Dopaminrezeptoren und Cannabidiol: Ein Überblick über aktuelle Studien

Einführung

Psychosen, die den Geist beeinflussen, können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Schizophrenie, bipolare Störungen, Schlafentzug sowie der Konsum bestimmter Medikamente und Drogen wie Alkohol oder Marihuana (Cannabis-induzierte Psychose). Während chronischer Marihuana-Konsum bei einigen Patienten mit einem früheren Beginn der Psychose in Verbindung gebracht wird, deuten neuere Studien darauf hin, dass die Cannabinoide Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) unterschiedliche Auswirkungen auf das Gehirn haben.

Die Rolle von THC und CBD im Gehirn

THC kann bei gesunden Menschen durch Cannabiskonsum psychotische Symptome hervorrufen, während CBD diese reduzieren kann. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2018 untersuchte das therapeutische Potenzial von CBD und fand heraus, dass eine einzige orale CBD-Dosis Dysfunktionen in Hirnregionen wie dem medialen Temporallappen, dem Mittelhirn und dem Striatum normalisieren kann. CBD wirkt auf Hirnregionen, die an den Prozessen beteiligt sind, die die Krankheit verursachen.

Präklinische Modelle deuten darauf hin, dass eine Überaktivität im medialen Temporallappen (MLT) die subkortikale Dopaminfunktionsstörung durch Projektionen auf das Mittelhirn und das Striatum fördert. Antipsychotische Medikamente wirken durch den Antagonismus der zentralen Dopamin-D2-Rezeptoren, aber bei bis zu einem Drittel der Patienten ist die therapeutische Reaktion schlecht. CBD hat sich bei Patienten als nützlich erwiesen, die nicht auf bestimmte Medikamentenklassen reagiert haben.

CBD als Begleittherapie bei Schizophrenie

Ein Artikel im American Journal of Psychiatry belegt die positive Wirkung von CBD als Begleittherapie bei Schizophrenie. Da der Wirkungsmechanismus von CBD scheinbar nicht vom Dopamin-Rezeptor-Antagonismus abzuhängen scheint, wurden eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, darunter die Hemmung der Wiederaufnahme von Adenosin, die Hemmung der Fettsäureamid-Hydrolase, der TRPV1- und 5-HT1A-Rezeptor-Agonismus und der D2High-Partialagonismus. Eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie legt nahe, dass CBD eine neue Behandlungsmethode für diese Störung darstellen kann.

Das "Amotivationssyndrom" und Dopamin

Britische Hirnforscher berichteten in Biological Psychiatry (2013), dass das bei chronischen Cannabis-Konsumenten beobachtete "Amotivationssyndrom" seine Ursache in einer verminderten Dopaminproduktion im Gehirn haben könnte. Mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wurde die Dopamin-Konzentration im Gehirn von 19 chronischen Cannabis-Konsumenten untersucht, die unter psychotischen Symptomen litten. Entgegen der Erwartung zeigte sich eine deutlich verminderte Dopamin-Konzentration, was das "Amotivationssyndrom" erklären könnte, bei dem Cannabis-Konsumenten oft teilnahmslos, passiv und antriebsvermindert sind.

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Cannabis und Psychosen: Eine epidemiologische Perspektive

Mit der zunehmenden Legalisierung von Cannabisprodukten stellt sich die Frage, ob ein weiteres gewaltiges Drogenproblem die Gesundheit der Bevölkerung gefährden könnte. Als relativ gesichert gilt, dass Cannabis bei psychisch labilen Menschen Psychosen begünstigen kann. Eine epidemiologische Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und psychischen Störungen. Die Befragung von 43.000 US-Bürgern über 18 Jahren ergab, dass Cannabiskonsumenten häufiger psychische Störungen aufwiesen. Drei Jahre später waren sowohl die Prävalenz als auch die Inzidenz von Suchterkrankungen bei den Cannabiskonsumenten der ersten Befragung weiter gestiegen.

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS)

Mit der zunehmenden Verfügbarkeit hochpotenter Cannabispräparate ist die Häufigkeit des zyklischen Cannabis-Hyperemesis-Syndroms (CHS) angestiegen. Im Jahr 2004 wurden erstmals schwere zyklisch verlaufende Brechattacken im Zusammenhang mit langjährigem Cannabiskonsum in Australien berichtet. Betroffene konnten die schweren Brechattacken oft durch heißes Duschen oder Baden dämpfen. Das CHS wurde inzwischen bei den diagnostischen Kriterien für funktionelle gastrointestinale Störungen (ROME IV) definiert. In den Ländern mit hohem Cannabiskonsum kommen vermehrt Patienten mit CHS in die Notaufnahmen der Krankenhäuser.

