Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 8.000 Menschen an einem Hirntumor. Eine der häufigsten und bösartigsten Varianten ist das Glioblastom, das als besonders aggressiv gilt, da die Tumorzellen schnell wachsen und in das gesunde Gehirn einwandern. Betroffen sind meist Patient*innen in einem Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Die Diagnose „Hirntumor“ ist für die meisten Betroffenen ein Schock. Die Diagnose ist immer noch erschütternd, wenn gleich sich die Perspektiven verbessert und sich auch die 5-Jahres-Überlebenschancen in den letzten Jahren bei etwa 20 bis 25 Prozent stabilisiert haben. Allerdings ist Hirntumor nicht gleich Hirntumor. Es gibt viele verschiedene Tumorerkrankungen mit unterschiedlichen Ausprägungen im Inneren des Schädels. Während bösartige Tumore sich leider nicht so einfach behandeln lassen, sind gutartige Hirntumore oft gut behandelbar und zum Teil sogar heilbar.
Die Überlebenschancen sind oft gering, reichen von wenigen Monaten bis hin zu anderthalb Jahren. Die Behandlung kombiniert eine Operation mit anschließender Strahlen- und Chemotherapie. Doch allzu häufig zeigt sich das Glioblastom resistent gegen dieses Vorgehen. Trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie sowie einer anschließenden Erhaltungschemotherapie, um möglichst alle Tumorzellen zu vernichten, entwickeln sich Glioblastome häufig erneut. Die Heilungschancen von Betroffenen sind schlecht, die Lebenserwartung ist meist deutlich reduziert.
Innovative Forschungsansätze zur Verbesserung der Therapie
Forscher*innen arbeiten intensiv daran, die Behandlung von Hirntumoren effektiver und schonender zu gestalten. Ein vielversprechender Ansatzpunkt ist die Veränderung der biologischen Zelleigenschaften des Glioblastoms, um es empfindlicher für die Therapie zu machen.
„Die Behandlung eines Glioblastoms ist schwierig“, erklärt Prof. Nils Cordes, Leiter Strahlenbiologie am Nationalen Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie - OncoRay. Eine Operation ist nicht ohne Risiko, weil das Tumorgewebe von sensiblen Hirnstrukturen umgeben ist. „Unsere Bestrahlungsmöglichkeiten und die Kombination von Therapien verbessern die Heilungschancen bei Krebserkrankungen“, erläutert Prof. Mechthild Krause, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie sowie Direktorin des OncoRay-Zentrums. „Unsere wissenschaftliche Arbeit ist daher von einer hohen Dynamik geprägt, um die Vielzahl an Perspektiven für schonendere und wirkungsvollere Behandlungsstrategien für Therapie und Erforschung von Tumorerkrankungen auszuloten.“
Die Rolle der extrazellulären Matrix
Ein möglicher Weg für die schonende Strahlenbehandlung führt über die extrazelluläre Matrix. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich eine Forschungsgruppe im OncoRay bereits mit diesem Proteingerüst, das im ganzen Körper unterschiedlich verteilt ist. Die Zellen heften dort an und geben allem eine Struktur - gleich eines Klebstoffes. Tumorzellen und andere, nicht entartete Zellen, die sich in einem Tumor befinden, produzieren solche Matrixproteine im Übermaß. „Das heißt, die Matrix im normalen Gehirn ist ganz anders als in einem Glioblastom“, erklärt Cordes. Der Grund dafür ist noch unbekannt. „Unser Ansatz ist, die Rezeptoren auf den Zellen, die ihnen das Anheften an die Matrix ermöglichen, zu blockieren oder herunter zu regulieren.“ Möglich ist das beispielsweise durch den Einsatz von Antikörpern oder Peptiden. Sie können die Verbindung zwischen Zellen und Matrix schwächen oder deaktivieren.
