Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens erfährt. Oftmals sind sie harmlos, doch bei häufigem Auftreten können sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sogar zur Berufsunfähigkeit führen. Es ist wichtig, sich frühzeitig an einen Facharzt für Neurologie zu wenden, um Kopfschmerzerkrankungen effektiv zu behandeln.
Kopfschmerzen: Ein häufiges Problem
Kopfschmerzen sind ein häufiges Phänomen. Umfragen in Deutschland zeigen, dass mehr als die Hälfte der Frauen und fast die Hälfte der Männer mindestens einmal im Jahr unter Kopfschmerzen leiden. Ein Drittel der Deutschen soll sogar mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen haben. Dabei gibt es nicht "die einen" Kopfschmerzen. Neurologen kennen rund 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen.
Arten von Kopfschmerzen
Zunächst muss unterschieden werden, ob die Kopfschmerzen selbst eine Krankheit darstellen oder ein Symptom einer anderen Erkrankung sind. Sekundäre Kopfschmerzen treten als Symptom anderer Erkrankungen wie Grippe, Alkoholkaters, Kopfverletzungen oder Schlaganfall auf. Diese lassen sich in den Griff bekommen, indem man die Ursachen behandelt oder vermeidet. Im Fokus dieses Artikels stehen jedoch die primären Kopfschmerzen, die als eigenständige Krankheiten gelten.
Die verschiedenen Arten von primären Kopfschmerzen unterscheiden sich in Art und Stärke der Schmerzen, dem Ort des Auftretens am Kopf, der Dauer und Häufigkeit der Attacken sowie den Begleitsymptomen. Die drei häufigsten Arten sind:
- Spannungskopfschmerzen
- Migräne
- Clusterkopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form von primären Kopfschmerzen. Sie treten oft in Verbindung mit Stress, Schlafmangel, schlechter Luft oder Flüssigkeitsmangel auf, aber auch ohne erkennbaren Auslöser.
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Symptome:
- Leichte bis mittelstarke Schmerzen
- Dauern von Stunden bis Tagen
- Beeinträchtigen den Alltag meist wenig
- Keine schweren Begleitsymptome wie Übelkeit oder Erbrechen, allenfalls Licht- oder Lärmempfindlichkeit
- Beschrieben als dumpf und drückend, wie ein Ring um den Kopf oder ein Schraubstock
Ursachen:
Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass übererregbare Nervenfasern eine Rolle spielen, wodurch Reize, die normalerweise keine Schmerzen auslösen, plötzlich schmerzhaft wahrgenommen werden.
Migräne
Migräne ist eine weitverbreitete neurologische Erkrankung, die Menschen aller Kulturen betrifft. Schätzungsweise acht von hundert Männern und 18 von hundert Frauen sind weltweit davon betroffen. Zehn bis 15 Prozent der Migränepatienten erleben vor den Kopfschmerzen eine sogenannte Aura mit veränderter Wahrnehmung, wie z. B. Sehstörungen.
Symptome:
- Starke, stechende, pochende oder pulsierende Schmerzen im Stirn- und Schläfenbereich
- Verschlimmerung der Schmerzen bei leichter körperlicher Anstrengung
- Übelkeit und Erbrechen
- Ruhebedürfnis
- Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit
Migräne-Aura:
Etwa jeder siebte bis zehnte Migränepatientin erlebt vor den Kopfschmerzen eine Aura mit Wahrnehmungsstörungen und Störungen verschiedener Nervenfunktionen, wie z. B.:
- Sehstörungen (Flimmersehen)
- Kribbeln an einer Körperseite
- Leichte Sprachstörungen
- Selten Lähmungserscheinungen
Ursachen und Auslöser:
Migräne wird auf Entzündungen kleiner Blutgefäße in den Hirnhäuten zurückgeführt, die Nervenfasern reizen. Es gibt wahrscheinlich eine genetische Veranlagung, da bei 70 Prozent der Betroffenen auch nahe Verwandte unter Migräne leiden. Auslöser können sein:
- Stress
- Veränderter Tagesrhythmus
- Flüssigkeitsmangel
- Auslassen einer Mahlzeit
- Hormonelle Schwankungen bei Frauen (Östrogen)
Augenmigräne:
Die Augenmigräne ist eine migräneartige Erkrankung ohne oder mit geringen Kopfschmerzen. Es kommt vor allem zu vorübergehenden Sehstörungen wie:
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- Gesichtsfeldausfälle (Skotome)
- Flackern und Flimmern vor den Augen
- Lichtblitze oder Zickzacklinien im Auge
- Kurzzeitiger Sehverlust auf einem Auge
Die Sehstörungen dauern bis zu einer halben Stunde und können von Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen begleitet sein. Eine augenärztliche und neurologische Untersuchung ist wichtig, um andere Ursachen auszuschließen.
