Dieser Artikel befasst sich mit der Anwendung von Cortisoninfusionen, insbesondere mit einer Dosis von 250 mg, im Zusammenhang mit Epilepsie. Dabei werden verschiedene Aspekte wie die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Dosierungsrichtlinien und potenziellen Risiken und Nebenwirkungen beleuchtet.
Prednisolut: Zusammensetzung und Verfügbare Dosierungen
Prednisolut ist ein Medikament, das Prednisolon-21-hydrogensuccinat, Natriumsalz enthält. Es ist in verschiedenen Dosierungen erhältlich:
- Prednisolut 10 mg L1 Ampulle
- Prednisolut 25 mg L1 Ampulle
- Prednisolut 50 mg L1 Ampulle
- Prednisolut 100 mg L1 Ampulle
- Prednisolut 250 mg Injektionsflasche
- Prednisolut 500 mg Injektionsflasche
- Prednisolut 1000 mg Injektionsflasche
Die verschiedenen Dosierungen ermöglichen eine flexible Anpassung an die individuellen Bedürfnisse des Patienten.
Anwendungsgebiete von Prednisolut
Prednisolut findet in verschiedenen medizinischen Bereichen Anwendung, darunter:
- Schock- und Notfallmedizin: Anaphylaktischer Schock (nach primärer Epinephrin-Injektion), schwere Verlaufsformen allergischer Reaktionen bei Insektenstichen und Schlangenbissen.
- Neurologie: Hirnödem, ausgelöst durch Hirntumor, neurochirurgische Eingriffe, Hirnabszess, bakterielle Meningitis.
- Transplantationsmedizin: Abstoßungskrisen nach Nierentransplantation.
- Kardiologie: Postmyokardinfarkt-Syndrom (Dressler-Syndrom) bei schwerer bzw. wiederholt aufgetretener Symptomatik ab der 5. Woche nach einem Myokardinfarkt und wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.
- Pneumologie: Schwerer akuter Asthmaanfall, Lungenödem durch Inhalation toxischer Substanzen.
- Erkrankungen der oberen Luftwege: Pseudokrupp.
- Infektiologie: Toxische Zustände bei schweren Infektionskrankheiten (z. B. Tuberkulose, Typhus), nur in Verbindung mit entsprechender antiinfektiöser Therapie.
- Rheumatologie: Akuter Visusverlust bei Arteriitis temporalis, schwer verlaufende/lebensbedrohliche Situationen bei rheumatischen Erkrankungen.
- Hauterkrankungen: Parenterale Anfangsbehandlung ausgedehnter akuter schwerer Hauterkrankungen (Erythrodermie, Pemphigus vulgaris, akute Ekzeme).
- Hämatologie: Akute Blutkrankheiten (autoimmunhämolytische Anämie, thrombozytopenische Purpura).
- Gastroenterologie: Chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung (Colitis ulcerosa; schwerer Verlauf eines akuten Schubes).
- Substitutionstherapie: Verminderter oder fehlender Nebennierenrinden-Funktion (Akute NNR-Insuffizienz): Addison-Krise; Stresszustände bei und nach langfristiger Corticoidtherapie.
Dosierungsrichtlinien für Prednisolut
Die Dosierung von Prednisolut richtet sich nach Art und Schwere des Krankheitsbildes und der individuellen Reaktion des Patienten. Einige Dosierungsrichtlinien sind:
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- Anaphylaktischer Schock: Nach primärer Epinephrin-Injektion 1000 mg Prednisolon i.v. applizieren (bei Kindern 250 mg).
- Hirnödem: Anfangsdosis 250 bis 1000 mg Prednisolon i.v.
- Abstoßungskrisen nach Nierentransplantation: Zusätzlich zur Basistherapie 1000-mg-Stöße von Prednisolon i.v. je nach Schwere des Falles an 3 bis 7 Folgetagen.
- Schwerer akuter Asthmaanfall: Erwachsene: Anfangsdosis 100 bis 500 mg Prednisolon i.v.
