Gluckern im Kopf nach Gehirntumor-OP: Ursachen und Erklärungen

Nach einer Operation zur Entfernung eines Gehirntumors können verschiedene Begleiterscheinungen auftreten. Eine davon, die von manchen Patienten beschrieben wird, ist ein "Gluckern" im Kopf. Dieses Phänomen kann beunruhigend sein, doch es gibt Erklärungen dafür.

Mögliche Ursachen für das Gluckern

Lufteinschlüsse nach der Operation

Ein häufiger Grund für das beschriebene Gluckern sind Lufteinschlüsse im Schädelinneren, die während der Operation entstehen können. Im Arztbrief kann nach einer Meningeom-OP vermerkt sein, dass das am Tag nach der OP gefertigte CT Kopf neben den im Resektionsareal post-OP typischen Luft-, Flüssigkeits- und Blutauflagerungen sich auch ein weiterer großer Lufteinschluss rechts-frontal zeigt. Während des Eingriffs wird der Schädel geöffnet (Kraniotomie), um Zugang zum Gehirn zu erhalten. Dabei kann Luft in den Schädel gelangen.

Resorption der Luft

Im Regelfall wird die Luft nach wenigen Tagen wieder verdrängt und dürfte dann keine Probleme mehr bereiten. Diese Luft wird vom Körper nach und nach resorbiert. Der Prozess der Resorption kann mit dem Gefühl eines Gluckerns verbunden sein, insbesondere bei Bewegungen des Kopfes.

Liquorzirkulationsstörungen

Die Gehirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) befindet sich im Körper in einem Kreislauf: Sie wird ständig gebildet, fließt aber auch ständig ab und wird wieder in die Blutbahn aufgenommen (resorbiert). Ein Hydrocephalus entsteht, wenn die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit nicht mehr richtig abfließen kann. Ein Hydrocephalus kann angeboren oder erworben sein. Operationen im Gehirn können die Zirkulation des Liquors beeinflussen. Wenn der Liquorfluss behindert ist, kann dies zu einem Stau und somit zu einem Druckgefühl oder auch einem Gluckern im Kopf führen.

Normaldruckhydrozephalus

Der Normaldruckhydrozephalus tritt typischerweise im höheren Alter auf und entwickelt sich schleichend. Dabei ist durch Alterungsprozesse und manchmal Durchblutungsstörungen der Abfluss des Hirnwassers gestört. Ein Hydrocephalus ist eine krankhaft gesteigerte Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn mit erweiterten Hirnkammern.

Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv

Shunt-System

Auch wenn es keine mechanische Blockade gibt, schafft der Chirurg so eine Art Umgehungsstraße. Dafür legt er einen sogenannten „Shunt“ an, durch den der Liquor über einen unter der Haut implantierten feinen Kunststoffschlauch abfließen kann. Ein Shuntsystem hat meist ein Ventil, das die Menge des abgeleiteten Hirnwassers steuert. Dieses befindet sich in der Regel hinter dem Ohr. Bei Patienten mit einem Shunt-System zur Ableitung von Hirnwasser kann das Gluckern durch die Bewegung des Liquors im Schlauchsystem entstehen.

Was ist eine Kraniotomie?

Eine Kraniotomie ist die chirurgische Eröffnung des knöchernen Schädels. Sie dient als Zugangsweg bei Operationen am Gehirn und dessen benachbarten Strukturen. Im Rahmen der Kraniotomie wird ein Knochendeckel aus dem Schädel gehoben, sodass eine Schädelöffnung entsteht. Zum Umgang mit der Schädelöffnung gibt es zwei Verfahren: die osteoklastische Kraniotomie (Kraniektomie) und die osteoplastische Kraniotomie. Bei der Kraniektomie setzt der Chirurg das herausgesägte Knochenstück nicht wieder in seine ursprüngliche Position. Das Loch wird lediglich mit der Kopfschwarte und Kopfhaut verschlossen. Diese Methode wird zum Beispiel bei erhöhtem Hirndruck angewandt. Bei der osteoplastischen Kraniotomie setzt der Arzt den Knochendeckel wieder ins Schädeldach ein, wo sie nach einigen Monaten mit dem umgebenden Knochen verwächst.

Diagnostik und Abklärung

Um die Ursache für das Gluckern im Kopf zu bestimmen, sind in der Regel weitere Untersuchungen erforderlich. Hierzu gehören:

  • CT- oder MRT-Aufnahmen: Diese bildgebenden Verfahren können Lufteinschlüsse, Flüssigkeitsansammlungen oder andere Veränderungen im Gehirn darstellen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die neurologischen Funktionen, um mögliche Auswirkungen des Gluckerns auf die Hirnfunktion festzustellen.
  • Liquoruntersuchung: Bei Verdacht auf eine Liquorzirkulationsstörung kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um den Liquor zu untersuchen.

