Das Wartenberg-Syndrom ist eine periphere Nervenkompression, die den sensiblen Ramus superficialis des Nervus radialis betrifft. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsoptionen dieses Syndroms.
Einführung
Nervenkompressionssyndrome der oberen Extremität, einschließlich des Wartenberg-Syndroms, entstehen durch chronische Irritationen oder Druckläsionen peripherer Nerven innerhalb anatomischer Engpässe. Diese Syndrome können den Nervus medianus, Nervus ulnaris und Nervus radialis an verschiedenen Stellen betreffen und vielfältige Ursachen haben. Das Wartenberg-Syndrom, benannt nach seinem Erstbeschreiber Robert Wartenberg, ist eine eher seltene Erkrankung, die spezifische Symptome und Behandlungsansätze erfordert.
Ursachen des Wartenberg-Syndroms
Die Hauptursache des Wartenberg-Syndroms ist eine Druckschädigung des Ramus superficialis des Nervus radialis. Diese kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- Externe Kompression: Zu enge Uhrenbänder, Armbänder, Gipsverbände oder sogar Handschellen können den Nerv komprimieren.
- Trauma: Verletzungen im Bereich des Unterarms können zu einer Schädigung des Nervs führen.
- Iatrogene Ursachen: Punktionen der Vena cephalica, die in der Nähe des Nervs verläuft, können versehentlich den Nerv schädigen.
- Anatomische Varianten: Individuelle anatomische Unterschiede können zu einer erhöhten Anfälligkeit für Nervenkompressionen führen.
- Diabetes mellitus: Diese Stoffwechselerkrankung kann Nervenschäden begünstigen.
- Distale Radiusfraktur: Auch traumatisch (distale Radiusfraktur) können Nerven geschädigt werden.
Der sensible Ramus superficialis nervi radialis tritt etwa 6-8 cm oberhalb des Griffelfortsatzes der Speiche zwischen dem M. brachioradialis und M. extensor carpi radialis longus durch die Unterarmfaszie. An dieser Stelle ist der Nerv besonders anfällig für Druckschädigungen.
Symptome des Wartenberg-Syndroms
Typisch für das Wartenberg-Syndrom sind Schmerzen und Gefühlsstörungen an der Streckseite des Handgelenks und am radialen Handrücken sowie am Daumen. Patienten berichten häufig über:
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- Schmerzen: Schmerzen oberhalb des Handgelenks, die sich bei bestimmten Bewegungen oder Druck verstärken können.
- Parästhesien: Kribbeln, Taubheitsgefühl oder ein brennendes Gefühl im Versorgungsgebiet des Nervs.
- Allodynie: Schmerzempfindlichkeit bei Berührungen, die normalerweise nicht schmerzhaft sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass beim Wartenberg-Syndrom im Gegensatz zum Nervus-interosseus-posterior-Syndrom (NIP) keine motorischen Ausfälle vorliegen.
Diagnose des Wartenberg-Syndroms
Die Diagnose des Wartenberg-Syndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und gegebenenfalls elektrophysiologischen Untersuchungen.
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, deren Auslöser und den zeitlichen Verlauf.
- Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Sensibilität im Versorgungsgebiet des Nervs und führt Provokationstests durch, um die Symptome auszulösen. Ein typischer Befund ist der lokale Druckschmerz über dem Nerv.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Mittels Elektromyografie (EMG) und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) kann die Funktion des Nervs objektiviert und das Ausmaß der Schädigung beurteilt werden.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, z. B. Ganglien oder Lipome.
Differentialdiagnosen
Es ist wichtig, das Wartenberg-Syndrom von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Zu den wichtigsten Differentialdiagnosen gehören:
- Karpaltunnelsyndrom (KTS): Schädigung des N. medianus im Karpalkanal.
- Nervus-interosseus-posterior-Syndrom (NIP): Einengung des R. profundus des N. radialis, führt zu motorischen Ausfällen.
- Epicondylitis humeri radialis ("Tennisellenbogen"): Schmerzen im Bereich des Ellenbogens, die jedoch nicht durch eine Nervenkompression verursacht werden.
- Zervikale Radikulopathien: Nervenwurzelreizungen im Bereich der Halswirbelsäule.
- Strecksehnenrupturen: Risse der Sehnen, die für die Streckung der Finger verantwortlich sind.
Behandlung des Wartenberg-Syndroms
Die Behandlung des Wartenberg-Syndroms richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome. In den meisten Fällen kann zunächst eine konservative Therapie versucht werden.
Konservative Therapie
- Ruhigstellung: Vermeidung von Aktivitäten, die die Symptome verstärken. Eine Handgelenksschiene kann zur Ruhigstellung eingesetzt werden. Nach einer ca. 3-wöchigen Ruhigstellung auf einer Gipsschiene kann mit krankengymnastischen Übungen begonnen werden. Wichtig ist die konsequente Hochlagerung des betroffenen Armes zur Vermeidung oder Reduktion einer Schwellung. Sie erhalten direkt nach der OP einen Verband mit Gipsschiene, um die Ruhigstellung der Hand zu gewährleisten.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. In einigen Fällen können auch Kortikoidinjektionen in die Nähe des Nervs verabreicht werden, um Entzündungen zu reduzieren.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskulatur zu stärken.
- Anpassung der Lebensgewohnheiten: Vermeidung von Druck auf den Nerv durch Anpassung von Armbändern, Uhren oder Arbeitsplatzgestaltung.
Operative Therapie
Wenn die konservative Therapie nicht zu einer ausreichenden Besserung der Beschwerden führt, kann eine operative Dekompression des Nervs in Erwägung gezogen werden.
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- Dekompression des Ramus superficialis: Bei der Operation wird der Nerv von dem umliegenden Gewebe befreit, das ihn einengt. Die Faszienverbindung zwischen dem langen speichenseitigen Handgelenkstrecker und dem Oberarmspeichenmuskel sowie die Unterarmfaszie werden gespalten. Der oberflächliche Ast des Speichennervs wird dekomprimiert, d. h. von seinem Druck befreit, und dargestellt. Dieser Eingriff wird stets in Oberarmblutleere und mit Lupenbrillenvergrößerung durchgeführt, um eine optimale Sicht und das bestmögliche Ergebnis zu gewährleisten.
- Endoskopische oder offene Technik: Die Dekompression kann entweder endoskopisch (minimal-invasiv) oder offen durchgeführt werden.
Die Wundheilung beträgt etwa zwei Wochen. Im Anschluss einer ca. 3-wöchigen Ruhigstellung auf einer Gipsschiene kann mit krankengymnastischen Übungen begonnen werden. Wichtig ist die konsequente Hochlagerung des betroffenen Armes zur Vermeidung oder Reduktion einer Schwellung. Sie erhalten direkt nach der OP einen Verband mit Gipsschiene, um die Ruhigstellung der Hand zu gewährleisten.
Prävention des Wartenberg-Syndroms
Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko für die Entwicklung eines Wartenberg-Syndroms zu reduzieren:
- Vermeidung von Druck auf den Nerv: Tragen Sie keine zu engen Armbänder oder Uhren. Achten Sie auf eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.
- Regelmäßige Pausen: Bei Tätigkeiten, die das Handgelenk belasten, sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Dehnübungen können helfen, die Muskulatur zu lockern und die Durchblutung zu fördern.
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