Der Zusammenhang zwischen Hypothyreose und Parkinson: Eine umfassende Untersuchung

Einführung

Die Hypothyreose, auch Schilddrüsenunterfunktion genannt, ist eine endokrine Störung, die durch eine unzureichende Produktion von Schilddrüsenhormonen gekennzeichnet ist. Diese Hormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Stoffwechsels und beeinflussen nahezu alle Organe und Gewebe im Körper. Parkinson hingegen ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor allem das zentrale Nervensystem betrifft und zu Bewegungsstörungen führt. Obwohl diese beiden Erkrankungen unterschiedliche Organsysteme betreffen, deuten aktuelle Forschungsergebnisse auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Hypothyreose und dem Auftreten von Demenz hin, was wiederum die Frage nach einem Zusammenhang mit Parkinson aufwirft.

Schilddrüsenhormone und ihre Bedeutung

Schilddrüsenhormone, insbesondere Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), sind trophisch für viele Gewebe und beeinflussen maßgeblich Wachstum, Differenzierung und den Unterhalt des Zentralnervensystems, des Skeletts, des kardiovaskulären und des gastrointestinalen Systems. Sie regulieren die basale metabolische Rate des Zellstoffwechsels und beeinflussen intermediäre metabolische Vorgänge sowie die Aktivität von Hormonen oder die Metabolisierung von Medikamenten. Über die Einstellung des basalen Stoffwechsels sind Schilddrüsenhormone auch wichtige Regulatoren der obligatorischen Wärmeproduktion und beeinflussen die Atmung.

Die Schilddrüse hält die Konzentration ihrer Hormone im Serum in einem engen Bereich konstant. Dies geschieht über einen negativen Rückkopplungsmechanismus durch hypothalamisches TRH und hypophysäres TSH. Der Hypothalamus registriert peripheres Schilddrüsenhormon über die Zellen des paraventrikulären Nukleus; T4 wird dort durch Monodejodierung in T3 umgewandelt. Fällt das intrazelluläre T3 ab, wird TRH in das hypothalamisch-hypophysäre Portalsystem abgegeben und TRH aktiviert die thyreotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens zur Abgabe von TSH. Es resultiert ein systemischer Anstieg von TSH, der in der Schilddrüse die Freisetzung von T4 und T3 bewirkt.

Aufgrund dieses Verhaltens ist die Bestimmung von TSH weitaus sensitiver als die Messung der Schilddrüsenhormone zur Diagnostik von Störungen der Schilddrüsenfunktion. Durch eine frühzeitige Messung des TSH werden schon leichte Änderungen von T4 und T3 im Serum erkannt, die durch eine klinische Symptomatik noch nicht wahrnehmbar sind.

Hypothyreose: Ursachen, Symptome und Diagnose

Eine Hypothyreose entsteht, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produziert. Dies kann verschiedene Ursachen haben, darunter Jodmangel, Autoimmunprozesse wie die Hashimoto-Thyreoiditis, oder auch die Folge einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie sein. Zu den typischen Symptomen gehören Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und Haarausfall. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch die Bestimmung des TSH- und fT4-Spiegels im Serum.

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Die klinisch manifeste Hypothyreose entsteht durch eine länger bestehende Unterversorgung der Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen. Das am häufigsten durch Hypothyreose hervorgerufene Symptom bezogen auf das Schlaf-Wach-Verhalten ist die Tagesschläfrigkeit. Die Hypothyreose wird definiert durch die klinische Symptomatik und die veränderten Serumspiegel der beteiligten Hormone: Thyroidea-stimulierendes Hormon (TSH), freies Trijodthyronin (fT3), freies Thyroxin (fT4).

Parkinson: Ursachen, Symptome und Diagnose

Das idiopathische Parkinsonsyndrom (IPS) ist mit einer Prävalenz von 100-200/ 100 000 Einwohnern in Deutschland nach der Demenz vom Alzheimertyp die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Bei den über 65-Jährigen liegt die Prävalenz bei 1 800/100 000. Mit der Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung ist in Zukunft mit einer weiter steigenden Zahl von Betroffenen zu rechnen.

Ein Parkinson-Syndrom ist definiert durch die obligate Akinese (besser: Hypo-/Bradykinese) und mindestens eines der folgenden Kardinalsymptome: Rigor, Ruhetremor und/oder Posturale Instabilität. Fakultative Begleitsymptome können sensorisch, vegetativ, psychisch und kognitiv sein. Die Diagnose der verschiedenen Parkinsonsyndrome ist zunehmend sicherer geworden, wobei die Möglichkeit der Fehldiagnose am ehesten in der Frühphase der Erkrankung besteht.

