Puzzeln wird oft als eine unterhaltsame und effektive Methode zur Vorbeugung von Demenz angepriesen. Diese Empfehlung ist nicht grundsätzlich falsch, aber es ist wichtig zu verstehen, dass andere Aktivitäten oft wirksamer sind und dass ein umfassender Ansatz zur Demenzprävention verschiedene Lebensbereiche einbeziehen sollte.
Die positiven Effekte des Puzzelns auf das Gehirn
Regelmäßiges Puzzeln kann langfristig verschiedene geistige Fähigkeiten positiv beeinflussen. Dazu gehören:
- Wahrnehmung: Das Erkennen von Formen, Farben und Mustern wird geschärft.
- Geschwindigkeit: Das schnelle Erfassen von Zusammenhängen wird gefördert.
- Flexibilität: Das Gehirn lernt, sich auf neue Situationen und Herausforderungen einzustellen.
- Arbeitsgedächtnis: Das kurzzeitige Speichern und Verarbeiten von Informationen wird trainiert.
- Logisches Denken: Das Finden von Lösungen und das Erkennen von Mustern wird gefördert.
- Episodisches Gedächtnis: Das Erinnern an vergangene Ereignisse und Erfahrungen kann angeregt werden.
Puzzeln spricht beide Gehirnhälften an, die linke Hälfte ist verantwortlich für das logische und analytische Denken, während die rechte Hemisphäre für die Kreativität zuständig ist. Die simultane Aktivierung beider Gehirnhälften verstärkt die Verbindung zwischen Gehirnzellen, wodurch sich deren Effizienz und Kapazität erhöht.
Geistige Stimulation als Schlüssel zur Demenzprävention
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht nur Puzzeln das Gehirn bis ins hohe Alter fit hält, sondern ganz allgemein die geistige Stimulation. Eine australische Studie mit über 10.000 Teilnehmern (Durchschnittsalter 73,8 Jahre) ergab, dass aktive geistige Aktivitäten wie Kartenspiele, Schachspielen, Kreuzworträtsel oder Puzzles mit einem um neun Prozent niedrigeren Demenzrisiko verbunden waren.
Noch effektiver waren allerdings "intellektuelle" Aktivitäten wie Sprachkurse, andere Fortbildungen, aber auch das Briefschreiben oder das Führen eines Tagebuchs, die zu einer Risikoreduktion von elf Prozent führten. Auch kreative künstlerische Aktivitäten wie Handwerk, Holz- oder Metallarbeiten sowie Malen oder Zeichnen und passive geistige Aktivitäten wie Lesen von Büchern, Zeitungen oder Zeitschriften, Musik- oder Radiohören waren in geringerem Maße mit einem niedrigeren Demenzrisiko verbunden.
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Körperliche Aktivität und soziale Kontakte als wichtige Säulen der Demenz-Vorsorge
Neben geistigem Training ist körperliche Bewegung eine aktive Demenz-Vorsorge. Besonders ideal ist es, wenn beides zusammenkommt, wie zum Beispiel beim Tanzen, wenn neue Schrittfolgen und Figuren erlernt werden müssen. Insgesamt können körperliche Aktivitäten das Risiko für Demenzen jeglicher Ursache um 17 Prozent senken.
Die mögliche Risiko-Reduktion durch soziale Kontakte liegt nach einer chinesischen Studie von 2022 bei 7 Prozent. Die fehlende Stimulation durch Gespräche am Arbeitsplatz kann nicht dauerhaft durch ein “einsames Puzzlespiel” ersetzt werden.
Puzzeln als wertvolle Aktivität für Senioren mit Demenz
Puzzeln bietet Senioren, insbesondere Menschen mit Demenz oder Alzheimer, eine wertvolle Möglichkeit, kognitive Fähigkeiten zu fördern. Beim Puzzeln werden Stück für Stück Erinnerungen an die Vergangenheit wieder lebendig. Ein Puzzle mit einem Bild von einem sonnigen Strand kann beispielsweise Erinnerungen an frühere Urlaube wecken, während ein Blumenmotiv an vergangene Gartentage erinnert.
Puzzeln erfordert Konzentration, Gedächtnis und Problemlösungsfähigkeit - Fähigkeiten, die bei Senioren, insbesondere bei denen mit Demenz oder Alzheimer, nachlassen können. Das Zusammensetzen der Puzzleteile hilft, diese kognitiven Funktionen auf eine unterhaltsame und nicht-bedrohliche Weise zu üben.
