Hohe Temperaturen können nicht nur das Herz-Kreislauf-System belasten, sondern auch das Gehirn direkt angreifen. Bei Temperaturen über 30 °C kann es zu einem Sonnenstich oder Hitzschlag kommen, was Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder sogar dauerhafte neurologische Schäden zur Folge haben kann. Besonders Migränepatienten leiden unter extremer Hitze, da diese Migräneattacken begünstigen kann.
Die Auswirkungen von Hitze auf das Gehirn
Hitze und intensive Sonneneinstrahlung wirken belastend auf das Herz-Kreislauf-System und greifen das Gehirn direkt an. Bei Temperaturen über 30 °C kann es zu einem Sonnenstich oder Hitzschlag kommen. Die Folge können Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder sogar dauerhafte neurologische Schäden sein. In manchen Fällen kann die Situation auch in wenigen Stunden lebensbedrohlich werden.
Ein Sonnenstich entsteht durch eine Überwärmung des Gehirns durch direkte Sonneneinstrahlung. Die Wärmestrahlung reizt die Hirnhäute und kann in schweren Fällen zu einer Hirnschwellung (Hirnödem) führen. Symptome eines Sonnenstichs sind vor allem starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel, Nackensteife und Kreislaufprobleme.
Ein Hitzschlag tritt auf, wenn das Temperaturregulationssystem des Körpers zusammenbricht. Die Körpertemperatur steigt im Gegensatz zum Sonnenstich auf über 40°C, und das Schwitzen ist oft eingestellt. Dies führt zu einer lebensbedrohlichen Situation, die sofortige ärztliche Hilfe erfordert. Starke Unruhe, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen deuten auf Sonnenstich oder Hitzschlag hin.
Es ist wichtig, den Kopf mit einer passenden Kopfbedeckung vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen und bei Anzeichen eines Sonnenstichs oder Hitzschlags sofort einen Arzt aufzusuchen oder den Notruf zu wählen.
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Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
Vorbeugend ist es besonders wichtig, den Wasserhaushalt des Körpers im Gleichgewicht zu halten. Der Flüssigkeitsbedarf ist bei Hitze deutlich größer, allein schon durch das Schwitzen. Wenn nicht ausreichend getrunken wird, kann es zum Blutdruckabfall bis hin zur Ohnmacht kommen. Starkes Schwitzen führt darüber hinaus zu einem Salzverlust, was neurologische Symptome wie epileptische Anfälle auslösen kann.
Es hilft, regelmäßig zu trinken, um die Elektrolytbalance aufrechtzuerhalten. Alkoholhaltige oder eiskalte Getränke sind ungeeignet. Alkohol entzieht dem Organismus zusätzlich Flüssigkeit, und kalte Getränke signalisieren dem Körper, zum Ausgleich extra Wärme zu produzieren. Besser geeignet sind Leitungswasser auf Zimmertemperatur, Kräuter- und Früchtetees sowie Saftschorlen und Mineralwasser, möglichst auch elektrolythaltige Getränke, um die Nährstoffversorgung des Körpers sicherzustellen. Zwei bis drei Liter pro Tag sollten es sein, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen.
Vorerkrankungen und das Uhthoff-Phänomen
Besondere Vorsicht sollten Menschen mit neurologischen Vorerkrankungen walten lassen. Hier droht bei Hitze das sogenannte „Uhthoff-Phänomen“. Es ist eine Reaktion des Nervensystems auf eine erhöhte Körpertemperatur, die insbesondere bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) oder Nervenschädigungen auftreten kann. Dabei verschlechtern sich vorübergehend neurologische Symptome. Bei Menschen mit Multipler Sklerose wird das Phänomen auch als "Pseudoschub" bezeichnet, da die Symptome denen eines Schubes ähneln können, aber nicht durch eine neue Entzündung im Gehirn oder Rückenmark verursacht werden. Das Befinden bessert sich in der Regel, sobald die Körpertemperatur wieder sinkt.
Auch für Menschen mit Epilepsie und Migräne ist Vorsicht geboten. Hitze ist ein häufiger Auslöser für Anfälle oder Attacken.
Migräne und Hitze
Wenn die Temperaturen auf 35 Grad und mehr klettern, leiden besonders Migränepatienten. Extreme Hitze, plötzliche Temperaturschwankungen, hohe Luftfeuchtigkeit oder ein starker Wechsel beim Luftdruck können Migräneattacken begünstigen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Rolle des Wetters als Migräne-Trigger.
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Eine systematische Übersichtsarbeit, in der Studien bis Dezember 2024 ausgewertet wurden, zeigt, dass Wetterwechsel - insbesondere Temperatur- und Luftdruckänderungen - signifikant mit dem Auftreten von Migräneattacken verbunden sind (für Temperatur: Odds Ratio, OR = 1,15; 95 %-KI = 1,02-1,29; für Luftdruck: OR = 1,07; KI = 1,01-1,15) [1]. Erhöhte Konzentrationen von Luftschadstoffen wie PM10, PM2.5, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Ozon zeigten ebenfalls signifikante Zusammenhänge mit klinisch relevanten Migräneanfällen, während Änderungen der Luftfeuchtigkeit eine weniger bedeutsame Rolle spielten.
