Internetnutzung und Demenzrisiko: Ein komplexer Zusammenhang

Bewegung, soziale Kontakte und ein gesundes Körpergewicht sind anerkannte Faktoren zur Senkung des Demenzrisikos. Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass auch regelmäßige Internetnutzung eine Rolle spielen könnte. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten.

Studie deutet auf reduziertes Demenzrisiko durch Internetnutzung hin

Ein Forschungsteam des Institutes für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der University New York hat herausgefunden, dass ältere Menschen, die regelmäßig im Internet aktiv sind, ihr Demenzrisiko senken könnten. Die im Journal of the American Geriatrics Society veröffentlichte Studie ergab, dass bereits 0,1 bis 2 Stunden tägliche Nutzung ausreichen, um das Risiko für geistigen Verfall um fast die Hälfte zu reduzieren.

Für die Untersuchung wurden Daten der "Health and Retirement Study" (HRS) analysiert, einer Datensammlung des National Institute on Aging (NIA) und der Social Security Administration (SSA). Die Wissenschaftler wählten 18.154 Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren aus, die zu Beginn des Studienzeitraums nicht an Demenz litten, und begleiteten sie durchschnittlich acht Jahre lang.

Die Ergebnisse im Detail

Die Auswertung der Daten zeigte, dass diejenigen, die zu Beginn der Studie das Internet nutzten, ein um 43 Prozent niedrigeres Demenzrisiko aufwiesen als diejenigen, die es nicht regelmäßig nutzten. Während der Untersuchung erkrankten rund fünf Prozent der Studienteilnehmer an Demenz, wobei die Mehrheit dieser Gruppe angab, keine regelmäßige Internetnutzung gehabt zu haben. Virginia Chang, eine an der Studie beteiligte Forscherin, wird von CNN zitiert: "Online-Engagement kann dazu beitragen, kognitive Reserven zu entwickeln und aufrechtzuerhalten, was wiederum die Alterung des Gehirns ausgleichen und das Demenzrisiko verringern kann."

Interessanterweise konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen Demenzrisiko und Faktoren wie Bildung, Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit feststellen. Auch Faktoren wie regelmäßiger Alkoholkonsum, Rauchen oder Fettleibigkeit, die bekanntermaßen das Demenzrisiko erhöhen, wurden nicht einbezogen.

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Die Dauer der Nutzung ist entscheidend

Besondere Aufmerksamkeit erregte jedoch ein anderer Faktor: Das geringste Demenzrisiko wurde bei denjenigen beobachtet, die eine tägliche Nutzungsdauer von 0,1 bis 2 Stunden angaben. Bei längerer Internetnutzung konnte die Schutzwirkung nicht bestätigt werden. Die Forscher halten negative Auswirkungen bei längerer Nutzung für möglich, betonen aber, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Claire Sexton von der Alzheimer's Association, die nicht an der Studie beteiligt war, schätzt die Ergebnisse als "eine wichtige Studie" ein, die "einen weiteren potenziell modifizierbaren Faktor identifiziert, der das Demenzrisiko beeinflussen könnte". Sie weist jedoch darauf hin, dass es sich nicht um einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang handelt.

Einschränkungen der Studie

Die Forschenden weisen darauf hin, dass sie nicht zwischen verschiedenen Internetaktivitäten unterschieden haben. Zudem wurde zwar versucht, eine umgekehrte Beziehung zwischen Ursache und Auswirkung zu minimieren, aber diese kann nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Weitere Forschungsergebnisse und Perspektiven

Eine frühere australische Studie aus dem Jahr 2012 deutete bereits darauf hin, dass regelmäßige Computernutzung das Demenzrisiko bei älteren Männern verringern könnte.

Im Gegensatz zu alarmistischen Thesen, wie sie in Manfred Spitzers Buch "Digitale Demenz" verbreitet werden, zeigen aktuelle Studien, dass die Internetnutzung nicht zwangsläufig zu sozialer Isolation oder vermindertem gesellschaftspolitischen Engagement führt. Forscher der Universität Koblenz-Landau haben festgestellt, dass solche Thesen kaum auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Zwar gibt es Hinweise auf einen kleinen Zusammenhang zwischen intensiver Internetnutzung und geringerem Wohlbefinden oder Übergewicht, jedoch zeigen experimentelle Studien im Bereich des Lernens sogar positive Effekte, insbesondere bei einer Kombination aus Präsenzunterricht und computergestütztem Lernen.

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Was ist Demenz?

Demenz ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter und bezeichnet Symptome unterschiedlicher Erkrankungen. Stärkstes Erkennungsmerkmal ist eine Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses. Es ist jedoch wichtig, nicht voreilig eine Selbstdiagnose zu stellen, da einfache Vergesslichkeit nicht gleichbedeutend mit Demenz ist.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Demenzen. Primäre Demenzen, wie die Alzheimer-Demenz, sind in der Regel nicht umkehrbar. Sekundäre Demenzen sind Folgeerscheinungen anderer Grunderkrankungen, wie Bluthochdruck, Diabetes oder Vitaminmangel, und können sich bei Behandlung der Grunderkrankung zurückbilden.

Prävention von Demenz: Was können Sie tun?

Auch wenn eine Demenz, wie die Alzheimer-Krankheit, nicht direkt vererbt wird, spielen genetische Risiken eine Rolle. Dennoch gibt es zahlreiche präventive Maßnahmen, die das Risiko einer Demenzerkrankung beeinflussen können:

  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Frühe Diagnose und Behandlung von Grunderkrankungen, die das Demenzrisiko erhöhen können.
  • Stress vermeiden: Negativen Stress und starke Belastungen möglichst reduzieren.
  • Erholsamer Schlaf: Ausreichend und erholsam schlafen, um Körper und Gehirn zu regenerieren.
  • Nichtrauchen und moderater Alkoholkonsum: Auf Zigaretten verzichten und Alkohol nur in Maßen genießen.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung und Sport zur Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit.
  • Geistige Aktivität: Geistig aktiv bleiben durch Diskussionen, Spiele, Hobbys oder andere anregende Tätigkeiten.
  • Soziale Kontakte pflegen: Freundschaften und soziale Kontakte aufrechterhalten.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit.

Therapieansätze bei Demenz

Neben medikamentösen Behandlungen gibt es auch nicht-medikamentöse Therapieansätze, die die kognitiven Fähigkeiten von Demenz-Patienten schulen und verbessern sollen. Ein Beispiel ist die MAKS®-Therapie (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial), die von Professor Dr. Gräßel entwickelt wurde. Auch Gartentherapie kann helfen, die geistigen und motorischen Fähigkeiten zu fördern.

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