Die Demenz, insbesondere die Alzheimer-Krankheit, ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Sie betrifft Millionen von Menschen weltweit und beeinträchtigt deren Lebensqualität sowie die ihrer Familien. Umso wichtiger ist es, die komplexen Vorgänge im Gehirn bei Demenz zu verstehen, um Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie zu entwickeln. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Alzheimer-Krankheit, ihre Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung in die Demenz und Alzheimer-Krankheit
Demenz ist ein Oberbegriff für etwa 50 verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die mit einem fortschreitenden Verlust der geistigen Funktionen einhergehen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und macht 60 bis 70 Prozent aller Demenz-Erkrankungen aus. Korrekt wird die Alzheimer-Erkrankung als „Demenz vom Alzheimer-Typ“ oder „Morbus Alzheimer“ bezeichnet, wobei „Morbus“ Krankheit bedeutet.
Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) lebten Ende 2021 in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, wobei es sich in den meisten Fällen um eine Alzheimer-Demenz handelte. Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an, insbesondere ab dem 65. Lebensjahr. Obwohl es unwahrscheinlich ist, mit 20, 30 oder 40 Jahren eine Demenz zu bekommen, ist dies dennoch möglich.
Was passiert im Gehirn bei Alzheimer?
Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn nach und nach geschädigt werden und absterben, was zu einem Verlust der Hirnmasse (Hirnatrophie) führt. Betroffen sind vor allem Nervenzellen in der Hirnrinde (Cortex) und tiefer liegenden Hirnbereichen, die für Gedächtnis, Sprache und räumliche Orientierung zuständig sind.
Die Alzheimer-Krankheit ist durch spezielle Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet, an denen hauptsächlich zwei Proteine beteiligt sind: Beta-Amyloid und Tau-Protein.
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Beta-Amyloid und die Entstehung von Plaques
Beta-Amyloid ist ein Protein, das natürlicherweise im Gehirn vorkommt. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Protein jedoch fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen, die sogenannten Plaques. Diese Plaques lagern sich zwischen den Nervenzellen ab und stören die Signalübertragung, was letztendlich eine Kaskade auslöst, die zum Absterben der Nervenzellen führt.
Die Amyloid-Plaques bilden sich bereits in einer sehr frühen Phase der Erkrankung, oft Jahrzehnte bevor die ersten Symptome auftreten. Im gesunden Gehirn wird Amyloid problemlos abgebaut, aber bei Alzheimer ist dieser Abbauprozess gestört.
Tau-Protein und die Bildung von Fibrillen
Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelartige Fasern, sogenannte Fibrillen. Diese Tau-Ablagerungen bilden sich genau in den Gehirnregionen, die bei Alzheimer zuerst zerstört werden: im Schläfenlappen und im Scheitellappen.
Die chemische Veränderung des Tau-Proteins bewirkt, dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann und eine fadenförmige Struktur bildet. Obwohl Alois Alzheimer bereits vor fast 120 Jahren Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter als Ursache der „Krankheit des Vergessens“ vermutete, gibt es bis heute keinen Beweis dafür.
Weitere Faktoren, die zur Entstehung von Alzheimer beitragen
Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen auch Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen.
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- Mikrogliazellen: Sie spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem unseres Gehirns und sorgen dafür, dass schädliche Substanzen wie Krankheitserreger zerstört und abtransportiert werden.
- Astrozyten: Sie versorgen das Gehirn mit Nährstoffen, regulieren die Flüssigkeitszufuhr und helfen bei der Regeneration des Zellgewebes nach Verletzungen. Astrozyten stehen im Verdacht, an der Verbreitung der giftigen Amyloid-beta-Oligomere und Tau-Fibrillen beteiligt zu sein.
Die Alzheimer-Krankheit verändert das Gehirn auf vielfältige Weise, aber bis heute ist nicht klar, welche Ursachen die Krankheit letztlich auslösen. Dies liegt zum einen daran, dass die Alzheimer-Krankheit sehr komplex ist, zum anderen aber auch daran, dass es sich zunächst um eine stumme Krankheit ohne Symptome handelt.
Symptome der Alzheimer-Krankheit
Die Symptome der Alzheimer-Krankheit entwickeln sich in der Regel langsam und verschlechtern sich zunehmend über mehrere Jahre. Zu Beginn kann der Verlauf ganz schleichend, nahezu unmerklich sein. Die Alzheimer-Krankheit kann bei jedem etwas unterschiedlich verlaufen. Man geht bei Alzheimer von einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 12 bis 24 Jahren aus.
