Die Frage, ob Histamin eine Rolle bei Migräne spielt, ist seit fast einem Jahrhundert Gegenstand der Forschung. Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind, deuten viele Hinweise darauf hin, dass Histamin an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt sein könnte.
Ernährung und Migräne: Ein umstrittenes Thema
Die Rolle der Ernährung bei der Entstehung und Behandlung von Migräne ist ein viel diskutiertes Thema. Obwohl es keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten gibt, haben aktuelle Studien eine Reihe von Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese Mechanismen beziehen sich insbesondere auf die Auswirkungen bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie auf die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel. Es ist jedoch schwierig, den direkten Einfluss einzelner Nahrungskomponenten zu isolieren.
Der Einfluss von Fasten und Diäten
Migräneattacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder verstärkt werden. Dies zeigte sich beispielsweise bei Muslimen mit Migräne während des Fastenmonats Ramadan, bei denen Häufigkeit und Intensität der Migräneepisoden höher waren. Eine frühere Studie zeigte bereits, dass die Serotoninspiegel im Serum der Teilnehmer in den ersten Fastentagen signifikant niedriger waren als in den letzten.
Die ketogene Diät (KD), eine fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform, wird seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Klinische Daten deuten darauf hin, dass die KD sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirken kann. Nach dem ersten Monat konnte neben einer Gewichtsreduktion eine deutliche Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit und der Medikamenteneinnahme festgestellt werden.
Auch die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen. In einer doppelblinden Untersuchung konnte durch die Ernährungsumstellung bei 93 % der untersuchten Kinder eine Kopfschmerzreduktion erzielt werden. Darüber hinaus besserten sich während dieser Zeit auch andere Symptome wie Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Asthma und Ekzeme.
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Fettsäuren und Migräne
Der Effekt der oligoantigenen Diät war nach 16 Wochen am stärksten ausgeprägt, wenn die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) zu- und diejenige an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) abnahm. Ein messbarer, aber geringerer Effekt trat auf, wenn nur der Verzehr an Omega-3-Fettsäuren stieg, derjenige an Omega-6-Fettsäuren aber konstant blieb. Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich um 2 bis 4 Tage; auch die Anzahl der Kopfschmerzstunden nahm ab. Einige konnten die Anzahl der eingenommenen Kopfschmerztabletten reduzieren.
In einer weiteren Studie verminderte die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren mit bzw. ohne reduzierte Zufuhr an Linolsäure die täglichen Kopfschmerzstunden (-1,7 h bzw. -1,3 h) sowie die Anzahl der monatlichen Schmerztage (-4 bzw. -2 Tage). Verantwortlich könnte die veränderte Bildung bioaktiver Mediatoren im Serum sein, die möglicherweise an der Entstehung von Kopfschmerzen und Migräne beteiligt sind. Zwischen der Zufuhr gesättigter Fettsäuren und der Migränefrequenz wurden hingegen keine signifikanten Zusammenhänge festgestellt.
Mikronährstoffe und Migräne
Menschen, die an Migräne leiden, nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Neben Vitamin B12 ist Folat ein wichtiger Kofaktor für Enzyme wie die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), die eine wesentliche Rolle im Homocystein-Stoffwechsel spielen. Spezifische Mutationen im MTHFR-Gen wurden mit einer erhöhten Prävalenz von Migräne assoziiert. Erhöhte Homocysteinspiegel infolge folatarmer Ernährung können zu Gefäßverengungen sowie zur Aktivierung der Blutgerinnung und damit einem erhöhten Thromboserisiko führen und bei Personen mit bestimmten Genotypen des MTHFR-Gens Kopfschmerzen hervorrufen. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann. Die beobachteten Effekte waren am stärksten ausgeprägt bei Personen mit bestimmten Mutationen im MTHFR-Gen.
In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Die Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung in den Mitochondrien und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, die das Krankheitsgeschehen der Migräne beeinflussen.
Nahrungsmittel als Migräne-Trigger
Etwa 12-60 % der Migränepatienten berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe und Getränke einen Migräneanfall auslösen können. Die spezifischen Mechanismen, mit denen diese Lebensmittel einen Angriff hervorrufen können, sind bisher jedoch unzureichend verstanden. Es ist zudem bekannt, dass durch den Konsum oder den plötzlichen Entzug bestimmter Substanzen wie beispielsweise Koffein oder Alkohol ebenfalls Kopfschmerzen ausgelöst werden können.