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Hemmung von Integrin α2 als Therapieansatz
In einer aktuellen Untersuchung beschäftigten sich die Forscherinnen mit dem Oberflächenprotein Integrin α2. Integrine verbinden Zellen mit anderen Zellen und sind für den Zelleinbau in die Matrix zuständig. Sie konnten mit der Arbeit zeigen, dass die Hemmung des Integrin α2 die Überlebensfähigkeit der Tumorzellen bei einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie deutlich herabsetzt. Gerade der Blick auf die Wirkung bei dieser Kombination von Strahlen- und Chemotherapie sei wichtig, weil diese Behandlungsmethode für viele Patientinnen heute Standard ist. Ein Mangel an Integrin α2 hemmt zudem das Tumorwachstum. Das könnte sich positiv auf die Überlebenschancen Betroffener auswirken. Weitere Untersuchungen legten außerdem nahe, dass der Ansatz auch bei Kopf- und Halstumoren erfolgsversprechend sein könnte.
Der stärkere Blick auf Proteine in der Krebstherapie ist ein Punkt, der künftig immer wichtiger werden wird. Bislang legen Wissenschaft und Klinik das Hauptaugenmerk auf die Genetik, sie ist aber nur ein Baustein neben vielen anderen, wie den Proteinen. In einer früheren Arbeit schaute sich das Team deshalb die Zusammensetzung der zellulären Matrix in Glioblastomen verschiedener Patient*innen genauer an. „Ein überwiegender Teil besteht aus Collagenen“, schildert Cordes. Integrin α2 ist Teil eines Collagenintegrins. „Hier kommt die enge Verzahnung zwischen Forschung und Klinik zum Tragen, für die diese Arbeit ein gelebtes Beispiel ist“, schätzt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, ein. Nun gilt es zu überprüfen, ob sich die positiven Ergebnisse zum Integrin α2 auch in den Effekten einer kombinierten Therapie widerspiegeln.
Wachoperationen zur Schonung wichtiger Hirnfunktionen
Eine weitere Möglichkeit, die Risiken bei Hirntumoroperationen zu minimieren und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten, sind Wachoperationen. Dabei erfolgt der hirnchirurgische Eingriff bei vollem Bewusstsein der Patientin. Der Patient oder die Patientin ist während des Eingriffs wach und spricht mit dem OP-Team. Eine solche Wach-Operation wird dann erforderlich, wenn zum Beispiel ein Hirntumor sehr nah an die Strukturen für Sprachfähigkeit heranreicht.
Wie im Fall von Anja Werner. Die 43-Jährige erhielt Anfang Dezember 2022 überraschend die Diagnose Hirntumor. Der Krebs beeinträchtigte das Sprachzentrum und die Bewegungsfähigkeit der rechten Körperhälfte. Und er wuchs sehr schnell. "Das war ein besorgniserregendes Anzeichen, dass schnelles Handeln erforderte", erklärt Prof. Erdem Güresir, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKL, rückblickend. In dieser Lage entschied er sich kurz vor Weihnachten dafür, eine Wachoperation zur Entfernung des Tumors vorzuschlagen. Die Patientin entschloss sich zu der besonderen Operation. "Ich dachte, ich habe nur noch sechs Wochen", beschreibt sie ihre Situation. Zu der Zeit kann sie sich kaum noch verständigen, leidet an starken Wortfindungsstörungen und Lähmungen der rechten Körperseite. Zwei Monate später, im Februar 2023, kommt sie ganz ohne Hilfsmittel zur Strahlenbehandlung ins UKL und berichtet mehr als eine Stunde lang von ihrer Erfahrung: "Ich hatte schon Angst vor dem Eingriff, aber es war kein bisschen beängstigend. Jederzeit würde ich mich wieder so entscheiden. Die Operation hat mir mein Leben und meine Stimme wieder geschenkt." Sie möchte anderen Betroffenen Mut machen, ebenfalls einen solchen Schritt zu gehen.
