Bei einer Demenzerkrankung, wie beispielsweise Morbus Alzheimer, fallen im Laufe der Zeit immer mehr Gehirnfunktionen aus. Das Gehirn fungiert für den gesamten Körper als Steuerungszentrale. Eine Demenz ist keine normale Alterserscheinung, sondern ein Syndrom, das durch Schäden an den Gehirnzellen verursacht wird. Diese Schäden beeinflussen die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen, was die Denkfähigkeit, das Verhalten und die Gefühle der Betroffenen stark beeinträchtigen kann.
Was ist Demenz?
Der Begriff „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „ohne Geist“. Er beschreibt eine Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten bis hin zum völligen Verlust. Am Anfang sind häufig Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört, später verschwinden auch Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Demenz ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Syndrom mit verschiedenen Ursachen. Es gibt primäre und sekundäre Demenzformen, die sich in Ursache, Verlauf und betroffenen Hirnregionen unterscheiden.
Ursachen von Demenz
Die Ursachen von Demenz sind vielfältig. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Demenzen.
Primäre Demenzen:
- Alzheimer-Krankheit: Mit etwa 70 Prozent die häufigste Form. Kennzeichnend sind Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) im Gewebe und ein fortschreitender Untergang von Nervenzellen.
- Vaskuläre Demenz (VD): Entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, beispielsweise durch Schlaganfälle.
- Lewy-Körper-Demenz: Eine neurodegenerative Erkrankung, die durch sogenannte „Lewy-Körperchen“ im Gehirn verursacht wird. Typische Symptome sind optische Sinnestäuschungen und motorische Störungen.
- Frontotemporale Demenz (Morbus Pick): Betrifft vor allem den Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns und führt zu Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens.
- Parkinson-Demenz: Entwickelt sich bei einem Teil der Parkinson-Patienten.
Sekundäre Demenzen:
- Werden durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch (Korsakow-Demenz) oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Infektionen
- Hormonelle Störungen
- Chronische Nierenerkrankungen
Symptome einer Demenz
Die Symptome einer Demenz können vielfältig sein und hängen vom Stadium der Erkrankung ab.
Allgemeine Symptome:
- Gedächtnisverlust, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses
- Wortfindungsstörungen
- Orientierungsprobleme (zeitlich und räumlich)
- Eingeschränkte Auffassungsgabe
- Probleme beim Planen und Problemlösen
- Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens
- Antriebslosigkeit
- Unruhe
- Reizbarkeit
- Aggressivität
- Wahnhafte Befürchtungen
- Verkennung von Situationen
- Halluzinationen
Körperliche Symptome:
- Schwierigkeiten beim Gehen
- Unsicherer Gang
- Koordinationsprobleme
- Schluckstörungen (Dysphagien)
- Harn- und/oder Stuhlinkontinenz
- Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
Stadien der Demenz
Der Verlauf einer Demenz kann grob in drei Stadien gegliedert werden:
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- Leichtgradige Demenz (Frühstadium):
- Gedächtnisstörungen im Vordergrund
- Wortfindungsstörungen
- Eingeschränkte Auffassungsgabe, Planung und Problemlösung
- Zeitliche und räumliche Orientierungsprobleme
- Gewohnte Alltagstätigkeiten können mit gelegentlicher Hilfestellung ausgeübt werden
- Geschäfts- und Testierfähigkeit in der Regel nicht beeinträchtigt
- Fahrtauglichkeit kann erhalten sein
- Unterstützung bei anspruchsvollen Aufgaben wie Haushaltsorganisation, Bankgeschäften oder Reisen erforderlich
- Berufliche Tätigkeiten meist nicht mehr möglich
- Nachlassen der Leistungsfähigkeit wird wahrgenommen
- Mittelschwere Demenz (mittleres Stadium):
- Starke kognitive Störungen, die Hilfe bei einfachen Verrichtungen des täglichen Lebens erforderlich machen
- Altgedächtnis verblasst
- Verlust der zeitlichen und örtlichen Orientierungsfähigkeit
- Sprachliche Verständigung wird zum Problem
- Selbstständige Lebensführung nicht mehr möglich
- Keine Fahrtauglichkeit mehr
- Ausgeprägte Verhaltensänderungen: Antriebslosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität
- Seltener: Störungen des Wirklichkeitsbezugs (wahnhafte Befürchtungen, Verkennung von Situationen, Halluzinationen)
- Körperliche Symptome: Krampfanfälle (Epilepsie), Inkontinenz
