Epilepsie-Medikamente spielen eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung von Anfällen und der Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen. Sie wirken, indem sie die übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn hemmen. Obwohl sie die Ursachen der Epilepsie nicht heilen können, reduzieren sie effektiv das Risiko von Anfällen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, was zu tun ist, wenn man die Einnahme einer Tablette vergessen hat, um die bestmögliche Anfallskontrolle aufrechtzuerhalten.
Medikamentöse Behandlung der Epilepsie: Grundlagen
Wirkungsweise von Antiepileptika
Epilepsie-Medikamente, auch Antiepileptika genannt, wirken, indem sie die übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn hemmen. Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn überaktiv sind. Antiepileptika können das Risiko senken, dass es zu Anfällen kommt, heilen aber nicht die Ursachen der Epilepsie.
Darreichungsformen und Dosierung
Die Medikamente sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Kapseln und Säfte. Einige können auch gespritzt, als Infusion oder als Zäpfchen angewendet werden. Die Dosierung wird individuell angepasst, um die Wirksamkeit zu maximieren und Nebenwirkungen zu minimieren.
Auswahl des geeigneten Medikaments
Die Auswahl des geeigneten Medikaments hängt von der Form der Epilepsie, der Wirksamkeit, den möglichen Nebenwirkungen, den Lebensumständen und den persönlichen Bedürfnissen ab. In der Regel beginnt die Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff in einer niedrigen Dosierung. Reicht dies nicht, wird meist zunächst die Dosis gesteigert. Hilft auch das nicht ausreichend oder treten dabei starke Nebenwirkungen auf, wird ein anderer Wirkstoff eingesetzt. Häufig müssen mehrere Medikamente ausprobiert werden, um ein wirksames zu finden.
Häufig verwendete Wirkstoffe
Zur Behandlung einer Epilepsie sind über 20 verschiedene Wirkstoffe zugelassen, darunter:
Lesen Sie auch: Versehentliche Nerveninjektion
- Carbamazepin
- Gabapentin
- Lamotrigin
- Levetiracetam
- Pregabalin
- Valproinsäure
Was tun, wenn man eine Tablette vergessen hat?
Sofortmaßnahmen
Wenn Sie feststellen, dass Sie eine Dosis vergessen haben, nehmen Sie die Tablette so schnell wie möglich ein, es sei denn, es ist fast Zeit für die nächste planmäßige Dosis. In diesem Fall lassen Sie die vergessene Dosis aus und setzen Sie die Einnahme mit Ihrem regulären Zeitplan fort. Nehmen Sie niemals die doppelte Dosis ein, um eine vergessene Dosis auszugleichen, da dies das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann.
Individuelle Faktoren berücksichtigen
Die Vorgehensweise hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Art des Medikaments: Einige Medikamente haben eine längere Halbwertszeit als andere, was bedeutet, dass sie länger im Körper verbleiben. Bei Medikamenten mit kurzer Halbwertszeit ist es wichtiger, die Einnahme nicht zu versäumen.
- Häufigkeit der Einnahme: Wenn Sie das Medikament mehrmals täglich einnehmen, ist das Auslassen einer Dosis möglicherweise weniger problematisch als bei einer einmal täglichen Einnahme.
- Anfallshistorie: Wenn Sie seit langer Zeit anfallsfrei sind, ist das Risiko eines Anfalls nach dem Auslassen einer Dosis möglicherweise geringer.
Beratung durch den Arzt
Es ist ratsam, Ihren Arzt zu konsultieren, um spezifische Anweisungen zu erhalten, was zu tun ist, wenn Sie eine Dosis vergessen haben. Er kann Ihnen basierend auf Ihrer individuellen Situation und Ihrem Medikamentenplan die beste Vorgehensweise empfehlen.
Strategien zur Verbesserung der Medikamenteneinnahme
Routinen entwickeln
Integrieren Sie die Medikamenteneinnahme in Ihre täglichen Routinen. Nehmen Sie die Medikamente beispielsweise immer vor dem Zähneputzen oder zu den Mahlzeiten ein.
Erinnerungshilfen nutzen
Verwenden Sie Erinnerungshilfen wie Tablettenboxen, elektronische Wecker oder Handy-Apps, um sich an die Einnahme zu erinnern.
Lesen Sie auch: Welche Tabletten helfen bei Epilepsie?
Feste Einnahmezeiten
Nehmen Sie die Medikamente immer zu festen Uhrzeiten ein, um einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel im Körper aufrechtzuerhalten.
Kommunikation mit dem Arzt
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Schwierigkeiten bei der Medikamenteneinnahme. Er kann Ihnen helfen, Strategien zu entwickeln, um die Einhaltung der Therapie zu verbessern.
