Zöliakieplexus: Anatomie, Funktion und Interventionelle Schmerztherapie

Der Zöliakieplexus, auch Plexus coeliacus genannt, ist ein komplexes Nervengeflecht im Oberbauch, das eine zentrale Rolle in der Schmerzleitung und der autonomen Steuerung der Bauchorgane spielt. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie und Funktion des Plexus coeliacus und untersucht seine Bedeutung in der interventionellen Schmerztherapie, insbesondere bei chronischen Schmerzzuständen im Oberbauch.

Anatomie und Lage des Zöliakieplexus

Ein Plexus ist ein Netzwerk von Nervenfasern. Der Zöliakieplexus ist ein solches Netzwerk, das sich im hinteren Bereich des Oberbauchs befindet. Er liegt retroperitoneal, also hinter dem Bauchfell, an der Vorderseite der Wirbelsäule, etwa auf Höhe des ersten Lendenwirbels (L1). Der Plexus umgibt die Aorta abdominalis und den Abgang der Arteria mesenterica superior. Er besteht aus einer Ansammlung von Nervenzellen (Ganglien) und Nervenfasern, die sowohl sympathische als auch parasympathische Anteile enthalten.

Funktion des Zöliakieplexus

Der Zöliakieplexus ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems und spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation der Funktion der Bauchorgane. Er innerviert unter anderem:

  • Magen: Steuerung der Magenmotilität und -sekretion
  • Dünndarm: Regulation der Darmbewegung und -absorption
  • Pankreas: Beeinflussung der Enzymsekretion
  • Leber und Gallenblase: Steuerung der Gallenproduktion und -ausschüttung
  • Nebennieren: Modulation der Hormonfreisetzung

Darüber hinaus ist der Zöliakieplexus ein wichtiger Knotenpunkt für die Schmerzleitung aus den oben genannten Organen. Schmerzsignale aus diesen Bereichen werden über den Plexus coeliacus zum Gehirn weitergeleitet.

Zöliakieplexusblockade: Interventionelle Schmerztherapie

Die Zöliakieplexusblockade (CPB) ist eine interventionelle Schmerztherapiemethode, die zur Behandlung chronischer Schmerzen im Oberbauch eingesetzt wird. Sie findet Anwendung bei Schmerzen, die von den Organen stammen, die vom Zöliakieplexus innerviert werden, insbesondere bei:

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  • Pankreaskarzinom: Schmerzen aufgrund von Tumorwachstum oder Entzündung
  • Chronische Pankreatitis: Schmerzen aufgrund von Entzündung und Gewebeschädigung
  • Andere maligne Erkrankungen: Schmerzen im Oberbauch aufgrund von Tumoren der Leber, Gallenblase, des Magens oder des Dünndarms
  • Nicht-maligne Schmerzzustände: In seltenen Fällen bei therapierefraktären Schmerzen anderer Ursache

Durchführung der Zöliakieplexusblockade

Die CPB wird in der Regel unter Bildkontrolle (Fluoroskopie oder Computertomographie) durchgeführt, um die korrekte Platzierung der Nadel zu gewährleisten. Der Patient liegt dabei auf dem Bauch. Nach steriler Desinfektion der Haut wird eine oder mehrere Nadeln in den Bereich des Zöliakieplexus eingeführt.

Es gibt verschiedene Techniken zur CPB:

  • Konventionelle CPB: Injektion eines Lokalanästhetikums und/oder eines Kortikosteroids in den Bereich des Plexus
  • Neurolytische CPB: Injektion einer neurolytischen Substanz (z. B. Alkohol oder Phenol) zur dauerhaften Zerstörung der Nervenfasern im Plexus

Vor einer neurolytischen CPB wird in der Regel eine diagnostische Blockade mit einem Lokalanästhetikum durchgeführt, um die Wirksamkeit der Blockade zu testen und mögliche Nebenwirkungen zu evaluieren.

Wirkmechanismus

Die CPB wirkt, indem sie die Schmerzleitung im Zöliakieplexus unterbricht. Durch die Blockade der Nervenfasern werden die Schmerzsignale nicht mehr zum Gehirn weitergeleitet, was zu einer Schmerzlinderung führt. Bei der neurolytischen CPB wird dieser Effekt durch die Zerstörung der Nervenfasern dauerhaft erzielt.

