Koriander und andere natürliche Wirkstoffe gegen Migräne: Eine umfassende Betrachtung

Migräne ist in den westlichen Industrieländern ein weit verbreitetes chronisches Leiden, von dem in Deutschland schätzungsweise 6 bis 8 Millionen Menschen betroffen sind, vor allem Frauen. Herkömmliche Medikamente zur Prävention von Migräneattacken sind jedoch oft mit Nebenwirkungen behaftet, was die Suche nach gut verträglichen und wirksamen Alternativen verstärkt. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Wirkungen von Koriander und anderen natürlichen Stoffen auf Migräne, basierend auf aktuellen Studienergebnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Koriander als vielversprechende natürliche Option

Iranische Wissenschaftler haben im Rahmen einer placebokontrollierten Studie die Wirkung von Koriander (Coriandrum sativum) untersucht. Koriander ist eine Gewürz- und Heilpflanze, die in der traditionellen persischen Medizin als Mittel gegen neurologische Leiden wie Kopfschmerzen eingesetzt wird.

Studienergebnisse zur Wirkung von Koriander

In der Studie erhielten 68 Migränepatienten über einen Monat zusätzlich zu Natriumvalproat (500 mg täglich) entweder 15 ml eines Sirups aus Korianderfrüchten oder die gleiche Menge eines Placebo-Sirups. Die Einnahme erfolgte drei Mal täglich. Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Überlegenheit des Koriandersirups gegenüber der Placebo-Kontrolle:

  • Reduzierte Anfallshäufigkeit: Im Mittel wurde eine um die Hälfte reduzierte Anfallshäufigkeit festgestellt.
  • Verkürzte Anfallsdauer: Die Anfallsdauer verkürzte sich um durchschnittlich 5,7 Stunden.
  • Geringerer Schmerzgrad: Der Schmerzgrad (gemessen auf der Visuellen Analogskala - VAS) war mit 3,65 Punkten niedriger als in der Placebo-Gruppe.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die prophylaktische Einnahme von Koriandersirup in Ergänzung zu Natriumvalproat helfen kann, die Häufigkeit, Dauer und Schmerzintensität von Migräneattacken zu senken.

Einschränkungen der Studie

Es ist wichtig zu beachten, dass die Studiendauer von einem Monat relativ kurz ist und eine Nachbeobachtungsphase fehlt. Daher sind keine Rückschlüsse auf die Langzeitwirkung und längerfristige Sicherheit von Koriandersirup möglich. Zukünftige Studien sollten diese Aspekte berücksichtigen.

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Herstellung und Verfügbarkeit von Koriandersirup

Der in der Studie verwendete Sirup aus Korianderfrüchten wurde eigens für die Studie hergestellt und ist nicht im Handel erhältlich. Für die Herstellung wurde frisch gepresstes Öl getrockneter Koriandersamen verwendet, das reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Linalool und Geraniol ist. Im Internet sind verschiedene (ungeprüfte) Quellen für den Erwerb von Korianderöl zu finden.

Weitere natürliche Ansätze zur Migräneprävention und -behandlung

Neben Koriander gibt es weitere natürliche Stoffe und Ansätze, die bei Migräne eine Rolle spielen könnten.

Die Rolle von Mikronährstoffen

Migräne kann verschiedene Auslöser haben, darunter biochemische Vorgänge, Entzündungen, Mangelerscheinungen und Umweltgifte. Ein guter Allgemein- und Ernährungsstatus kann dem Organismus helfen, Erkrankungen vorzubeugen oder diese zu überwinden. Mikronährstoffe sind am Stoffwechsel aller Zellen beteiligt und somit ein essentieller Bestandteil unserer Ernährung.

Magnesium

Magnesium ist an einer Vielzahl biochemischer Prozesse beteiligt und spielt eine zentrale Rolle für die Funktionsfähigkeit des Nervensystems. Ein Magnesiummangel kann Muskelkrämpfe, Verspannungen und Migräne verursachen. Studien deuten darauf hin, dass Magnesiummangel bei Migränepatienten häufiger anzutreffen ist als bei gesunden Patienten. Die orale Substitution durch geeignete Nahrungsergänzungsmittel ist besonders zur Behandlung und Vorbeugung geeignet.

  • Bioverfügbarkeit: Bei der Einnahme von Magnesium sollte auf die Bioverfügbarkeit geachtet werden. Organische Verbindungen (Magnesiumbisglycinat, Magnesiumcitrat und Trimagnesiumdicitrat) sowie Magnesium in Verbindung mit Aminosäurekomplexen (Magnesiumtaurat) besitzen eine bessere Bioverfügbarkeit als anorganische Verbindungen.
  • Dosierung: Zur Vorbeugung von Migräneattacken werden bis zu 600 mg/Tag empfohlen.
  • Wirkmechanismus: Verminderte Magnesiumkonzentrationen im Blut können die Empfindlichkeit der Glutamat-Rezeptoren erhöhen. Glutamat kann für ein neurologisches Phänomen mit dem Namen cortical-spreading-depression (CSD) verantwortlich gemacht werden, das als wichtigstes krankhaftes Geschehen unseres Gehirns gilt.