- Lungenödem: Anfangsdosis von 1000 mg Prednisolon i.v. (bei Kindern 10 bis 15 mg/kg KG).
- Pseudokrupp: Bei schweren Verlaufsformen sofort 3 bis 5 mg/kg KG Prednisolon i.v.
- Akuter Visusverlust bei Arteriitis temporalis: I.v.-Infusion von 1000 mg Prednisolon, evtl. mehrmals.
- Schwer verlaufende/lebensbedrohliche Situationen bei rheumatischen Erkrankungen: Hochdosierte intravenöse Stoßtherapie (pulse-therapy): > 250 mg Prednisolon/Tag für einen oder mehrere Tage.
- Parenterale Anfangsbehandlung ausgedehnter akuter schwerer Hauterkrankungen: 40 bis 250 mg Prednisolon i.v., in Einzelfällen bis 400 mg als Tagesdosis.
- Colitis ulcerosa: 40 bis 80 mg Prednisolon i.v. täglich bis zu 10 Tagen.
- Akute NNR-Insuffizienz: 25 bis 50 mg Prednisolon i.v. als Anfangsdosis.
Art der Anwendung von Prednisolut
Prednisolut kann intravenös injiziert oder infundiert werden. Die intramuskuläre Gabe sollte nur ausnahmsweise erfolgen, wenn kein intravenöser Zugang vorhanden ist. Die intravenöse Gabe hoher Dosen muss langsam erfolgen.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Prednisolut darf nicht angewendet werden, wenn eine Allergie gegen Prednisolon bzw. Prednisolon-21-hydrogensuccinat oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels besteht.
Eine Therapie mit Prednisolut sollte nur unter strengster Indikationsstellung und ggf. zusätzlicher gezielter antiinfektiöser Therapie durchgeführt werden bei folgenden Erkrankungen:
- Akute Virusinfektionen (Hepatitis B, Herpes zoster, Herpes simplex, Varizellen, Keratitis herpetica)
- HBsAg-positive chronisch-aktive Hepatitis
- Ca. 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen mit Lebendimpfstoffen
- Systemische Mykosen und Parasitosen (Amöben-, Wurminfektionen, z. B. Nematoden)
- Patienten mit Verdacht auf oder bestätigter Strongyloidiasis (Zwergfadenwurminfektion): Glucocorticoide können zur Aktivierung und Massenvermehrung der Parasiten führen
- Poliomyelitis
- Lymphadenitis nach BCG-Impfung
- Akute und chronische bakterielle Infektionen
- Bei Tuberkulose in der Anamnese (cave Reaktivierung!) Anwendung nur unter Tuberkulostatika-Schutz.
Zusätzlich sollte eine Therapie mit Prednisolut nur unter strenger Indikationsstellung und Überwachung, ggf. zusätzlicher spezifischer Therapie durchgeführt werden bei:
- Magen-Darm-Ulzera
- Osteoporose
- Schwerer Herzinsuffizienz
- Schwer einstellbarer Hypertonie
- Schwer einstellbarem Diabetes mellitus
- Psychiatrischen Erkrankungen (auch anamnestisch) einschließlich Suizidalität: neurologische oder psychiatrische Überwachung wird empfohlen
- Eng- und Weitwinkelglaukom: ophthalmologische Überwachung und begleitende Therapie wird empfohlen
- Hornhautulzerationen und Hornhautverletzungen: ophthalmologische Überwachung und begleitende Therapie wird empfohlen.
Wegen der Gefahr einer Darmperforation darf Prednisolut nur bei zwingender Indikation und unter entsprechender Überwachung angewendet werden bei:
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- Schwerer Colitis ulcerosa mit drohender Perforation, mit Abszessen oder eitrigen Entzündungen, auch ohne peritoneale Reizung
- Divertikulitis
- Enteroanastomosen (unmittelbar postoperativ).