Mögliche Komplikationen

Wie bei jedem interventionellen Eingriff können auch bei der CPB Komplikationen auftreten. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

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  • Schmerzen an der Injektionsstelle: Diese sind in der Regel vorübergehend und können mit Schmerzmitteln behandelt werden.
  • Hypotension: Ein Blutdruckabfall kann auftreten, da die Blockade auch sympathische Nervenfasern beeinflusst.
  • Diarrhö: Durch die Blockade der sympathischen Innervation des Darms kann es zu einer vermehrten Darmtätigkeit und Durchfall kommen.
  • Neurologische Komplikationen: In seltenen Fällen kann es zu Nervenschäden mit entsprechenden Ausfällen kommen.
  • Infektionen: Wie bei jeder Injektion besteht ein geringes Risiko einer Infektion.
  • Pneumothorax: In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Verletzung der Lunge mit resultierendem Pneumothorax kommen.

Zöliakie: Autoimmune Erkrankung des Dünndarms

Die Zöliakie, auch einheimische Sprue oder glutensensitive Enteropathie genannt, ist eine chronische Autoimmunerkrankung des Dünndarms, die durch eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten, einem in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweiß, ausgelöst wird.

Pathophysiologie

Bei Menschen mit Zöliakie führt der Verzehr von Gluten zu einer Entzündungsreaktion im Dünndarm. Diese Entzündung schädigt die Dünndarmschleimhaut und führt zu einer Rückbildung der Darmzotten. Die Darmzotten sind für die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung verantwortlich. Durch die Zottenatrophie wird die Oberfläche des Dünndarms verringert, was zu einer Malabsorption von Nährstoffen führen kann.

Die Entstehung der Zöliakie ist multifaktoriell. Es spielen genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und das Mikrobiom (Darmbakterien) eine Rolle. Die Zöliakie ist stark mit bestimmten Genen des Haupthistokompatibilitätskomplexes (HLA) assoziiert, insbesondere HLA-DQ2 und HLA-DQ8.

Symptome

Die Symptome der Zöliakie sind sehr vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Sie können sowohl den Magen-Darm-Trakt als auch andere Organsysteme betreffen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Magen-Darm-Beschwerden: Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung
  • Malabsorption: Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schwäche, Anämie, Osteoporose, Wachstumsstörungen bei Kindern
  • Weitere Symptome: Hautausschläge (Dermatitis herpetiformis), Gelenkschmerzen, neurologische Symptome (z. B. Ataxie, periphere Neuropathie), Unfruchtbarkeit

Diagnose

Die Diagnose der Zöliakie basiert auf einer Kombination aus serologischen Tests, endoskopischer Untersuchung des Dünndarms mit Biopsie und Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung.

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  • Serologische Tests: Im Blut werden Antikörper gegen Glutenbestandteile (z. B. Gliadin) und gegen körpereigene Gewebsstrukturen (z. B. Gewebstransglutaminase) bestimmt.
  • Endoskopie mit Biopsie: Eine Magenspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben aus dem Dünndarm (Duodenalbiopsie) ermöglicht die Beurteilung der Dünndarmschleimhaut und den Nachweis von Zottenatrophie. Moderne Endoskope mit Narrow Band Imaging (NBI) und Nahfeldfokus ermöglichen eine detaillierte Visualisierung der Duodenalmukosa und können bei der Identifizierung von Arealen mit Zottenatrophie hilfreich sein.
  • Glutenfreie Ernährung: Eine Besserung der Symptome unter einer strikt glutenfreien Ernährung unterstützt die Diagnose.

Endoskopische Merkmale der Zöliakie

Endoskopische Merkmale der Zöliakie im Duodenum sind der Verlust von Falten, Fissurenbildung auf den Faltenkämmen und das noduläre Erscheinen der Mukosa. Im Vergleich zu der normalen Mukosa, welche mit fingerförmigen Zotten bedeckt ist, zeigt die Zöliakie abgeflachte, teilweise fehlende Zotten. Die Dünndarmzotten können durch den Einsatz von Wasser während der Untersuchung näher untersucht werden. Hierzu wird zuerst die insufflierte Luft abgesaugt und im Anschluss 90 bis 150 mL Wasser in das Lumen verabreicht. Hierdurch werden die Oberflächendetails der Mukosa verstärkt und somit besser visualisiert. Durch den Einsatz solcher Techniken können Areale des Befalls genauer identifiziert und einer gezielten Biopsie zugeführt werden.