Typisch für Alzheimer sind spezielle Veränderungen im Gehirn, durch die Patienten nach und nach ihre kognitiven Fähigkeiten verlieren. Diese Einbußen betreffen zunächst häufig das Gedächtnis und Denkvermögen, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auch das Verhalten und die Persönlichkeit der Patienten.
Frühsymptome und Anzeichen
Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Ein typisches Frühsymptom sind Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, das heißt, man kann sich an kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern. Weitere Symptome sind Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Dinge zu planen und zu organisieren.
Alzheimer-Patienten können außerdem die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie „gestern“, „heute“ und „morgen“.
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Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen. So ist es möglich, dass Menschen mit Alzheimer beispielsweise ihren Standort, einzelne Gegenstände, andere Personen oder gesprochene Worte falsch beziehungsweise anders interpretieren, weil sie es nicht mehr in den richtigen Kontext setzen können. Eines von vielen möglichen Szenarien wäre, dass an der Wand befestigte Bilderrahmen nicht mehr als solche wahrgenommen werden, sondern als Fenster.
Sprach- und Kommunikationsstörungen
Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“.
Schwierigkeiten bei Alltagsaufgaben
Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild bei Patienten ist oftmals ein Ausdruck von fehlenden Fähigkeiten, beispielsweise nicht mehr weiß, wie er seinen Haarkamm bedienen soll.
Verhaltensänderungen und psychische Symptome
Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit der Patienten einhergehen. Verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen, bereitet Menschen mit Alzheimer zunehmend Schwierigkeiten. Die Ursache dahinter ist ein vermindertes Urteilsvermögen. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren.
Die Symptome der Alzheimer-Krankheit können die psychische Gesundheit von Patienten stark beeinträchtigen. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.
Späte Stadien der Erkrankung
Im mittleren Stadium nehmen Sprach- und Orientierungsprobleme sowie Vergesslichkeit zu, und der Tag-Nacht-Rhythmus kann gestört sein. Häufig stellt sich im mittleren Stadium auch eine massive Unruhe ein. Viele Betroffene neigen dazu, aus der Wohnung zu laufen, eine sogenannte Hinlauftendenz. Für viele Angehörige ist es besonders schwierig, wenn der Erkrankte ihren Namen nicht mehr weiß oder sie für eine andere Person hält. Manchmal sogar für jemanden, den er nicht mag oder sogar fürchtet. Außerdem kann es zu aggressivem Verhalten und Wutausbrüchen kommen.
Im Endstadium von Alzheimer sind die meisten Patienten teilnahmslos. Essen und Trinken ist nicht mehr selbstständig möglich. Die Betroffenen erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren. Verschiedene Faktoren im Endstadium von Alzheimer schwächen zudem das Immunsystem der Patienten. In der Folge sind sie anfälliger für Infektionskrankheiten, die dann oftmals tödlich enden. Die häufigste Todesursache bei Alzheimer ist nicht die Erkrankung selbst, sondern meist eine Lungenentzündung durch sogenannte Aspiration oder eine Blutvergiftung durch Dekubitus.
Diagnose der Alzheimer-Krankheit
Eine frühe Diagnose bei Alzheimer ist in vieler Hinsicht wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, die im nächsten Schritt getroffen werden sollten. Gerade zu Beginn führen frühe Anzeichen wie Vergesslichkeit oftmals zu Konflikten. Zu wissen, dass sich hinter diesen Anzeichen eine beginnende Alzheimer-Krankheit verbirgt, schafft mehr Verständnis und kann somit auch Konflikten vorbeugen.
Erste Anlaufstelle zur Abklärung dieser Auffälligkeiten ist in der Regel Ihr Hausarzt. Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich des Gehirns. In vielen Krankenhäusern gibt es spezielle Gedächtnissprechstunden oder ganze Gedächtnisambulanzen, die auf die Frühdiagnostik bei beginnenden Gedächtnisproblemen spezialisiert sind.
Die Diagnostik bei einer Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden.
