Naproxen bei Migräne: Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen

Naproxen ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR), das zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber eingesetzt wird. Es ist unter verschiedenen Markennamen erhältlich, darunter Aleve und Dolormin für Frauen. In Deutschland ist Naproxen in niedriger Dosierung (bis 250 mg) rezeptfrei erhältlich, während höhere Dosierungen verschreibungspflichtig sind.

Wirkungsweise von Naproxen

Naproxen wirkt, indem es die Aktivität der Cyclooxygenasen (COX-1 und COX-2) hemmt. Diese Enzyme spielen eine Schlüsselrolle bei der Produktion von Prostaglandinen, Botenstoffen, die an Entzündungsprozessen, Schmerzübertragung und Fieber beteiligt sind. Durch die Hemmung der Prostaglandinbildung reduziert Naproxen Schmerzen, Entzündungen und Fieber.

Da Prostaglandine auch die schützende Magenschleimhaut aufbauen, ist bei der Einnahme von Naproxen eine Reduktion der Schleimschicht zu beachten. Die COX-Hemmung kann zudem zu einer vermehrten Bildung von Leukotrienen führen, was bei Asthmatikern das Risiko für eine Bronchokonstriktion erhöhen kann.

Anwendungsgebiete von Naproxen

Naproxen wird zur Behandlung verschiedener Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt, darunter:

  • Migräne: Naproxen kann zur Akuttherapie von Migräneattacken eingesetzt werden.
  • Rheumatische Erkrankungen: Naproxen wird häufig zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen bei Arthritis, Arthrose und anderen rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.
  • Menstruationsbeschwerden: Naproxen kann krampfartige Schmerzen während der Regelblutung lindern.
  • Schmerzen nach Verletzungen und Operationen: Naproxen kann zur Behandlung von Schmerzen und Schwellungen nach Verletzungen und Operationen eingesetzt werden.
  • Gichtanfall: Naproxen kann zur Linderung der Schmerzen und Entzündungen bei einem akuten Gichtanfall eingesetzt werden.
  • Leichte bis mäßig starke Schmerzen: In niedriger Dosierung kann Naproxen bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Fieber eingesetzt werden.

Naproxen Dosierung bei Migräne

Zur Akuttherapie bei Migräne können Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene als Einzeldosis 200 mg Naproxen (entspricht 220 mg Naproxen-Natrium) einnehmen. Die Tageshöchstdosis beträgt 600 mg, wobei ein Dosierungsintervall von mindestens acht Stunden eingehalten werden sollte.

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Die deutsche S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ von 2018 bewertet Naproxen zögerlich. Belastbare Daten lägen nur für höhere Dosierungen (275 mg, 500 mg oder 825 mg) vor. Für die verschreibungsfreien Dosierungen von 200 bis 250 mg Naproxen fehlten indes RCTs und somit auch ein Wirkungsnachweis. Eine Empfehlung gibt es in der Leitlinie allerdings für Naproxen 2 x 500 mg zur Behandlung der menstruellen Migräne.

Allgemeine Hinweise zur Dosierung

  • Die Dosierung von Naproxen hängt von der Art und Schwere der Erkrankung sowie vom Alter des Patienten ab.
  • Es sollte die niedrigste wirksame Dosis über den kürzesten, zur Symptomkontrolle erforderlichen Zeitraum angewendet werden, um Nebenwirkungen zu minimieren.
  • Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sollten niedrigere Dosen einnehmen.
  • Ältere Patienten sollten ebenfalls niedrigere Dosen einnehmen, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen besteht.

Naproxen: Nebenwirkungen

Wie alle NSAR kann auch Naproxen Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Blähungen, Sodbrennen, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, Magen-Darm-Blutungen
  • Zentralnervöse Störungen: Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit
  • Hautreaktionen: Hautausschlag, Juckreiz, Urtikaria, Lichtempfindlichkeit
  • Herz-Kreislauf-System: Erhöhter Blutdruck, Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Nierenfunktion: Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auftreten.

Wichtige Warnhinweise:

  • Naproxen kann das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen, insbesondere bei hohen Dosen undLangzeitbehandlung.
  • Bei Magen-Darm-Erkrankungen in der Vorgeschichte sollte Naproxen nur mit Vorsicht angewendet werden, da sich der Zustand verschlechtern kann.
  • Bei Anzeichen einer schweren Hautreaktion (z.B. Rötung, Blasenbildung) sollte Naproxen sofort abgesetzt und ein Arzt konsultiert werden.
  • Bei Einnahme von Naproxen vor operativen Eingriffen ist der Arzt oder Zahnarzt zu befragen.
  • Die gleichzeitige Anwendung von Naproxen und Alkohol sollte vermieden werden, da dies die Nebenwirkungen verstärken kann.

Kontraindikationen

Naproxen darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Naproxen oder andere NSAR
  • Bekannten oder wiederholt aufgetretenen Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren
  • Magen-Darm-Blutungen oder -Durchbruch in der Vorgeschichte
  • Schwerer Herzinsuffizienz
  • Schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen
  • Kindern unter 12 Jahren (für freiverkäufliche Schmerztabletten mit 200 mg Naproxen)
  • Letztem Drittel der Schwangerschaft

Naproxen in Schwangerschaft und Stillzeit

Naproxen sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im letzten Drittel, nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingenommen werden. Im letzten Trimenon ist die Gabe kontraindiziert, da es zu einer vorzeitigen Verengung des Ductus arteriosus beim Fötus, Nierenfunktionsstörungen und einer Hemmung der Wehen kommen kann.

Naproxen geht in geringen Mengen in die Muttermilch über und sollte vorsichtshalber in der Stillzeit vermieden werden.

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Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Naproxen kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen, darunter:

  • Blutgerinnungshemmer: Die Wirkung von Blutgerinnungshemmern kann verstärkt werden.
  • ACE-Hemmer: Die Wirkung von ACE-Hemmern (Mittel zur Behandlung von Herzschwäche und Bluthochdruck) kann abgeschwächt werden.
  • Digoxin, Phenytoin, Lithium: Die Konzentration dieser Arzneimittel im Blut kann erhöht werden.
  • Acetylsalicylsäure (ASS): Naproxen kann die Wirkung von niedrig-dosierter ASS abschwächen.
  • Andere NSAR: Die gleichzeitige Anwendung von Naproxen mit anderen NSAR sollte vermieden werden, da dies das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.
  • Psychopharmaka: Vorsicht ist in Kombination mit verschiedenen Psychopharmaka geboten (unter anderem Clozapin, Citalopram, Duloxetin und Lithium).
  • Deferipron oder Mifamurtid: Kontraindiziert ist das NSAR bei Einnahme von Deferipron oder Mifamurtid.

Studienlage zu Naproxen bei Migräne

Die deutsche S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ von 2018 bewertet Naproxen zögerlich. Belastbare Daten lägen nur für höhere Dosierungen (275 mg, 500 mg oder 825 mg) vor. Für die verschreibungsfreien Dosierungen von 200 bis 250 mg Naproxen fehlten indes RCTs und somit auch ein Wirkungsnachweis.

Eine Empfehlung gibt es in der Leitlinie allerdings für Naproxen 2 x 500 mg zur Behandlung der menstrueller Migräne. Die prophylaktische Wirkung belegten 1990 Sances et all. Sie prüften die Wirksamkeit von 550 mg Naproxen-Natrium zweimal täglich bei der Prophylaxe von Menstruationsmigräne gegen Placebo in einer doppelblinden Studie an 40 Frauen.

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