Darmblutungen nach einer Hirntumor-Operation können verschiedene Ursachen haben und erfordern eine sorgfältige Diagnose, um die geeignete Behandlung einzuleiten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, die diagnostischen Verfahren und die Behandlungsansätze bei Darmblutungen im Zusammenhang mit Hirntumor-Operationen.
Ursachen von Darmblutungen nach Hirntumor-Operationen
Die Ursachen für Darmblutungen nach einer Hirntumor-Operation können vielfältig sein. Einige der häufigsten Ursachen sind:
- Stressbedingte Ursachen: Eine Operation stellt für den Körper eine erhebliche Stresssituation dar. Dieser Stress kann sich auf den Magen-Darm-Trakt auswirken und zu Blutungen führen.
- Medikamenteninduzierte Ursachen: Medikamente, die während und nach der Operation verabreicht werden, wie z.B. Schmerzmittel oder Antikoagulantien, können das Risiko von Darmblutungen erhöhen.
- Divertikulitis: Bei den Divertikeln handelt es sich um Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die durch die Muskelschicht des Darms in den Bauchraum hervorgetreten sind. Demzufolge ist die Haut der Divertikel nur dünn und gerät durch die Entzündung unter Druck. In einigen Fällen treten offene Durchbrüche auf, in anderen Fällen jedoch deckeln beispielsweise andere Darmschlingen die offene Stelle und es entsteht ein Abszess.
- Bestehende Darmerkrankungen: Vorbestehende Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn können durch die Operation und die damit verbundene Stresssituation aktiviert werden und zu Blutungen führen.
- Tumorbedingte Ursachen: In seltenen Fällen kann der Hirntumor selbst oder dessen Behandlung (z.B. Strahlentherapie) indirekt zu Darmblutungen führen.
- Lebererkrankungen: Eine chronische Lebererkrankung kann ebenfalls zu Darmblutungen führen.
Diagnostische Verfahren
Um die Ursache von Darmblutungen zu ermitteln, werden verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine gründliche körperliche Untersuchung durch, um mögliche Ursachen einzugrenzen.
- Tastuntersuchung: Bei der Tastuntersuchung wird der Mastdarm durch den After mit dem Finger vorsichtig ausgetastet. Beurteilt werden können dabei die Beschaffenheit des Mastdarms, der Schließmuskel und die Prostata (Vorsteherdrüse des Mannes).
- Hämocculttest: Der Hämocculttest (Häm = Blut, occult = verborgen) ist ein Labortest, mit dem sich bereits geringe Mengen Blut im Stuhl nachweisen lassen. Er kann problemlos zu Hause durchgeführt werden. Mit einem kleinen Spatel wird an drei aufeinander folgenden Tagen je eine Stuhlprobe auf die Testfelder von Testbriefchen aufgetragen. Ein positives Ergebnis, also der Nachweis von Blut im Stuhl, bedeutet nicht zwangsläufig Krebs. Oftmals haben die Blutungen andere Ursachen, z.B. Polypen oder Darmentzündungen. Der Hämocculttest wird auch im Rahmen der Früherkennung von Darmkrebs durchgeführt.
- Blutuntersuchungen: Ein Blutbild kann Aufschluss über den Hämoglobinwert (Hb-Wert) geben. Ein erniedrigter Hämoglobinwert ist häufig Ausdruck eines unbemerkten Blutverlustes über den Magen-Darm-Trakt. Auch die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) können untersucht werden, da eine erhöhte Anzahl auf eine Entzündung hinweisen kann. Tumormarker wie CEA und CA19/9 können ebenfalls bestimmt werden, um einen möglichen Rückfall einer Krebserkrankung auszuschließen.
- Darmspiegelung (Koloskopie): Bei der Darmspiegelung (Koloskopie) untersucht der Arzt - ausgehend vom After - die Beschaffenheit des gesamten Darminneren mit einem Endoskop. Hierbei handelt es sich um ein biegsames Instrument aus Fiberglas, das u.a. mit einer Lichtquelle und einer kleinen optischen Vorrichtung ausgestattet ist. Um die Untersuchung durchzuführen, muss der Darm vorher gründlich gereinigt werden. Bei verdächtigen Veränderungen werden Gewebeproben (Biopsie) entnommen. Diese Proben werden anschließend von einem Spezialisten unter dem Mikroskop auf Krebszellen begutachtet. Erst nach dieser Untersuchung steht mit Sicherheit fest, ob eine Krebserkrankung vorliegt oder nicht. Die Darmspiegelung ist die wichtigste und aussagekräftigste Untersuchung zur Feststellung eines Tumors. Besteht der Verdacht auf ein bösartiges Geschehen oder wird beim Okkultbluttest Blut im Stuhl entdeckt, ist sie die Methode der Wahl. Außerdem ist die Koloskopie Bestandteil der Untersuchungen für die Früherkennung von Darmkrebs.
- CT-Kolonographie: Bei der so genannte CT-Kolonographie, oft auch als "virtuelle Darmspiegelung" bezeichnet, werden mithilfe von Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) Schnittbilder des Darms angefertigt und mit speziellen Computerprogrammen zu einer dreidimensionalen Ansicht des Darminneren weiterverarbeitet. Ein Vorteil der CT-Kolonographie besteht darin, dass auf das Einführen eines Endoskops in den Darm verzichtet werden kann. Dies könnte, so die Hoffnung, die allgemeine Bereitschaft der Bevölkerung zur Teilnahme an Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchungen steigern. Größere Polypen sind mit der Methode ähnlich sicher wie bei der normalen Darmspiegelung zu erkennen. Bei entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut sowie bei kleineren Polypen ist die CT-Kolonographie jedoch weniger zuverlässig. Außerdem können Polypen, die bei der Untersuchung entdeckt werden, nicht wie bei der Koloskopie sofort entfernt und feingeweblich begutachtet werden.