Kognitive und psychometrische Tests
Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen. Diese Tests helfen, den Grad der kognitiven Beeinträchtigung zu bestimmen und andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
Bildgebende Verfahren
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ein MRT des Gehirns kann helfen, Veränderungen in der Hirnstruktur festzustellen, wie z.B. eine Verkleinerung bestimmter Hirnbereiche.
- Amyloid-PET: Dieses bildgebende Verfahren kann Amyloid-Plaques im Gehirn sichtbar machen und so zur Diagnose beitragen. Allerdings ist es ein aufwendiges und teures Verfahren, das sich nicht flächendeckend einsetzen lässt.
Blutuntersuchungen
Blutuntersuchungen können Hinweise auf Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen geben und helfen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. Nährstoffmangel oder Blutarmut. Zudem gibt es sogenannte Blut-Biomarker, die sich bei einer Blutprobe ermitteln lassen und auf die Verklumpung von Amyloid beta im Gehirn hinweisen.
Genetische Tests
Ja, aber nur bei circa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine Erbkrankheit. Dabei spricht die Medizin von einer sogenannten familiären Alzheimer-Demenz, kurz FAD. Hier liegt das eigene Erkrankungsrisiko bei 50 Prozent, wenn ein Elternteil an dieser speziellen Alzheimer-Form erkrankt ist.
Jeder Mensch erbt von seinen Eltern zwei Kopien des ApoE-Gens, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Die Variante ApoE4 erhöht das Alzheimer-Risiko und kann die Nebenwirkungen von Leqembi verstärken. Mit einem einfachen Bluttest kann festgestellt werden, ob und wie viele Kopien von ApoE4 vorhanden sind.
Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist chronisch und bislang nicht heilbar. Allerdings gibt es verschiedene Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Symptome lindern können.
Medikamentöse Behandlung
In Deutschland sind derzeit zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit vier Wirkstoffe zugelassen. Diese Medikamente können die Symptome verbessern und die geistigen Leistungen stabilisieren.
Die Amyloid-Antikörper binden an die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und helfen, diese abzuräumen. Lecanemab muss derzeit alle 2 Wochen als Infusion verabreicht werden. Des Weiteren sind regelmäßige MRT-Sicherheitskontrollen erforderlich (aktuelles MRT vor Beginn der Therapie und dann vor der 5., 7. und 14.
Nicht-medikamentöse Therapien
Um die geistigen Leistungen und Alltagsfähigkeiten zu stärken, gibt es viele therapeutische Behandlungswege. Damit lassen sich auch Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefindens verbessern.
- Kognitives Training: Durch gezielte Übungen können Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere kognitive Funktionen trainiert werden.
- Ergotherapie: Ergotherapeuten helfen den Betroffenen, ihre Alltagsfähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
- Musiktherapie: Musik kann positive Emotionen wecken und die Kommunikation fördern.
- Bewegungstherapie: Körperliche Aktivität kann die körperliche und geistige Gesundheit verbessern.
Unterstützung und Entlastung für Angehörige
Wenn Sie einen Menschen mit Demenz zuhause pflegen, müssen Sie einen Weg finden, wie Sie langfristig gut miteinander kommunizieren und leben können. Kleine Orientierungs- und Erinnerungshilfen im Wohnraum können Betroffenen und Angehörigen den Pflegealltag erleichtern. Wenn Alzheimer-Patienten über die Zeit den Umgang mit alltäglichen Dingen verlernen, wird die Auswahl an Aktivitäten im Alltag immer kleiner. Das Bedürfnis nach Beschäftigung bleibt jedoch. Kleinere Aufgaben und Übungen für die Person mit Alzheimer schaffen auch Ihnen als Pflegeperson kleine Pausen.
Es ist wichtig, dass Sie sich mit der Erkrankung und den möglichen Entlastungsangeboten beschäftigen. Wer mehr über die Alzheimer-Krankheit weiß, kann besser damit umgehen.
Wenn Sie feststellen, dass sich ein Unterstützungsbedarf abzeichnet, sollten Sie den möglichen Anspruch auf einen Pflegegrad prüfen. Denn mit diesem stehen der betroffenen Person verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zu, die ihren Pflegealltag erleichtern sollen. In einem Pflegetagebuch können Sie die Beeinträchtigungen im Alltag genauer beobachten und dokumentieren. Ein Pflegetagebuch unterstützt Sie gegebenenfalls beim Antrag auf Pflegegrad.