Zusätzliche Aspekte der Epilepsiebehandlung
Anfallskalender führen
Es ist hilfreich, einen Anfallskalender zu führen. Darin dokumentiert man, welche Medikamente man wann einnimmt, wann Anfälle auftreten und wie sie sich äußern. Dies kann es Ärztinnen und Ärzten erleichtern, den Krankheitsverlauf zu beurteilen.
Medikamentenwechsel vermeiden
Vermeiden Sie häufige Wechsel zwischen Originalpräparaten und Generika, da dies zu Einnahmefehlern und Verwechslungen führen kann. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt und Apotheker.
Schwangerschaft und Verhütung
Frauen mit Epilepsie sollten frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über das Thema Verhütung sprechen, da bestimmte Antiepileptika die Wirksamkeit der Antibabypille herabsetzen können. Bei Kinderwunsch ist eine rechtzeitige ärztliche Beratung wichtig, um mögliche Risiken zu minimieren.
Lesen Sie auch: Tabletten zur Nervenberuhigung erklärt
Impfungen
Menschen mit Epilepsie sollen grundsätzlich den gleichen Impfschutz erhalten wie Menschen ohne Epilepsie. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Schutzimpfungen bei anfallskranken Menschen häufiger zu Komplikationen führen als bei Menschen ohne Anfälle.
Lebensstil
Regelmäßiger Sport, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum können dazu beitragen, Anfälle zu vermeiden.
Wann ist ein Absetzen der Medikamente möglich?
Wer mehrere Jahre anfallsfrei war, möchte die Medikamente häufig absetzen. Dies ist oft möglich: Es wird geschätzt, dass etwa 3 von 10 Menschen, die nach Beginn der Behandlung keine Anfälle mehr haben, die Medikamente nach einigen Jahren weglassen können, ohne dass es zu neuen Anfällen kommt. Ob ein Absetzen sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist. Die Entscheidung sollte zusammen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgewogen werden.
Voraussetzungen für ein Absetzen
- Schon lange anfallsfrei
- Ein niedrig dosiertes Medikament einnehmen
- Im EEG keine erhöhte Anfallsneigung festgestellt
Vorgehensweise beim Absetzen
Um die Einnahme zu beenden, wird die Dosis schrittweise über mindestens 2 bis 3 Monate reduziert. Werden zwei oder mehr Medikamente eingenommen, wird zunächst nur die Dosierung eines Medikaments verringert.
Alternativen zur medikamentösen Behandlung
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, können folgende Eingriffe in Betracht gezogen werden:
- Operation: Wenn sich bei fokalen Epilepsien feststellen lässt, welcher Bereich des Gehirns Anfälle auslöst, kann dieser Teil unter Umständen entfernt werden.
- Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher an der Brust unter die Haut implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden.
Notfallmaßnahmen bei einem Anfall
Von einem „Status epilepticus“ spricht man, wenn ein generalisierter epileptischer Anfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle rasch hintereinander auftreten. Dann handelt es sich um einen Notfall, der schnell medikamentös behandelt werden muss. Deshalb muss sofort der Rettungsdienst unter der 112 gerufen werden.
Levetiracetam: Ein häufig verwendetes Antiepileptikum
Wirkungsweise
Levetiracetam ist ein Arzneistoff aus der Klasse der Antiepileptika (Medikamente gegen Epilepsie, auch Antikonvulsiva genannt). Seine Wirkung vermittelt es hauptsächlich, indem es die Menge gewisser Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter) verringert.
Anwendungsgebiete
Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Levetiracetam gehören verschiedene Formen von Krampfleiden, namentlich:
- fokale Anfälle (auf eine Gehirnregion begrenzt) mit oder ohne sekundärer Generalisierung (= Übergreifen auf beide Gehirnhälften)
- myoklonische Anfälle (Anfälle mit plötzlichen einschießenden Zuckungen der Muskulatur)
- tonisch-klonische Anfälle (beginnen mit einer plötzlichen Steifheit des Körpers, gefolgt von krampfartigen Zuckungen)
Anwendung
Medikamente mit Levetiracetam werden üblicherweise in Form von Tabletten oder Trinklösungen angewendet. In akuten Fällen darf der Wirkstoff auch direkt in die Blutbahn gespritzt werden. Die Dosierung beträgt normalerweise zwischen 500 und 1500 Milligramm Levetiracetam, wird jedoch individuell vom Arzt festgelegt.
Nebenwirkungen
Sehr häufig, das heißt bei mehr als zehn Prozent der Behandelten, ruft Levetiracetam Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Schläfrigkeit hervor.
Wichtige Hinweise
Levetiracetam darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff angewendet werden. Medikamente mit Levetiracetam können das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, da als Nebenwirkung Schläfrigkeit auftreten kann. Levetiracetam darf auch in der Schwangerschaft eingesetzt werden.
tags: #ausversehen #tablette #gegen #epilepsie #genommen