Diagnose und Behandlung des CHS

Die größte diagnostische Herausforderung besteht darin, zwischen CHS und Cyclic-vomiting-Syndrom (CVS) zu differenzieren, das identische Symptome wie das CHS haben kann, jedoch während der Cannabisabstinenz nicht verschwindet. Beim CHS findet der Enzymimmunoassay typischerweise einen THC-COOH-Wert über 100 ng/ml im Urin. Nichtmedikamentös wird von Betroffenen in der Regel heißes Duschen oder Baden eingesetzt, um die schweren Attacken zu mildern. Klassische Antiemetika sind oft wirkungslos. Die beste Evidenz zur Kompensation des akuten suspekten CHS liegt aktuell für die parenterale Gabe der starken Dopamin-2-Rezeptor-Antagonisten Haloperidol oder Droperidol vor. Einzig und allein ist eine Heilung des CHS nur durch anhaltende Cannabisabstinenz zu erreichen.

Cannabinoide und Dopamin: Ein komplexes Zusammenspiel

THC erhöht bei akutem Konsum die Dopaminausschüttung und die dopaminerge Feuerung im Gehirn indirekt. Langfristiger Konsum verringert das dopaminerge Niveau. THC wirkt nicht direkt auf Dopamin-Neuronen, sondern indirekt über Cannabinoidrezeptoren. Endocannabinoide binden retrograd an präsynaptische Cannabinoid-Rezeptoren. CB1R-Antagonisten können die Noradrenalin-Freisetzung erhöhen. Die schmerzlindernden Wirkungen von CBR-Agonisten werden durch die Freisetzung endogener Opioide vermittelt.

Weitere Wirkungen von Cannabinoiden

Der CB2R-Agonist β-Caryophyllen verbesserte bei erwachsenen Mäusen alle durch den Novelty Suppressed Feeding Test, den Tail Suspension Test und den Forced Swim Test hervorgerufenen Symptome von Depression. Eine systemische Gabe von CB1R-Agonisten und von FAAH-Hemmern hat erwiesenermaßen antidepressive Wirkung. Der CB2R-Agonist β-Caryophyllen verbesserte bei erwachsenen Mäusen Angstverhalten. 2-AG beeinflusst das Immunsystem stark. Das orale THC-CBD-Spray Nabiximols (Sativex®) wurde erstmals 2010 im Vereinigten Königreich gegen Multiple Sklerose-bedingte Spastiken zugelassen.

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CBD bei Schizophrenie: Klinische Studienergebnisse

In einer randomisierten, doppelblinden Parallelgruppenstudie erhielten 88 schizophrene Patienten mit bestehender antipsychotischer Medikation sechs Wochen lang entweder CBD (1000 mg/Tag) oder Placebo zusätzlich zu ihren Arzneimitteln. Die Teilnehmer der CBD-Gruppe zeigten im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine statistisch signifikante Reduktion der positiven psychotischen Symptome sowie eine Verbesserung des Gesamtzustands. Das Nebenwirkungsprofil war positiv, und die Wirkungen scheinen nicht vom Dopamin-Rezeptor-Antagonismus abhängig zu sein.

CBD und Angstsymptome: Eine Analyse

Eine interne Umfrage basierend auf Daten von Cannalin ergab folgende prozentuale Verteilung der beobachteten Reduktion von Angstsymptomen basierend auf klinischen Studienberichten:

  • Moderate Reduktion (25-50%): 45%
  • Deutliche Reduktion (>50%): 35%
  • Geringe/Keine Reduktion (<25%): 20%

CBD: Grundlagen zur Wirkung auf Körper und Geist

CBD interagiert auf vielfältige Weise mit unserem Nervensystem, ohne dabei berauschende Effekte zu verursachen. Die CBD Wirkung entfaltet sich über verschiedene Mechanismen im Körper. Der Hauptwirkungsweg läuft über unser körpereigenes Endocannabinoid-System (ECS), aber CBD beeinflusst auch andere wichtige Neurotransmittersysteme im Gehirn. Die Art der Einnahme von CBD bestimmt maßgeblich, wie schnell und wie effektiv der Wirkstoff ins Gehirn gelangt.

