Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem ein Großteil der Bevölkerung mindestens einmal im Leben betroffen ist. Es gibt jedoch viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen, von denen einige spezifische Ursachen, Symptome und Behandlungen erfordern. Dieser Artikel konzentriert sich auf drei unterschiedliche Arten von Kopfschmerzen: Clusterkopfschmerz und Trigeminusneuralgie, und beleuchtet ihre Unterschiede, Symptome und Behandlungsansätze.
Einführung in Kopfschmerzarten
Schon aus der Werbung wissen wir, dass es weit über 200 verschiedene Kopfschmerzarten gibt. Und sie unterscheiden sich zum Teil erheblich in der Art und Dauer der Beschwerden. Umso wichtiger für den späteren Therapieerfolg kann es daher sein, dass sich der Patient bewusstmacht, wie sich der Kopfschmerz entwickelt, wie er sich anfühlt, wo und mit welchen Begleiterscheinungen er auftritt.
Die internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet insgesamt 367 Formen von Kopfschmerzen, welche in die folgenden drei Hauptkategorien klassifiziert werden: primäre Kopfschmerzen, sekundäre Kopfschmerzen und kraniale Neuralgien.
Clusterkopfschmerz
Clusterkopfschmerz ist die häufigste Erkrankung aus der Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzen (TAK) und eine primäre Kopfschmerzerkrankung. Die 1-Jahres-Prävalenz liegt bei 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung. An Clusterkopfschmerz erkranken mehr Männer als Frauen (Verhältnis 3:1). Im Mittel beginnt Clusterkopfschmerz zwischen dem 28. und 30. Lebensjahr. Die Erkrankung kann sich aber in jedem Alter manifestieren, auch bei deutlich älteren Personen. Bei Kindern und Jugendlichen ist Clusterkopfschmerz hingegen extrem selten.
Symptome des Clusterkopfschmerzes
Clusterkopfschmerz tritt in Attacken - sogenannten Clustern - und streng einseitig auf. Zwischen den Attacken sind lange symptomfreie Pausen möglich. Die Kopfschmerzattacken treten oft zur gleichen Tageszeit auf. Zudem ist eine gehäufte Frequenz von Clusterepisoden im Frühjahr und Herbst sowie eine allgemein gestörte zirkadiane Ausschüttung vieler Hormone zu beobachten.
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Clusterkopfschmerzen sind extrem heftig und betreffen meist Auge, Schläfe und Stirn. Die Schmerzen werden meist als bohrend, stechend, ziehend oder brennend wahrgenommen. Neben der Trigeminusneuralgie zählen Clusterkopfschmerzen zu den stärksten, für den Menschen vorstellbaren Schmerzen. Frauen beschreiben die Intensität oft unerträglicher als Geburtswehen. Die quälenden unilateralen periorbitalen und/oder temporalen Schmerzen werden häufig von autonomen ipsilateralen Symptomen wie Rhinorrhoe, Lakrimation, Ptosis, Miosis und nasaler Kongestion begleitet.
Die Kopfschmerzattacken treten bis zu acht Mal täglich auf. Klassischerweise ist eine nächtliche Zunahme zu beobachten. Am häufigsten werden die Patienten zwei Stunden nach dem Einschlafen oder in der REM-Phase aus dem Schlaf gerissen. Ebenfalls oft kommen Kopfschmerzanfälle in den frühen Morgenstunden und um die Mittagszeit vor. Die Kopfschmerzen dauern zwischen 15 und 180 Minuten an. Typischerweise berichten die Patienten von einer ausgeprägten Bewegungsunruhe (pacing around) und/oder Agitiertheit während der Attacken. Obligat sind autonome Begleitsymptome wie Miosis und/oder Ptosis (inkomplettes Horner-Syndrom), Lakrimation, konjunktivale Rötung, Rhinorrhoe und nasale Kongestion gleichzeitig und ipsilateral zum Schmerz. Weiterhin sind pathologisches Schwitzen und/oder eine Rötung im Bereich der Stirn oder des Gesichtes sowie ein Völlegefühl im Ohr möglich. Etwa die Hälfte aller Patienten leiden neben der eigentlichen Kopfschmerzattacke an einseitig betonten und stetigen Begleitkopfschmerzen.
