Weihnachten, die Zeit der Besinnlichkeit und Freude, kann bei manchen Menschen jedoch auch Stress, Melancholie oder gar Ablehnung auslösen. Das sogenannte "Grinch-Syndrom" ist ein Phänomen, das in den Tagen vor Weihnachten auftritt und verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Vorgänge im Gehirn in dieser Zeit, untersucht die Ursachen für das "Grinch-Syndrom" und gibt Tipps zur Bewältigung negativer Gefühle.
Das "Grinch-Syndrom": Wenn Weihnachten zur Belastung wird
Der Grinch, ein grünes, mürrisches Wesen, das die Weihnachtsstimmung stehlen will, ist eine bekannte popkulturelle Figur. Doch auch im realen Leben gibt es Menschen, denen vor den Feiertagen graut. Sie leiden unter dem "Grinch-Syndrom", das sich durch eine Ablehnung der Weihnachtszeit äußert.
Ursachen des "Grinch-Syndroms"
Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen zum Ende des Jahres gestresst sind. Kurz vor Neujahr neigen wir dazu, Bilanz zu ziehen, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen und über die Herausforderungen im neuen Jahr nachzudenken. Die Expert:innen des Psychologie-Portals "Guidapsicologi" betonen, dass die wirtschaftlich-soziale Situation unsere Wahrnehmung der Feiertage beeinflusst. Aktuelle Krisen, Inflation und die täglichen Nachrichten können Traurigkeit auslösen und die Stimmung negativ beeinflussen.
Symptome des "Grinch-Syndroms"
Die häufigsten Symptome des "Grinch-Syndroms" sind emotionaler Überdruss, Traurigkeit, Wut und eine Tendenz zur Isolation. Menschenmassen, Einkäufe, Lichter und Weihnachtslieder können für Betroffene beängstigend sein. Das Syndrom tritt vor allem im Erwachsenenalter auf, meist als Folge negativer Ereignisse, die zu einer Ablehnung der Weihnachtszeit geführt haben.
Das "Christmas Spirit Network" im Gehirn
Eine Studie der Universität Kopenhagen aus dem Jahr 2015 untersuchte die Auswirkungen der Weihnachtsstimmung auf das menschliche Gehirn. Dabei wurde die Reaktion des Gehirns von weihnachtsbegeisterten und weihnachtsablehnenden Proband:innen auf weihnachtliche Motive analysiert. Die weihnachtlich gestimmten Probanden aktivierten beim Betrachten der weihnachtlichen Bilder Bereiche, die als "Christmas Spirit Network" bezeichnet werden. Dieses Netzwerk umfasst Areale der Spiritualität, des somatischen Nervensystems und der Erkennung von Emotionen im Gesicht.
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Zusammenhang mit der Herzfrequenz
Das "Grinch-Syndrom" wurde auch mit dem posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom in Verbindung gebracht, einer erhöhten Herzfrequenz beim Übergang vom Liegen zum Stehen. Der Zusammenhang wird mit der Größe des Herzens erklärt: Menschen, die unter dem Syndrom leiden, haben oft eine Tachykardie, die durch ein kleineres Herz begünstigt wird. Dies deutet darauf hin, dass die Weihnachtszeit für viele schlichtweg mit großem Stress in Verbindung gebracht und somit negativ assoziiert wird.
Melancholie und Traurigkeit an Weihnachten
Weihnachten soll eine glückliche Zeit sein, doch viele Menschen fühlen sich mit den überschwänglichen Gefühlen von Freude und Harmonie überfordert. Für einige wirkt die Freude sogar scheinheilig, da sie sich selbst nicht mit ihr identifizieren können oder nie die Erfahrung eines friedlichen Festes gemacht haben. Die Expert:innen betonen, dass in Familien mit Konflikten ein Gefühl tiefen Unbehagens entstehen kann, da ein Kontrast zwischen den eigenen Gefühlen und der gesellschaftlichen Erwartungshaltung entsteht.
Tipps zur Bewältigung des "Grinch-Syndroms"
Um die Weihnachtszeit schmerzloser zu überwinden, können folgende Tipps helfen:
- Verreisen: Wenn es die finanzielle Lage zulässt, kann eine Reise eine willkommene Abwechslung sein und helfen, unangenehmen Situationen zu entfliehen.