Das Endocannabinoid-System (ECS)

Das Endocannabinoid-System ist ein komplexes Netzwerk aus Rezeptoren, Enzymen und körpereigenen Cannabinoiden, das eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der körperlichen Homöostase spielt. Das ECS besteht hauptsächlich aus Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2), körpereigenen Endocannabinoiden wie Anandamid und 2-AG sowie Enzymen, die für die Synthese und den Abbau von Endocannabinoiden verantwortlich sind.

CBD Wirkung speziell auf das Gehirn

CBD interagiert nicht nur mit einem spezifischen Rezeptor, sondern beeinflusst mehrere Systeme gleichzeitig. Diese Eigenschaft macht es zu einem vielversprechenden Wirkstoff für verschiedene neurologische und psychische Beschwerden. CBD wirkt nicht direkt als Agonist an den CB1- und CB2-Rezeptoren, sondern als ein sogenannter „indirekter Antagonist“ oder Modulator. Statt die Cannabinoid-Rezeptoren direkt zu stimulieren, hemmt CBD den Abbau von Anandamid durch das Enzym FAAH (Fettsäureamid-Hydrolase).

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CBD und Neurotransmittersysteme: Serotonin, Dopamin und mehr

Neben dem Endocannabinoid-System interagiert CBD auch mit anderen wichtigen Neurotransmittersystemen im Gehirn, wie Serotonin und Dopamin. Studien legen nahe, dass CBD durch seine ausgleichende Wirkung auf das Dopaminsystem das Potenzial hat, bei Erkrankungen wie Parkinson, ADHS und Suchterkrankungen therapeutisch wirksam zu sein. Einer der bedeutendsten Wirkmechanismen von CBD im Gehirn ist seine Interaktion mit den Serotonin-Rezeptoren, insbesondere mit dem 5-HT1A-Rezeptor. CBD wirkt als Agonist (Aktivator) an den 5-HT1A-Rezeptoren, was bedeutet, dass es diese Rezeptoren stimuliert und damit Angst- und Stressreaktionen reduzieren, stimmungsaufhellende Effekte erzeugen und zur Schmerzlinderung beitragen kann.

CBD und kognitive Funktionen

Im Gegensatz zu THC, das bekanntermaßen das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen kann, zeigt CBD andere, potenziell vorteilhafte Effekte auf Gedächtnis- und Lernprozesse. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass CBD die Gedächtniskonsolidierung unterstützen, bei der Abschwächung traumatischer Erinnerungen helfen, neuroprotektiv wirken und dadurch altersbedingten kognitiven Verfall verlangsamen könnte. Studien haben gezeigt, dass CBD positive Effekte auf den Hippocampus haben kann, wie die Förderung der Neurogenese, die Erhöhung der Durchblutung und die Reduzierung stressbedingter Schäden.

CBD vs. THC: Unterschiede und Wechselwirkungen im Gehirn

CBD und THC unterscheiden sich fundamental in ihrer Wirkung auf das Gehirn. CBD wirkt als negativer allosterischer Modulator an CB1-Rezeptoren, wodurch die Bindungsaffinität von THC reduziert wird. CBD kann die durch THC verursachte Aktivierung des mesocorticolimbischen Dopaminsystems dämpfen und THC-bedingte Angstzustände und kognitive Beeinträchtigungen reduzieren. THC reduziert die funktionelle Konnektivität zwischen verschiedenen Gehirnregionen, während CBD im Gegensatz dazu die funktionelle Konnektivität in bestimmten Netzwerken erhöhen kann.

CBD Einnahme und Wirkungsdauer

Die Art der Einnahme von CBD beeinflusst maßgeblich, wie schnell und wie effektiv der Wirkstoff das Gehirn erreicht. Die Geschwindigkeit, mit der CBD seine Wirkung im Gehirn entfaltet, variiert je nach Einnahmemethode: Inhalation (2-5 Minuten), sublinguale Anwendung (15-30 Minuten), orale Einnahme (30-90 Minuten). Die Dauer der CBD Wirkung im Gehirn hängt von verschiedenen Faktoren ab: Einnahmemethode, Dosierung, individuelle Faktoren und Regelmäßigkeit der Anwendung.