Spezielle Puzzles für Senioren mit Demenz
Spezielle Puzzles für Senioren mit Demenz sind so gestaltet, dass sie das Puzzeln einfacher und angenehmer machen. Diese Puzzles haben große Teile, die leicht zu handhaben sind, sodass Senioren ohne Frustration puzzeln können. Die Bilder auf diesen Puzzles wurden sorgfältig ausgewählt, um nostalgische Erinnerungen zu wecken. Sie zeigen vertraute Szenen aus dem früheren Alltag, wie Landschaften oder Ereignisse, die den Senioren noch gut in Erinnerung sind.
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Für Senioren, sowohl mit leichter als auch fortgeschrittener Demenz, bieten diese Puzzles eine Quelle der mentalen Stimulation und des Vergnügens. Das Lösen der Puzzles verbessert nicht nur die kognitiven Fähigkeiten und das Gedächtnis, sondern sorgt auch für einen entspannenden Moment. Die Puzzles sind mit einer geringen Anzahl großer Puzzleteile ausgestattet, die leicht zu greifen sind. So können Senioren die Teile problemlos aufnehmen, halten und platzieren, ohne sich von zu vielen Details oder der Komplexität überfordert zu fühlen.
Das Faszinierende ist, dass Senioren mit leichter oder fortgeschrittener Demenz überraschend viel Freude daran haben, diese einfachen Puzzles zu lösen. Der Prozess des Zusammensetzens der Teile regt ihre kognitiven Fähigkeiten und das Gedächtnis an, während er gleichzeitig Ruhe und Entspannung bietet.
Puzzeln im Wandel der Zeit: Von der Wissensvermittlung zum Massenphänomen
Der englische Kartenhändler und Kupferstecher John Spilsbury gilt als Erfinder des Puzzles. Er wollte Wissen vermitteln, als er 1766 zur Stichsäge griff und eine auf Holz geklebte Englandkarte entlang der Grafschaftsgrenzen in ihre Einzelteile zerlegte und Schüler bat, sie wieder zusammenzusetzen. Anders als heute lagen die Teile damals aber noch lose aneinander, was das Verrutschen des Motivs eher zur Regel als zur Ausnahme machte.
Gut 100 Jahre später wurde das sogenannte „Interlock-Puzzle“ erfunden, bei dem die einzelnen Teile miteinander verschränkt sind. Die Hersteller nahmen nun auch Erwachsene als Kundschaft ins Visier und brachten zerlegte Bilder von Landschaften, Gebäuden und bekannten Persönlichkeiten auf den Markt. Die Zahl der Spieler blieb dennoch überschaubar, da Puzzeln damals ein teures Vergnügen war, das sich lange nur sehr wohlhabende Familien leisten konnten, weil alles in Handarbeit entstand.
In Deutschland ist das Spiel fest mit dem Namen Otto Maier Verlag verbunden, aus dem später die Firma Ravensburger wurde. Schon 1884 stellte er „Legespiele mit Lerneffekt“ her, seit den 1960ern gab es auch hier Interlock-Puzzles. Bis in die späten 70er gab es deshalb so gut wie keinen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenktisch, auf dem nicht irgendwann einmal ein Puzzle stand. Es verschwand nicht ganz, geriet aber in deutschen Haushalten in Vergessenheit. Dann kam Corona. Und seitdem läuft es wieder, wird auch viel neu gekauft.
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Tipps und Tricks für Puzzle-Anfänger und Fortgeschrittene
Für Puzzle-Anfänger empfiehlt es sich, mit einer leichten Variante zu beginnen, die nur aus 500 Teilen besteht. Sortieren Sie zuerst die Randstücke aus, um den Rahmen zu bauen. Anschließend sortieren Sie die Teile nach Farben und Formen. Wenn Sie schon ein fortgeschrittener Puzzleexperte sind, können Sie sich an ein 1.000-teiliges Puzzle wagen. Da sich hier viele Stücke ähneln, ist die Herausforderung deutlich größer. Wenn auch diese Hürde ein Klacks für Sie ist, können Sie sich an einem Puzzle zwischen 2.000 und 5.000 Teilen versuchen.
Die Vielfalt der Puzzle-Welt: Von Avengers bis Weltkarten
Für alle Marvelfans gibt es das passende Puzzle mit 1.000 Teilen - darauf abgebildet sind die Avengers. Für die Disney-Fans gibt es auch ein echtes Schmankerl: ein dreidimensionales Puzzle, dessen Fertigstellung räumliches Denkvermögen abverlangt. Die Historiker unter Ihnen haben sicherlich an einem Puzzle ihren Spaß, aus insgesamt 5000 Teilen entsteht eine 153 mal 101 Zentimeter große Weltkarte. Für die Modellbauer gibt es einen Holzpuzzle-Bausatz, der mit einem Laser zugeschnitten wurde. Die Künstler können sich der Herausforderung stellen: Dem Meisterwerk "Der Kuss" von Gustav Klimt.