Fußball ins Gesicht: Folgen für das Gehirn

Fußball, die beliebteste Sportart in Deutschland, birgt neben Freude und sportlichem Erfolg auch Risiken. Besonders Kopfverletzungen, die durch Kopfbälle, Zusammenstöße oder Querschläger entstehen können, rücken immer wieder in den Fokus der Diskussion. Welche Auswirkungen haben diese Ereignisse auf das Gehirn und wie kann man Spieler besser schützen?

Gehirnerschütterung im Fußball: Einleitung

Eine Gehirnerschütterung, auch leichtes Schädel-Hirn-Trauma genannt, ist eine häufige Folge von Kopfverletzungen im Fußball. Sie entsteht, wenn der Kopf stark beschleunigt oder abgebremst wird und das Gehirn gegen den Schädel prallt. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von kurzzeitigem Bewusstseinsverlust und Erinnerungslücken bis hin zu Konzentrations- und Schlafstörungen. Im Profifußball sorgte beispielsweise Christoph Kramer beim WM-Endspiel 2014 für Aufsehen, als er nach einem Zusammenprall den Schiedsrichter fragte, ob er sich im Finale befinde.

Symptome und Diagnose

Die Diagnose einer Gehirnerschütterung kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und nicht immer sofort auftreten. Typische Anzeichen sind:

  • Bewusstseinsverlust (muss nicht zwingend auftreten)
  • Erinnerungslücken
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafstörungen
  • Verändertes Verhalten

Es ist wichtig zu beachten, dass auch bei scheinbar leichten Kopfverletzungen Symptome auftreten können. Standarduntersuchungen wie CT oder MRT sind oft unauffällig, da die Schäden meist auf zellulärer Ebene entstehen. Daher sind spezielle neurologische und neuropsychologische Tests erforderlich, um die Funktionsfähigkeit des Gehirns zu überprüfen.

Behandlung und Rehabilitation

Die wichtigste Maßnahme bei einer Gehirnerschütterung ist Ruhe. Das Gehirn braucht Zeit, um sich zu erholen. Sportler sollten sofort vom Platz genommen werden und sich in einem abgedunkelten Raum hinlegen. In den ersten Tagen sollten äußere Reize wie Musik und Fernsehen vermieden werden.

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Der Wiedereinstieg ins Training sollte stufenweise erfolgen und von einem Arzt begleitet werden. Es ist entscheidend, dass die Symptome vollständig abgeklungen sind, bevor die Belastung gesteigert wird. Ein zu früher Wiedereinstieg kann das Risiko für weitere Verletzungen erhöhen und die Heilung verzögern.

Die Risiken von Kopfbällen

Neben akuten Verletzungen wie Gehirnerschütterungen gibt es auch Bedenken hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von Kopfbällen auf das Gehirn. Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen intensivem Kopfballspiel, Hirnveränderungen und kognitiven Defiziten hin.

Studienlage

Wissenschaftler haben bei Fußballern, die häufig Kopfbälle ausführen, Veränderungen in der weißen Substanz des Gehirns festgestellt. Diese Veränderungen können die Nervenkommunikation beeinträchtigen und zu kognitiven Problemen führen. Eine schwedische Studie ergab, dass Profifußballer ein erhöhtes Risiko für Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen haben.

Allerdings gibt es auch Studien, die keine negativen Auswirkungen von Kopfbällen auf das Gehirn feststellen konnten. Eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln kam zu dem Schluss, dass ein adäquates Techniktraining und altersgerechte Bälle die Risiken verringern können.

Kopfballtechnik und Prävention

Eine gute Kopfballtechnik ist entscheidend, um die Belastung für das Gehirn zu reduzieren. Spieler sollten eine Ausholbewegung ausführen, die Augen offen halten und den Ball präzise mit der Stirn treffen. Kräftige Nacken- und Rückenmuskeln tragen dazu bei, die einwirkende Kraft besser zu verteilen.

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Im Kinder- und Jugendtraining sollten maximal drei Serien von jeweils zehn Kopfbällen mit altersgemäßen Bällen durchgeführt werden. Zwischen den Serien sind Pausen wichtig. Zudem sollte der Kopfball erst ab der C-Jugend vermehrt als Spielelement eingesetzt werden.

Kopfschutz

In den USA wird seit Jahren diskutiert, ob ein spezieller Kopfschutz vor Gehirnerschütterungen schützen kann. Einige Studien deuten darauf hin, dass handelsübliche Modelle bei Zusammenstößen schützen können, der Nutzen bei Kopfbällen ist jedoch noch nicht belegt. Die FIFA hat das Tragen von Kopfschutz genehmigt, vor allem bei Frauen und jüngeren Spielern.

Kopfverletzungen im Jugendfußball

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Jugendfußball, da sich das Gehirn von Kindern und Jugendlichen noch in der Entwicklung befindet und möglicherweise anfälliger für Schäden ist.