Mögliche Verbindungen zwischen Hypothyreose und Parkinson

Hypothyreose und Demenz

Eine Studie, die in "Neurology" veröffentlicht wurde, untersuchte den Zusammenhang zwischen Schilddrüsenerkrankungen und Demenz. Die Forscher analysierten die Krankenakten von 7.843 Personen, bei denen in Taiwan eine Demenz neu diagnostiziert worden war, und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe. Dabei stellten sie fest, dass Personen über 65 Jahren mit einer Schilddrüsenunterfunktion ein um 80 Prozent höheres Risiko hatten, an einer Demenz zu erkranken, als Menschen gleichen Alters ohne Schilddrüsenprobleme. Interessanterweise war dieses Risiko bei Personen, die Medikamente gegen ihre Schilddrüsenunterfunktion einnahmen, sogar noch höher.

Studienautor Chien-Hsiang Weng wies darauf hin, dass Erkrankungen der Schilddrüse in bestimmten Fällen mit Symptomen einer Demenz in Verbindung gebracht wurden, die durch eine Behandlung reversibel sein können. Er betonte jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die nicht beweist, dass eine Schilddrüsenunterfunktion eine Ursache für Demenz sei, sondern lediglich einen Zusammenhang aufzeigt.

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Parkinson und Demenz

Es ist bekannt, dass Parkinson-Patienten ein erhöhtes Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken. Die Demenz bei Parkinson kann verschiedene Formen annehmen, darunter die Demenz mit Lewy-Körpern (DLK), die mit einer Prävalenz von 0,4 Prozent der älteren Bevölkerung relativ häufig auftritt.

Hypothyreose und Parkinson-ähnliche Symptome

Obwohl es derzeit keine direkten Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen Hypothyreose und Parkinson gibt, ist bekannt, dass eine Schilddrüsenunterfunktion neurologische Symptome verursachen kann, die denen von Parkinson ähneln. Dazu gehören Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen), Rigor (Muskelsteifheit) und Tremor. Es ist daher möglich, dass eine unbehandelte Hypothyreose bei manchen Menschen zu einer Verschlechterung von Parkinson-Symptomen führen oder diese sogar maskieren kann.

Tyrosin und Neurotransmitter

Tyrosin, eine nicht-essentielle Aminosäure, spielt eine Schlüsselrolle bei der Synthese der Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der bei Parkinson-Patienten in bestimmten Hirnregionen reduziert ist. Ein Tyrosinmangel kann somit potenziell zu einer Verschlimmerung von Parkinson-Symptomen beitragen.

Schilddrüse und Psyche

Die in der Schilddrüse produzierten Schilddrüsenhormone beeinflussen organische Vorgänge wie Herz, Kreislauf, Verdauung oder Wachstum und aktivieren den Stoffwechsel der Nervenzellen und die Gehirntätigkeit. Daher ist sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) als auch eine Schilddrüsenüberfunktion mit psychischen Symptomen gekoppelt.

Im Fall einer Schilddrüsenunterfunktion klagen Betroffene häufig über depressive Verstimmungen, Apathie, Interessenlosigkeit, schnelle Erschöpfung, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Die Gefühlslage kann sehr schwankend sein und im Extremfall über Wahnvorstellungen bis hin zu Suizidgedanken reichen. Zu den körperlichen Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion zählen Gewichtszunahme, langsamer Herzschlag, verlangsamte Reflexe und eine verminderte Libido.

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Hypothyreose und Schlafapnoe

Die Prävalenz der Obstruktiven Schlafapnoe (OSA) bei Hypothyreose ist in vielen Studien erhöht. Ein kausaler Zusammenhang erscheint naheliegend, weil auch Übergewicht als bekannter Auslöser einer OSA eine häufige Folge der Hypothyreose ist. Die Hypothyreose kann eine Schlafapnoe mit obstruktiver wie auch mit zentraler Komponente verursachen.

Therapieansätze

Hypothyreose

Die Behandlung der Hypothyreose besteht in der Regel in der Einnahme von synthetischen Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin), um den Hormonmangel auszugleichen. Eine regelmäßige Überwachung der Schilddrüsenwerte ist wichtig, um die optimale Dosierung zu finden und sicherzustellen, dass die Symptome ausreichend kontrolliert werden.

Parkinson

Die Behandlung von Parkinson umfasst in der Regel Medikamente, die den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen oder die Symptome der Erkrankung lindern. In einigen Fällen kann auch eine tiefe Hirnstimulation (THS) in Betracht gezogen werden.

Wechselwirkungen und Besonderheiten

Bei Patienten, die sowohl an Hypothyreose als auch an Parkinson leiden, ist es wichtig, die Behandlungen beider Erkrankungen sorgfältig aufeinander abzustimmen. Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen, und umgekehrt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Endokrinologen und Neurologen ist daher unerlässlich.

Fazit

Obwohl die Forschungslage noch nicht eindeutig ist, deuten einige Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Hypothyreose und einem erhöhten Risiko für Demenz hin. Da Parkinson-Patienten ohnehin ein erhöhtes Demenzrisiko haben und Hypothyreose Parkinson-ähnliche Symptome verursachen kann, ist es wichtig, bei Parkinson-Patienten auch die Schilddrüsenfunktion zu überprüfen und gegebenenfalls zu behandeln. Weitere Forschung ist jedoch erforderlich, um die genauen Mechanismen und Zusammenhänge zwischen diesen beiden Erkrankungen besser zu verstehen.

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