Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter im Gehirn, der eine zentrale Rolle bei der Regulation von Bewegung, Motivation und Belohnung spielt. Es beeinflusst emotionale Reaktionen, geistige Prozesse und körperliche Funktionen. Ein Dopaminmangel oder -überschuss kann sich gravierend auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken.
Was ist Dopamin?
Dopamin ist ein chemischer Botenstoff, der Signale zwischen Nervenzellen (Neuronen) überträgt. Es wird in verschiedenen Hirnregionen gebildet, darunter die Substantia nigra, die Area tegmentalis ventralis und das Striatum. Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation, Motivation, Belohnungsgefühlen und Bewegungskoordination.
Es gibt sowohl zentrales als auch peripheres Dopamin. Zentrales Dopamin befindet sich im Gehirn und ist durch die Blut-Hirn-Schranke vom peripheren Dopamin getrennt, das in Blutgefäßen außerhalb des Gehirns vorkommt. Peripheres Dopamin wirkt als lokaler Botenstoff in verschiedenen Organen und Geweben und beeinflusst physiologische Prozesse wie Blutdruckregulation, Natrium- und Flüssigkeitsausscheidung, Insulinfreisetzung, Darmmotilität sowie Immun- und Entzündungsreaktionen.
Dopamin wird im Körper aus den Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin gebildet und ist ein Zwischenprodukt bei der Herstellung der Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin. Es steht in ständiger Wechselwirkung mit Serotonin, einem Neurotransmitter mit eher dämpfend-entspannender Wirkung.
Normwerte von Dopamin
Dopaminwerte können im Blut (Plasma) und im Urin (24-Stunden-Sammelurin) bestimmt werden. Oft werden dabei auch andere Katecholamine wie Adrenalin gemessen. Blutuntersuchungen liefern eine Momentaufnahme der Dopaminwerte, während Messungen im Sammelurin einen Überblick über den Dopamin-Stoffwechsel über einen längeren Zeitraum bieten.
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Die Normwerte für Dopamin im Blutplasma liegen normalerweise unter 85 ng/l (Nanogramm pro Liter). Die Normwerte für Dopamin im 24-Stunden-Sammelurin schwanken stark von Labor zu Labor, abhängig von der Messmethode. Im Einzelfall gelten immer die auf dem jeweiligen Laborbefund angegebenen Normwerte.
Es ist wichtig zu beachten, dass Blut- und Urinuntersuchungen peripheres Dopamin messen und diese Messwerte nicht immer die zentralen Dopaminwerte oder die Aktivität von Dopamin im Gehirn genau widerspiegeln.
Wann wird Dopamin bestimmt?
Dopamin ist kein Routine-Laborparameter und wird nur bei bestimmten Anlässen gemessen, beispielsweise bei Verdacht auf eine Erkrankung, die mit veränderten Dopaminwerten verbunden ist (z.B. Phäochromozytom, Neuroblastom, Bluthochdruck). Außerdem wird Dopamin manchmal zur Diagnose und Überwachung bestimmter Erkrankungen wie Parkinson eingesetzt. Die Messung hilft auch, die Wirksamkeit von Medikamenten zu bewerten, die sich auf die Dopaminspiegel auswirken.
Was Sie vor der Messung beachten sollten
Um genaue Messergebnisse zu erhalten, sollten Sie vor der Blutentnahme bzw. vor und während der Urin-Sammelperiode auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel verzichten. Dazu zählen Bananen, Käse, Mandeln, Nüsse, Vanille, Tee, Kaffee und Alkohol. Wie lange Sie vor der Probenentnahme darauf verzichten sollten, erfahren Sie von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Nach Möglichkeit sind auch manche Medikamente zu meiden, darunter zum Beispiel einige Bluthochdruckmittel, Barbiturate, Clonidin, Salizylate, Beta-Blocker und gewisse Antibiotika. Setzen Sie niemals verordnete Medikamente ohne vorherige Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin ab.
