Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der in Deutschland etwa 12 bis 14 Prozent aller Frauen und 6 bis 8 Prozent aller Männer betroffen sind. Bei Kindern liegt die Quote bei 4 bis 5 Prozent. Sie erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und klingt ab dem 55. Lebensjahr ab. Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist, aber gut behandelbar, sodass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird. Es ist wichtig, die ersten Anzeichen zu erkennen und rechtzeitig zu handeln, um die Intensität und Dauer der Attacken zu reduzieren.
Die vier Phasen der Migräne
Eine Migräneattacke durchläuft in der Regel vier Phasen, die jeweils eigene Symptome mit sich bringen:
- Prodromalphase (Ankündigungsphase): Bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten kündigt sich eine Kopfschmerzattacke im Vorfeld mit verschiedenen Symptomen an. Diese Phase kann wenige Stunden oder bis zu zwei Tage vor der eigentlichen Attacke eintreten.
- Auraphase: Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten tritt im Anschluss an die Prodromalphase eine Auraphase auf. Sie ist mit vorübergehenden neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen verbunden.
- Kopfschmerzphase: In dieser Phase setzt der eigentliche Kopfschmerz ein, begleitet von typischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit.
- Rückbildungsphase (Remission): Nach der Kopfschmerzphase klingt die Migräneattacke langsam ab, oft gefolgt von einer Erholungs- oder Schlafphase.
Erkennen der ersten Anzeichen (Prodromalphase)
Die Prodromalphase ist entscheidend, um frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Typische Symptome sind:
- Psychische Veränderungen: Depressive Verstimmung, vermehrte Gereiztheit, Unruhe, aber auch Hochstimmung und ein Gefühl besonderer Leistungsfähigkeit.
- Appetitveränderungen: Heißhunger auf Süßigkeiten oder fettige Speisen, ungewöhnlicher Durst oder Appetitlosigkeit.
- Körperliche Beschwerden: Verstopfungen, Müdigkeit, Benommenheit, Nacken- und Schulterverspannungen.
- Konzentrationsschwierigkeiten: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und triviale Kleinigkeiten stören.
- Vermehrtes Gähnen: Ununterbrochenes Gähnen trotz ausreichend Schlaf.
Was tun bei ersten Anzeichen?
Sobald Sie die ersten Anzeichen einer Migräne bemerken, können Sie verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Symptome zu lindern oder die Attacke abzumildern:
1. Rechtzeitig reagieren
- Stress reduzieren: Wenn Sie merken, dass Ihr Stresspegel steigt und Ihre Stimmung schlecht ist, schalten Sie einen Gang runter.
- Entspannung suchen: Tun Sie sich etwas Gutes und finden Sie Entspannung, sei es durch ein warmes Bad, einen Spaziergang in der Natur oder eine kurze Meditation.
2. Hausmittel und natürliche Methoden
- Dunkler, ruhiger Ort: Ziehen Sie sich an einen dunklen und ruhigen Ort zurück.
- Kühle Kompressen: Legen Sie eine kalte Kompresse auf die Stirn oder den Nacken.
- Pfefferminzöl: Massieren Sie ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen ein.
- Lavendelöl: Eine klinische Studie von 2012 zeigte positive Wirkungen von Lavendelöl.
- Kaffee: Eine Tasse Kaffee am Anfang der Migräne-Attacke kann die Schmerzen lindern (aber Vorsicht: Koffein kann auch ein Trigger sein).
3. Medikamentöse Behandlung
- Rezeptfreie Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelgradigen Schmerzen können Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen helfen.
- Triptane: Bei schweren Attacken können Triptane angewendet werden. Sie sollten zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden, können aber auch noch während einer Migräneattacke erfolgreich sein.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika wie Metoclopramid eingenommen werden. Nehmen Sie diese am besten vor dem Schmerzmittel ein.
- Kombinationspräparate: Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) empfiehlt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine fixe Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein.