Ursachen und Triggerfaktoren
Bislang gibt es keinen Hinweis auf Vererbungsfaktoren. Die Ursachen von Clusterkopfschmerz sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Eine früher vermutete ursächliche Inflammation oder Vasodilatation ist heute für viele Wissenschaftler nicht mehr haltbar. Nach aktueller medizinischer Sicht scheinen die Ereignisse eher als Folge der Kopfschmerzen aufzutreten als deren Ursache zu sein. Ebenfalls veraltet ist die Annahme, dass Clusterkopfschmerz in retroorbitalen Strukturen entsteht. Darüber hinaus kann auch die Vermutung, dass eine verminderte Belüftung der Ethmoidalzellen die Ursache von Clusterkopfschmerz ist, nicht bestätigt werden.
Als wichtigster Auslöser für Clusterkopfschmerz gilt aber Alkohol. Dabei scheint es jedoch auf das Ausmaß anzukommen. Paradoxerweise lösen kleinere Mengen Alkohol Kopfschmerzen aus, während größere Mengen Anfälle verhindern können. Es gibt sogar Berichte, dass starker Alkoholkonsum Remissionsphasen verlängert hat.
Diagnose des Clusterkopfschmerzes
Die Diagnose erfolgt klinisch anhand der Internationalen Kopfschmerzklassifikation. Die Diagnose des Clusterkopfschmerzes wird mithilfe einer genauen Anamnese und einer klinisch-neurologischen Untersuchung gestellt. Die Diagnosekriterien basieren dabei auf der aktuellen International Classification of Headache Disorders (ICHD-3).
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Nach einer Erhebung der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfegruppe (CSG) wird die Diagnose Clusterkopfschmerz nach etwa acht Jahren gestellt. Die Diagnosefindung wird erschwert, da elektrophysiologische, laborchemische und Liquoruntersuchungen nicht bei der Diagnosestellung helfen. Dennoch sollten bei der Erstdiagnose oder bei begleitenden neurologischen Ausfallerscheinungen ein kranielles Computertomogramm der Schädelbasis (Knochenfenster) und ein zerebrales Kernspintomogramm mit Darstellung des kraniozervikalen Übergangs obligat erfolgen. Das gilt insbesondere bei älteren Personen, da gerade im höheren Lebensalter symptomatische Ursachen nicht selten sind.
Die aktuelle Leitlinie setzt bei der Erhebung des neurologischen Status insbesondere auf die lokale Region und den Bereich des ophthalmischen Astes des N. trigeminus. In seltenen Fällen kann eine Neurographie erforderlich sein (Trigeminus-SEP und/oder Blinkreflex). Bei pathologischem Befund wird eine weitere Diagnostik empfohlen. Je nach Beschwerdebild sollte ein Glaukom ausgeschlossen werden.
Verlauf des Clusterkopfschmerzes
Die überwiegende Mehrheit (80 Prozent) der Patienten mit Clusterkopfschmerz leidet an der episodischen Form (ECH). Dabei wechseln sich die symptomatischen Episoden, die wenige Wochen bis Monate dauern, mit symptomfreien Zeitspannen von Monaten bis Jahren ab. Bis zu 80 Prozent der Patienten leiden nach 15 Jahren noch immer an Clusterepisoden. Unter Umständen remittieren die Symptome jedoch mit den Jahren.
Hält die Clusterperiode ohne spontane Remission mehr als ein Jahr an oder sind die Remissionsphasen kürzer als drei Monate, spricht man vom chronischen Clusterkopfschmerz (CCH). In der zurzeit geltenden S1-Leitlinie wird noch ein Monat zugrunde gelegt. Diese Zeitspanne hat sich jedoch mit der 3. Auflage der Internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-III) der International Headache Society (IHS) im Januar 2018 auf drei Monate verlängert. Bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen geht eine primär-episodische Verlaufsform in eine chronische Erkrankung über.