- Sigmoidoskopie/Rektoskopie: Da sich jedoch etwa 60 Prozent aller Dickdarmtumoren im unteren Abschnitt des Dickdarms bzw. im Mastdarm befinden, kann auf Wunsch des Patienten auch die Sigmoidoskopie (Spiegelung des letzten Dickdarmabschnitts vor dem Mastdarm) durchgeführt werden, um Tumore in diesen Darmabschnitten frühzeitig zu erkennen. Die Rektoskopie (Spiegelung des Mastdarms) wird als weitere Untersuchungsmethode angewendet, wenn die Lage eines bereits durch Koloskopie nachgewiesenen Karzinoms im Rektum genauer bestimmt werden soll.
- Ultraschalluntersuchung: Anhand der Ultraschalluntersuchung des Bauches lässt sich feststellen, ob der Tumor bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen gebildet hat.
- Endosonographie: Um zu erkennen, wie stark sich ein bösartiger Tumor des Mastdarms (Rektumkarzinom) ausgedehnt hat, wird eine Ultraschalluntersuchung mit einer in den Darm eingeführten Sonde durchgeführt. Beurteilt werden der Ausbreitungsgrad innerhalb der Darmwand und die nahegelegenen Lymphdrüsen. Besonderen Stellenwert hat die Endosonographie für die Planung der Operation. Anhand ihres Ergebnisses kann der Arzt festlegen, ob der Schließmuskel bei der Operation erhalten werden kann oder ob ein künstlicher Darmausgang notwendig wird.
- Computertomographie (CT): Die Computertomographie der Bauchhöhle und des Beckens ist Bestandteil der Diagnostik, wenn bei einer Ultraschalluntersuchung keine ausreichende Beurteilbarkeit der Bauchorgane möglich ist. Die Röntgenmethode, bei der der Körper Schicht für Schicht durchleuchtet wird, ermöglicht es, genau zu beurteilen, ob der Krebs die Darmwand überschritten hat und Nachbarorgane oder Lymphdrüsen befallen sind (Metastasierung). Auch für die Planung der Strahlentherapie ist die Computertomographie hilfreich.
- Kernspintomographie (MRT): Die Kernspintomographie ermöglicht ebenfalls eine schichtweise Darstellung des Körpers. In diesem Fall werden allerdings keine Röntgenstrahlen verwendet, sondern ein Magnetfeld. Bei Mastdarmkrebs entwickelt sich die Kernspintomographie derzeit zum wesentlichen Verfahren für die Beurteilung der Tumorausdehnung. Besonders gut können durch MRT bereits vor der Operation die exakte Anatomie sowie die Ausdehnung des Krebses auch hinsichtlich des Schließmuskels beurteilt werden.
- Kapselendoskopie: Zur Analyse der Dünndarmschleimhaut, die mit der Darmspiegelung nicht erreicht werden kann, dient die sogenannte Kapselendoskopie. Dieses Verfahren kommt insbesondere bei erblichen Darmpolypen zum Einsatz. Eine pillenförmige, mit einer Minikamera ausgestattete Schluckkapsel übermittelt uns während ihres Weges durch den gesamten Verdauungstrakt laufend Bildaufnahmen von der Schleimhaut Ihres Dünndarms und hilft uns dabei, vorhandene Polypen zu erkennen.
Behandlung von Darmblutungen
Die Behandlung von Darmblutungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Medikamentöse Therapie: Bei medikamenteninduzierten Blutungen kann die Dosis der Medikamente angepasst oder auf alternative Präparate umgestiegen werden. Bei Entzündungen können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden.
- Endoskopische Intervention: Im Rahmen einer Darmspiegelung können Blutungen gestillt und Polypen oder andere Blutungsquellen entfernt werden (Polypektomie).
- Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen, z.B. bei einem Durchbruch von Divertikeln oder bei tumorbedingten Blutungen, kann eine Operation erforderlich sein. Bei einer Divertikulitis-Operation wird in der Regel der betroffene Darmabschnitt entfernt.
- Ernährungsumstellung: Eine ballaststoffreiche Ernährung kann helfen, die Darmfunktion zu regulieren und Blutungen vorzubeugen.
- Behandlung von Lebererkrankungen: Bei Lebererkrankungen ist eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung einzuhalten und Alkohol zu meiden. Eine Eiweißreduktionskost ist nicht sinnvoll, anzustreben sind 0,8 - 1g/kg Körpergewicht pro Tag, wobei pflanzliches Eiweiß bevorzugt werden sollte.
- Allgemeine Maßnahmen: Bei Durchfall, der häufig mit Darmblutungen einhergeht, ist es wichtig, viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Medikamente wie Loperamid können helfen, den Durchfall zu lindern.
Vorbeugung
Einige Maßnahmen können helfen, Darmblutungen nach einer Hirntumor-Operation vorzubeugen:
Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall
- Sorgfältige Auswahl und Dosierung von Medikamenten: Der Arzt sollte die Medikamente sorgfältig auswählen und dosieren, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.
- Früherkennung und Behandlung von Darmerkrankungen: Vorbestehende Darmerkrankungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, um Komplikationen vorzubeugen.
- Stressmanagement: Stress kann sich negativ auf den Magen-Darm-Trakt auswirken. Entspannungstechniken und Stressmanagement können helfen, das Risiko von Blutungen zu reduzieren.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere Darmspiegelungen, können helfen, Polypen und andere Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin können die Darmgesundheit fördern und das Risiko von Blutungen reduzieren.
Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige
Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor
tags: #hirntumor #entfernt #danach #darmblutung