Empfehlungen für Bildschirme für Menschen mit Epilepsie

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, plötzliche Funktionsstörungen des Gehirns gekennzeichnet ist. Weltweit sind etwa 1 % der Bevölkerung von Epilepsie betroffen. In Deutschland sind es ca. 800.000 Menschen. Während die Krankheit viele Aspekte des Lebens beeinträchtigen kann, ist es wichtig zu wissen, dass Menschen mit Epilepsie ein erfülltes und produktives Leben führen können, auch am Arbeitsplatz. Die richtige Technologie, insbesondere der richtige Bildschirm, kann dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Einführung

Die Wahl des richtigen Bildschirms für eine Person mit Epilepsie erfordert sorgfältige Überlegungen. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass flackerndes Licht von Bildschirmen oder Computern bei Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen kann. Dies betrifft jedoch nur die relativ seltenen fotosensitiven Epilepsien. Moderne Bildschirme und Monitore arbeiten mit hohen Bildwiederholfrequenzen, wodurch das Risiko von Anfallsauslösungen minimiert wird. Dennoch gibt es einige wichtige Aspekte, die bei der Auswahl eines Bildschirms berücksichtigt werden sollten, um die bestmögliche Erfahrung zu gewährleisten.

Fotosensibilität und Bildschirme

Nur etwa 5 % aller Menschen mit Epilepsie zeigen bei Stimulation mit Lichtreizen epilepsietypische Veränderungen im EEG (photoparoxysmale Reaktion - kurz PPR). Davon werden etwa 70 % durch spezielle Lichtreize Anfälle ausgelöst. Moderne Computerbildschirme und Fernseher arbeiten nicht wie ältere Röhrengeräte mit Bildwechselfrequenzen von 50 Hz, sondern mit 100 Hz oder mehr. Daher sind sie bauartbedingt unbedenklich für Menschen mit Epilepsien.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht der Bildschirm selbst, sondern die darauf angezeigten Inhalte Anfälle auslösen können. Flackernde, sich wiederholende Muster können problematisch sein. Glitzernde Wasseroberflächen und Autofahrten durch Alleen können für Menschen mit Fotosensibilität genauso bedenklich sein wie schnelle Bildwechsel mit harten Hell-Dunkel- oder Rot-Blau-Kontrasten und geometrischen Mustern (z. B. Streifen) in Filmen, Computerspielen und animierten Bildern.

Empfehlungen für die Bildschirmauswahl

Bei der Auswahl eines Bildschirms für eine Person mit Epilepsie sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

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Bildwiederholfrequenz

Patienten mit einer photosensiblen Epilepsie sollten bei Verwendung von Röhrenbildschirmen auf eine Bildwiederholungsrate von mindestens 70 Hz achten. Moderne LCD-Bildschirme haben in der Regel höhere Bildwiederholfrequenzen, was das Risiko reduziert.

Flimmerfreie Technologie (Flicker-Free)

Es ist wichtig, auf eine nicht-PWM-gesteuerte Hintergrundbeleuchtung ("Flicker free") zu achten. PWM (Pulsweitenmodulation) kann zu einem Flackern des Bildschirms führen, was für Menschen mit Fotosensibilität problematisch sein kann. Bei LCD-Displays darauf achten, dass es eine nicht-PWM-gesteuerte Hintergrundbeleuchtung ("Flicker free") hat.

Ergonomie

Der Monitor sollte über Ergonomieeinstellungen wie Höhen- und Drehverstellung verfügen. Eine korrekte Einstellung des Monitors kann die Augen entlasten und die Konzentrationsfähigkeit fördern.

Umgebungsbeleuchtung

Der Raum, in dem der Bildschirm verwendet wird, sollte gut beleuchtet sein. Eine ausreichende Beleuchtung reduziert die Belastung der Augen und kann das Risiko von Anfallsauslösungen verringern.

Vermeidung von Stressfaktoren

Generell sollte alles vermieden werden, was die Augen stresst. Dazu gehören eine angenehme (von der Farbtemperatur) und nicht zu starke Beleuchtung im Raum, in dem der PC benutzt wird.

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Panel-Technologie

Es gibt verschiedene Panel-Technologien wie IPS, VA und TN. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. IPS-Panels bieten in der Regel die beste Blickwinkelstabilität und Farbgenauigkeit, während VA-Panels für ihre hohen Kontrastwerte bekannt sind. TN-Panels sind oft günstiger, bieten aber eine geringere Blickwinkelstabilität.