Behandlung des Clusterkopfschmerzes
Clusterkopfschmerz ist nicht heilbar. Es ist jedoch möglich, die Intensität der Schmerzanfälle und die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken zu reduzieren. Herkömmliche Schmerzmittel wie NSAR oder auch Opioidanalgetika sind dabei allerdings wirkungslos. Ebenso zeigen Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, physiotherapeutische Verfahren oder komplementärmedizinische Maßnahmen keinen nennenswerten Therapieerfolg. Grundsätzlich wird bei der Behandlung zwischen der Akutbehandlung und der Prophylaxe unterschieden.
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Akutbehandlung
Leitliniengemäß sind die parenteral wirkenden 5-HT1B/D-Agonisten Sumatriptan (6 mg s. c. oder 20 mg nasal) und Zolmitriptan (5-10 mg nasal) die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei einer akuten Clusterkopfschmerzattacke. Die orale Applikation eines Triptans ist hingegen nur bei wenigen Patienten sinnvoll. Parenteral verabreichtes Sumatriptan ist das Mittel der Wahl, da die Wirkung bei einer oralen Applikation des Wirkstoffs wegen der kurzen Attackendauer von 15-180 Minuten zu spät einsetzen würde. Möglicherweise sind auch niedrigere Dosierungen als 6 mg Sumatriptan s. c. wirksam. Bei etwa 78 Prozent der Clusterpatienten wirkt die Inhalation von 100 Prozent Sauerstoff (12 l/min über 15-20 min) über eine Gesichtsmaske mit Rückatembeutel (Non-Rebreather Maske). Die Kosten für die Behandlung von Clusterkopfschmerzattacken mit Sauerstoff in Druckgasflaschen werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Kortikoide (z. B. Prednison mindestens 1 mg/kg Körpergewicht) sind gut wirksam und gelten als Mittel der ersten Wahl. Sie sollten jedoch in der Regel nur kurzfristig (< 4 Wochen) eingesetzt werden. Mittel der zweiten Wahl ist die intranasale Applikation von Lidocain 4-10 Prozent in das ipsilaterale Nasenloch. Die topische Anwendung von Lokalanästhetika wie auch die von Sauerstoff hilft nur einem Teil der Patienten und auch nicht immer.
Prophylaxe
Mittel der 1. Wahl zur Prophylaxe sind Verapamil bis maximal 960 mg unter EKG-Kontrolle und Kortikoide 100 mg, evtl. höher dosiert. Mittel der 2. Wahl sind Lithium nach Spiegel und Topiramat 100-200 mg. Andere therapeutische Optionen und Einzelfallbeschreibungen sind Valproinsäure, Dihydroergotamin i.v. über Perfuso 2 mg, Ergotamin (oral, Supp.) zur Nacht und langwirkende Triptane bei Patienten mit ausschließlich nächtlichen Attacken, Capsaicin-Salbe (0,5%) topisch in das ipsilaterale Nasenloch, Nervenstimulation des Ganglion sphenopallatinum und Nervenstimulation N. occipitalis major.
Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des höheren und hohen Lebensalters. Die Trigeminusneuralgie zeigt sich durch wiederkehrende und sehr heftige Schmerzattacken von bis zu zwei Minuten Dauer im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus, meist im Ober- oder Unterkiefer. Zwar ist die Trigeminusneuralgie nicht sehr häufig; die Lebenszeitprävalenz liegt bei 0,16 bis 0,7 Prozent. Allerdings können die Attacken die Betroffenen stark belasten. Dabei sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer (60 Prozent versus 40 Prozent). Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 53 - 57 Jahren. Aufgrund der demografischen Entwicklung Deutschlands ist von einer Zunahme an Patientinnen und Patienten auszugehen.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie zeichnet sich durch kurze, Sekunden anhaltende einschießende extrem heftige Schmerzparoxysmen aus, die spontan oder reizgetriggert durch Sprechen, Zähneputzen, Kauen, Schlucken auftreten. Am häufigsten sind der 2. und 3. Ast, häufig in Kombination, betroffen.
Bei einer Trigeminusneuralgie treten plötzlich heftige Gesichtsschmerzen auf. Sie halten meist nur wenige Sekunden an, kehren oftmals aber immer wieder. Die Beschwerden gehen vom größten Gesichtsnerv, dem Trigeminusnerv, aus, der bei Schädigung Schmerzsignale an das Gehirn sendet.