Psychische Erkrankungen und das Endocannabinoid-System

Psychische Erkrankungen können zu einer Vielzahl an Beeinträchtigungen des Denkens, Schlafs, Verhaltens sowie der Wahrnehmung und Kognition führen. Das Endocannabinoid-System ist an einer Vielzahl physiologischer Funktionen wie Gedächtnisleistung, Schmerzwahrnehmung, Stressantwort, Appetit und Schlafregulation beteiligt, sodass eine veränderte Aktivität des Endocannabinoid-Systems bei verschiedensten psychischen Erkrankungen vermutet wird. Neben den endogenen Cannabinoiden beeinflussen auch exogene Cannabinoide (insbesondere Delta-9-Tetrahydrocannabinol [THC] und Cannabidiol [CBD]) das Endocannabinoid-System, wobei beiden unterschiedliche Wirkungen und Wirkungsmechanismen zugesprochen werden.

Rechtsgrundlage für die Verschreibung von Cannabinoiden in Deutschland

Seit dem 2017 neu inkraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften können Cannabisblüten, Cannabisextrakte bzw. synthetische Cannabinoide zulasten der Krankenkasse durch Ärzte verordnet werden. Demnach kann Cannabis jedem Patienten verschrieben werden, unabhängig von der Grunderkrankung, unter der Voraussetzung, dass keine andere geeignete Therapie zur Verfügung steht oder „unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes […] nicht zur Anwendung kommen kann“.

Wirksamkeit von Cannabinoiden bei verschiedenen psychischen Erkrankungen

Schizophrenie/psychotische Störungen

Sowohl präklinische als auch klinische Studien weisen auf verschiedene Veränderungen innerhalb des Endocannabinoid-Systems bei schizophrenen Patienten hin, sodass von einer Beteiligung des Endocannabinoid-Systems bei der Pathophysiologie der Schizophrenie auszugehen ist. Studien zur Untersuchung von THC-haltigen Präparaten zeigten, dass die Gabe von THC zu einer Verschlechterung der psychotischen Symptomatik sowie kognitiven Defiziten führt. Studien zur Untersuchung von CBD-haltigen Präparaten zeigten unterschiedliche Ergebnisse. Einige Studien zeigten eine vergleichbare antipsychotische Wirkung wie Amisulprid bei gleichzeitig deutlich besserem Nebenwirkungsprofil, während andere Studien keine Verbesserung der psychotischen Symptomatik oder der kognitiven Leistungsfähigkeit feststellen konnten.

Dopamin und Cannabis: Eine detaillierte Betrachtung

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Regulation verschiedener Funktionen spielt, darunter Bewegung, Belohnung, Motivation, Lernen, Gedächtnis und Emotionen. Die Verbindung zwischen Cannabis und Dopamin beruht auf den Auswirkungen von Cannabinoiden auf das dopaminerge System im Gehirn. THC erhöht die Freisetzung von Dopamin im Gehirn, was zu den euphorischen und stimmungsaufhellenden Effekten führt. Langfristiger Cannabiskonsum kann jedoch zu Veränderungen in der dopaminergen Funktion führen. CBD hat ebenfalls Auswirkungen auf das dopaminerge System, obwohl diese komplexer und weniger gut verstanden sind.

Die kurz- und langfristigen Auswirkungen von Cannabis auf den Dopaminspiegel

Auf kurze Sicht scheint Cannabis den Dopaminspiegel zu steigern. Aber das Kraut könnte die normale Dopaminsignalgebung stören, wenn es chronisch verwendet wird. Das Rauchen oder Essen von Cannabis bewirkt eine Veränderung der Stimmung, des Fokus und der Motivation. Inhaltsstoffe der Cannabispflanze haben einen breiten Einfluss auf den menschlichen Körper, da sie mit dem Endocannabinoid-System (ECS) interagieren. Nach kurzzeitigem Konsum bewirkt Cannabis einen Anstieg des Dopaminspiegels. Der Dauerkonsum von Cannabis über viele Jahre hinweg verändert die Art und Weise, wie das Gehirn auf Cannabinoide reagiert und verursacht eine Verschiebung des dopaminergen Systems selbst.

CBD und das Belohnungssystem

Als nicht-psychotropes Cannabinoid bewirkt CBD kein High, wie THC es tut. Stattdessen berichten viele Nutzer von einer beruhigenden und entspannenden Wirkung, die die kognitive Funktion nicht beeinträchtigt.

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