"Durch die Wach-OP konnten wir die aus mehreren Knoten bestehende Geschwulst millimetergenau entfernen", so der Neurochirurg. Dazu wurden die Tumorzellen mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit markiert, so dass diese im OP unter dem Mikroskop leuchteten und dem Chirurgen den Weg wiesen. Gleichzeitig wurde mit speziellen Tests immer wieder überprüft, welche der Strukturen für die Sprache, das Sprachverstehen und die Motorik wichtig sind und nicht verletzt werden sollten. Dazu stehen neben den Chirurgen, Anästhesisten und Fachpflegekräften auch Elektrophysiologen und Logopäden bei einer solchen Operation mit am Tisch - insgesamt bis zu acht Personen. Während die einen dafür sorgen, dass die Patienten trotz Bewusstsein keinen Schmerz spüren, helfen die anderen, den Tumor genau zu lokalisieren. Dabei werden mit speziellen Sonden bestimmte Hirnareale stimuliert und die Patienten zum Sprechen aufgefordert. Wie gut das klappt gibt Hinweise darauf, welche Aufgaben diese Bereiche übernehmen. So können die Chirurgen vor einem Schnitt herausfinden, ob Gewebe ohne Funktionsbeeinträchtigung entfernt werden kann oder wo der Schnitt enden muss. "Würden die Patienten schlafen, könnten wir erst nach dem Ende der Operation das Ergebnis sehen", so Güresir. Dann könnten wichtige Bereiche unwiderbringlich verloren sein. Weil jedes Gehirn im Detail individuell ist, kann niemand mit Sicherheit sagen, welche Strukturen genau welche Aufgaben erfüllen. Das ist bei Anja Werner vollständig gelungen, und ohne wichtige Funktionen zu beeinträchtigen.
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Bedeutung der Radikalität der Operation
Wenn realisierbar, wird möglichst radikal operiert, weil dies für die Prognose günstig ist. Das heißt, es wird so viel Tumorgewebe entfernt, wie möglich. Inwieweit sich eine Radikalität erreichen lässt, ist abhängig von der Art des Tumors und seiner Lage im Gehirn. Unser Anspruch ist natürlich möglichst den gesamten Tumor zu entfernen. Dies gelingt laut Studien auch in über 70 Prozent der Fälle. Sofern der Tumor aber wichtige Zentren im Gehirn infiltriert hat, wird dieses Tumorgewebe belassen, um durch die Operation diese Zentren nicht zu schädigen. Aber dies bedeutet leider auch: Je mehr Tumorgewebe im Schädelinneren erhalten bleibt, desto schlechter ist die Lebenserwartung der Patientin oder des Patienten. Allerdings muss man bedenken, dass die Überlebenszeit bei bösartigen Hirntumoren selbst bei einer optimalen Tumorentfernung kombiniert mit einer Radio-Chemo-Therapie bei etwa 2 Jahren liegt. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man bei einer Operation riskieren will, diese Patientinnen und Patienten durch mögliche neurologische Defizite zu belasten, zumal bekannt ist, dass durch die Operation hervorgerufene Defizite die Prognose beeinträchtigen. Bei gutartigen Hirntumoren kann man diese Grenze zwischen Radikalität und Lebensqualität ganz anders ausloten: Wenn hier nach einer Operation die Lebenserwartung bei 20 bis 30 Jahren liegt, dann sind viele Patienten dankbar für diese lange Überlebenszeit und nehmen dafür leichte neurologische Defizite in Kauf.
Alternative Behandlungsansätze und Studien
Aktuell wird in der Therapie eine Bestrahlung bis zu einer Gesamtdosis von 60 Gray (Gy) mit 2 Gy Einzeldosis eingesetzt. Es gibt jedoch Hinweise, dass diese Dosis für eine Kontrolle des Tumors nicht ausreicht. Einfach die Bestrahlungsdosis zu erhöhen, könnte jedoch zusätzliche Nebenwirkungen verursachen.Im Rahmen der PRIDE-Studie soll die Strahlendosis hochgesetzt werden, dabei jedoch zusätzlich zwei Mal das Medikament Bevacizumab (ein Antikörper, der das Gefäßwachstum schwächen kann) verabreicht werden, um zusätzlichen Nebenwirkungen entgegenzuwirken. Für die exakte Planung der Bestrahlung werden eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Schädels sowie eine FET-PET-Untersuchung durchgeführt, die Tumore im Gehirn sichtbar machen kann.