Die Schmerzen entstehen dadurch, dass benachbarte Blutgefäße auf den Nerv drücken (neurovaskuläre Kompression) und so die Umhüllung des Nervs (Myelinscheide) schädigen. Ein solch krankhafter Kontakt zwischen Gefäß und Nerv ist wahrscheinlicher, wenn die Wände der Schlagadern (Arterien) verdickt und starr sind. Das ist bei einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) der Fall. Diese erhöht deshalb das Risiko einer Trigeminusneuralgie. Zudem besteht meist nicht nur ein Kontakt zwischen Gefäß und Nerv: Die betreffende Arterie verdrängt bei einer klassischen Trigeminusneuralgie außerdem den Nerv, was diesen zusätzlich reizt und eine Gesichtsnerventzündung sowie Funktionsstörungen hervorruft.
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Je nach der Ursache teilt die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) gemäß der internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) die Trigeminusneuralgie in drei Formen ein:
- Klassische Trigeminusneuralgie: Bei einer klassischen Trigeminusneuralgie entstehen die Schmerzen dadurch, dass benachbarte Blutgefäße auf den Nerv drücken (neurovaskuläre Kompression) und so die Umhüllung des Nervs (Myelinscheide) schädigen.
- Sekundäre Trigeminusneuralgie: Eine sekundäre Trigeminusneuralgie liegt vor, wenn sich anhand radiologischer Bildgebung oder durch eine Operation eine andere Erkrankung als eindeutige Ursache für die Schmerzattacken nachweisen lässt. Zu diesen möglichen Ursachen zählen Krankheiten, bei denen die Schutzhüllen der Nervenfasern (Myelinscheiden) im Nervensystem zerstört werden ("Entmarkungskrankheiten"), z. B. Multiple Sklerose (MS), Gehirntumoren, vor allem sogenannte Akustikusneurinome, Schlaganfall (Apoplex) und Gefäßmissbildungen (Angiom, Aneurysma) im Bereich des Hirnstammes.
- Idiopathische Trigeminusneuralgie: Bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie, die deutlich seltener auftritt, lässt sich keine andere Erkrankung oder Gewebeveränderung an beteiligten Gefäßen und Nerven als Ursache für die Beschwerden feststellen (idiopathisch = ohne bekannte Ursache).
Emotionale beziehungsweise psychische Faktoren wie Stress oder Aufregung reizen die Nerven und gelten ebenfalls als Auslöser für eine Trigeminusneuralgie. Psychische Ursachen sind jedoch oft nicht eindeutig festzumachen.
Diagnose der Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist anhand ihrer charakteristischen Symptomatik leicht zu diagnostizieren, eine radiologische Untersuchung sollte dennoch zusätzlich erfolgen. Diagnostiziert wird die Trigeminusneuralgie primär klinisch. Eine MRT (Magnetresonanztomographie) ist erforderlich, dabei bleibt das 3-Tesla-MRT weiterhin Goldstandard. Der erste Schritt bei Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie ist die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Im Anschluss führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Weitere Untersuchungen klären dann, ob eine auslösende Erkrankung der Trigeminusneuralgie zugrunde liegt oder nicht. Je nach Beschwerdebild führt der Arzt eine oder mehrere der folgenden Untersuchungen durch: Magnetresonanztomografie (MRT), Entnahme und Analyse des Nervenwassers, Computertomografie (CT), Angiografie oder Kernspin-Angiografie (MRA) und Elektrophysiologische Untersuchungen.