Die Symptome verschwinden in der Regel von allein. Selbsthilfe-Maßnahmen können die Beschwerden lindern:
- Auslöser vermeiden
- Ruhiges, abgedunkeltes Zimmer
- Kühles Tuch auf das Gesicht
- Entspannungstechniken
Clusterkopfschmerzen
Clusterkopfschmerzen sind eine seltene, aber äußerst schmerzhafte Kopfschmerzform, von der etwa eine von tausend Personen betroffen ist. Sie treten häufiger bei Männern als bei Frauen auf und beginnen meist im Alter von 20 bis 40 Jahren.
Symptome:
- Extrem heftige, stechende, pochende und bohrende Schmerzen einseitig im Bereich eines Auges und der Schläfe
- Treten in aktiven Phasen von vier bis zwölf Wochen stark gehäuft auf (mindestens alle zwei Tage bis zu achtmal täglich)
- Dauern von 15 Minuten bis zu drei Stunden
- Häufig zu bestimmten Zeiten, z. B. morgens oder nach dem Einschlafen
- Starker Bewegungsdrang
- Rötung des Auges
- Auge tränt
- Verengte Pupille
- Einseitig verstopfte oder laufende Nase
- Herabhängendes oder geschwollenes Augenlid
Auslöser:
- Alkohol (auch kleine Mengen)
- Aufenthalte in großer Höhe (Flugreisen, Bergsteigen über 2500 Meter)
Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch
Ein Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz kann entstehen, wenn Menschen mit Kopfschmerzen über einen längeren Zeitraum sehr häufig Kopfschmerzmittel einnehmen. Als Faustregel gilt: Einnahme von Medikamenten gegen Kopfschmerzen an mehr als zehn Tagen im Monat über mindestens drei Monate.
Symptome:
- Häufigere und länger andauernde Kopfschmerzanfälle
- Medikamente wirken immer schlechter
- Andauernder leichter Kopfdruck zwischen den eigentlichen Attacken
Therapie:
- Mindestens zweiwöchige Medikamentenpause unter ärztlicher Kontrolle
- In dieser Zeit dürfen keine Schmerzmedikamente eingenommen werden.
Psychosomatische Aspekte von Kopfschmerzen
Nicht immer lassen sich körperliche Symptome wie Schmerzen auf eine eindeutige Ursache zurückführen. In solchen Fällen wird oft die Diagnose einer somatoformen Störung gestellt. Stress, Trauer oder ungelöste Konflikte können sich körperlich äußern und zu Schwindel, Schmerzen, Herzrasen oder Verdauungsstörungen führen. Psyche und Körper stehen in enger Beziehung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig.
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Psychosomatische Kopfschmerzen:
Viele Betroffene sind irritiert über die Diagnose psychosomatischer Kopfschmerzen, da psychische Erkrankungen oft stigmatisiert werden. Körperlich unerklärliche Beschwerden oder Schmerzen werden fälschlicherweise als Einbildung oder Vortäuschen von Krankheitssymptomen abgetan. Eine psychosomatische Erkrankung ist jedoch keine Einbildung, sondern ein ernstzunehmendes Krankheitsbild.
Ursachen:
Neben traumatischen Erfahrungen, insbesondere in Kindheit oder Jugend, können ungelöste Konflikte und längerfristige seelische Belastungen psychosomatische Kopfschmerzen verursachen. Warum psychische Konflikte und Belastungen sich bei manchen Menschen in körperlichen Beschwerden manifestieren und bei anderen nicht, ist noch nicht abschließend geklärt.