Viele Betroffene berichten, dass sie bereits in der Kindheit erste wetterbedingte Migräneanfälle erlebt haben. Wissenschaftlich gilt als gesichert, dass nicht alle Patient:innen gleichermaßen sensibel auf Wetteränderungen reagieren, doch eine bestimmte Gruppe sehr empfindlich darauf anspricht. Hinzu kommt, dass das Migränegehirn in bestimmten Phasen besonders reizempfindlich ist: Licht, Geräusche, Gerüche - und eben auch Wetterreize - werden dann stärker wahrgenommen. Auch die Erwartungshaltung spielt eine Rolle: Wer sich vor einem angekündigten Wetterumschwung sorgt, löst möglicherweise allein dadurch eine Attacke aus. Daher kann es hilfreich sein, nicht ständig auf Wetterprognosen zu achten.
Um einen Auslöser oder Trigger von Migräne einwandfrei zu identifizieren, bedarf es viel Zeit und präziser Dokumentation. Ein Kopfschmerz- oder ein Migränetagebuch kann in solchen Fällen hilfreich sein. Verschiedenen Migräne-Apps erleichtern auch unterwegs eine lückenlose Dokumentation.
Grundsätzlich können viele verschiedene Faktoren dazu führen, dass ein Migräneanfall ausgelöst wird. Entscheidend ist dabei auch, wie empfindlich individuell auf bestimmte Einflüsse reagiert wird. Veränderung des Tagesrhythmus (bspw. Schlafmangel bzw. Hormonelle Schwankungen (Eine starke hormonelle Belastung oder Veränderung bspw. in der Schwangerschaft, während der Periode oder den Wechseljahren kann eine Migräne auslösen. Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel bzw. Einige der oben genannten Trigger-Faktoren stehen in direktem Zusammenhang mit einem spezifischen Lebensstil und können durch einen bewussten Umgang damit identifiziert werden. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Trigger, die einen Migräneanfall auslösen können. Bspw. kann auch ein hoher Blutdruck Migräneattacken begünstigen. Umstritten ist unter Migräneforschern der Effekt von Koffein. Darüber hinaus kann ein Mangel an Mikronährstoffen ebenfalls eine Migräne induzieren. Durch den Fokus auf übergeordnete Trigger findet diese Problematik bei der Ursachenforschung oft keine Beachtung. Durch gezieltes Diätmanagement mit hochdosierten Präparaten lässt sich ein Mangel an Mikronährstoffen [Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2), Coenzym Q10] leicht beheben. Ein durch diesen Mangel gestörter Energiestoffwechsel lässt sich bspw.
Was gegen wetterbedingte Migräne hilft
Vor allem sollten extreme Temperaturwechsel vermieden werden. Dazu zählen plötzliche Warm-Kalt-Wechsel, etwa durch Klimaanlagen im Auto, aber auch sehr kalte Getränke oder Speisen. Abhilfe kann ein sogenanntes Temperaturwechsel-Training schaffen. Durch regelmäßige Bewegung im Freien, Sauna- und Kneippgänge sowie Wechselduschen kann der Körper an Temperaturschwankungen gewöhnt werden. Dies stärkt den Organismus und trainiert auch die Gefäße im Gehirn, sodass sie weniger empfindlich auf Temperaturreize reagieren.
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Darüber hinaus ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Ein stabiler Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt kann Attacken vorbeugen.
Weitere Möglichkeiten der Migräne-Prävention sind ein gesunder Lebensstil, Schlaf und Entspannung. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert den Biorhythmus und senkt das Risiko für Attacken. Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder progressive Muskelentspannung können hilfreich sein. Sie unterstützen dabei, Stress abzubauen und den Körper widerstandsfähiger gegen äußere Reize zu machen. Ergänzend wirkt regelmäßige Bewegung wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren vorbeugend gegen Migräne.
Bei einer Kopfschmerzattacke ist es ratsam, sich in einen kühlen, dunklen Raum zurückzuziehen und etwas zu schlafen. Eine gute ärztliche Betreuung ist unerlässlich und bedeutet eine wertvolle Hilfestellung im Umgang mit Migränetriggern.
Tipps zur Hitzeschutz-Prophylaxe
- Planbare Aktivitäten in kühlere Tageszeiten verlegen.
- Verschriebene Medikamente unbedingt einnehmen.
- Achtsam sein bei ersten Warnsymptomen.
- Direkte Sonneneinstrahlung und körperliche Anstrengungen vermeiden.
- Eine Kopfbedeckung und luftige, lange Baumwollkleidung tragen.
- Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden, um die eigene Haut vor der UV-Strahlung und Verbrennungen zu schützen.
