Lakritze, insbesondere Salzlakritze oder "Salmiak", ist ein Genussmittel, das polarisiert. Einige lieben den intensiven Geschmack, während andere ihn ablehnen. Doch Lakritze ist nicht nur eine Süßigkeit, sondern kann auch Auswirkungen auf den Körper haben, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne.
Was ist Lakritze?
Lakritze wird traditionell aus der Wurzel der Süßholzpflanze gewonnen. Die Süßholzwurzel enthält den Pflanzenstoff Glycyrrhizin, der eine 50-fach höhere Süßkraft als Haushaltszucker aufweist. Lakritz-Süßigkeiten enthalten jedoch nur einen geringen Anteil an Rohlakritz, meist etwa fünf Prozent. Weitere Zutaten sind Zucker, Zuckersirup, Mehl, Bienenwachs, Gelatine, Salmiak sowie Farb- und Aromastoffe.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den Körper
Lakritze enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben können:
Glycyrrhizin: Dieser Stoff kann ein Enzym in der Niere behindern, was zu Natrium- und Wasseranreicherungen im Körper und verstärkten Kaliumverlusten über den Urin führen kann. Dies kann Symptome wie erhöhten Blutdruck, Muskelschwäche und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) verursachen.
Ammoniumchlorid (Salmiak): Dieses Salz kann in hohen Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und neurologischen Beschwerden wie Lähmungserscheinungen führen. In sehr hohen Dosen wurden auch Stoffwechselprobleme durch eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose) beobachtet.
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Kennzeichnung von Lakritzprodukten
Es gibt verschiedene Kennzeichnungen für Lakritzprodukte, die sich auf den Gehalt an Ammoniumchlorid/Salmiak und Glycyrrhizinsäure beziehen:
Ammoniumchlorid/Salmiak: Produkte mit mehr als 20 Gramm Salmiak pro Kilogramm müssen mit der Aussage „Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz“ gekennzeichnet sein. Bei Gehalten zwischen 44,9 und 79,9 Gramm pro Kilogramm lautet die Kennzeichnung „Extra stark, Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz“. Produkte mit über 80 Gramm pro Kilogramm Salmiak müssen mit einem Warnhinweis beschriftet werden: „Übermäßiger Verzehr kann insbesondere bei Personen mit Nierenerkrankungen die Gesundheit beeinträchtigen“.
Glycyrrhizinsäure: Süßwaren oder Getränke mit einer Konzentration an Glycyrrhizinsäure von 10 Milligramm pro 100 Gramm oder 10 Milligramm pro Liter müssen die Kennzeichnung „enthält Süßholz“ tragen. Bei einer Konzentration von mindestens 400 Milligramm pro 100 Gramm (Starklakritz) werden die Produkte mit der Aufschrift „enthält Süßholz - bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden“ versehen.
Lakritze als Migräne-Trigger?
Einige Menschen berichten von Kopfschmerzen oder Migräne nach dem Verzehr von Lakritze. Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen für diesen Zusammenhang:
Blutdruckanstieg: Der Inhaltsstoff Glycyrrhizin kann den Blutdruck erhöhen, was bei manchen Menschen Migräne auslösen kann.
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Mineralstoffhaushalt: Hohe Dosen von Salmiak können den Mineralstoffhaushalt beeinträchtigen und dadurch Kopfschmerzen verursachen.
Individuelle Empfindlichkeit: Einige Menschen reagieren empfindlicher auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lakritze als andere.
Es ist wichtig zu beachten, dass wissenschaftliche Studien bisher keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Lakritze und Migräne belegen konnten. Viele Migränepatienten haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Lebensmittel, einschließlich Lakritze, ihre Anfälle auslösen können.
Was tun bei Verdacht auf Lakritze als Migräne-Trigger?
Wenn Sie vermuten, dass Lakritze bei Ihnen Migräne auslöst, empfiehlt es sich, ein Migränetagebuch zu führen, in dem Sie Ihre Ernährung und Migräneattacken über einige Wochen festhalten. So können Sie möglicherweise herausfinden, ob ein Zusammenhang besteht.
Empfohlene Höchstmengen für Lakritze
Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge sollte die Aufnahme von Glycyrrhizin auf unter 100 Milligramm pro Tag beschränkt werden. Folgende Übersicht zeigt Lakritzprodukte und empfohlene Höchstmengen für Erwachsene laut dem BfR:
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- Kinderlakritz: maximal 100 Gramm pro Tag
- Erwachsenenlakritz (0,2 Gramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm): möglichst weniger als 50 Gramm pro Tag
- Starklakritz (0,4 Gramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm): maximal 25 Gramm pro Tag
Vorsicht ist vor allem bei importierten Lakritzwaren geboten, da die Anteile pro 100 Gramm deutlich höher liegen können.