Therapie

Die einzige wirksame Therapie der Zöliakie ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung. Das bedeutet, dass alle Lebensmittel, die Gluten enthalten, vermieden werden müssen. Dazu gehören insbesondere:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Kamut
  • Triticale

Viele verarbeitete Lebensmittel enthalten ebenfalls Gluten, daher ist es wichtig, die Zutatenlisten sorgfältig zu prüfen. Es gibt jedoch auch viele glutenfreie Alternativen, wie z. B.:

  • Reis
  • Mais
  • Kartoffeln
  • Buchweizen
  • Quinoa
  • Amaranth
  • Hirse

Eine konsequente glutenfreie Ernährung führt in der Regel zu einer Besserung der Symptome und zur Regeneration der Dünndarmschleimhaut.

Reizdarmsyndrom (RDS)

Das Reizdarmsyndrom (RDS), auch Colon irritable, Reizcolon oder "nervöser Darm" genannt, ist eine funktionelle Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, die durch chronische Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung gekennzeichnet ist.

Ursachen und Pathophysiologie

Die Ursachen des RDS sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter:

  • Genetische Faktoren
  • Umwelteinflüsse: Stress, Infektionen
  • Veränderungen der Darmflora (Mikrobiom)
  • Störungen der Darm-Hirn-Achse: Beeinträchtigung der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn
  • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit im Darm
  • Störungen der Darmmotilität

Dabei kommt es zu störenden Einflüssen auf das im Magen-Darm-Trakt liegende Nervengeflecht mit Millionen von Nervenzellen (Plexus myentericus und Plexus submucosus), das die Verdauung steuert.

Symptome

Die Symptome des RDS sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Bauchschmerzen: Krampfartig, stechend oder dumpf
  • Blähungen: Völlegefühl, vermehrte Gasbildung
  • Veränderungen der Stuhlgewohnheiten: Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
  • Stuhldrang: Plötzlicher, imperativer Stuhldrang
  • Schleim im Stuhl
  • Völlegefühl
  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen

Diagnose

Die Diagnose des RDS basiert in erster Linie auf den Rom-IV-Kriterien, die spezifische Symptomkriterien definieren. Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, wie z. B.:

  • Zöliakie
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • Laktoseintoleranz
  • Fruktoseintoleranz
  • Darmkrebs

Zur Abklärung können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, darunter:

  • Anamnese: Ausführliche Befragung des Patienten zu seinen Symptomen, Ernährungsgewohnheiten und Lebensumständen
  • Körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen
  • Stuhluntersuchungen: Zum Ausschluss von Infektionen oder Entzündungen
  • Koloskopie: Darmspiegelung zum Ausschluss von organischen Ursachen
  • Magenspiegelung mit Duodenalbiopsie: Zum Ausschluss einer Zöliakie

Therapie

Die Therapie des RDS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Es gibt keine Heilung für das RDS, aber verschiedene Behandlungsansätze können helfen, die Beschwerden zu kontrollieren.

  • Ernährungsumstellung: Viele Menschen mit RDS berichten über eine Verschlechterung ihrer Symptome nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel. Eine FODMAP-arme Ernährung kann hilfreich sein. FODMAPs sind fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole, die im Darm schlecht aufgenommen werden und zu Blähungen und Durchfall führen können.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Ballaststoffe können helfen, die Stuhlkonsistenz zu regulieren und Verstopfung zu lindern.
  • Probiotika: Probiotika können die Darmflora positiv beeinflussen und Symptome wie Blähungen und Bauchschmerzen reduzieren.
  • Medikamente: Je nach Symptomen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, wie z. B. Spasmolytika (gegen Bauchkrämpfe), Antidiarrhoika (gegen Durchfall) oder Laxantien (gegen Verstopfung).
  • Psychotherapie: Stress und psychische Belastungen können die Symptome des RDS verstärken. Psychotherapeutische Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie oder Hypnotherapie können helfen, Stress zu reduzieren und die Bewältigungsstrategien zu verbessern.

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