Wetterfühligkeit und Kopfschmerzen
Übermäßige Wärme, gleißendes Sonnenlicht, erhöhte Ozonwerte, aber auch Sonnencremes oder Eisgenuss können Auslöser für Kopfschmerzen sein. Die aktuelle Hitze führt zu einem hohen Wasser- und Salzverlust. Das Blut wird dicker und fließt nicht mehr so gut. Außerdem kommt es durch erweiterte Blutgefäße zu einem Blutdruckabfall, insbesondere bei Menschen mit niedrigem Blutdruck. Die Folge: Kopfschmerzen. Dagegen hilft natürlich viel Trinken, um die Menge an Körperflüssigkeit hoch zu halten. Es wird jedoch zu kleinen Trinkportionen geraten, da diese vom Körper besser aufgenommen werden können.
Plötzliche Warm-Kalt-Wechsel innerhalb kurzer Zeit um deutlich mehr als 5 Grad können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen. Daher: Auf keinen Fall direkt vor den Lüftungsschlitz einer Klimaanlage stellen. Gleißendes Sonnenlicht reizt die Gehirnnerven und kann bei empfindlichen Menschen sogar eine Migräneattacke triggern. Duftstoffe aus Sonnencremes oder Parfums wirken bei starker Wärme intensiver, weil sie sich jetzt schneller verflüchtigen. Bei geruchsempfindlichen Menschen - vor allem Migränepatienten - kann dies Kopfschmerzen triggern. Werden Eiscreme oder eisgekühlte Getränke zu schnell verzehrt, kann das an der Mundschleimhaut und am Gaumen einen Kältereiz verursachen - Eiscreme-Kopfschmerz ist eine mögliche Folge.
Als Sofortmaßnahme wird zu Kühlakku oder Eisbeutel, eingewickelt in ein Baumwolltuch, geraten. Diese sollten immer wieder nur kurz an die schmerzende Stelle gehalten werden. Auch Akupressurmassage helfe gegen akute Kopfschmerzen.
Was bedeutet Wetterfühligkeit?
Der Begriff „Wetterfühligkeit“ bezeichnet im Allgemeinen eine Überempfindlichkeit gegenüber Wetterlagen und Wetterphänomenen. Tatsächlich legen inzwischen zahlreiche Studien nahe, dass das Wetter einen beträchtlichen Einfluss etwa auf die Zahlen der Krankenhauseinweisungen haben kann. Unter Tiefdruckeinfluss wird das Wetter unbeständiger, ändert sich schneller und kann somit zur Belastung für den Körper werden, denn dann ist der Körper in seiner Anpassungsfähigkeit besonders herausgefordert. So kann das Wetter Kopfschmerzen, Schwindel und Gelenkschmerzen auslösen, auch Migräne ist nicht selten. Insbesondere kann schwüles und heißes Wetter Schwindel und Kopfschmerzen auslösen. Dies hängt mit den Gefäßen zusammen: Wird es warm, weiten sie sich und es muss mehr Blut zurück zum Herzen transportiert werden. Das kann Kreislaufprobleme verursachen, da das Herz stärker gefordert ist.
Tipps für wetterfühlige Menschen
- Akute Hilfe: Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kann das Wetter Kopfschmerzen auslösen, beispielsweise bei plötzlich ansteigenden oder abfallenden Temperaturen. Dann hilft beispielsweise eine Kopfmassage dabei, die Durchblutung im Kopf anzuregen. Kalte Güsse an Armen und/oder Beinen helfen, den wetterempfindlichen Kreislauf zu stabilisieren. Ein paar Tropfen ätherische Öle im Wasser wie z.B. Rosmarin, Eukalyptus oder Pfefferminzöl wirken belebend und erfrischend, Lavendel oder Melisse dagegen entspannend und sorgen für einen zusätzlich lindernden Effekt. Warme oder kalte Kompressen auf den schmerzenden Körperteilen verschaffen schnell und effektiv Linderung.
- Vorbeugende Maßnahmen: Da Wetterfühligkeit oft mit erschwerter Anpassung an die Druckverhältnisse in Verbindung gebracht wird, ist Kreislauftraining verschiedenster Art zu empfehlen. Dazu gehört die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ebenso wie die Anwendung thermischer Reize wie etwa Wechselduschen oder auch - sofern keine Gegenanzeigen vorliegen - Saunagänge.
Umgang mit Migräne-Mythen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Sie zählt zu den schwersten Behinderungen, insbesondere von Frauen. Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nie das Symptom einer anderen Erkrankung! Betroffene sind weder arbeitsunwillig, psychisch krank noch suchen sie nach Aufmerksamkeit. Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die nicht durch Allergien bedingt ist. Auch besteht keine Vergiftung im Körper, nichts muss ausgeleitet, entschlackt oder entsäuert werden. Diäten sind wirkungslos. Wichtig ist vielmehr eine vollwertige Mischkost, die ausreichend Kohlenhydrate enthalten sollte.
Fazit
Hitze kann eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verursachen, insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Migräne. Es ist wichtig, die Risiken zu kennen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen von Hitze auf den Körper zu minimieren. Dazu gehören ausreichend Flüssigkeitszufuhr, das Vermeiden von extremer Hitze und direkter Sonneneinstrahlung sowie die Einhaltung eines gesunden Lebensstils. Bei Anzeichen eines Sonnenstichs oder Hitzschlags sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Migränepatienten sollten besonders auf Wetterwechsel achten und Strategien entwickeln, um Attacken vorzubeugen und zu behandeln.