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Zudem sollten Sie vor der Blutentnahme sowie vor und während der Urin-Sammelperiode schwere körperliche Aktivität vermeiden. Vor der Entnahme der Blutprobe sollten Sie in der Arztpraxis mindestens 20 Minuten ruhig liegen.
Erhöhter Dopamin-Wert
Ein erhöhter Dopaminspiegel kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Belohnung und Vergnügen: Angenehme Aktivitäten oder positive Erfahrungen wie Essen, Sport, Sex und sozialer Austausch bewirken eine vermehrte Dopaminausschüttung.
- Stress und Aufregung: Stressige oder aufregende Situationen steigern die Dopaminwerte und erhöhen Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft.
- Körperliche Aktivität: Bewegung stimuliert die Bildung und Freisetzung von Dopamin im Gehirn.
- Schlaf-Wach-Zyklus: Dopaminwerte schwanken im Tagesverlauf und sind in Wachphasen höher als im Schlaf.
- Erkrankungen: Phäochromozytom, Neuroblastom und Schizophrenie können zu erhöhten Dopaminwerten führen.
- Medikamente: Antidepressiva, Antipsychotika, Parkinson-Medikamente und Aufputschmittel können die Dopaminwerte erhöhen.
- Drogenmissbrauch: Amphetamine, Opiate und Kokain führen zu einer verstärkten Dopaminausschüttung und können zur Sucht führen. Auch Nikotin führt zur Ausschüttung von Dopamin und sorgt so beim Rauchen für Glücksgefühle.
Symptome eines Dopamin-Überschusses:
- Intensive Wahrnehmung der Umwelt
- Unfähigkeit, zwischen wichtigen und unwichtigen Empfindungen zu unterscheiden
- Schlafprobleme
- Wahnvorstellungen
- Manisches Verhalten
Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie, Drogenabhängigkeit und Angstzuständen in Verbindung gebracht.
Erniedrigter Dopamin-Wert
Ein niedriger Dopaminspiegel kann verschiedene Ursachen haben:
- Schlaf: Im Schlaf ist der Dopaminspiegel natürlicherweise erniedrigt.
- Erkrankungen: Parkinson und Restless-Legs-Syndrom (RLS) sind mit einem Dopaminmangel verbunden.
- ADS und ADHS: Auch Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrome (ADS und ADHS) können auf eine Stoffwechselstörung bei Dopamin zurückzuführen sein.
Symptome eines Dopaminmangels:
- Antriebslosigkeit
- Müdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen und Burnout
- Verstopfung und andere Magen-Darm-Beschwerden
- Erhöhtes Risiko zur Entwicklung von Parkinson
Was tun bei verändertem Dopamin-Wert?
Wenn zu hohe oder niedrige Dopaminwerte gemessen werden, hängt das weitere Vorgehen von der Ursache dafür ab. Wenn zum Beispiel Stress für erhöhte Dopaminwerte sorgt, hilft gezielte Entspannung, das Gleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn wiederherzustellen.
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Haben veränderte Dopaminwerte eine krankheitsbedingte Ursache, gilt es, diese angemessen zu behandeln. Beispielsweise lässt sich der Dopamin-Mangel bei Parkinson mit Medikamenten ausgleichen, die entweder den fehlenden Botenstoff zuführen oder den Abbau des noch vorhandenen Dopamins hemmen.
Behandlung von Parkinson
Die Therapie bei Parkinson setzt sich zusammen aus einer Behandlung mit Medikamenten und nicht medikamentösen Maßnahmen wie Bewegungstherapie. Die Erkrankung lässt sich durch einen individuell angepassten Behandlungsplan oft über Jahre gut kontrollieren. Heilbar ist sie bislang nicht.
Behandlungsziele:
- Die Parkinson-Beschwerden bestmöglich lindern
- Die Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alltag sowie in Beruf und Familie so lange wie möglich aufrechterhalten
- Bestehende Begleit-Erkrankungen angemessen behandeln
- Komplikationen und Folge-Erkrankungen vermeiden
- Eine Pflegebedürftigkeit so gut es geht zu verhindern
Medikamentöse Behandlung:
In der Behandlung von Parkinson kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffen zählen Levodopa (L-Dopa), nicht ergoline Dopamin-Agonisten (Non-Ergot-Dopamin-Agonisten) und Monoaminoxidase-Inhibitoren (MAO-B-Hemmer).