Manche Menschen empfinden IPS-Glow als unangenehm für die Augen und bevorzugen daher VA-Panels. Dies ist jedoch sehr individuell.

Schwarzweiß-Modus

Einige Monitore bieten die Möglichkeit, in einen Schwarzweiß- oder Graustufenmodus zu wechseln. Dies kann für manche Menschen mit Epilepsie angenehmer sein. Im Grafiktreiber lässt sich die Farbe oft auf "0" stellen, was einem Schwarzweiß-Modus entspricht.

Auflösung und Bildschirmgröße

Es ist wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Auflösung, Betrachtungsabstand und Bildschirmgröße zu finden. Eine zu hohe Auflösung auf einem zu kleinen Bildschirm kann zu Problemen bei der Skalierung von Schrift und Grafiken führen, während eine zu niedrige Auflösung auf einem zu großen Bildschirm zu einem pixeligen oder unscharfen Bild führen kann.

Weitere Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen

Ärztliche Beratung

Bei Hinweisen auf eine Fotosensibilität sollte eine Untersuchung durch einen Facharzt für Neurologie durchgeführt werden. Der Arzt kann die individuellen Risiken beurteilen und Empfehlungen für die Bildschirmauswahl und die Arbeitsplatzgestaltung geben.

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Arbeitsplatzbeurteilung

Die Arbeitsplatzverhältnisse sollten unter Berücksichtigung der individuellen Befunde beurteilt werden. Dies sollte in Zusammenarbeit zwischen der Sicherheitsfachkraft und dem Betriebsarzt erfolgen. Die DGUV Information 250-001 "Berufliche Beurteilung bei Epilepsie und nach erstem epileptischen Anfall" bietet hierbei eine gute Hilfe.

Medikamentöse Behandlung

Etwa 90 % der Personen mit Fotosensibilität können durch geeignete pharmakologische Behandlung die fotosensible Reaktion verlieren.

Hilfsmittel

Bei persistierender Fotosensibilität ist eine Versorgung mit Hilfsmitteln, z. B. speziellen Brillen, möglich.

Überwachungsmonitore

Überwachungsmonitore können für Kinder und Jugendliche mit Epilepsie hilfreich sein. Diese Monitore überwachen die Vitalfunktionen, um Anfälle oder andere kritische Ereignisse frühzeitig zu erkennen. Es ist jedoch wichtig, sich daran zu erinnern, dass Überwachungsmonitore kein Ersatz für medizinische Versorgung und menschliche Überwachung sind.

Bewerbung und Beruf

Im Bewerbungsschreiben sollte die Epilepsie generell nicht erwähnt werden. Es sollte jedoch überlegt werden, ob die Art und Häufigkeit der Anfälle am gewünschten Arbeitsplatz ein erhöhtes Risiko darstellen. Im Epilepsiezentrum oder in der Epilepsieberatungsstelle können die beruflichen Möglichkeiten für Menschen mit Epilepsie arbeitsmedizinisch eingeschätzt werden.

Panel Technologien im Detail

IPS-Panel

Die IPS-Technologie (In-Plane Switching) hat sich in den letzten Jahren stark verbessert und bildet nunmehr die Spitze des Eisbergs. Wenn man sich die „besten“ Monitore für Foto- und Videobearbeitung ansieht, sind darin IPS-Panel verbaut.

Vorteile von IPS:

  • Höchste Blickwinkelstabilität
  • Dadurch akkuratere Farben als TN- oder VA-Panel aber gleichwertig zu OLED
  • Auch mit sehr schnellen 240 Hz Panels verfügbar, die den TN-Panels zunehmend die Show bzgl. Reaktionszeiten stehlen

Nachteile von IPS:

  • Weniger Kontrast als VA-Panel oder OLED-Panel
  • IPS-Glow (bei meinen Empfehlungen kein Problem)

IPS-Panel Fazit: Monitore mit IPS Panel sind in vielerlei Hinsicht der beste Kompromiss aus Blickwinkelstabilität, Farbgenauigkeit, Helligkeit und Reaktionszeiten. Lediglich beim Kontrast liegt ein IPS-Panel hinter einem VA- oder OLED-Panel. Allerdings ist das kein echtes Problem, da man ohnehin nicht in sehr dunklen Räumen am Bildschirm arbeiten sollte, um eine Überanstrengung der Augen zu vermeiden.

