen, von unschätzbarem Wert. Selbsthilfegruppen bieten eine Plattform, um sich gegenseitig zu unterstützen, Lösungen für den Alltag zu finden und Halt in schwierigen Situationen zu geben.

  • Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV): Die dPV ist die erste Anlaufstelle für Betroffene und ihre Angehörigen und bietet umfassende Informationen und Unterstützung.
  • Regionale Selbsthilfegruppen: Viele Städte und Regionen haben lokale Selbsthilfegruppen, die regelmäßige Treffen organisieren. Ein Beispiel ist die Gruppe im Mehrgenerationenhaus in Gifhorn, die sich jeden letzten Dienstag im Monat trifft. Hier können Betroffene und Angehörige voneinander lernen, sich über Unterstützungsmöglichkeiten informieren und Erfahrungen austauschen.
  • Parkinson-Treffs: Das DRK bietet an seinen Standorten in Aalen und Bopfingen monatliche Parkinson-Treffs an. Diese Treffen beginnen mit einem Austausch der Betroffenen und Angehörigen untereinander, gefolgt von einem Vortrag zu einem parkinson-spezifischen Thema mit Referenten unterschiedlicher Berufsgruppen.

Moderne Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze

Die Parkinson-Behandlung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Neben medikamentösen Therapien gibt es eine Vielzahl von nicht-medikamentösen Ansätzen, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.

  • Parkinson-Kompetenz-Zentren: Diese Zentren bieten eine umfassende Versorgung unter einem Dach an, einschließlich Pflege, Beratung, Information, Physiotherapie, Selbsthilfe und Fortbildung. Ein Beispiel ist das Parkinson-Kompetenz-Zentrum der DRK-Trägergesellschaft in Dudweiler.
  • Umfassende Parkinson-Behandlungssysteme: Kliniken wie die SHK Kliniken in Saarbrücken bieten umfassende Behandlungssysteme an, die von Ergotherapie über Physiotherapie bis hin zu Logopädie und Neuropsychologie reichen. Ergotherapie vermittelt Strategien zur besseren Tagesstruktur und Stressbewältigung, während Physiotherapie die körperliche Leistungsfähigkeit stärkt. Logopädie unterstützt bei Sprach- und Schluckbeschwerden, und Neuropsychologie hilft bei kognitiven Beeinträchtigungen.
  • Neue Therapiemöglichkeiten: Es gibt auch neuere Therapiemöglichkeiten bei der Bedarfsmedikation und den gerätegestützten Therapien, die individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden können.
  • Online-Vorträge: Experten wie Prof. Martin Hecht bieten Online-Vorträge an, in denen sie über moderne diagnostische und therapeutische Ansätze informieren. Diese Vorträge ermöglichen es Betroffenen und Angehörigen, sich bequem von zu Hause aus weiterzubilden.

Unterstützung für die Pflege zu Hause

Die Pflege eines Menschen mit Parkinson zu Hause kann eine große Herausforderung sein. Es gibt jedoch zahlreiche Hilfsangebote, die den Alltag erleichtern können.

  • Beratungsstellen: Beratungsstellen wie die im DRK Sozialzentrum in Dudweiler helfen Menschen, die die Pflege eines an Parkinson erkrankten Menschen zu Hause organisieren müssen. Die Fachleute zeigen Möglichkeiten auf, wie der Alltag für den pflegenden Angehörigen und den Betroffenen leichter gestaltet werden kann und informieren über Hilfsmittel und den Schriftwechsel mit Pflege- und Krankenkassen.
  • Parkinson-Mobil: Das DRK bietet einen besonderen Service mit dem Parkinson-Mobil an. Damit besuchen DRK-Mitarbeiter Betroffene, die nicht in die Beratung kommen können, sogar zu Hause.
  • Orientierungskurse: Die ZukunftsWerkstatt bietet Orientierungskurse zu verschiedenen Themen rund um die Pflege an, darunter "Alles über Pflege wissen" (Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel und Wohnraumanpassung) und "Mobilisation und Transfer".
  • Basispflegekurse: Die ZukunftsWerkstatt bietet Basispflegekurse an, die Grundwissen für die Pflege zu Hause vermitteln. Diese Kurse behandeln Themen wie Körperpflege, Ernährung, Ausscheidung und Mobilisation und geben einen Überblick über die Leistungen der Pflegeversicherung.
  • Vermittlung von Pflegepersonal: Firmen wie "Sorglos Zuhause" vermitteln Pflegepersonal aus osteuropäischen Ländern, das die Betreuung zu Hause übernimmt. Die Pflegekräfte kümmern sich um die Grundversorgung, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, aktivierende Versorgung und individuelle Betreuung.