Bevacizumab: Ein umstrittener Wirkstoff
Eine Studie unter Leitung des Heidelberger Neurologen Prof. Dr. Wolfgang Wick zeigte, dass eine Kombinationstherapie mit den Wirkstoffen Lomustin und Bevacizumab das Leben von Patienten mit Glioblastom nicht verlängern kann. Die Ergebnisse waren zum Bedauern der Forscher negativ: Insgesamt 437 Patienten in acht Ländern nahmen von November 2011 bis zum Dezember 2014 an der Studie teil - 149 der Betroffenen erhielten nur Lomustin, 288 beide Medikamente. Die Studie endete, als 329 Patienten verstorben waren - ein statistischer Wert, der angibt, dass es ausreichend Daten für eine wissenschaftliche Auswertung gibt. „Unsere Berechnungen zeigten, dass das mittlere Überleben in der Patientengruppe mit beiden Medikamenten bei 9,1 Monaten und das bei den Patienten mit einem Medikament bei 8,6 Monaten lag“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Wick. Patienten mit beiden Medikamenten überlebten also statistisch gesehen zwei Wochen länger - zu wenig, um mögliche Nebenwirkungen und hohe Kosten in Kauf zu nehmen. „Auf Basis dieser Daten wird das Medikament in Deutschland nicht zur Therapie eines Glioblastoms zugelassen“, fasst Prof. Dr. Wolfgang Wick zusammen.
Die Studie maß jedoch nicht nur die Überlebensdauer, sondern auch die Zeitspanne, in der sich kein Wachstum des Tumors feststellen ließ. Hier ergab sich nach Ansicht von Prof. Dr. Wolfgang Wick ein zweiter Aspekt, der für weitere Forschungsarbeiten wichtig sein könnte: „Die Patienten mit Kombinationstherapie erlebten statistisch gesehen zunächst eine längere Zeitspanne, in der die Krankheit sie nicht so stark belastete.“ Einzelne Patienten sprachen außerdem sehr gut auf die Kombination beider Medikamente an und überlebten deutlich länger als der Durchschnitt. „Unsere Studie zeigt, dass Bevacizumab keine Standardtherapie bei Glioblastomen werden kann“, fasst Prof. Dr. Wolfgang Wick zusammen. „Sie zeigt aber auch, wie wichtig kontrollierte klinische Studien sind und welche Perspektiven es für eine personalisierte Medizin der Zukunft gibt. Wenn wir über molekulare Marker diejenigen Patienten identifizieren, die von Bevacizumab profitieren, können wir ihnen den Wirkstoff gezielt geben und damit Leben verlängern und Lebensqualität erhöhen.“
Bevacizumab (Handelsname Avastin) hindert Hirntumoren daran, neue Blutgefäße zu bilden, indem ein entscheidender Wachstumsfaktor durch einen Antikörper gehemmt wird. Tumoren zeigen häufig einen erhöhten Stoffwechsel und sind von einer bestimmten Größe an auf die Ausbildung eines eigenen Gefäßsystems angewiesen. Durch die gezielte Blockade des Wachstumsfaktors bilden sich unreife Blutgefäße zurück, und die Bildung neuer Gefäße wird unterbunden. Dadurch wird die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen behindert und sein Wachstum gehemmt. Dass diese Wirkung zeitlich begrenzt ist, führen Wissenschaftler auf eine Resistenzbildung zurück - der Tumor findet nach einiger Zeit neue Wege, um Blutgefäße zu bilden. Anders als in Deutschland hat es in den USA auch für die Therapie des Glioblastoms eine Zulassung. Hierzulande ist das Krebsmittel aktuell nur in klinischen Studien oder als individueller Heilversuch verfügbar.
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Glioblastom: Definition, Ursachen, Symptome und Diagnose
Das Glioblastom ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 55 und 65 Jahren, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Das aggressive Wachstum dieses Tumors führt zur Einstufung als WHO-Grad IV, dem höchsten Malignitätsgrad in der WHO-Klassifikation für Gliome. Das Glioblastom zählt zur Gruppe der Astrozytome und damit zu den Gliomen.Gliome sind primäre hirneigene Tumoren, die im Gehirn oder Rückenmark entstehen - im Gegensatz zu Hirnmetastasen, die Absiedlungen anderer Tumoren sind. Gliome entwickeln sich aus Gliazellen, den Stützzellen, die Nervenzellen im zentralen Nervensystem umgeben. Normalerweise unterstützen diese Zellen die Nervenfunktion, bei Gliomen geraten sie jedoch außer Kontrolle. Der genaue Gliazell-Typ bestimmt Klassifikation, Therapie und Prognose. Gliome werden nach der Art der beteiligten Zellen und dem WHO-Grad eingeteilt.