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Glutamat
Der in zahlreichen Fertigprodukten, Fertigsaucen und -dressings sowie Gewürzsalzen und Konserven zum Einsatz kommende Geschmacksverstärker Glutamat gilt als möglicher Auslöser für Kopfschmerzen und einer Reihe anderer Beschwerden. Die Daten zur Rolle von Glutamat als Kopfschmerztrigger zeigen unterschiedliche Ergebnisse. In älteren Studien gaben 5-13 % der Migränepatienten den Stoff als möglichen Trigger an. In Fallstudien aus den 1990er Jahren wurde eine Reduzierung der Kopfschmerzhäufigkeit durch eine restriktive Natriumglutamat-freie Diät gezeigt. In einer aktuelleren systematischen Überprüfung randomisierter placebokontrollierter Studien fanden sich nur wenige Hinweise, dass Mononatriumglutamat als zugefügter Nahrungsbestandteil Kopfschmerzen provoziert.
Alkohol
Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt. Die pathophysiologischen Zusammenhänge der Kopfschmerztriggerung durch Alkohol sind bisher unzureichend geklärt. Der Gehalt an Flavonoiden (z.B. Anthocyanine, Catechine) in Rot- und Weißweinen variiert stark. Rotweine enthalten bis zu 1200 mg/l, während Weißweine meist nicht mehr als 50 mg/l enthalten. Es wird angenommen, dass die Flavonoide im Rotwein möglicherweise die Thrombozyten-Phenolsulphotransferase P und in geringerem Maß die Thrombozyten-Phenolsulphotransferase M hemmen und direkten Einfluss auf die Blutgefäße haben. Zwar wird Ethanol (Äthylalkohol) im Zusammenhang mit der kopfschmerzauslösenden Wirkung bei Migräne in Verbindung gebracht, jedoch wurde dessen Bedeutung im Rahmen einer Studie mit 19 Migränepatienten relativiert.
Alkoholbedingter Kopfschmerz ist typischerweise beidseitig lokalisiert, pulsierend, löst sich innerhalb von 72 Stunden spontan und wird durch körperliche Aktivität verstärkt. Die Häufigkeit, mit der Migränepatienten Alkohol als möglichen Triggerfaktor angeben, schwankt erheblich und scheint sowohl von der individuellen Verträglichkeit, der Art des alkoholischen Getränkes sowie der Kopfschmerzform abhängig zu sein. In einer epidemiologischen Studie gaben etwa 28 % der Patienten mit Migräne ohne Aura vor allem Wein, Bier und Spirituosen als Kopfschmerztrigger an, während es bei den Patienten mit Migräne mit Aura nur 8 % waren. Eine Studie zeigte, dass bei mehr als 10 % der Migränepatienten durch den Konsum von Rotwein Kopfschmerzen ausgelöst wurden, nicht jedoch durch den Konsum von Weißwein.
Fettarme Diät
Die Wirksamkeit einer fettarmen Diät in der Behandlung einer Migräne wurde bisher jedoch nicht durch doppelblinde kontrollierte Studien überprüft. In einer Studie mit 54 Migränepatienten wurde gezeigt, dass sich die Häufigkeit, die Intensität sowie die Dauer der Attacken im Rahmen einer 12-wöchigen fettarmen Diät signifikant verbesserten. Im Rahmen der Studie wurde die tägliche Gesamtfettaufnahme um 58 Prozent auf durchschnittlich 27,8 g reduziert. Die Aufnahme mehrfach ungesättigter und gesättigter Fette sowie Ölsäure wurde jeweils um durchschnittlich 63 Prozent reduziert. Eine weitere Studie zeigte ähnliche Ergebnisse. Auch hier wurde unter der fettarmen Diät eine Reduktion der Anfallshäufigkeit und -intensität beobachtet. Die Gesamtfettaufnahme wurde im Interventionszeitraum von 35 % auf 23 % reduziert.
Hunger und Hypoglykämie
Im Rahmen einer klinischen Studie wurden 56 Schülerinnen und Schüler, die seit mindestens 6 Monaten an häufigen Kopfschmerzen litten, einem 19-stündigen Nahrungsentzug ausgesetzt. Die Beobachtungen bestätigten, dass Hunger bei Patienten mit Spannungskopfschmerz und bei Migränepatienten Kopfschmerzen auslösen kann. Eine in den 1970er Jahren publizierte Studie zeigte, dass Migränepatienten, die insbesondere infolge von Hunger Kopfschmerzen entwickelten, im Rahmen eines 5-stündigen Glukosetoleranztests eine Hypoglykämie aufwiesen.