Die Parkinson-Medikamente dienen dazu, die Botenstoffe im Gehirn ins Gleichgewicht zu bringen und so die Bewegung zu verbessern. Das lässt sich erreichen, indem man:
- Den Mangel am Botenstoff Dopamin ausgleicht oder
- Die Wirkung des vorhandenen Dopamins verstärkt
Nicht medikamentöse Behandlungen:
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Sie kommt infrage, wenn Medikamente gar nicht mehr helfen. Hierfür setzt man bei einem Eingriff am Gehirn dauerhaft kleine Elektroden ein. Diese geben elektrische Impulse an Nervenzellen ab, die bestimmte Bewegungen steuern. Vorab sind Nutzen und Risiken eines solchen Hirnschrittmachers zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen.
- Pallidotomie: Bei diesem Eingriff wird die Hirnregion zerstört, die die Bewegungen kontrolliert. Ärzte und Ärztinnen können ihn als Alternative zu Medikamenten erwägen, wenn die THS nicht möglich ist.
- Bewegungstherapie: Physiotherapie, Kraftübungen und sportliches Training tragen dazu bei, die Beweglichkeit, die Balance und den Gang zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt dabei, möglichst lange selbstständig den Alltag bewältigen und dem Beruf nachgehen zu können.
- Logopädische Maßnahmen: Sie helfen, ein beeinträchtigtes Sprech- und Schluckvermögen zu verbessern.
- Psychotherapeutische Betreuung: Wenn die Erkrankung emotional stark belastet, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.
Dopaminspiegel natürlich beeinflussen
Ein gesunder Lebensstil kann die Dopaminfreisetzung im Gehirn unterstützen:
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung stimuliert die Dopaminproduktion.
- Ausreichend Schlaf: Ein gesunder Schlafrhythmus ist wichtig für die Dopaminregulation.
- Soziale Kontakte: Positive soziale Interaktionen fördern die Dopaminausschüttung.
- Stressabbau: Chronischer Stress kann die Dopaminproduktion hemmen. Entspannungstechniken wie Meditation und Yoga können helfen, Stress abzubauen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Proteinen (Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte etc.) kann zum Wachstum von Dopamin führen.
- Musik: Das Genießen von Musik kann die Hirnaktivität im Belohnungszentrum anregen.
- Sonnenlicht: Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin.
Dopamin-Detox
Ein bekannter Trend ist das sogenannte Dopamin-Detox oder Dopamin-Fasten. Dabei wird versucht, auf Reize wie Social Media oder Fast Food zu verzichten, um das Belohnungssystem im Gehirn zu entlasten. Ziel ist es, die natürliche Balance wiederherzustellen.
Laut Forschenden ist es jedoch nicht möglich, den Dopaminspiegel durch ein solches Verhalten bewusst herunterzuregeln. Im Extremfall kann ein streng durchgeführtes Dopamin-Fasten sogar zu psychischen Beschwerden führen, wenn Glücks- und Belohnungsmomente komplett ausbleiben oder sich Menschen sozial isolieren.
Dopamin und Sucht
Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Substanzen wie Amphetamine, Opiate und Kokain führen zu einer verstärkten Dopaminausschüttung, was zu einem starken Verlangen und zur Sucht führen kann. Auch Nikotin führt zur Ausschüttung von Dopamin und sorgt so beim Rauchen für Glücksgefühle.
Soziale Medien können ebenfalls Suchtverhalten fördern, da sie unser Belohnungssystem im Gehirn anstacheln. Nette Kommentare in sozialen Netzwerken assoziieren wir mit dem Handy, und die Belohnungserwartung setzt dann in dem Moment ein, in dem wir aufs Handy gucken oder wenn das Handy vibriert.