Behandlung:
Ohne adäquate Behandlung können psychosomatische Erkrankungen oder eine somatisierte Depression in einen Teufelskreis führen. Die steten Beschwerden oder Schmerzen können zusätzliche depressive Episoden auslösen oder verstärken, während eine Depression als psychische Erkrankung die körperliche und seelische Widerstandskraft des Patienten stark herabsetzen und das Schmerzempfinden erhöhen kann.
Ein guter Facharzt wird einen Behandlungsplan erarbeiten, der eine geeignete Medikation (z. B. Antidepressiva) und psychotherapeutische Maßnahmen umfasst.
Komorbiditäten und Kopfschmerzen
Die "Global Burden of Diseases Study" zeigte, dass Kopfschmerzerkrankungen bei beiden Geschlechtern an dritter Stelle von 369 Erkrankungen stehen, was die mit Behinderung gelebten Jahre betrifft. In der Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen stehen sie sogar an erster Stelle.
Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen, gelten als Risikofaktor für die Chronifizierung von Kopfschmerzen. Die häufigsten Komorbiditäten sind depressive Störungen, Bluthochdruck, Angststörungen und Diabetes. Psychiatrische Komorbiditäten sind Angststörungen (25 %), Depressionen (23 %) und posttraumatische Belastungsstörung (15 %).
Migränepatienten haben ein erhöhtes Risiko für eine generalisierte Angststörung oder eine bipolare Störung. Die Anzahl der Kopfschmerztage pro Monat korreliert mit dem Risiko von Angstzuständen und Depressionen.
Therapeutische Überlegungen:
- Bei Migränepatienten mit Depression eignet sich Amitriptylin zur Migräneprophylaxe.
- Bei Patienten mit Angststörung können SSNRI (selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt werden.
- Betablocker können Angstsymptome reduzieren und bei Patienten mit Panikattacken die vegetativen Begleiterscheinungen der Attacken dämpfen.
Selbsthilfe ohne Medikamente
Bevor man zu Schmerzmitteln greift, sollte man folgende Maßnahmen versuchen, um den Kopf frei zu bekommen:
- Bewusst abschalten: Handy und andere Geräuschquellen aus, Augen zu oder in die Weite schauen, sich nur auf den eigenen Atem konzentrieren
- Schläfen massieren, ggf. mit Pfefferminzöl
- Kalte Kompressen oder kalte feuchte Tücher auf die schmerzenden Stellen legen
- Manchmal hilft auch Wärme, vor allem bei Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
- Muskulatur lockern, insbesondere im Kiefer- Schulter- und Nackenbereich
- Meditieren, z. B. mithilfe von Atemtechniken
- Entspannungstechniken anwenden, z. B. autogenes Training oder progressive Muskelentspannung
- Spaziergang an der frischen Luft
- Versuchen, die Schmerzen zu akzeptieren; je mehr man sich ärgert oder innerlich gegen die Kopfschmerzen wehrt, desto schlimmer werden sie oft
Behandlung von Kopfschmerzen
Die Behandlung von Kopfschmerzen hängt von der Art, Ursache und Intensität der Beschwerden ab. Es gibt verschiedene Ansätze, die sich individuell auf die Bedürfnisse der Patient*innen abstimmen lassen:
- Akutbehandlung: Medikamente wie Schmerzmittel oder spezifische Wirkstoffe zur Therapie von Migräne (Triptane)
- Vorbeugende Maßnahmen: Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Stressmanagement (Yoga, progressive Muskelentspannung, Meditation)
- Medikamentöse Prophylaxe: Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika
- Multimodale Schmerztherapie: Kombination aus Physiotherapie, psychologischer Unterstützung, Schmerzbewältigungstraining und medikamentöser Behandlung
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn:
- Kopfschmerzen besonders stark oder häufig auftreten
- Sich die Beschwerden plötzlich und ohne erkennbaren Grund verschlimmern
- Begleitende Symptome wie neurologische Auffälligkeiten (Sprach- oder Sehstörungen) auftreten
- Plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen in der Stirn oder im Hinterkopf auftreten
- Chronische Beschwerden die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen
- Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung auftreten
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