- Zeit für formale Verpflichtungen begrenzen und "Nein" sagen: Legen Sie eine bestimmte Anzahl von Stunden für Weihnachtsverpflichtungen fest und lernen Sie, Einladungen abzulehnen, die Sie nicht interessieren.
- Ausdauer belohnen und das Positive hervorheben: Wenn Sie eine Einladung nicht absagen können, versuchen Sie, das Positive darin zu finden und belohnen Sie sich hinterher für die gute Bewältigung der Weihnachtsverpflichtung.
- Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst: Widmen Sie sich in völliger Freiheit dem, was Ihnen am meisten Spaß macht und bauen Sie aufgestaute Spannungen ab, beispielsweise durch Yoga, Achtsamkeits- oder Entspannungsübungen.
- Etwas gesellschaftlich Nützliches tun: Engagieren Sie sich in sozialen Projekten und widmen Sie Ihre Zeit Bedürftigen.
- Sich daran erinnern, dass alles vorübergeht: Die Festtage sind ein vorübergehendes Phänomen. Reflektieren Sie Ihre Gefühle und lassen Sie Ihre Frustration nicht an anderen aus.
Die Rolle von Düften und Lichtern in der Weihnachtszeit
Düfte und Lichter spielen eine wichtige Rolle für die Weihnachtsstimmung. Düfte wie Zimt, Vanille und Tannennadeln rufen bei vielen Erinnerungen an die Kindheit hervor. Die Neurowissenschaftlerin Jessica Freiherr erklärt, dass diese Düfte direkt in Areale des Gehirns gelangen, die für Emotionen und Erinnerungen zuständig sind. Riechen ist der einzige unserer Sinne, der direkt mit dem limbischen System, dem Gefühlszentrum im Gehirn, verknüpft ist.
Auch Licht, insbesondere warmweißes Licht und flackerndes Licht wie Kerzenschein, vermittelt Geborgenheit und Sicherheit. Ein hoher Rotanteil im Licht hilft bei der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, was uns wohlig entspannt werden lässt.
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Freude und das Belohnungssystem im Gehirn
Freude ist eine Basisemotion, die von allen Kulturen erkannt wird. Für Glücksgefühle ist im Gehirn vor allem das Belohnungssystem verantwortlich, das auf den Neurotransmitter Dopamin reagiert. Der Sozialpsychologe Gerd Bohner erklärt, dass Freude immer den Vergleich braucht: Wir freuen uns, weil es heute besser ist als gestern. Weihnachten ist eine besondere Zeit, die von Alltag und Arbeit herausgehoben ist, was das Gefühl der Freude verstärken kann.
Die zentrale Quelle von Freude sind Menschen, die uns wichtig sind. Rituale wie Singen und gemeinsames Essen stärken die Gemeinschaft und fördern positive Gefühle. Auch das Schenken ist ein wichtiges Ritual, mit dem wir uns gegenseitig Wertschätzung versichern.
Warum Kinder Weihnachten intensiver erleben
Kleinkinder können noch unmittelbar in ein Gefühl eintauchen, ohne es zu bewerten oder zu kontrollieren. Die Entwicklungspsychologin Daniela Hosser erklärt, dass wir als Erwachsene Freude sofort bewerten und uns fragen, ob unsere Reaktion im sozialen Rahmen angemessen ist. Der Verstand vermiest uns also die pure Freude.
Weitere Faktoren, die das Gehirn beeinflussen
Neben den bereits genannten Faktoren gibt es weitere Aspekte, die das Gehirn in den Tagen vor Weihnachten beeinflussen können:
- Schmerzen: Chronische Schmerzen, wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen, können die Stimmung negativ beeinflussen und die Freude an der Weihnachtszeit trüben. Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet spezielle Therapien für verschiedene Kopfschmerzarten an.
- Enzephalitis: Eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) kann zu Bewusstseinsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, epileptischen Anfällen und neurologischen Ausfällen führen. Die Symptome sind oft diffus und können zunächst als Erkältung oder psychiatrische Erkrankung missdeutet werden. Eine schnelle Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um bleibende Gehirnschäden zu vermeiden.
- Alkohol: Viele Menschen trinken in der Weihnachtszeit mehr Alkohol als sonst. Alkohol kann zwar kurzfristig entspannend wirken, stört aber den Schlaf, erhöht den Blutdruck und kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Ein Alkoholverzicht, beispielsweise im Rahmen des "Dry January", kann sich positiv auf Leber, Herz, Haut und Schlaf auswirken.
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