- Bestimmte Fähigkeiten sind erhalten: Erinnerung an Lieder, Musik und Gedichte
- Schwere Demenz (Spätstadium):
- Vollständige Pflegebedürftigkeit
- Sprachliche Verständigung gelingt nicht mehr
- Häufig bettlägerig
- Versteifung von Gliedmaßen
- Ernährungsstörungen
- Hohe Anfälligkeit für Infektionen (Lungenentzündung ist häufigste Todesursache)
Mittelschwere Demenz im Detail
Im Stadium der mittelschweren Demenz sind die kognitiven Störungen so stark ausgeprägt, dass die Betroffenen auch bei einfachen Verrichtungen des täglichen Lebens Hilfe benötigen. Das Altgedächtnis verblasst, die zeitliche und örtliche Orientierungsfähigkeit geht verloren, die sprachliche Verständigung wird zum Problem. Eine selbstständige Lebensführung ist nicht mehr möglich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, selbst Auto zu fahren. Zusätzlich treten ausgeprägte Verhaltensänderungen auf, vor allem Antriebslosigkeit, Unruhe und Reizbarkeit, aber auch Aggressivität. Seltener sind Störungen des Wirklichkeitsbezugs wie wahnhafte Befürchtungen, Verkennung von Situationen oder Halluzinationen. Auch körperliche Symptome wie Krampfanfälle (Epilepsie) sowie Schwierigkeiten mit der Kontrolle von Blase und Darm (Inkontinenz) können auftreten. Bestimmte Fähigkeiten sind aber nach wie vor erhalten, zum Beispiel werden Lieder, Musik und Gedichte häufig noch gut erinnert.
Diagnose von Demenz
Wenn der Verdacht auf eine Demenzerkrankung besteht, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt, der gegebenenfalls an einen Facharzt (Neurologen, Psychiater, Geriater) überweist.
Diagnostische Schritte:
- Anamnese: Erhebung der Symptome und Verhaltensänderungen durch Befragung des Betroffenen und einer Bezugsperson.
- Körperliche Untersuchung: Um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Neurologische und neuropsychologische Tests: Zur Beurteilung der kognitiven Funktionen (z.B. Mini-Mental-Status-Test).
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss von Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangel oder Infektionen.
- Bildgebende Verfahren (cCT, cMRT): Um Veränderungen im Gehirn darzustellen.
- Liquorpunktion: Um Nervenwasser zu entnehmen und Alzheimer-typische Eiweiße nachzuweisen.
Behandlung von Demenz
Demenz ist bisher nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, den Verlauf zu verzögern und Symptome zu lindern.
Medikamentöse Behandlung:
- Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin): Für die Behandlung der leichtgradigen bis mittelschweren Alzheimer-Krankheit. Sie erhöhen den Acetylcholin-Spiegel im Gehirn.
- Memantine: Für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Alzheimer-Krankheit.
Nicht-medikamentöse Behandlung:
- Ergotherapie: Zum Erhalt und zur Förderung der Alltagsfähigkeiten.
- Logopädie: Bei Sprach- und Schluckstörungen.
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
- Musiktherapie: Zur Verbesserung der Stimmung und des Wohlbefindens.
- Hirnleistungstraining: Zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten.
- Erinnerungstherapie: Zur Aktivierung des Langzeitgedächtnisses.
- Anpassung der Lebensumstände: An die Bedürfnisse des Betroffenen.
- Soziale Teilhabe und Kontakte: Können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Neue Therapieansätze:
- Seit kurzem stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab.
Umgang mit Menschen mit Demenz
Der Umgang mit Menschen mit Demenz erfordert viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis.
Tipps für Angehörige:
- Sicherheit und Geborgenheit vermitteln
- In Entscheidungen einbeziehen
- So lange wie möglich in das soziale Leben einbeziehen
- Aufgaben übernehmen lassen
- Aktiv bleiben
- An Interessen und Vorlieben anknüpfen
- Kommunikation anpassen
- Demenzgerechte Raumgestaltung
- Entlastung suchen
Patientenverfügung und Vorsorge
Es ist ratsam, frühzeitig eine Patientenverfügung zu erstellen, um die medizinischen Wünsche für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit festzulegen. Dies entlastet auch die Angehörigen.
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Prävention von Demenz
Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten.
Wichtige Schutzfaktoren:
- Bewegung
- Gesunde Ernährung
- Soziale Kontakte
- Geistige Aktivität
- Vermeidung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht
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