Eine Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns, kann verschiedene Ursachen haben, darunter Virusinfektionen. Als mögliche Folge einer solchen Erkrankung kann es zu einem Verlust des Geruchssinns (Anosmie) kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Enzephalitis, Geruchsverlust und möglichen Behandlungsansätzen.
Ursachen und Mechanismen des Geruchsverlusts nach Enzephalitis
Virusbedingte Schädigung des Riechnervs
Einige Viren, wie beispielsweise Influenza-, FSME-, Dengue- oder Herpesviren, können über den Geruchssinn ins Gehirn gelangen. Der Weg des Virus führt über den Riechnerv direkt ins Gehirn. Die einzelnen Riechfäden des Nervs laufen durch eine durchlöcherte Knochenplatte des Schädels - die sogenannte Siebplatte - zum Riechkolben. Der gibt die einlaufenden Signale an das Gehirn zur Verarbeitung weiter und dort findet auch die erste Abwehrreaktion des Gehirns gegen das Virus statt: Interferon wird produziert, um die Viren abzufangen, die den Riechnerv hinaufgewandert sind.
Eine Studie des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité unter der Leitung von Professor Frank Heppner untersuchte die Fähigkeit des Coronavirus SarsCoV-2, ins Gehirn einzudringen. Dabei wurde festgestellt, dass das Virus über die Hirnnerven, insbesondere den Riechnerv, eintreten kann. In der Riechschleimhaut wurde in vielen Fällen viel Virus gefunden. Je weiter es nach oben geht auf der Route ins Gehirn, desto weniger Virus können wir nachweisen, aber wir können es immer noch dezidiert nachweisen. Das war sehr suggestiv dafür, dass das Virus zumindest auch diesen Weg ins Gehirn nehmen kann.
Der direkte Virusbefall kann die Nervenzellen der Riechschleimhaut zumindest in der akuten Phase schädigen oder zerstören. Wenn zu viele dieser Nervenzellen geschädigt werden, kann sich das System möglicherweise nicht mehr regenerieren, was zu einem langfristigen Geruchsverlust führt.
Entzündungsreaktionen im Gehirn
Die Virusinfektion kann auch Entzündungsreaktionen im Gehirn auslösen. Das Immunsystem kann in einigen Fällen aggressiv gegen befallene Zellen vorgehen, was zu einer Schädigung von Nervenzellen führen kann. Im Gehirn selbst haben wir das Virus bis dato nicht nachweisen können. Das ist zwar im Gehirn, aber es findet sich dann immer in den Gefäßzellen, in den Endothelien, und macht dort kleine Veränderungen am Gefäß, kleine Gefäßentzündungen, die eine weitere wichtige Pathologie im Gehirn vermutlich mit unterstützen, nämlich dass an den Gefäßen der Blutfluss stoppt und es dann nachgeschaltet zu Infarkten kommt.
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Beteiligung des Trigeminusnervs
Neben dem Riechnerv kann auch der Trigeminusnerv, ein weiterer wichtiger Hirnnerv, von der Virusinfektion betroffen sein. Der Trigeminus-Nerv haben wir untersucht im Bereich der Cornea, also im Augenbereich. Dort konnten wir es nachweisen. Der Trigeminusnerv hat verschiedene Äste. Und den Bereich, der im Zahn-Kontext eine Rolle spielt, untersuchen wir noch. Dieser Nerv ist für die sensible Versorgung des Gesichts und der Mundhöhle zuständig. Eine Schädigung des Trigeminusnervs kann zu Schmerzen und Empfindungsstörungen im Gesichtsbereich führen.
Weitere mögliche Ursachen
Neben den direkten Auswirkungen der Virusinfektion können auch andere Faktoren zu einem Geruchsverlust nach Enzephalitis beitragen. Dazu gehören:
- Schädel-Hirn-Trauma: Unfälle und Kopfverletzungen können den Verlauf der Geschmacksnerven beeinträchtigen oder den Geschmacksbereich der Großhirnrinde schädigen.
- Operationen oder Bestrahlungen: Bei Eingriffen im Mund, im Gesicht oder am Gehirn werden manchmal Nerven oder Gehirngewebe verletzt.