Vitamin D

Ein Mangel an Vitamin D und das Auftreten von Migräneattacken stehen in einem eindeutigen Zusammenhang. Ein niedriger Vitamin D-spiegel kann sich auf die Dauer und Heftigkeit von Migräneanfällen auswirken. Eine Versorgung mit Vitamin D durch Nahrungsergänzungsmittel wird ganzjährig empfohlen.

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  • Wirkmechanismus: Vitamin D ist für die Aufnahme sowie den Transport von Magnesium aus dem Darm in die Zellen notwendig. Ein Mangel an Vitamin D kann eine Veränderung der Blutgefäße bewirken und Entzündungen fördern.

B-Vitamine

Eine Studie deutet darauf hin, dass ein Vitamin-B-Komplex (B6, B9 und B12) das Auftreten von Migräneattacken senken kann. Andere Arbeiten berichten zusätzlich von der Wirksamkeit des Vitamin B2 und weisen auf den Nutzen einer Kombination dieser B-Vitamine hin.

  • Homocystein: Vitamin B12 kann gemeinsam mit Folsäure (Vitamin B9) und Vitamin B6 als ein wichtiger Faktor zur Senkung hoher Homocystein-Konzentrationen bei der Behandlung der Migräne bezeichnet werden.
  • Mitochondrien: Vitamin B2 (Riboflavin) spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen und kann die Mitochondrienfunktion verbessern.

Coenzym Q10

Prof. Dr. med. Peter Sandor konnte in Studien zeigen, dass es im Energiestoffwechsel von Migränepatienten zu einem erhöhten Energieverbrauch in den Mitochondrien im Gehirn kommen kann. In diesem Zusammenhang sollten natürliche Stoffe wie Coenzym Q10 berücksichtigt werden. Er vermutet, dass das zugeführte Coenzym Q10 ein Auffüllen der Energiereserven der Mitochondrien ermöglicht. Eine Metaanalyse hat ergeben, dass Coenzym Q10 hinsichtlich einer Verminderung der Migränedauer und der Migränehäufigkeit eine wirksame therapeutische Substanz ist. Wissenschaftler aus dem Iran konnten auch nachweisen, dass eine Supplementierung von Coenzym Q10 bei Migränepatienten die Konzentration der Entzündungsmarker TNF-alpha und CGRP reduzieren konnte.

Omega-3-Fettsäuren

In einer US-Studie des US National Institute on Aging in Baltimore untersuchten Experten um Dr. Christopher Ramsden den Einfluss von Fettsäuren auf Migräne. Patienten, die sich besonders Omega-3 reich ernährten, konnten Ihre Migräne Attacken deutlich reduzieren. Eine Studie aus 2018 zeigt den Effekt von mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf die Vorbeugung von Migräne bei chronischen Migränepatienten. Migräne ist eine destabilisierende neuroinflammatorische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Omega-3 Fettsäuren und Curcuminoide üben hier neuroprotektive und entzündungshemmende Wirkung über gleich mehrere Mechanismen aus.

Palmitoylethanolamid (PEA)

Palmitoylethanolamid (PEA) ist ein körpereigenes, fettlösliches Molekül, das in Studien vielversprechende schmerzmodulierende und entzündungshemmende Eigenschaften zeigt und gleichzeitig sehr gut verträglich ist. Meta-Analysen belegen eine spürbare Schmerzreduktion bei chronischem und akutem Schmerz. Es gibt auch Daten, dass es bei Migräne eingesetzt werden kann.

Weitere Faktoren und Therapieansätze

Triggerfaktoren

Neben den genannten Stoffen können auch bestimmte Triggerfaktoren Migräneattacken auslösen. Dazu zählen:

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  • Helles Licht
  • Zigaretten oder Zigarettenrauch
  • Wetterwechsel
  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Gerüche und Geräusche
  • Reisen
  • Anstrengungen beim Sport
  • Ernährungsfaktoren (Glutamat, Koffein, Nitrite und Nitrate, Amine, Rotwein, Schokolade etc.)

Es ist wichtig, diese Triggerfaktoren zu identifizieren und möglichst zu vermeiden.

Schulmedizinische Behandlungen

Bei leichten bis mäßigen Symptomen rät die Schulmedizin zu einer frühzeitigen Einnahme meist nichtsteroidale Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac) oder Acetylsalicylsäure. Heftige Migräneattacken werden gerne mit Triptanen behandelt. Vorbeugende Maßnahmen können Migränepatienten helfen, den Alltag leichter und planbarer zu gestalten. Die Schulmedizin setzt bei der vorbeugenden Behandlung vor allem auf Betarezeptorenblocker, Antiepileptika oder Antidepressiva.

Entspannung und Bewegung

Nicht selten kommt es aufgrund von Verspannungen zu Migräneanfällen. Spannungskopfschmerzen lassen sich langfristig gut mit speziellen Übungen behandeln.

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