Umgang mit dem Gluckern

In vielen Fällen ist das Gluckern harmlos und verschwindet von selbst, wenn die Luft vom Körper resorbiert wird. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern:

  • Kopfposition: Das Anpassen der Kopfposition kann helfen, das Gluckern zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel gegen begleitende Kopfschmerzen eingenommen werden.
  • Regelmäßige Kontrolle: Es ist wichtig, den Arzt über das Gluckern zu informieren und regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Weitere mögliche Komplikationen nach einer Kraniotomie

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es im Einzelfall zu Komplikationen kommen. Mögliche Risiken sind:

Lesen Sie auch: Taubheitsgefühl nach zahnärztlichem Eingriff: Ein Leitfaden

  • Blutung und Bluterguss (Hämatom), eventuell mit operativer Entlastung
  • Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen oder Embolien)
  • Infektion
  • Wundheilungsstörung
  • Ästhetisch unbefriedigende Narbenbildung
  • Narkosekomplikationen

Besondere Risiken der Schädeleröffnung und der Operation am Gehirn können sein:

  • Verletzung von gesundem Hirngewebe
  • epileptische Anfälle (Epilepsie)
  • Austritt von Hirnflüssigkeit (Liquor)/ Liquorfistel
  • Gedächtnisstörungen
  • Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen
  • Lähmungen
  • Sprachstörungen (z. B. Aphasie oder Dysarthrie)
  • Ansammlung von Luft in der Schädelhöhle (Pneumocephalus)
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Schluckstörungen nach Gehirntumor-OP

Bei einer Schluckstörung - medizinisch Dysphagie genannt - ist das Schlucken erschwert oder gestört. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Oft sind Nervenerkrankungen die Ursache (neurogene Dysphagie). Um schwere Folgen wie eine Lungenentzündung durch Verschlucken (Aspiration) oder Mangelernährung zu vermeiden, ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Ursachen für Schluckstörungen

Die häufigsten Ursachen sind:

  • Schlaganfall
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (zum Beispiel Multiple Sklerose)
  • degenerative Erkrankungen des Nervensystems (zum Beispiel Morbus Parkinson)
  • Tumoren im Gehirn
  • Erkrankungen der peripheren Nerven mit Beteiligung der Hirnnerven und Muskelerkrankungen können ebenfalls eine Schluckstörung auslösen.

Symptome einer Schluckstörung

Folgende Symptome deuten auf eine Schluckstörung hin:

  • Druck- oder Kloßgefühl im Hals
  • Steckenbleiben von Nahrung oder Flüssigkeiten in der Kehle
  • Erstickungsanfälle bzw. Husten nach dem Essen/Trinken
  • „feuchte“ oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
  • Herauslaufen von Speichel aus dem Mund
  • Kaustörungen
  • verminderte Kraft und Abbau der Zungenmuskulatur mit Muskelzuckungen
  • verminderte Beweglichkeit der Zunge
  • fehlender Würgereflex
  • fehlendes oder unzureichendes, willkürliches Anheben des Gaumensegels bei normalem oder gesteigertem Gaumenbogenreflex
  • gestörte Gefühlswahrnehmung im Mund-Rachen-Bereich
  • Stimmlippenlähmung bzw. Heiserkeit, Stimmstörung, Stimmlosigkeit
  • Sprechstörung
  • Es können nur kleine Nahrungs- und/oder Trinkmengen aufgenommen werden
  • veränderte Haltung beim Schlucken (zum Beispiel Vorneigung des Kopfes)
  • unklare Fieberschübe, akute oder wiederkehrende Lungenentzündungen

Tiefe Hirnstimulation

Die tiefe Hirnstimulation (kurz THS) ist ein neurochirurgisches Behandlungsverfahren, das umgangssprachlich auch als Hirnschrittmacher bezeichnet wird. Ziel der THS ist, bestimmte Beschwerden zu lindern - insbesondere Bewegungsstörungen, wie sie zum Beispiel bei Morbus Parkinson auftreten. Heilen lässt sich die zugrunde liegende Erkrankung dadurch jedoch nicht.

Lesen Sie auch: Verlauf von Parkinson im Endstadium

Funktionsweise

Bei einer tiefen Hirnstimulation werden in regelmäßigen Abständen schwache Stromstöße an bestimmte Hirnbereiche gesendet. Dafür werden der Patientin oder dem Patienten eine oder zwei Elektroden ins Gehirn eingesetzt. Welche Hirnbereiche aktiviert werden sollen, richtet sich vor allem nach dem Krankheitsbild beziehungsweise den Beschwerden. Die Elektroden sind über Kabel mit einem Impulsgeber - dem eigentlichen Hirnschrittmacher - verbunden. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das unter der Haut implantiert ist. Es wiegt etwa 50 bis 60 Gramm. Mithilfe des Hirnschrittmachers lässt sich regeln, wann und wie die Elektroden Impulse ins Hirn abgeben.

tags: #wie #lange #ist #das #gluckern #im