- Burning-Mouth-Syndrom: Diese Erkrankung tritt vor allem bei Frauen nach der Menopause auf. Dabei kommt es neben dem brennenden Gefühl im Mund zu einem andauernden metallischen oder bitteren Geschmack.
- Medikamente: Etliche Wirkstoffe können den Speichelfluss verringern, wodurch die Geschmacksknospen austrocknen und nicht mehr richtig funktionieren. Andere Substanzen schädigen die Mundschleimhaut und damit die Papillen und Geschmacksknospen direkt. Einige greifen auch in die Reizweiterleitung am Nerv ein.
Auswirkungen des Geruchsverlusts
Ein Verlust des Geruchssinns kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Dazu gehören:
- Verlust des Genusses: Lecker essen und trinken ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität. Ist der Geschmackssinn gestört, fehlt nicht nur der Genuss.
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: Ohne Appetit wird oft zu wenig gegessen und es drohen Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen.
- Eingeschränkte Wahrnehmung von Gefahren: Der Geruchssinn hat eine Schutzfunktion, da er vor schädlichen Dämpfen oder verdorbenen Lebensmitteln warnen kann.
- Psychische Belastung: Geschmacksstörungen können die Lebensfreude verringern und sogar zu Depressionen führen.
Diagnose von Geruchsstörungen
Die Diagnose von Geruchsstörungen umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art und Dauer der Geruchsstörung, möglicher Auslöser und Begleitsymptome.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Nasen-Rachen-Raum, um mögliche Ursachen wie Entzündungen oder Verstopfungen auszuschließen.
- Geruchstests: Es stehen standardisierte und validierte Testsets zur Verfügung, z. B. die "Sniffin' Sticks", mit denen die Fähigkeit, Gerüche zu erkennen, zu unterscheiden und zu identifizieren, überprüft werden kann. Störungen des Riechsinnes lassen sich unterscheiden in quantitative Ausfälle (Hyposmie, Anosmie, selten: Hyperosmie) oder qualitative Störungen (Dysosmie oder Parosmie).
- Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels erforderlich sein, um andere Ursachen wie Tumoren oder Entzündungen auszuschließen.
Behandlungsansätze bei Geruchsverlust nach Enzephalitis
Die Behandlung von Geruchsverlust nach Enzephalitis richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
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- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Kortikosteroide eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren und die Regeneration der Nervenzellen zu fördern.
- Riechtraining: Das Riechtraining ist eine Methode, bei der der Patient regelmäßig an verschiedenen Gerüchen riecht, um die Riechzellen zu stimulieren und die Regeneration des Riechnervs zu fördern.
- Alternative Therapien: Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur oder Homöopathie. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.
- Zink: Für die idiopathische Schmeckstörungen ist Zink eine Option. Die Leitlinie empfiehlt die tägliche Gabe von 140 mg Zinkglukonat über vier Monate. Da diese Dosierung über der empfohlenen täglichen Zinkzufuhr liegt, sollte die Therapie ärztlich überwacht werden. Eine Übertherapie ist zu vermeiden, da ein Zuviel an Zink ebenfalls Geschmacksstörungen auslösen kann. Außerdem droht bei Zinküberschuss ein Kupfermangel.
- Unterstützende Maßnahmen: Bei trockenem Mund (z.B. durch speichelreduzierende Medikamente) helfen oft Speichelersatzprodukte. Zusätzlich sollte möglichst viel getrunken werden. Sind Nikotin oder Kaffee verantwortlich, gilt es, diese Genussstoffe zu meiden.
Prävention von Enzephalitis
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um das Risiko einer Enzephalitis zu verringern:
- Impfungen: Gegen einige Viren, die Enzephalitis verursachen können, gibt es Impfungen, wie z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
- Schutz vor Insektenstichen: Einige Viren werden durch Insektenstiche übertragen. Daher ist es wichtig, sich vor Insektenstichen zu schützen, z. B. durch das Tragen von langer Kleidung und die Verwendung von Insektensprays.
- Gute Hygiene: Eine gute Hygiene, wie z. B. regelmäßiges Händewaschen, kann dazu beitragen, die Ausbreitung von Viren zu verhindern.
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