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Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Durch Nahrungsmittel ausgelöste Unverträglichkeiten können auf einer allergischen Überempfindlichkeit (Immunoglobin E-vermittelte Nahrungsmittelallergie) oder einer nicht allergischen Überempfindlichkeit (z.B. Nahrungsmittelintoleranz) beruhen. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie ist eine spezifische IgE-Bestimmung und/ oder ein Haut-Pricktest sinnvoll, um die Sensibilisierung gegen ein Nahrungsmittel zu prüfen. In Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien und Migräne finden sich nur wenige Hinweise, dass Nahrungsmittel, die eine IgE-Produktion verursachen, eine Migräne auslösen. Vielmehr wird angenommen, dass triggernde Nahrungsbestandteile mitunter auch gefäßerweiternd wirken. Trotz der umstrittenen Aussagekraft der IgG-Antikörper-Bestimmung wurde in drei randomisierten kontrollierten Studien getestet, inwiefern sich die Eliminierung zuvor IgG-positiv getesteter Nahrungsmittel auf die Migränehäufigkeit auswirkt. Die Prävalenz von Zöliakie beträgt bei Migränepatienten oder Patienten mit anderen Kopfschmerzerkrankungen zwischen 2 und 4 %.
Weitere alimentäre Triggerfaktoren
Bei den alimentären Triggerfaktoren sind eine Reihe von Inhaltsstoffen zu nennen, die zwar nicht bei allen Migränepatienten Probleme verursachen, aber bei empfindlichen Patienten eine Migräneattacke begünstigen können - insbesondere dann, wenn weitere Störfaktoren vorliegen. Dazu gehören künstliche Süßstoffe, biogene Amine und fetthaltige Lebensmittel.
Künstliche Süßstoffe
Die Studienlage zu Aspartam und Migräne ist nicht eindeutig. Zudem stützen sich die bisherigen Ergebnisse auf Studien, die zum Teil mehr als 30 Jahre zurückliegen. Neue Studien fehlen. Anzumerken ist zudem, dass die in den meisten Studien verwendeten Dosierungen zum Teil relativ hoch sind. Eine Studie aus dem Jahr 1989 untersuchte die Auswirkungen von Aspartam, in dem Tagesdosen von 75 mg/ kg Körpergewicht verabreicht wurden. Anders als Aspartam gilt Sucralose nicht als Migräne-Trigger.
Nitrate und Nitrite
Nitrate und Nitrite kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck, Salami, Wurst oder Schinken sowie Fertigprodukten und geräuchertem Fisch zum Einsatz. Stickstoffmonoxid (NO) ist ein ubiquitäres Molekül. Es wird aus L-Arginin gebildet und zu Nitraten sowie Nitriten abgebaut. Die sogenannten NO-Donatoren (z.B. Es handelt sich dabei um einen vaskulär vermittelten Schmerz. Eine Reihe von Studien belegen die Bedeutung von NO in der Pathogenese primärer Kopfschmerzerkrankungen wie der Migräne. Zwar sind die NO-Donator-Kopfschmerzen durch Medikamente wie Nitroglycerin experimentell gut untersucht, die Bedeutung der über die Nahrung aufgenommenen Nitrate bzw. Nitrite wurden erstmals aufgrund eines Fallberichtes aus den 1970er Jahren als möglicher Migräneauslöser identifiziert. Es existieren jedoch wenige Berichte aus jüngerer Zeit, die zeigen, dass Nitrite Kopfschmerzen bzw. Migräne auslösen. Inzwischen ist bekannt, dass alimentäre Nitrite und Nitrate an der Regulation der Stickoxid-Hämostase beteiligt sind. Es wurde gezeigt, dass der Plasma-Nitrit-Spiegel von Patienten mit Migräne mit und ohne Aura in Remission im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich erhöht ist.
Koffein
Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden sowie Erfrischungsgetränke aufgenommen. Doch auch in der Behandlung von Migräneattacken kommen Koffein-haltige Medikamente zum Einsatz, da diese nachweislich die Wirkung verbessern. Höhere Dosierungen (>300-400 mg/ Tag) können vor allem bei Männern Angst und Panikstörungen hervorrufen. Genetische Polymorphismen der Adenosin-A2A-Rezeptoren können die Anfälligkeit für die Nebenwirkungen von Koffein wie Schlaflosigkeit oder Angst beeinflussen. Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann. Der sogenannte Koffein-Entzugs-Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 24 Stunden, wenn die über mindestens 2 Wochen andauernde regelmäßige Aufnahme von 200 mg Koffein am Tag unterbrochen wird. In der Regel löst sich der Kopfschmerz innerhalb von einer Stunde, wenn mindestens 100 mg Koffein aufgenommen werden oder klingt bei ausbleibender Koffeinzufuhr spontan innerhalb von sieben Tagen ab.
