Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die Entzündungen des Gehirns, der Hirnhaut oder des Rückenmarks verursachen kann. Die sicherste Prävention ist die FSME-Impfung, besonders für Menschen, die in Risikogebieten leben oder reisen. Obwohl die FSME-Impfstoffe in der Regel gut verträglich sind und kaum Nebenwirkungen haben, können in seltenen Fällen unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, die auch das Nervensystem betreffen können. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Auswirkungen der FSME-Impfung auf das Nervensystem, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Fallberichten.
Was ist FSME und warum ist eine Impfung wichtig?
FSME wird durch ein Virus ausgelöst, das hauptsächlich durch den Stich einer infizierten Zecke übertragen wird. Die Infektion kann das Nervensystem angreifen und in schweren Fällen zu bleibenden Schäden führen. Da es keine spezifische Therapie gegen das FSME-Virus gibt, ist die Vorbeugung entscheidend. Die sicherste Methode hierfür ist die aktive FSME-Impfung.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden könnten. Dies gilt auch für Personen, die in der Forst- oder Landwirtschaft oder im Labor arbeiten und somit beruflich durch FSME gefährdet sind.
FSME-Risikogebiete in Deutschland
In Deutschland sind derzeit 183 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Diese befinden sich vor allem in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg sowie in Teilen von Hessen, Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Im Jahr 2025 kamen die Landkreise Celle in Niedersachsen und Elbe-Elster in Brandenburg hinzu, ebenso der Raum um die Stadt Augsburg in Bayern. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht jährlich eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland.
Ablauf und Wirksamkeit der FSME-Impfung
Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Impfungen erforderlich. Das übliche FSME-Impfschema sieht vor, dass die zweite Dosis je nach Impfstoff zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten verabreicht wird. Die dritte Impfung erfolgt dann 5 bis 12 Monate nach der zweiten Impfung. Um bereits zu Beginn der Zeckensaison im Frühjahr geschützt zu sein, empfiehlt es sich, mit der Impfserie in den Wintermonaten zu beginnen.
Lesen Sie auch: Risiken und Nebenwirkungen der FSME-Impfung
Nach einer vollständigen Grundimmunisierung sind laut Studien 97 bis 99 % der Geimpften vor einer FSME-Erkrankung geschützt. Selbst bei nicht ganz eingehaltenen Impfabständen besteht immer noch ein sehr hoher Schutz von über 90 %. Die FSME-Impfstoffe schützen dabei sowohl gegen die in Europa als auch die in Asien verbreiteten Virus-Subtypen.
Mögliche Nebenwirkungen der FSME-Impfung
Wie bei vielen Impfungen kann es auch nach einer FSME-Impfung zu Nebenwirkungen kommen. Diese sind in der Regel mild und treten vor allem nach der ersten Impfung auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Schmerzen an der Einstichstelle
- Kopfschmerzen
- Abgeschlagenheit
- Erhöhte Temperatur oder Fieber
- Magen-Darm-Beschwerden
In sehr seltenen Fällen können jedoch auch schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, die das Nervensystem betreffen.
Neurologische Komplikationen nach FSME-Impfung: Seltene Fallberichte
Obwohl die FSME-Impfung allgemein als sicher gilt, gibt es in der medizinischen Literatur Fallberichte über neurologische Komplikationen, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Komplikationen sehr selten sind und ein kausaler Zusammenhang nicht immer eindeutig bewiesen werden kann. Dennoch sollen diese Fälle hier erwähnt werden, um ein umfassendes Bild der potenziellen Risiken zu vermitteln.
Ein Fallbericht aus dem Jahr 2003 beschreibt eine 1996 geborene Klägerin, die nach zwei FSME-Impfungen schwere neurologische Symptome entwickelte, darunter Tremor, Gleichgewichtsstörungen und eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands, die schließlich zu einem komatösen Zustand führten. Das Hessische Landessozialgericht gab der Klägerin Recht und verurteilte den Beklagten zur Gewährung einer Beschädigtenversorgung ab 1. August 2003. Das Gericht stellte fest, dass keine andere plausible Ursache für die Erkrankung der Klägerin festgestellt werden konnte und die zeitliche Nähe zwischen der Impfung und dem Auftreten der Symptome sowie die Art der Erkrankung deutlich für einen ursächlichen Zusammenhang sprachen.
Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung von FSME
In einem weiteren Fall wurde bei einem 15-jährigen Mädchen etwa einen Monat nach einer FSME-Auffrischimpfung eine zytoalbuminäre Dissoziation festgestellt. Der elektrophysiologische Befund zeigte Veränderungen, die typisch für das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) sind. Im MRT der Wirbelsäule zeigte sich kein Hinweis auf eine Myelitis, aber eine vermehrte piale Anreicherung des Conus medullaris und der Vorderwurzeln, was ebenfalls zum GBS passt. Unter der Gabe von Immunglobulinen besserte sich der Zustand der Patientin und ihre Mobilität.
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) als mögliche Komplikation
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene neurologische Erkrankung, bei der das Immunsystem die peripheren Nerven angreift. Dies kann zu Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen und in schweren Fällen zu Lähmungen führen. In einigen Fällen wurde GBS im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen, einschließlich der FSME-Impfung, beobachtet.
Die genaue Ätiologie des GBS ist noch unklar, aber es wird angenommen, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der IgG- oder IgM-Autoantikörper gegen Ganglioside oder Myelin bzw. gegen die Zellmembranen der Axone des peripheren Nervensystems gebildet werden. Als auslösende Faktoren gelten Infektionen mit bestimmten Erregern und Impfungen.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Risiko, nach einer FSME-Impfung an GBS zu erkranken, sehr gering ist. In der EudraVigilance-Datenbank gemeldeter Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen (5) finden sich zum 12.10.2023 117 Meldungen zu GBS nach Impfung gegen FSME. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass Meldungen von Verdachtsfällen nicht identisch mit Nebenwirkungen sind und die Anzahl von Verdachtsfallmeldungen keinen Rückschluss auf die tatsächliche Häufigkeit der gemeldeten Reaktion in der geimpften Population erlaubt. Ein Rückschluss auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einem gemeldeten Verdachtsfall einer Nebenwirkung und einer Impfung kann allein aufgrund dieser Daten nicht getroffen werden.
FSME-Impfung und Multiple Sklerose (MS)
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden der Nervenfasern angreift. Da Impfungen das Immunsystem aktivieren, gab es Bedenken, dass die FSME-Impfung bei MS-Patienten einen Schub auslösen könnte.
Lesen Sie auch: Symptome der Frühsommer-Meningoenzephalitis erkennen
Eine Studie der Rostocker Universitätsmedizin hat jedoch gezeigt, dass die routinemäßig indizierte FSME-Impfung keinen ungünstigen Einfluss auf die MS ausübt sowie sicher und gut verträglich ist. Die Patienten hatten nach der Impfung sogar weniger Schübe als in den zwei Jahren vor der Impfung. Unabhängig von den eingesetzten MS-Therapien konnten die Patienten trotzdem durch die Impfung vor FSME geschützt werden.
Schutz vor Zeckenbissen trotz Impfung
Auch mit FSME-Impfung ist es wichtig, sich vor Zeckenbissen zu schützen, da Zecken auch andere Krankheiten wie Borreliose übertragen können, gegen die die FSME-Impfung nicht schützt. Folgende Maßnahmen können helfen, Zeckenbisse zu vermeiden:
- Tragen Sie im Garten oder auf Spaziergängen im hohen Gras lange, idealerweise helle Kleidung sowie geschlossene Schuhe und ziehen Sie die Strümpfe über die Hosenbeine.
- Verwenden Sie zeckenabweisende Mittel, wenn Sie sich in der Natur aufhalten.
- Untersuchen Sie sich und Ihre Kinder gründlich nach dem Aufenthalt im Grünen, besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln, hinter den Ohren und am Haaransatz.
- Wenn Sie ein Exemplar entdecken, entfernen Sie die Zecke sofort.
tags: #fsme #impfung #nervensystem