Die Diagnose von Zysten im Gehirn eines Babys während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt kann für Eltern sehr beunruhigend sein. Dieser Artikel soll über die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Zysten im Gehirn bei Babys informieren, wobei der Schwerpunkt auf der Ultraschalldiagnostik liegt.
Ultraschalluntersuchung des Gehirns beim Baby
Der Ultraschall ist eine wertvolle und nicht-invasive Methode zur Beurteilung des Gehirns bei Neugeborenen und Säuglingen. Da bei Säuglingen die Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf) noch offen ist, kann das Gehirn mittels Ultraschall gut dargestellt werden. Diese Untersuchung ermöglicht die Erkennung verschiedener Zustände, darunter:
- Erweiterungen der Hirnkammern
- Hirnblutungen
- Fehlbildungen des Gehirns
- Seltenere Erkrankungen
Ein großer Vorteil der Ultraschalluntersuchung ist, dass sie ohne Vorbereitung (keine Sedierung) durchgeführt werden kann, was sie auch für kranke oder frühgeborene Babys geeignet macht. Die Untersuchung kann am Krankenbett oder im Brutkasten erfolgen.
Auch das Rückenmark des Neugeborenen kann mit Ultraschall gut dargestellt werden, da die Wirbelbögen in diesem Alter noch nicht vollständig verknöchert sind. Dies ermöglicht die strahlenfreie Diagnose von Fehlbildungen des Rückenmarks. Allerdings verschließen sich die Wirbelbögen bereits nach einigen Wochen bis Monaten, sodass danach andere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich sein können. Daher sollte die Ultraschalluntersuchung möglichst frühzeitig erfolgen.
Weitere Einsatzgebiete des Ultraschalls bei Neugeborenen und Säuglingen
Neben der Untersuchung des Gehirns kann der Ultraschall auch zur Beurteilung anderer Organe und Strukturen bei Neugeborenen und Säuglingen eingesetzt werden:
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- Herz: Angeborene Herzfehler können mit der Echokardiografie (Ultraschall des Herzens) diagnostiziert werden. Die Dopplersonografie ermöglicht die farbliche Darstellung und Messung der Blutströmung.
- Schilddrüse: Aufgrund ihrer oberflächlichen Lage ist die Schilddrüse gut zugänglich für die Ultraschalluntersuchung. Mit hochauflösenden Linearschallköpfen können die anatomischen Strukturen und die Beschaffenheit des Schilddrüsengewebes detailliert dargestellt werden. Die Farbdopplertechnik ermöglicht die Beurteilung der Durchblutung des Organs. Bei einer diffusen Vergrößerung der Schilddrüse kann sonografisch zwischen einer Jodmangestruma und Autoimmunthyreoiditis (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow) unterschieden werden. Auch knotige Schilddrüsenveränderungen (Adenome, Zysten) können erkannt werden.
- Hals und Gesicht: Strukturen im Hals- und Gesichtsbereich lassen sich sonografisch gut darstellen, da sie oberflächlich liegen und keine undurchdringlichen Strukturen (z.B. Knochen, lufthaltige Organe) vorhanden sind. Vergrößerte Lymphknoten können beurteilt werden, um festzustellen, ob sie intakt sind (z.B. bei Infektionen, Leukämien) oder ob eine Abszedierung vorliegt. Entzündliche Veränderungen im Gesicht können differenziert werden (z.B. Abszess vs. Speicheldrüsenentzündung oder Wangenphlegmone). Auch Knoten/Anschwellungen im Bereich der Halsweichteile (Hämangiome, Lymphangiome, solide Raumforderungen, Lymphknoten, angeborene Fehlbildungen wie mediale oder laterale Halszysten) können sonografisch beurteilt werden.
- Nieren und ableitende Harnwege: Der Ultraschall ist die Methode der Wahl zur Darstellung der Nieren und ableitenden Harnwege im Kindesalter. Urinabflussstörungen und Fehlbildungen können einfach und schnell nachgewiesen und im Verlauf kontrolliert werden. Die Sonografie hilft, Nierensteine, Tumoren, Zysten oder andere seltene Erkrankungen zu identifizieren.
- Weichteile: Die Weichteilsonografie hat eine Vielzahl von Indikationen und Diagnosen. Typische Diagnosen im Säuglings- und Kindesalter sind u.a. das Nephroblastom, das Neuroblastom und das Hepatoblastom, sowie systemische Leukämien und Lymphome. Weiterhin finden sich Weichteiltumoren und ZNS-Tumoren, letztere sind beim Säugling sonografisch über die Fontanelle zugänglich.