Zu der Beziehung zwischen Migräne und Koffeinkonsum existieren unterschiedliche Ergebnisse. Zwar haben die meisten Studien eine höhere Prävalenz von Kopfschmerzen, Migräne und chronischen Kopfschmerzen durch erhöhten Koffeinkonsum berichtet, andere Studien hingegen bestätigten diesen Zusammenhang nicht. Gemäß den Ergebnissen einer epidemiologischen Studie können koffeinhaltige Arzneimittel und Getränke das Risiko, einen chronischen Kopfschmerz zu entwickeln, mäßig erhöhen. Zwei Studien untersuchten zudem die Auswirkungen eines Koffeinentzugs auf Patienten mit Kopfschmerz-Erkrankungen.
Histamin und Migräne
Histamin ist ein natürlicher Stoff, der unter anderem als Signalüberträger (Neurotransmitter) im Gehirn und an Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Tyramin ist ein Neurotransmitter, der als Trigger für Migräne im Fokus steht. Histamin spielt neben anderen Neurotransmittern eine zentrale Rolle für die Schlaf-Wach-Regulation unseres Körpers. Histamin ist besonders während der Wachphasen aktiv und wird dort natürlicherweise vermehrt von einem Teil des Hypothalamus im Gehirn, dem Tuber cinereum, ausgeschüttet.
Ursachen von Migräneanfällen im Zusammenhang mit Histamin
- Histaminreiche Ernährung / DAO-Mangel: Histaminreiche bzw. histaminfreisetzende Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade, Käse, Bananen, Erdbeeren usw. können Migräneanfälle auslösen. Histamin stellt laut verschiedenen Studien einen ziemlich gesicherten Auslöser für Migräneanfällen dar. Ausgelöst werden die Anfälle durch einen H1-Rezeptor-Mechanismus, der wahrscheinlich extrazerebral (außerhalb des Gehirns) wirkt. Eine weitere Studie aus Spanien hat zudem gezeigt, dass durch eine strikte histaminarme Diät in Verbindung mit der Einnahme des Enzyms DAO vor einer Mahlzeit bei rund 80% der Studienteilnehmer die Migräne deutlich vermindert werden konnten. Der Studienleiter Dr. Juan Izquierdo stellte weiterhin fest, dass chronische Migräne Patienten, die zudem auch unter Magen-Darm-Beschwerden leiden, häufig einen DAO-Mangel aufweisen. Das Enzym DAO ist im Dünndarm für den Abbau von Histamin verantwortlich. Ein Mangel an DAO kann zu histaminbedingten Symptomen wie auch die Migräne führen.
- Weitere Faktoren: Neben Histamin spielen auch Serotoninmangel, Magnesiummangel, Q10-Mangel, Überschuss an Noradrenalin, hormonelle Störungen und starke Blutzuckerschwankungen eine Rolle bei der Entstehung von Migräne.
Histamin-Intoleranz und Migräne
Immer wieder berichten Patienten davon, dass bestimmte Lebensmittel als Auslöser ihrer Migräne infrage kommen. Vor allem Lebensmittel, die Alkohol, Koffein, Histamin und Tyramin enthalten, stehen im Verdacht, zu Migräne zu führen. Wissenschaftliche Studien sehen hingegen kaum einen Zusammenhang zwischen der Kopfschmerzerkrankung und bestimmten Nahrungsmitteln. Studien, die anzweifeln, dass bestimmte Lebensmittel Migräne auslösen können, stehen den Erfahrungen vieler Patienten gegenüber. Circa 20 Prozent der Migränekranken sind sich sicher, dass gewisse Speisen zu ihren persönlichen Triggern, also Auslösern, zählen. Dabei gilt es jedoch immer zu bedenken, dass der Körper dynamisch ist. So kann es sein, dass du an manchen Tagen das Glas Sekt gut verträgst und an anderen danach mit Kopfschmerzen zu kämpfen hast. Besser ist es, ein Migränetagebuch auszufüllen, in dem du über einige Wochen deine Ernährung und Migräneattacken festhälst. Achte dabei auch auf Getränke. Eventuell kannst du dann herausfinden, welche Lebensmittel du bei Migräne meiden solltest.