VA-Panel

Die Königsdisziplin eines VA-Panels (Vertical Alignment) sind tiefe Schwarzwerte und ein gutes Kontrastverhältnis. Allerdings ist das in der gesunden Praxis selten ein Vorteil, weshalb ein Trend zu IPS Panels zu erkennen ist. Die Vorteile des IPS-Panels überwiegen. Zwar kann ein VA-Panel wundervolle Farben machen, jedoch ist das abhängig vom Betrachtungswinkel etwas ungenauer als ein guter IPS-Monitor. So kommen VA-Panel häufig in einer curved Bauform daher, wodurch man das „Problem“ der Blickwinkelstabilität und somit Farbgenauigkeit angeht.

Vorteile VA-Panel:

  • Satte Schwarzwerte und Farben bzw. hellere Monitore verfügbar
  • Oftmals etwas günstiger als gleichwertige IPS-Modelle

Nachteile VA-Panel:

  • Beim Gaming nimmt man für stärkeren Kontrast, sogenanntes Black-Level-Smearing in Kauf. Das passiert wenn Pixel nicht schnell genug, von hell auf dunkel und wieder zurück auf hell, wechseln können. Das bekommen die TN oder IPS meistens etwas schneller hin.

VA-Panel Fazit: Monitore mit VA-Panel stellen eine Brücke zwischen guter Bildqualität und Kostenpunkt dar. Es gibt leichte Nachteile in der Blickwinkelstabilität und somit Farbgenauigkeit, die durch eine curved Bauform gut kompensiert werden können. Außerdem haben VA Monitore etwas langsamere Reaktionszeiten.

OLED-Panel

OLED-Panels (Organic Light Emitting Diode) machen das beste Bild und haben die schnellsten Reaktionszeiten. Leider gibt es ein gravierendes Problem: Wenn Pixel über eine längere Zeit dargestellt werden, was im PC-Betrieb ja regelmäßig passiert, brennen sich Pixel ein. Kennt man vielleicht noch, von der Plasma-Technologie: Deshalb eigenen sich OLED-Monitore nur für pures Gaming oder Filme schauen. Für die Arbeit oder das Surfen ist ein OLED-Display ein waghalsiges Unterfangen. Zudem sind OLED-Monitore sehr kostspielig.

Vorteile OLED-Panel:

  • Die schnellsten Reaktionszeien
  • Die beste Bildqualität

Nachteile OLED-Panel:

  • Einbrennen von Pixeln bei Darstellung gleicher Pixel, über einen längeren Zeitraum (Symbole auf dem Desktop, Task-Leiste etc.)
  • Sehr hohe Anschaffungskosten

OLED-Panel Fazit: Für OLED-Displays kann ich derzeit keine Empfehlung für den PC-Bereich abgeben.

TN-Panel

Im Vergleich zu anderen Panel-Technologien sind TN-Panel (Twisted Nematic) am günstigsten. Allerdings sind sie nicht nur bei einer Preis orientierten Zielgruppe gefragt sondern auch bei E-Sportlern, die auf „überlebenswichtige“ Reaktionszeiten angewiesen sind. Leider hat die TN Technologie mit der Blickwinkelstabilität zu kämpfen und ist so für produktives Arbeiten absolut ungeeignet. Zudem bieten TN-Panel keinen spürbaren Vorteil gegenüber den neuen IPS-Monitoren, die mit 240Hz und extrem geringem Input-Lag daherkommen. Meiner Meinung nach sind die Tage der TN-Technologie gezählt.

Vorteile TN-Panel:

  • Preise von günstig bis moderat
  • Schnellste Reaktionszeiten, aber mittlerweile in Konkurrenz mit 240/360 Hz IPS-Panels

Nachteile TN-Panel

  • Kontrastverhältnis und Farbwiedergabe sehr vom Blickwinkel abhängig

TN-Panel Fazit

Für jeden der auch nur ein wenig Bildbearbeitung o. ä. mit dem Monitor betreibt, rate ich grundsätzlich von einem Bildschirm mit TN-Panel ab. Auch für Gaming hat IPS stark aufgeholt und macht es schwer Blickwinkelstabilität, Farbgenauigkeit, Kontrast und Sättigung für einen Hauch schnellere Reaktionszeiten zu opfern. Eine Entscheidung, die der E-Sportler am Ende selbst abwägen muss.

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