Wichtiger Hinweis: Tripatane und auch freiverkäufliche Schmerzmittel dürfen nicht zu häufig eingenommen werden, da es sonst zu einem Dauerkopfschmerz kommen kann. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die richtige Dosierung und Anwendung.
Lesen Sie auch: Umfassender Überblick über Alzheimer-Frühsymptome
4. Während der Auraphase
- Medikamente bereithalten: Wenn Sie unter Migräne mit Aura leiden, haben Sie Ihre Medikamente immer griffbereit.
- Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurück, legen Sie sich hin und schließen Sie die Augen.
- Arzt aufsuchen: Wenn Sie bisher keine Migräne mit Aura hatten und plötzlich Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Sprachschwierigkeiten auftreten, suchen Sie sofort einen Arzt auf.
5. Unterstützung annehmen
- Hilfe bitten: Bitten Sie Familie oder Freunde um Hilfe und Unterstützung.
- Verständnis schaffen: Erklären Sie Ihrem Umfeld die Erkrankung Migräne, damit sie Sie besser verstehen und unterstützen können.
Vorbeugende Maßnahmen
Neben der Akutbehandlung ist es wichtig, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren.
1. Lebensstiländerungen
- Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
- Ausgewogene Ernährung: Vermeiden Sie Blutzuckerschwankungen und halten Sie regelmäßige Tagesabläufe und Schlafzyklen ein. Meiden Sie Suchtstoffe wie Koffein, Alkohol und Nikotin.
- Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder Meditation.
- Regelmäßige Bewegung: Lauftraining und andere Ausdauersportarten können helfen, Migräne vorzubeugen.
2. Ernährung
- Migräne-Tagebuch: Führen Sie ein Migräne-Tagebuch, um Ihre persönlichen Triggerfaktoren zu identifizieren.
- Trigger vermeiden: Steuern Sie Migräne-Trigger ausgewogen, anstatt diese strikt zu vermeiden, um unnötigen Stress zu reduzieren.
- Individuelle Auslöser: Achten Sie darauf, welche Nahrungsmittel oder Umweltreize Ihre Migräne verstärken und passen Sie Ihre Ernährung entsprechend an.
3. Verhaltenstherapie
- Kognitive Verhaltenstherapie: Erlernen Sie Techniken, um mit Ängsten, depressiven Verstimmungen und dem Gefühl der Machtlosigkeit umzugehen.
4. Medikamentöse Prophylaxe
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine medikamentöse Migräneprophylaxe, wenn Attacken häufiger als dreimal pro Monat auftreten.
- Medikamente: Häufige Substanzen zur Migräneprophylaxe sind Betarezeptorenblocker und Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden. Neu entwickelte Migräne-spezifische Prophylaktika richten sich gegen die Effekte des Botenstoffs CGRP.
5. Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Erlernen Sie, einzelne Muskelbereiche anzuspannen und zu entspannen.
- Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Entwickeln Sie Strategien zur Stressbewältigung.
- Biofeedback-Therapie: Lernen Sie, biologische Signale wie den Blutdruck bewusst zu beeinflussen, um Kopfschmerzen zu lindern.
Migräne verstehen
Es ist wichtig zu verstehen, dass Migräne eine neurologische Erkrankung ist und keine psychische Erkrankung. Viele Betroffene spüren jedoch das Stigma, dass Migräne keine echte Erkrankung sei. Eine offene Kommunikation mit Ihrem Umfeld und die Suche nach professioneller Hilfe können Ihnen helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen.
Wann zum Arzt?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Die Kopfschmerzen plötzlich und sehr stark auftreten.
- Die Kopfschmerzen sich von Ihren üblichen Migräneattacken unterscheiden.
- Zusätzlich zu den Kopfschmerzen neurologische Symptome wie Sprachstörungen, Lähmungen oder Sehstörungen auftreten, die neu sind oder sich verschlimmern.
- Die Kopfschmerzen trotz Behandlung nicht besser werden.
- Sie mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat haben.
Lesen Sie auch: Überblick zur Schlaganfallbehandlung in der Akutphase
Lesen Sie auch: Leitfaden für den ersten Besuch beim Neurologen