Einige Migränepatienten berichten, dass alle alkoholischen Getränke problematisch sind, während andere nur bestimmte wie Sekt oder Rotwein nennen. Generell greift Alkohol in einer Vielzahl biochemischer Prozesse ein, manche spüren schon nach wenigen Schlucken die Auswirkungen. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass Alkohol Migräne auslöst. Einige Experten vermuten, dass die harntreibende Wirkung des Alkohols zu einer Dehydrierung und damit zu Migräne führt. Viele Menschen trinken täglich Kaffee; manche zwei Tassen, andere bis zu fünf. Der Körper gewöhnt sich dadurch an die tägliche Dosis Koffein und gerät in eine Abhängigkeit. Aus diesem Grund ist es eher problematisch, wenn Kaffeetrinker plötzlich ihren Konsum reduzieren oder gar einstellen - etwa am Wochenende. Wer allerdings kaum Kaffee trinkt, kann von dem ungewohnten Koffein Kopfschmerzen bekommen.
Histamin ist ein natürlicher Stoff, der unter anderem als Signalüberträger (Neurotransmitter) im Gehirn und an Entzündungsreaktionen beteiligt ist. Auch hier beobachten viele einen Zusammenhang zwischen Genuss und Migräne. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass nicht die Schokolade Kopfschmerzen auslöst.
Was wissen wir über Histamin und Migräne?
Schon 1926 beschäftigten sich Forschende mit dem Thema, ob Histamin Kopfschmerzen auslösen könnte. Dabei beobachteten sie, dass das Auftreten der Kopfschmerzen von der Dosis des Histamins abhängig war und dass sich die Reaktionen stark zwischen den Versuchspersonen unterschieden. Auffällig war, dass Personen mit Migräne anfälliger für diesen sog. Histamin-induzierten Kopfschmerz waren.
Bis heute sind die genauen Zusammenhänge von Histamin und Migräne nicht abschließend geklärt. Als möglicher Mechanismus wird unter anderem diskutiert, dass Histamin die Blutgefäße im Gehirn weitet, was Entzündungsprozesse fördert und wiederum Migräneattacken auslösen kann. Es gibt auch neuste Studienergebnisse, die einen ähnlichen Zusammenhang zwischen Histamin und dem Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP) zeigen, dass ebenfalls an der Entstehung von Migräne beteiligt ist.
Des Weiteren wurde beobachtet, dass die Histamin-Konzentration im Blut während Migräneattacken erhöht ist und dass sich die Migräne Symptome bei Personen mit Histamin-Intoleranz verschlimmern können. Andere Studien zeigen aber auch, dass eine Einnahme von Antihistaminika keine Verbesserung der Migräne herbeiführt. Was genau das über den Zusammenhang von Migräne und Histamin aussagt, ist unklar. Insgesamt ist die Studienlage eher widersprüchlich bzw. die Zusammenhänge als uneindeutig zu bewerten, was auch an den komplexen Mechanismen von Migräne liegt. Festhalten kann man aber, dass Histamin an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt sein könnte, aber eher als Mediator und nicht unbedingt als Auslöser, gerade wenn es um das Nahrungsmittel-Histamin geht.
Histamin-reiche Lebensmittel
Wie weiter oben bereits besprochen wird Histamin nicht nur im menschlichen Körper gebildet. Es gibt auch Lebensmittel die relevante Histamin-Konzentrationen enthalten und zum Beispiel bei einer low-histamine Ernährung eher vermieden werden sollten. Dazu gehören z.B.:
- Käse
- Thunfisch
- Tomaten
- Hefe
- Schokolade
- Rotwein
- Sauerkraut
Viele Reifungs- und Gärungsprozesse (wie z.B. bei der Herstellung von Rotwein oder Sauerkraut) führen zu höheren Histamin-Konzentrationen. Daher gilt auch: je reifer oder „älter“ eines dieser Lebensmittel, desto höher ist der Histamingehalt - zum Beispiel beim Käse. Wenn du also möglichst wenig Histamin zu dir nehmen möchtest, solltest du möglichst frische bzw. „junge“ Lebensmittel verzehren.
Histaminarme Ernährung bei Migräne?