Alltagstipps und Selbstmanagement

Neben professioneller Hilfe und Unterstützung ist es wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen Strategien entwickeln, um den Alltag bestmöglich zu gestalten.

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  • Selbstmanagement: Richard, ein Betroffener, betont die Bedeutung des Selbstmanagements. Er überwacht und steuert seinen Zustand selbst, indem er ein Tagebuch über seine motorischen und nicht-motorischen Symptome, Medikamente, Bewegung und Ruhezeiten führt. Er verwendet auch ein tragbares Gerät, um Muster zu erkennen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Der Schwerpunkt sollte auf Körperhaltung, Kraft, Aerobic, Gleichgewicht und Dehnung liegen. Balleimer Training und auch die Ballwurfmaschine kann zum Einsatz kommen. Auch Sportarten wie Boxen und Tischtennis können positive Auswirkungen haben.
  • Stress vermeiden: Stress kann die Symptome verschlimmern. Es ist wichtig, Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln und im Jetzt zu leben.
  • Unterstützung annehmen: Es ist wichtig, Hilfe anzunehmen, wenn sie angeboten wird, aber auch Grenzen zu setzen und zu sagen, wenn man etwas alleine schaffen möchte.
  • Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Menschen mit Parkinson ist extrem wichtig, um Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Wohnraumanpassung und Hilfsmittel

Eine Anpassung des Wohnraums und die Verwendung von Hilfsmitteln können den Alltag erheblich erleichtern.

  • Pflegebetten: Pflegebetten erleichtern die Pflege und bieten mehr Komfort für den Betroffenen.
  • Rollatoren: Spezielle Parkinson-Rollatoren können die Mobilität verbessern.
  • Badumbau: Ein barrierefreies Bad kann die Selbstständigkeit erhalten.
  • Finanzielle Unterstützung: Die Pflegeversicherung bietet finanzielle Unterstützung für Wohnraumanpassungen und Hilfsmittel.

Pflegegrad und finanzielle Leistungen

Um die notwendige Unterstützung zu erhalten, ist es wichtig, einen Pflegegrad zu beantragen.

  • Pflegegrad beantragen: Ein Pflegegrad ermöglicht den Zugang zu finanziellen Leistungen der Pflegeversicherung.
  • Pflegegeld: Pflegegeld wird an pflegende Angehörige gezahlt.
  • Sachleistungen: Sachleistungen können für die Inanspruchnahme professioneller Pflegedienste verwendet werden.
  • Entlastungsbetrag: Der Entlastungsbetrag kann für die Finanzierung von Nachbarschaftshilfe oder anderen Entlastungsangeboten verwendet werden.

Menschlichkeit in der Pflege

Gute Pflege bedeutet vor allem Menschlichkeit. Es ist wichtig, die Bedürfnisse des Betroffenen zu respektieren und ihm ein würdevolles Leben zu ermöglichen.

  • Fürsprache: Fürsprecher können die Interessen der Bewohner in Pflegeeinrichtungen vertreten.
  • Positives Denken: Ein positives Denken kann helfen, mit der Krankheit umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Dankbarkeit: Dankbarkeit für die vermeintlichen Kleinigkeiten im Leben kann helfen, den Fokus auf das Positive zu richten.

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