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bei der Anwendung von Prednisolut können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Einige Beispiele sind:
- Estrogene (z. B. Ovulationshemmer): Die Halbwertszeit von Glucocorticoiden kann verlängert sein. Deshalb kann die Corticoidwirkung verstärkt werden.
- CYP3A4-aktivierende Substanzen, wie Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate und Primidon: Die Corticoidwirkung kann vermindert werden.
- Bei einer gleichzeitigen Behandlung mit CYP3A-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol und Itraconazol) einschließlich cobicistathaltiger Produkte: ist mit einem erhöhten Risiko systemischer Nebenwirkungen zu rechnen.
Mögliche Nebenwirkungen von Prednisolut
Wie alle Arzneimittel kann auch Prednisolut Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Die Gefahr unerwünschter Wirkungen bei kurzfristiger Anwendung des Arzneimittels ist gering. Eine Ausnahme stellt die parenterale hoch dosierte Therapie dar, bei der auch bei kurzfristiger Gabe mit der klinischen Manifestation von Infektionen gerechnet werden muss.
Folgende Nebenwirkungen können auftreten, die sehr stark von Dosis und Therapiedauer abhängig sind und deren Häufigkeit daher nicht angegeben werden kann:
- Infektionen und parasitäre Erkrankungen: Maskierung von Infektionen; Auftreten, Wiederauftreten und Verschlimmerung von Virus-/Pilzinfektionen, bakteriellen, parasitären oder opportunistischen Infektionen; Aktivierung einer Zwergfadenwurminfektion.
- Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems: Blutbildveränderungen (Vermehrung der weißen Blutkörperchen oder aller Blutzellen, Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen).
- Erkrankungen des Immunsystems: Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Arzneimittelhautausschlag); schwere anaphylaktische Reaktionen, wie Herzrhythmusstörungen, Bronchospasmen (Krämpfe der glatten Bronchialmuskulatur), zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Kreislaufkollaps, Herzstillstand; Schwächung der Immunabwehr.
- Erkrankungen des Hormonsystems: Ausbildung eines sog. Cushing-Syndroms (typische Zeichen sind Vollmondgesicht, Stammfettsucht und Gesichtsröte), Inaktivität bzw. Schwund der Nebennierenrinde.
- Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen: Gewebswassersucht (Ödem), Kaliummangel durch vermehrte Kaliumausscheidung (kann zu Herzrhythmusstörungen führen), Gewichtszunahme, erhöhte Blutzuckerwerte, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Erhöhung der Blutfettwerte (Cholesterin und Triglyceride), Appetitsteigerung.
- Psychiatrische Erkrankungen: Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Antriebssteigerung, Psychosen, Manie, Halluzinationen, Stimmungslabilität, Angstgefühle, Schlafstörungen, Selbstmordgefährdung.
- Erkrankungen des Nervensystems: Erhöhter Hirndruck (Pseudotumor cerebri; insbesondere bei Kindern), Auftreten einer bis dahin unerkannten Fallsucht (Epilepsie) und Erhöhung der Anfallsbereitschaft bei bestehender Epilepsie.
- Augenerkrankungen: Linsentrübung (Katarakt); Steigerung des Augeninnendruckes (Glaukom); Verschlimmerung von Hornhautgeschwüren (Hornhautulkus); Begünstigung von durch Viren, Pilze oder Bakterien bedingten Entzündungen am Auge; verschwommenes Sehen.
- Herzerkrankungen: Langsamer Herzschlag.
- Gefäßerkrankungen: Blutdruckerhöhung, Erhöhung des Arteriosklerose- und Thromboserisikos, Gefäßentzündung (Vaskulitis; auch als Entzugssyndrom nach Langzeittherapie), erhöhte Gefäßbrüchigkeit (Kapillarfragilität).
- Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes: Magen-Darm-Geschwüre (Ulzera), Magen-Darm-Blutungen, Bauchspeicheldrüsenentzündung.
- Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes: Dehnungsstreifen der Haut (Striae rubrae); Dünnwerden der Haut („Pergamenthaut"); Erweiterung von Hautgefäßen (Teleangiektasie); punktförmige oder flächige Hautblutungen (Petechien); Neigung zu Blutergüssen (Ekchymosen); Akne; verzögerte Wundheilung; entzündliche Hautveränderungen im Gesicht, besonders um Mund, Nase und Augen.
- Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen: Muskelerkrankungen, Muskelschwäche, Muskelschwund und Knochenschwund (Osteoporose) treten dosisabhängig auf und sind auch bei nur kurzzeitiger Anwendung möglich, andere Formen des Knochenabbaus (Knochennekrosen, Kopf des Oberarm- und Oberschenkelknochens), Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung, Sehnenrisse, Wachstumshemmung bei Kindern.
- Erkrankungen der Nieren und Harnwege: Sklerodermiebedingte renale Krise bei Patienten, die bereits an Sklerodermie (einer Autoimmunerkrankung) leiden. Zu den Anzeichen einer sklerodermiebedingten renalen Krise zählen erhöhter Blutdruck und verringerte Harnbildung.
- Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse: Störungen der Sexualhormonsekretion (in Folge davon Auftreten von: Ausbleiben der Regelblutung [Amenorrhö], männliche Körperbehaarung bei Frauen [Hirsutismus], Impotenz).
Cortison-Stoßtherapie: Spezifische Aspekte
Eine Cortison-Stoßtherapie, bei der hohe Dosen von Cortison über einen kurzen Zeitraum verabreicht werden, kann bei bestimmten Erkrankungen, wie beispielsweise Multipler Sklerose, indiziert sein. Die maximale Dosierung bei einer Stoßtherapie sind in der Regel 1000 mg Cortison (Prednisolon) pro Tag.
Mögliche Nebenwirkungen einer Cortison-Stoßtherapie
Bei einer Cortison-Stoßtherapie können verschiedene Nebenwirkungen auftreten, darunter:
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- Unruhe: Da Cortison ein Stresshormon ist, wird bei einer Kortison Stoßtherapie der Körper in Alarmbereitschaft versetzt.
- Hitzewallung: Durch die Erhöhung des Puls und des Blutdruckes kommt es auch zu einer Hitzeentwicklung im Körper, die die Patienten als einen sogenannten unangenehmen Flush wahrnehmen.
- Schneller Puls: Ein Puls von über 100/Minute ist unter einer Cortison Stoßtherapie nicht selten.
- Sehstörungen: Cortison erhöht, wenn es in höheren Mengen ausgeschüttet wird, auch den Blutdruck.
- Muskelschmerzen: Muskelschmerzen sind eine eher seltener Nebenwirkung.
Alternativen zu einer Cortison-Stoßtherapie
Je nach Grunderkrankung kann entweder alternativ mit einer entzündungshemmenden Therapie begonnen werden, die sich meistens aus Ibuprofen oder Diclofenac zusammensetzt. Soll Kortison gegen eine allergische Reaktion eingenommen werden und will man eine Alternativtherapie durchführen, kann auch ein Behandlungsversuch mit einem sogenannten Antihistaminikum in Erwägung gezogen werden. Manchmal wird Kortison als Stoßtherapie bei einem akuten Rheumaschub eingesetzt oder aber auch bei einem Schub der Neurodermitis oder auch einer Colitis ulcerosa. Auch das Medikament Mesalazin kann alternativ bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung in der Dosierung und alternativ zu Kortison angehoben werden. Bei einem Neurodermitis-Schub kann man eine Kortison-Stoßtherapie ersetzen durch eine topische also lokale Anwendung des Kortisons als Salbe.
Levetiracetam als Alternative bei Epilepsie
Levetiracetam ist ein Antiepileptikum, das in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich ist (Filmtablette, Lösung zum Einnehmen, Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung). Es wird zur Behandlung verschiedener Formen von Epilepsie eingesetzt. Levetiracetam bindet an das synaptische Vesikelprotein 2A (SV2A) und beeinflusst die intraneuronalen Ca2+-Spiegel.
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