Die Zusammenhänge zwischen Histamin und Migräne sind bisher noch weitestgehend ungeklärt, und deshalb auch die Frage, ob eine low-histamine Ernährung wirklich Migräne vorbeugen kann. Es gibt aber bestimmte Ernährungsansätze, die sich als nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe bewiesen haben. Einer davon ist die niedrig-glykämische Ernährung, da sie starke Blutzuckerschwankungen vorbeugt, die wiederum Migräne auslösen können.
Weitere Trigger und Empfehlungen
Welche Faktoren Kopfschmerzen oder Migräne auslösen, ist bei Betroffenen sehr verschieden. Ein Ernährungs- und Schmerztagebuch hilft, die sogenannten "Trigger" zu identifizieren. Darin werden alle Genussmittel, Stressfaktoren und Schmerzereignisse über mindestens vier Wochen protokolliert (Uhrzeit, Essen, Getränk, Besonderheiten, Beschwerden). Lebensmittel, die akuten Kopfschmerz lindern, gibt es nicht. Die Chance für Betroffene liegt in der Vorbeugung, bei der die Ernährung eine wichtige Rolle spielen kann. Nicht nur was man isst, wirkt sich aus, sondern auch wie man isst. In Ruhe essen, drei Mahlzeiten pro Tag (Regelmäßigkeit beachten), davon eine warm. Ausreichend und regelmäßig trinken: mindestens 1,5 Liter pro Tag. Wer unter Migräne leidet, sollte Fertigprodukte meiden und vorsichtig sein mit Histaminen. Wichtig: regelmäßig trinken und in Ruhe essen.
Generell gilt, dass eine Umstellung der Ernährung nur dann sinnvoll ist, wenn bestimmte Nahrungsmittel eindeutig als Auslöser identifiziert wurden. Es ist zu beachten, dass nicht alle Trigger bei jedem Betroffenen zutreffen. Stark tyramin- und histaminhaltigen Lebensmittel wird nachgesagt, dass sie Migräneattacken auslösen können. Demnach sollten Sie - wenn diese Lebensmittel bei Ihnen zu den auslösenden Faktoren zählen -vor allem lang gelagerte oder gereifte Speisen, wie beispielsweise Käse, Salami und Schinken oder Sauerkraut, vermeiden. Gleiches gilt für Getränke wie Sekt, Wein oder Bier. Auch Koffein, bestimmte Eiweißstoffe in Milchprodukten, Konservierungsstoffe in Fertiggerichten oder der Geschmacksverstärker Glutamat konnten in Zusammenhang mit Migräneattacken gebracht werden.
Nicht nur bestimmte Lebensmittel spielen eine Rolle. Bei Migräne sollte auch auf die Zubereitung, die Menge sowie die Tageszeit der Aufnahme und die sonstige körperliche Verfassung geachtet werden. Nur, weil man Käse verträgt, heißt das noch nicht, dass die individuelle Schwelle für Migräne in Verbindung mit einem weiteren Nahrungsmittel ebenso unter der Toleranzgrenze bleibt. Hingegen werden Magnesium und Omega-3-Fettsäuren nachgesagt, dass sie sich positiv auf Migräne auswirken können. Während Magnesium an allen energieerzeugenden Enzymreaktionen im Körper beteiligt ist, hemmen Omega-3-Fettsäuren unter anderem Entzündungsreaktionen. Aufgrund dessen gehen Wissenschaftler davon aus, dass diese vermutlich auch an Migräne beteiligt sein könnten. Geeignete Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren ist Fisch sowie Lein-, Walnuss- und Rapsöl. Eine große Menge an Magnesium enthalten Nüsse, Hülsenfrüchte oder Getreidekeime. Eine vollwertige und ausgewogene Ernährungs- sowie Lebensweise wirken sich positiv auf den gesamten Organismus aus und sind ebenso bei Migräne empfehlenswert.
Clusterkopfschmerz und Histamin
Eine besondere Auffälligkeit des Clusterkopfschmerzes ist, dass während der aktiven Clusterperiode vasodilatierende Substanzen wie Alkohol, Histamin und Nitroglyzerin mit großer Zuverlässigkeit Clusterattacken provozieren können. Interessanterweise sind diese Agenzien während der Remissionsperiode hinsichtlich der Provokation von Clusterattacken völlig inaktiv. Der zuverlässigste Effekt lässt sich durch Histamin erzielen. Die Mastzellen sind der Hauptspeicher von Histamin. Histamin kann während einer Clusterkopfschmerzattacke in erhöhter Konzentration gefunden werden.