Empfehlungen für das Jugendtraining

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) empfiehlt, im Kinder- und Jugendtraining kleinere und leichtere Bälle zu verwenden. Ein Wettkampfball sollte bis einschließlich E-Jugend maximal 290 Gramm wiegen, während ein herkömmlicher Fußball bis zu 450 Gramm wiegen kann.

Zudem sollten Trainer darauf achten, dass die Kinder die richtige Kopfballtechnik erlernen und die Anzahl der Kopfbälle im Training reduzieren. Spielformen mit reduzierter Spielfeldgröße, bei denen kaum Kopfbälle vorkommen, sind eine gute Alternative.

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In England ist Kopfballtraining für Kinder unter zwölf Jahren verboten. Der DFB setzt hingegen auf eine Reduktion der Kopfballhäufigkeit und die Vermittlung der korrekten Technik.

Was passiert im Gehirn bei einer Kopfverletzung?

Eine Krafteinwirkung auf den Kopf, sei es durch einen Zusammenstoß, einen Sturz oder einen Kopfball, kann verschiedene Mechanismen auslösen, die zu einer Funktionsstörung des Gehirns führen.

Mechanismen der Schädigung

  • Direkte Verletzung: Beim Aufprall des Gehirns gegen den Schädel können direkte Verletzungen entstehen, insbesondere im Bereich des Stirn- und Hinterkopfes.
  • Scherkräfte: Rotationsbeschleunigungen führen zu Scherkräften, die besonders im Bereich des Mittelhirns wirken, wo sich ein wichtiges Nervenzellnetzwerk befindet, das den Wachheitszustand reguliert.
  • Funktionsstörung von Ionenkanälen: Die Druckwelle und die Scherkräfte können zu einer Funktionsstörung von Ionenkanälen auf der Oberfläche der Nervenzellen führen. Dies führt zu einer Überaktivierung der Nervenzellen, einem erhöhten Energieverbrauch und einem Glukosemangel.

Folgen für die Hirnfunktion

Die Funktionsstörung der Nervenzellen kann zu verschiedenen Symptomen führen, wie z.B.:

  • Eingeschränkte Koordination
  • Verlangsamte Reaktionsgeschwindigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Aufmerksamkeitsdefizite

Auch wenn im Kopf-MRT keine Blutung oder andere strukturelle Schäden sichtbar sind, kann die Hirnfunktion nach einer leichten Kopfverletzung eingeschränkt sein.

Diagnostik und Management von Kopfverletzungen

Eine frühzeitige und umfassende Diagnostik ist entscheidend, um die Schwere der Kopfverletzung zu beurteilen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Neurologische Untersuchung

Eine genaue neurologische Untersuchung kann helfen, die Beschwerden zu erfassen und andere Ursachen auszuschließen. Dabei werden verschiedene Funktionen des Gehirns überprüft, wie z.B.:

  • Bewusstsein
  • Orientierung
  • Gedächtnis
  • Sprache
  • Motorik
  • Sensibilität
  • Reflexe

Neuropsychologische Testung

Die neuropsychologische Testung dient dazu, Einschränkungen von Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Gleichgewicht und Schwindel zu untersuchen. Diese Tests können auch helfen, den Verlauf der Erholung zu überwachen und den Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ins Training festzulegen.

Bildgebung

In einigen Fällen kann eine MRT-Untersuchung des Kopfes notwendig sein, um strukturelle Schäden auszuschließen. Insbesondere bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Symptomen sollte eine MRT durchgeführt werden.

Return-to-Play Empfehlungen

Auf Basis der neurologischen und neuropsychologischen Untersuchungen können gezielte "Return-to-Play" Empfehlungen gegeben werden. Idealerweise liegt von jedem Sportler mit erhöhtem Risiko eine Baseline-Untersuchung vor, die vor Saisonbeginn durchgeführt wird. Nach einer Kopfverletzung kann dann das Leistungsniveau mit dem individuellen Leistungsniveau des Spielers vor der Kopfverletzung verglichen werden.

Second Impact Syndrom

Eine besondere Gefahr stellt das "Second Impact Syndrom" dar, bei dem es nach einer erneuten Kopfverletzung zu einer Schwellung des Gehirns kommt. Dieses Syndrom ist äußerst selten, aber potentiell tödlich.

Langzeitfolgen von Kopfverletzungen

Wiederholte Kopfverletzungen können langfristige Folgen für das Gehirn haben. Dazu gehören:

  • Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE): CTE ist eine seltene, fortschreitende degenerative Erkrankung des Gehirns, die durch wiederholte Mikrotraumen entsteht. Sie ist gekennzeichnet durch eine abnorme Anhäufung des Tau-Proteins im Gehirn.
  • Kognitive Einschränkungen: Wiederholte Kopfverletzungen können zu Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten führen, wie z.B. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsdefizite.
  • Erhöhtes Demenzrisiko: Studien deuten darauf hin, dass wiederholte Kopfverletzungen das Risiko für die Entwicklung einer Demenz erhöhen können.

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