Behandlung der Trigeminusneuralgie
Sie erfordert spezifische Therapiemaßnahmen, da normale periphere und zentrale Analgetika bei diesen Schmerzen nicht wirken. Die Trigeminusneuralgie wird zunächst medikamentös behandelt, Carbamazepin ist weiterhin das Mittel der Wahl. Oxcarbazepin besitzt eine vergleichbare Wirkung wie Carbamazepin, ist jedoch in Deutschland nicht zugelassen für die Therapie der Trigeminusneuralgie und kann nur off-label eingesetzt werden. Eine Einschränkung in der Behandlung besteht darin, dass die Krankenkassen in der Regel diese Off-label-Präparate nicht erstatten, obwohl sie indiziert wären. Ein zugelassenes Medikament ist Phenytoin, das bei einer Zunahme der Schmerzen eingesetzt wird. Als dauerhafte Medikation wird es in Kombinationstherapien eingesetzt, diese können sinnvoll sein, da dadurch die Einzeldosen reduziert werden können und synergistische Effekte möglich sind. Berücksichtigt werden müssen insbesondere beim Einsatz von Carbamazepin und Phenytoin zahlreiche pharmakologische Interaktionen und auch die umfangreichen Nebenwirkungen. Bei unzureichender Wirkung der medikamentösen Prophylaxe oder bei intolerablen Nebenwirkungen sollten operative oder ablative Therapieverfahren erwogen werden.
Carbamazepin und Oxcarbazepin sind die Mittel der 1. Wahl bei einer Trigeminusneuralgie. Sie sind allerdings gerade bei älteren Patienten oft schlecht verträglich. In ihrer Wirkung sind sie in aller Regel den Alternativen der 2. Wahl wie Pregabalin oder Gabapentin deutlich überlegen. Weitere wichtige Medikamente der 2. Wahl sind Lamotrigin, OnabotulinumtoxinA und Baclofen, Lidocain intranasal/intraoral und Topiramat (alle off-label). Durch langsames Eindosieren können Nebenwirkungen minimiert werden. Bei akuter Exazerbation ist zusätzlich zur prophylaktischen Therapie mit bspw. Carbamazepin eine Therapie mit Phenytoin (zugelassen für diese Indikation) notwendig. aber auch Lidocain intranasal/intraoral, Sumatriptan s.c. oder intranasal oder Pimozid (2. Wahl).
Unterschiede zwischen Clusterkopfschmerz und Trigeminusneuralgie
Obwohl sowohl Clusterkopfschmerz als auch Trigeminusneuralgie durch starke Schmerzen gekennzeichnet sind, gibt es deutliche Unterschiede:
- Schmerzcharakter: Clusterkopfschmerzen werden oft als bohrend, stechend oder brennend beschrieben, während die Schmerzen der Trigeminusneuralgie eher einschießend und blitzartig sind.
- Schmerzlokalisation: Clusterkopfschmerzen treten typischerweise um ein Auge herum auf, während die Trigeminusneuralgie den Gesichtsbereich entlang des Trigeminusnervs betrifft.
- Begleitsymptome: Clusterkopfschmerzen gehen häufig mit autonomen Symptomen wie tränenden Augen, verstopfter Nase oder hängendem Augenlid einher, die bei der Trigeminusneuralgie fehlen.
- Dauer der Attacken: Clusterkopfschmerzattacken dauern in der Regel 15 bis 180 Minuten, während die Schmerzattacken der Trigeminusneuralgie nur wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten andauern.
- Bewegungsdrang: Patienten mit Clusterkopfschmerzen verspüren oft einen starken Bewegungsdrang während der Attacke, während Patienten mit Trigeminusneuralgie eher ruhig verharren.
Andere Kopfschmerzarten
Nach der internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS, International Headache Society) können mehr als 200 verschiedene Kopf- und Gesichtsschmerzformen unterschieden werden. Die einzelnen Kopfschmerzformen unterscheiden sich teilweise nur in Nuancen und sind deswegen nur in wissenschaftlicher Hinsicht interessant, weil sich dadurch meistens keine Änderungen für die Diagnostik und die Therapie ergeben. Die Kopfschmerz- und Gesichtsschmerzformen können in folgende (Haupt)Gruppen unterteilt werden:
- Migräne
- Spannungskopfschmerz
- Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch
Auch sind Mischkopfschmerzen dieser vier Gruppen sehr häufig, weshalb es heutzutage wissenschaftlicher Standard ist, Kopfschmerzen nicht mehr nach Art der Diagnose, sondern nach Art und Schwere der Symptome zu behandeln. Des Weiteren sind Begleiterkrankungen und Lebensumstände der einzelnen Patienten bei der Therapie zu berücksichtigen.