Lakritze in der Schwangerschaft
Schwangere sollten Lakritze nur in Maßen genießen oder ganz darauf verzichten, da ein hoher Konsum von Glycyrrhizin möglicherweise negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben könnte. Es gibt Hinweise darauf, dass eine hohe Aufnahme von Glycyrrhizin die Konzentration von Cortisol im Körper des ungeborenen Kindes verstärken könnte. Darüber hinaus diskutieren Fachleute darüber, ob das Glycyrrhizin möglicherweise das kindliche Geburtsgewicht oder das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen könnte.
Fazit
Lakritze kann bei manchen Menschen Migräne auslösen. Die Inhaltsstoffe Glycyrrhizin und Salmiak können den Blutdruck erhöhen und den Mineralstoffhaushalt beeinträchtigen, was möglicherweise Migräneattacken begünstigt. Wenn Sie vermuten, dass Lakritze bei Ihnen Migräne auslöst, sollten Sie ein Migränetagebuch führen und Ihren Konsum gegebenenfalls einschränken. Schwangere sollten Lakritze nur in Maßen genießen oder ganz darauf verzichten.
Weitere mögliche Migräne-Trigger
Neben Lakritze gibt es eine Reihe weiterer Lebensmittel und Faktoren, die als Migräne-Trigger in Frage kommen:
- Alkohol: Insbesondere Rotwein und Sekt werden häufig als Auslöser genannt.
- Koffein: Sowohl ein zu hoher als auch ein plötzlicher Entzug von Koffein kann Migräne auslösen.
- Histamin: Histaminreiche Lebensmittel wie gereifter Käse, Wurstwaren und Sauerkraut können bei manchen Menschen Migräne verursachen.
- Tyramin: Tyramin ist ein Neurotransmitter, der ebenfalls als Trigger für Migräne im Fokus steht.
- Schokolade: Obwohl wissenschaftliche Studien keinen eindeutigen Zusammenhang belegen konnten, berichten viele Menschen von Migräne nach dem Verzehr von Schokolade.
- Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräne.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf kann das Risiko für Migräne erhöhen.
- Muskelverspannungen: Eine verspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule können eine Migräne-Attacke begünstigen.
Es ist wichtig, die eigenen individuellen Trigger zu identifizieren und diese möglichst zu meiden.
Neue Erkenntnisse über die Geschmackswahrnehmung von Salmiak
Forschende haben entdeckt, dass wir auf der Zunge eigens einen Rezeptor für den Geschmack von Salmiak haben. Das Team fand Hinweise darauf, dass die Geschmacksknospen der Zunge, die "sauer" schmecken, auch auf das Salz Ammoniumchlorid reagieren. Mit Hilfe von genetisch veränderten Mäusen gelang dem Team nun der Durchbruch. Die Forschenden nahmen einen Rezeptor namens "Type III TRC" in den Blick. Type III TRC besitzt in seiner Zellmembran den erst 2018 entdeckten Protonenkanal "OTOP1", mit dessen Hilfe er Säuren detektiert. Durch diesen Kanal können Protonen (= positiv geladene Wasserstoffionen) ins Zellinnere strömen. Dieser Mechanismus dient anscheinend auch dazu, Ammonium zu detektieren: Wird Ammoniumchlorid in Wasser (oder Speichel) gelöst, entsteht Ammoniak, das von den Rezeptorzellen aufgenommen wird. Ammoniak wirkt basisch, dadurch sinkt der Säuregehalt innerhalb der Zelle.
Die Forschenden führten drei aufeinanderfolgende Experimente durch, um diesen Zusammenhang nachzuweisen:
- Sie veränderten menschliche Zellen im Labor genetisch so, dass sie verstärkt OTOP1-Protonenkanäle bildeten und setzten die Zellen entweder Säure oder Ammoniumchlorid aus.
- Sie testeten ihre Hypothese an Geschmackszellen von Mäusen und verglichen normale Mauszellen mit solchen, die keine OTOP1-Kanäle mehr bildeten. Anschließend maßen sie, ob die Zellen elektrische Nervensignale aussenden, wenn sie Ammoniumchlorid ausgesetzt werden.
- Sie testeten, wie lebende Mäuse reagieren, wenn man ihnen Wasser mit Ammoniumchlorid und normales Wasser anbietet.
Die Ergebnisse zeigten, dass Ammoniumchlorid ein starker Aktivator des OTOP1-Kanals ist und dass Mäuse mit intakten OTOP-1-Kanälen das verunreinigte Wasser mieden, während gentechnisch veränderte Mäuse ohne OTOP-1-Kanäle sogar Wasser mit hohen Ammoniumchlorid-Konzentrationen tranken.
Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Mechanismen der Geschmackswahrnehmung besser zu verstehen und möglicherweise neue Ansätze zur Behandlung von Geschmacksstörungen zu entwickeln.