Die Ursachen oder Risikofaktoren für die Entstehung dieser Hirntumoren sind nicht ausreichend erforscht. Zu den Risikofaktoren für ein Gliblastom gehören:
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken
- Strahlenexposition: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor.
Je nachdem an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet, können Glioblastome durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden. Die Symptome können im weiteren Verlauf variieren. Da diese Hirntumoren schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome. Je nachdem, wo sich der Tumor befindet, können bei Glioblastom-Patient:innen folgende Beschwerden auftreten:
- Kopfschmerzen
- epileptische Anfälle
- Lähmungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Gedächtnisstörungen
- Gefühlsstörungen
- Sehstörungen
- Sprachstörungen
- Veränderungen der Persönlichkeit
Die Diagnosestellung des Gehirntumors erfolgt zunächst durch eine gründliche Befragung nach ersten Anzeichen und Symptomen, wie beispielsweise Kopfschmerzen, durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Durch bildegebende Verfahren wird die Lage und Größe des Hirntumors bestimmt. Zu den Tests und Verfahren, die zur Diagnose eines Glioblastoms eingesetzt werden, gehören:
- Neurologische Untersuchung: Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe der Patient:innen werden überprüft
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) (dieses Verfahren wird standardmäßig zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt), Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
- Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe erfolgt in der Regel vor der Operation oder während der Resektion eines Glioblastoms. Die Probe des verdächtigen Gewebes wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.
Behandlungsmöglichkeiten und palliative Versorgung
Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die derzeitige Standardtherapie umfasst eine maximal sichere chirurgische Entfernung des Tumors, gefolgt von einer kombinierten Therapie nach dem Stupp-Schema, bestehend aus Bestrahlung und einer begleitenden Chemotherapie mit einem oralen alkylierenden Zytostatikum (Temozolomid). Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus beeinflusst dabei die Wirksamkeit der Chemotherapie.
Diese Behandlungsmethoden stehen beim Glioblastom zur Verfügung:
- Operation: Die wichtigste Methode in der Therapie von Glioblastomen ist die Operation. Diese Tumoren liegen häufig in Regionen, die für die neurologische Funktion entscheidend sind. Das Hauptziel einer Resektion besteht darin, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umgebende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome von einer Zone infiltrierender Zellen umgeben sind, ist eine vollständige Entfernung nicht möglich. Die Operation verringert die Tumormasse, entfernt therapieresistente Zellen im Zentrum und senkt den intrakraniellen Druck. So kann das Überleben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Da der Tumor nie vollständig entfernt werden kann, erhalten die meisten Patient:innen nach der Operation weitere Behandlungen.
- Strahlentherapie: Sobald die Operationswunde verheilt ist, folgt die Strahlentherapie. Ziel ist es, verbliebene Tumorzellen, die in gesundes Hirngewebe eingedrungen sind, gezielt abzutöten. Die standardmäßige externe Bestrahlung umfasst den Tumor und einen Randbereich und wird in mehreren Sitzungen durchgeführt. Sie führt meist zu besseren Ergebnissen als eine alleinige Operation. Die Strahlentherapie wird dabei mit einer Chemotherapie kombiniert. Bei Patient:innen, die nicht operiert werden können, kann eine Radio-Chemo-Therapie auch primär eingesetzt werden.
- Chemotherapie: Patient:innen erhalten während der Bestrahlung Temozolomid, gefolgt von sechs Erhaltungszyklen. Der molekulare MGMT-Status hilft bei der Beurteilung, ob Temozolomid besonders wirksam ist.
- Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.
- Therapie des Rezidivs: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage. Die Teilnahme an klinischen Studien wird ausdrücklich empfohlen.
- Palliativmedizin und supportive Therapie: Hierbei geht es um die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder Hirndrucksymptomen. Palliativmediziner:innen begleiten Patient:innen, Angehörige und das Behandlungsteam, um die Lebensqualität zu erhalten und die Behandlung bestmöglich zu unterstützen.
