Alzheimer-Forschung: Hoffnungsschimmer am Horizont – Neue Therapien und vielversprechende Ansätze

Die Alzheimer-Forschung erlebt einen vielversprechenden Aufschwung. Mit den neuen Wirkstoffen Lecanemab und Donanemab stehen erstmals Therapien zur Verfügung, die gezielt an den Hauptursachen der Erkrankung ansetzen. Diese Amyloid-Antikörpertherapien zielen darauf ab, krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn zu entfernen, die für die Schädigung von Nervenzellen verantwortlich sind. Für Betroffene im Frühstadium der Krankheit bedeuten diese Fortschritte einen wichtigen medizinischen Meilenstein.

Einblicke in die Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Gedächtnis, Denkvermögen und Verhalten gekennzeichnet ist. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind.

Was passiert im Gehirn bei Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit entwickelt sich über einen sehr langen Zeitraum, oft über Jahrzehnte. Dabei reichern sich langsam Eiweißablagerungen im Gehirn an. Hauptbestandteil dieser Aggregate ist das Amyloid-beta-Protein, das im Gehirn verklumpt. Dies führt schließlich zu Nervenzellschädigungen und -untergang. Tückisch ist, dass klinische Symptome erst auftreten, wenn dieser Prozess bereits weit fortgeschritten ist.

Neue Therapieansätze mit Amyloid-Antikörpern

Lecanemab und Donanemab sind die ersten von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassenen Amyloid-Antikörper. Sie binden an die pathologischen Eiweißablagerungen im Gehirn, aktivieren das Immunsystem und fördern so den Abbau der Ablagerungen.

Für wen sind diese Medikamente geeignet?

Die Antikörper sind für Menschen mit einer frühen Alzheimer-Krankheit zugelassen, also in einem Stadium, in dem bereits kognitive Einschränkungen bestehen, die objektivierbar sind, aber den Alltag noch nicht wesentlich beeinträchtigen. Sie sind nicht für das präklinische Stadium ohne Symptome oder bei fortgeschrittener Demenz zugelassen.

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Welche Wirkungen und Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Medikamente keine Heilung bedeuten. Sie stellen jedoch einen großen Fortschritt dar, da sie erstmals Wirkstoffe sind, die die Ursache der Alzheimer-Demenz angehen. Da die Alzheimer-Demenz multikausal ist, können nicht alle Prozesse im Körper durch die Eiweiß-Antikörper außer Kraft gesetzt werden. Das Hauptziel ist daher, das Fortschreiten der kognitiven Einschränkungen zu verlangsamen.

Als Nebenwirkungen können unter der Antikörper-Therapie punktuell Hirnödeme oder -einblutungen auftreten. Diese Nebenwirkung, die üblicherweise im ersten Halbjahr der Behandlung auftritt, betrifft etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, weshalb ein engmaschiges Monitoring, insbesondere mittels MRT, notwendig ist.

Der Fall von Nikolaus Fuhrmann

Nikolaus Fuhrmann ist der erste Patient, der am Universitätsklinikum Münster (UKM) mit Lecanemab behandelt wurde. Die Diagnose erhielt der 75-Jährige eher zufällig. Kurz darauf traten erste Symptome wie Wortfindungsstörungen auf. Vor der Therapie sind umfangreiche Untersuchungen notwendig, einschließlich einer genetischen Untersuchung des ApoE-Gens, um das Blutungsrisiko zu beurteilen. Fuhrmann verträgt die Behandlung bisher gut und hofft, dass sie den Verlauf der Krankheit verlangsamt.

Die Bedeutung der Früherkennung

Viele Experten betonen, dass die Behandlung sehr frühzeitig begonnen werden muss, um wirksam in das Krankheitsgeschehen einzugreifen, idealerweise bevor die Alzheimer-Symptome ausgeprägt sind. Dies wird durch den Einsatz von bildgebenden Verfahren ermöglicht, die Beta-Amyloid und Tau-Fibrillen im Gehirn nachweisen können.

Bluttests als Hoffnungsträger

Ein zentrales Ziel der Forschung ist die Entwicklung von Bluttests, die eine frühe und eindeutige Diagnose ermöglichen. Diese Tests sind einfacher und weniger belastend als bildgebende Verfahren oder Nervenwasseruntersuchungen und können Alzheimer mit hoher Genauigkeit anzeigen.

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Weitere Forschungsansätze

Neben den Amyloid-Antikörpern werden zahlreiche weitere Therapieansätze verfolgt. Dazu gehören:

  • TREM2-Modulation: Forschungsteams untersuchen, wie man TREM2, ein Eiweiß-Molekül auf Immunzellen im Gehirn, beeinflussen kann, um entzündliche Prozesse einzudämmen.
  • Gentherapie: Ein gentherapeutisches Verfahren soll das Risiko-Gen ApoE3 verändern und so das Alzheimer-Risiko senken.
  • Identifizierung genetischer Risikofaktoren: Ziel ist es, genetische Risikofaktoren für die Frontotemporale Demenz (FTD) aufzuklären.
  • Bluttests zur Vorhersage des Alzheimer-Risikos: Studien untersuchen, inwieweit Bluttests das Alzheimer-Risiko im frühen Stadium zuverlässig abschätzen können.
  • Einfluss von Lithium, Blarcamesin und Spermidin: Diese Substanzen stehen ebenfalls im Fokus der Forschung.