Ursachen von Zysten im Gehirn bei Babys
Es gibt verschiedene Arten von Zysten, die im Gehirn eines Babys auftreten können, darunter:
- Arachnoidalzysten: Dies sind angeborene, gutartige, mit Hirnwasser (Liquor) gefüllte Blasen innerhalb oder an der Oberfläche des Gehirns. Sie entstehen meist schon vor der Geburt, bleiben aber oft unbemerkt. Wie genau es dazu kommt, ist noch nicht klar. Arachnoidalzysten können sich auch erst später im Leben bilden - etwa als Folge von Kopfverletzungen, Hirnhautentzündungen, Tumoren oder Komplikationen von Operationen am Gehirn. Jungen und Männer sind insgesamt deutlich häufiger von Arachnoidalzysten betroffen als Mädchen und Frauen.
- Plexuszysten (Plexus chorioideus Zysten): Plexuszysten sind Zysten im Gehirn ohne eigenen Krankheitswert bei einem ungeborenen Kind. Sie seien entweder völlig harmlos oder könnten auf eine chromosomale Anomalie hindeuten.
Mögliche Ursachen einer Mikrozephalie
Eine Mikrozephalie bedeutet, dass der Kopfumfang einer Person deutlich kleiner ist als der Kopfumfang gesunder Menschen gleichen Alters und gleichen Geschlechts. Die möglichen Ursachen einer Mikrozephalie sind vielfältig. Am häufigsten liegen genetische Veränderungen zugrunde. Weitere mögliche Ursachen sind Infektionen der Mutter in der Schwangerschaft, Sauerstoffmangel des Kindes unter der Geburt oder ein zu frühes Verschließen der Schädelnähte. Erst vor einigen Jahren wurde in Französisch-Polynesien entdeckt, dass das Zika-Virus Mikrozephalie auslösen kann.
Diagnose von Zysten im Gehirn
Die Diagnose von Zysten im Gehirn kann während der Schwangerschaft durch eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. Nach der Geburt kann ein Ultraschall durch die Fontanelle durchgeführt werden, um das Gehirn des Babys zu beurteilen. In einigen Fällen können weitere bildgebende Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein, um die Zyste genauer zu beurteilen und andere mögliche Ursachen auszuschließen.
Behandlung von Zysten im Gehirn
Die Behandlung von Zysten im Gehirn hängt von der Art, Größe und Lage der Zyste sowie von den Symptomen ab, die sie verursacht. Kleine, symptomlose Arachnoidalzysten erfordern oft keine Behandlung, sondern lediglich eine regelmäßige Überwachung. Größere Zysten, die Symptome verursachen oder die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen, können operativ entfernt werden.
Operation von Arachnoidalzysten
Meist erfolgt der Eingriff endoskopisch. Das heißt: Die Chirurgin oder der Chirurg verschafft sich über ein kleines Bohrloch in der Schädeldecke Zugang zur Zyste. Durch das Loch werden die Operationsinstrumente und ein sogenanntes Endoskop eingeführt. Manchmal ist ein endoskopischer Eingriff aufgrund der Lage der Zyste schwierig oder riskant. In diesem Fall kann die Chirurgin oder der Chirurg eine mikrochirurgische Operation vornehmen. Dabei führt sie oder er die Operationsinstrumente über eine größere Öffnung in die Schädeldecke ein. Früher wurden Arachnoidalzysten häufig durch Einsatz eines Shunts behandelt. Einen Shunt kann man sich vorstellen wie einen sehr kleinen und dünnen Schlauch, der die Flüssigkeit aus der Zyste in einen anderen Bereich des Schädels ableitet. Auch eine Arachnoidalzyste in der Wirbelsäule wird operiert, sofern sie Beschwerden hervorruft.
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Fallbeispiele und Erfahrungen von Eltern
Viele Eltern berichten von ähnlichen Erfahrungen, bei denen während der Schwangerschaft Zysten im Gehirn ihres Babys festgestellt wurden. Oftmals werden diese Zysten als Plexuszysten bezeichnet und von den Ärzten als unbedenklich eingestuft. In vielen Fällen verschwinden die Zysten im Laufe der Schwangerschaft von selbst. Es ist jedoch verständlich, dass Eltern sich Sorgen machen, wenn sie eine solche Diagnose erhalten. Es ist wichtig, sich von den Ärzten umfassend beraten zu lassen und eventuell eine Zweitmeinung einzuholen, um die bestmögliche Betreuung für das Baby zu gewährleisten.
Einige Eltern berichten auch von Fällen, in denen bei ihren Kindern Trisomie 18 diagnostiziert wurde, nachdem im Ultraschall Auffälligkeiten wie Plexuszysten und abweichende Messwerte festgestellt wurden. Trisomie 18 ist eine schwere genetische Erkrankung, die oft mit Fehlbildungen und einer geringen Lebenserwartung einhergeht. In solchen Fällen ist eine umfassende Beratung und Unterstützung durch Ärzte, Psychologen und Seelsorger besonders wichtig.
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