Leben mit einem Hirntumor: Alltag, Sport und Urlaub
Die Diagnose Hirntumor bringt viele Veränderungen im Leben der Betroffenen mit sich. Es ist wichtig, aktiv zu bleiben und den Alltag so normal wie möglich zu gestalten.
Sportliche Aktivität
Die positive Wirkung von regelmäßiger Bewegung und aktivem Sport sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation von Tumorpatienten ist in vielen Untersuchungen der letzten Jahre immer deutlicher geworden. Deshalb haben Tumorpatienten mittlerweile einen Anspruch auf besonders geeigneten Reha-Sport, für den die Krankenkassen über 18 Monate hinweg 50 Übungsstunden finanzieren. Besonders geeignet sind hierbei eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport. Auch Joggen, Walken, Radfahren, Tanzen und sogar Ballsport oder auch Schwimmen - mit einer aufmerksamen Begleitperson - bieten sich an. Es müssen jedoch besondere Vorkehrungen getroffen werden: Beim Radfahren sollte unbedingt ein Helm getragen werden und beim Fußballspielen muss es nicht unbedingt ein Kopfball sein. Von Tauchgängen sollten Betroffene wegen des Unterwasserdrucks besser absehen. Nicht geeignet sind außerdem sturz- und erschütterungsträchtige Sportarten wie Bergsteigern und Klettern, Motorsport, Reiten oder Boxen. Patienten sollten eine Überlastung oder eine Überhitzung unbedingt vermeiden. Außerdem müssen sie ausreichend viel trinken und dürfen sich keinem zu großen Licht- bzw. Sonneneinfluss aussetzen. Denn manche Medikamente können phototoxische Reaktionen und Photoallergien auslösen, die dann sehr schnell zu sonnenbrandähnlichen Reaktionen führen können.
Urlaub und Reisen
Patienten sollten nach Möglichkeit nicht während einer Chemotherapie und auch erst nach abgeschlossener Wundheilung verreisen. Patienten sollten auf jeden Fall ihren behandelnden Arzt ansprechen, ob eventuell bei der letzten bildgebenden Untersuchung Lufteinschlüsse im Schädel erkennbar waren. Denn diese intrakranielle Luft kann sich unter dem Druck im Flugzeug ausdehnen und dann gefährlich werden. Patienten sollten an einen Auslandskrankenschutz denken und möglichst ein Hotel mit ärztlicher Versorgung buchen.
Fahrtauglichkeit
Autofahren bedeutet für viele Menschen aktiv, mobil und unabhängig zu sein - und das Gesetz verbietet dies Tumorpatienten auch nicht. Einen normalen PKW kann man meist bereits drei Monate nach einer Hirnoperation steuern. Allerdings sollte im Rahmen der regelmäßigen Nachuntersuchungen auch die Fahrtauglichkeit angesprochen werden. Für eine Fahrerlaubnis der Gruppe 2, zum Beispiel zum Fahren von LKWs und Bussen sowie zur Beförderung von Fahrgästen, gelten deutlich strengere Einschränkungen und eine neurologische oder auch eine neuropsychologische Testung ist in diesen Fällen unabdingbar. Patienten, die nach einer Hirnoperation epileptische Anfälle erleiden, dürfen nicht selbst ein Fahrzeug führen und müssen auch nach einer erfolgreichen medikamentösen Therapie mindestens drei Monate warten, bis sie sich wieder aktiv mit einem Fahrzeug in den Straßenverkehr begeben.
Kinderwunsch
Jüngere Patienten mit der Diagnose Hirntumor oder Krebs haben häufig Angst, keine eigenen Kinder mehr bekommen zu können. Zum einen können durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung Keimzellen geschädigt werden. Zum anderen kann auch die hormonelle Steuerung der Eierstöcke oder der Hoden bei einer eventuellen Schädigung des Hypothalamus oder der Hirnanhangdrüse gestört sein. Deshalb empfiehlt die Ärztin Patienten mit Kinderwunsch vor einer Therapie unbedingt die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. Heutzutage können Spermien ebenso wie befruchtete oder auch unbefruchtete Eizellen eingefroren werden.
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