Risikofaktoren und Prävention

Die Forschung zeigt, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch die Reduktion bekannter Risikofaktoren verzögert oder verhindert werden können. Dazu zählen Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und soziale Isolation. Ein gesunder Lebensstil und gesundheitliche Vorsorge spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung.

Die Rolle der Alzheimer Forschung Initiative (AFI)

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) fördert seit 1995 Forschungsprojekte im Bereich der Demenzforschung. Sie unterstützt innovative Ansätze und trägt dazu bei, das Verständnis der Alzheimer-Krankheit zu verbessern und neue Therapieansätze zu entwickeln.

Die Notwendigkeit eines Wandels im Gesundheitssystem

Die Gesellschaft und die Gesundheitssysteme müssen mit dem medizinischen Fortschritt mithalten, damit Patientinnen und Patienten von Innovationen profitieren. Es bedarf adäquater politischer Rahmenbedingungen, um sicherzustellen, dass neue Therapeutika rechtzeitig alle Menschen erreichen, die sie benötigen.

Handlungsempfehlungen von EFPIA und EBC

Die Europäische Föderation der Pharmazeutischen Industrie und Verbände (EFPIA) und der Europäische Gehirnrat (EBC) haben acht konkrete Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger erarbeitet:

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  1. Alzheimer-Erkrankung und Hirn-Gesundheit national, europa- und weltweit zu einer Priorität der öffentlichen Gesundheit machen.
  2. Beschäftigte im Gesundheitswesen aus- und weiterbilden und sie sowie Bürgerinnen und Bürger für das Thema sensibilisieren.
  3. Daten, Informationsaustausch und entsprechende Technologien zu Nutze machen.
  4. Zugang zu Innovationen verbessern.
  5. Genügend finanzielle Mittel für Forschung und Infrastruktur sicherstellen.
  6. Bevölkerung und Patientinnen und Patienten involvieren.
  7. Multidisziplinär denken.
  8. Post-diagnostische Behandlungspfade über Leitlinien definieren und mit entsprechenden Geldern versehen.

Leqembi (Lecanemab): Ein detaillierter Blick

Leqembi ist ein Antikörper-Wirkstoff zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit, der in der EU zugelassen ist. Er bindet gezielt eine Vorstufe der für Alzheimer typischen Amyloid-beta-Protein-Plaques im Gehirn und aktiviert das körpereigene Immunsystem, um die Ablagerungen abzubauen oder deren Neubildung zu hemmen.

Voraussetzungen für die Behandlung mit Leqembi

  • Alzheimer-Diagnose im Stadium eines Mild Cognitive Impairment (MCI) oder einer frühen Alzheimer-Demenz.
  • Nachweis von Amyloid-beta-Ablagerungen (Lumbalpunktion oder Amyloid-PET).
  • Maximal eine Kopie des ApoE4-Gens.
  • Keine Einnahme von Gerinnungshemmern.
  • Teilnahme an einem EU-weiten Register.

Ablauf der Behandlung

  • Verabreichung als Infusion alle zwei Wochen.
  • Regelmäßige MRT-Untersuchungen zur Kontrolle auf Nebenwirkungen.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Hirnschwellungen (ARIA-E).
  • Hirnblutungen (ARIA-H).
  • Kopfschmerzen.
  • Infusionsreaktionen.

Wirksamkeit von Leqembi

Studien haben gezeigt, dass Leqembi den geistigen Abbau bei Menschen im frühen Krankheitsstadium verlangsamen kann. Die Wirkung wird jedoch von vielen Expertinnen und Experten als moderat eingeschätzt.

Die Suche nach neuen Biomarkern

Da die Früherkennung so entscheidend ist, suchen Forschende weltweit nach aussagekräftigen Biomarkern im Blut, die schnell und einfach Hinweise auf eine sich entwickelnde Alzheimer-Erkrankung geben können.

Prävention durch Lebensstilveränderung

Unabhängig von neuen Medikamenten wird die Prävention durch eine Veränderung des Lebensstils immer wichtiger. Auch andere Risikofaktoren für eine Demenz sind beeinflussbar: Diabetes und Übergewicht lassen sich ebenso behandeln wie Bluthochdruck und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Hörgeräte sorgen für soziale Teilhabe. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass die Impfung gegen Gürtelrose-Viren das Demenzrisiko reduzieren kann.

Nanotechnologie als Hoffnungsträger

Ein vielversprechender Ansatz ist der Einsatz von Nanopartikeln, um Medikamente gezielt ins Gehirn zu transportieren. Diese winzigen Fettkügelchen werden mit Medikamenten beladen und mit Ankermolekülen versehen, die bestimmte Strukturen in der Blut-Hirn-Schranke erkennen. So können die Nanopartikel das Medikament quasi huckepack ins Gehirn transportieren.

NAD⁺ und der Energiestoffwechsel im Gehirn

Eine neue Studie aus den USA hat gezeigt, dass der Energiestoffwechsel im Gehirn von Alzheimer-Patienten besonders stark gestört ist. Das Molekül NAD⁺, das eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung spielt, ist im Gehirn von Alzheimer-Patienten deutlich reduziert.

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