Leben mit Alzheimer: Selbstbestimmung und Lebensqualität erhalten
Trotz Alzheimer: Der Mensch bleibt. Wie geht es jetzt weiter? Das ist eine der ersten, oft unausgesprochenen Fragen. Alzheimer verändert das Leben. Aber es nimmt nicht sofort alles, was den Menschen ausmacht. Erinnerungen mögen verblassen, der Alltag sich verändern - doch der Mensch bleibt. Trotz der Diagnose ist ein Leben mit Sinn, Freude und Verbindung möglich. Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen.
Kleine Veränderungen im Alltag, Routinen, liebevolle Unterstützung und Geduld helfen dabei, Orientierung zu geben. Wer versteht, was gerade geschieht, kann bewusster handeln. Ein guter Weg ist es, die eigenen Stärken bewusst auszubauen - und mit den Schwächen möglichst gelassen und kreativ umzugehen. Was gut gelingt oder Freude macht, darf und soll intensiviert werden. Gleichzeitig ist es wichtig, mit den Einschränkungen liebevoll umzugehen - nicht als persönliches Scheitern, sondern als Teil der Krankheit. Alzheimer nimmt viel, aber es gibt Wege, Selbstbestimmung zu erhalten und neue Formen von Alltag und Nähe zu gestalten. Dieser Weg ist nicht einfach - aber niemand muss ihn allein gehen.
Auch wenn Alzheimer vieles verändert, gibt es vieles, was man selbst in der Hand behalten kann. Struktur gibt Halt. Feste Tagesabläufe, wiederkehrende Rituale und vertraute Umgebungen helfen, sich zu orientieren. Bleiben Sie aktiv - auf Ihre Weise. Bewegung, frische Luft, Musik, gemeinsames Kochen oder einfache Handarbeiten können viel Lebensfreude schenken. Es geht nicht um Leistung, sondern um Teilhabe und Freude an vertrauten Tätigkeiten. Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Der Austausch mit vertrauten Menschen, mit Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen kann entlasten. Akzeptieren Sie Unterstützung. Hilfe anzunehmen, bedeutet nicht Schwäche - es bedeutet Stärke. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Jeder Tag ist neu. Nicht jeder wird einfach sein - aber in vielen steckt ein kostbarer Moment: ein Lächeln, ein vertrauter Blick, ein Augenblick der Nähe. Diese Momente zählen.
Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken.
Risikofaktoren und Prävention
Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können. Allerdings ist die Alzheimer-Krankheit nur in etwa einem Prozent aller Fälle erblich bedingt.
Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bluthochdruck
- Diabetes
- Übergewicht
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Soziale Isolation
Durch einen gesunden Lebensstil kann man viele dieser beeinflussbaren Risikofaktoren minimieren. Dazu gehören:
- Eine ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Geistige Aktivität
- Soziale Kontakte
- Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum
Forschung und Ausblick
Über die Ursachen der Alzheimer-Krankheit wird viel geforscht. Fest steht: Bei Menschen mit Alzheimer kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die sich in vielfältiger Weise auf die Betroffenen auswirken. Überall auf der Welt arbeiten Forscherinnen und Forscher daran, Antworten darauf zu finden, wie Alzheimer entsteht, wie es verhindert oder geheilt werden kann.
Obwohl der genaue Auslöser für das Auftreten der Alzheimer-Krankheit nach wie vor nicht bekannt ist, sind die Vorgänge im Gehirn mittlerweile sehr intensiv erforscht. Derzeit gibt es keine Heilung für die Alzheimer-Krankheit, doch inzwischen steht die Zulassung eines ersten Medikaments, das den Krankheitsprozess im Gehirn in bestimmten Fällen verlangsamen kann, auch in Europa bevor.
Die Forschung geht davon aus, dass die für Alzheimer typischen molekularen Prozesse im Gehirn Jahre oder Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Dies eröffnet die Möglichkeit, in Zukunft durch frühzeitige Diagnose und Intervention den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Fazit
Die Alzheimer-Krankheit ist eine komplexe und vielschichtige Erkrankung, die das Gehirn auf vielfältige Weise verändert. Durch ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen und Risikofaktoren können wir die Prävention, Diagnose und Behandlung verbessern und den Betroffenen ein längeres und erfüllteres Leben ermöglichen. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, um die Selbstbestimmung und Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.