Kopfschmerzerkrankungen im Allgemeinen
Kopfschmerzerkrankungen sind ein allgegenwärtiges Leiden, das viele Menschen weltweit betrifft. Wusstest du, dass fast die Hälfte der Weltbevölkerung regelmäßig von Kopfschmerzen geplagt wird? Eine umfassende Studie zeigt, dass etwa 47 % der Menschen weltweit aktuell unter irgendeiner Form von Kopfschmerzen leiden. Auch die Techniker Krankenkasse befragte ihre Versicherten, wie häufig sie unter Kopfschmerzen leiden. Dabei gaben 20 % an, ein- bis dreimal im Monat darunter zu leiden und insgesamt 12 % mindestens einmal pro Woche.
Ursachen von Kopfschmerzen
Kopfschmerzen sind mehr als nur ein lästiges Übel; sie können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, die tief in die physiologischen Prozesse deines Körpers eingreifen.
- Stress: Stress aktiviert das zentrale Nervensystem und führt zur Freisetzung von Stresshormonen wie Cortisol. Diese Hormone können die Blutgefäße verengen und Entzündungen fördern, was durchaus zu Spannungskopfschmerzen führen kann.
- Schlafmangel: Schlafmangel verändert den Serotoninspiegel im Gehirn, ein Neurotransmitter, der oft mit Kopfschmerzanfällen in Verbindung gebracht wird.
- Flüssigkeitsmangel: Flüssigkeitsmangel kann die Verengung der Blutgefäße sowie darauf aufbauend eine verringerte Sauerstoffzufuhr zum Gehirn fördern, was wiederum Kopfschmerzen auslösen kann.
- Wetterveränderungen: Wetterveränderungen, besonders Luftdruckschwankungen, können empfindliche Nervenenden im Gehirn reizen und Migräne auslösen.
- Muskelverspannungen: Muskelverspannungen resultieren oft aus Überlastung oder schlechter Haltung, was zu einer verminderten Durchblutung und Sauerstoffversorgung im Kopf- und Nackenbereich führt.
Behandlung von Kopfschmerzen
Es stellt sich aber dann die Frage „Welches Schmerzmittel und wann nehme ich bei Kopfschmerzattacken ein“. Es lohnt sich die bedarfsweise Schmerzmitteleinnahme nach Standard anzugehen. Besprechen Sie aber mit Ihrem behandelnden Arzt den konkreten Einnahmeplan, die Tabelle stellt nur eine Orientierungshilfe dar.
Haben Sie neben den Kopfschmerzen Übelkeit und Erbrechen nehmen Sie bitte zunächst ein Medikament gegen Übelkeit wie z. B. Metoclopramid oder Dimenhydrinat. Haben Sie nur Beschwerden aus der rechten Tabellenspalte nehmen Sie nun bitte zusätzlich ein sogenanntes NIcht-Opioidanalgetikum wie Ibuprofen oder Metamizol.(Gegenanzeigen und die richtige Dosis besprechen °Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt). Werden die Kopfschmerzen nach 30 Minuten nicht besser oder haben Sie nach Punkt 1 Symptome aus der „blauen“ Tabellenspalte nehmen Sie bitte ein Medikament aus der Gruppe der Triptane. (Gegenanzeigen und die richtige Dosis besprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt).
Um einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch zu vermeiden, dürfen die Schmerzmittel (egal ob Ibuprofen/Metamizol oder Triptane nicht länger als 3 Tage hintereinander eingenommen werden. Sie sollten deshalb nach einer täglichen Einnahme von 2-3 Tage hintereinander unbedingt eine eben solange Pause (2-3 Tage) einhalten. Müssen Sie öfters Schmerzmittel einnehmen oder linder die Schmerzmittel die Attacke nicht effektiv und schnell genug oder sind Sie trotz Schmerzmitteleinnahme nicht in der Lage Ihrer Alltags- oder Berufstätigkeit nachzugehen, ist eine vorbeugende (medikamentöse) Therapie angezeigt.
Neben medikamentösen Behandlungen gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Behandlungen, die bei Kopfschmerzen helfen können. Dazu gehören:
- Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation
- Regelmäßige Bewegung
- Ausreichend Schlaf
- Eine ausgewogene Ernährung
- Vermeidung von Triggern wie Stress, Alkohol oder bestimmten Lebensmitteln
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