Magnete gegen Migräne: Wirksamkeit und Anwendung der Magnetfeldtherapie

Die Magnetfeldtherapie ist ein naturheilkundliches Verfahren, das sowohl von Schulmedizinern als auch von Heilpraktikern angewendet wird. Sie basiert auf der Annahme, dass Magnetfelder die elektrischen Ströme im Körper positiv beeinflussen und somit zur Linderung von Beschwerden beitragen können. Die Therapie wird in statische und pulsierende Magnetfeldtherapie unterteilt.

Grundlagen der Magnetfeldtherapie

Magnete und Orte, an denen Strom fließt, erzeugen Magnetfelder. Diese lassen sich je nach Stromfluss in statisch oder pulsierend einteilen. Auch im menschlichen Körper fließt Strom, beispielsweise bei der Weiterleitung von Signalen an den Nervenzellen. Selbst die Zellmembran, die jede einzelne Körperzelle umgibt, weist eine Spannung auf. Es wird davon ausgegangen, dass die Wirkung der Magnetstrahlen darauf basiert, dass sie bis auf die Körperzellebene eindringen, im Körper die Durchblutung und damit auch die Nähr- und Sauerstoffversorgung verbessern und so das Zellwachstum anregen. Auf diese Weise soll es zu einer schnelleren Wundheilung kommen.

Bereits Aristoteles ging von einer heilsamen Wirkung von magnethaltigen Steinen oder Magneten auf Wunden oder schmerzenden Körperstellen aus. Auch im 18. Jahrhundert behandelte ein französischer Arzt Patienten so, die unter Migräne oder anderen Schmerzen litten. Dafür stiegen die Menschen in einen Holzzuber, der mit Wasser, Glas sowie mit Eisen- und Magnetstücken gefüllt war. Beigelegte Eisenstangen waren dazu gedacht, auf die schmerzenden Stellen aufgelegt zu werden.

Formen der Magnetfeldtherapie

Es gibt zwei Hauptformen der Magnetfeldtherapie:

  • Statische Magnetfeldtherapie: Hierbei tragen Patienten Dauermagneten an der betroffenen Stelle, beispielsweise an der Lendenwirbelsäule. Die Magnete können in Form von Bandagen, Armbändern, Einlegesohlen oder Magnetkissen getragen werden.

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  • Pulsierende Magnetfeldtherapie: Bei dieser Form fließt in unterschiedlichen Zeitabständen und Stärken Strom durch die Drähte einer Spule, wodurch ein Magnetfeld erzeugt wird. Das Gehäuse, in dem die Spule eingebaut ist, erinnert optisch an einen kleinen Magnetresonanztomografen (MRT). Das zu behandelnde Körperteil wird in eine Röhre gelegt, die das Magnetfeld erzeugt. Die Behandlungstermine sind meist einmal pro Woche bis zweimal täglich angesetzt und dauern zwischen acht und 45 Minuten. Die Magnetstrahlen dringen ungehindert durch Kleidungsstoff oder beispielsweise einen Gipsverband durch den gesamten Körper. Je nach Beschwerden findet die Behandlung sitzend oder liegend auf der Matte statt.

Anwendung der Magnetfeldtherapie bei Migräne

Die Behandlung von Migräne mit Magnetstimulation, insbesondere der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS), ist eine nicht-invasive Methode, die darauf abzielt, die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneanfällen zu verringern.

Ziele der rTMS-Behandlung bei Migräne

Die rTMS-Therapie zielt darauf ab:

  • Verringerung der Migränehäufigkeit: rTMS soll die Frequenz der Migräneanfälle reduzieren.
  • Reduktion der Schwere und Dauer von Anfällen: Die Behandlung soll dazu beitragen, die Intensität der Schmerzen und die Dauer der Migräneattacken zu verkürzen.
  • Prophylaxe gegen zukünftige Attacken: Durch die regelmäßige Anwendung kann rTMS prophylaktisch eingesetzt werden, um die Gesamthäufigkeit der Migräneanfälle zu senken.
  • Reduktion der Medikamentenabhängigkeit: Die Anwendung von rTMS kann dazu beitragen, den Bedarf an Migränemedikamenten zu reduzieren, insbesondere bei Patienten, die unter starken Nebenwirkungen leiden.

Zielregionen der Stimulation

Die Zielregionen für die Behandlung von Migräne mit rTMS sind bestimmte Hirnregionen, die mit der Migräneaura und den Kopfschmerzen in Verbindung stehen:

  • Okzipitaler Kortex: Der visuelle Kortex (im hinteren Bereich des Gehirns) wird häufig als Zielregion für rTMS bei Migräne gewählt, insbesondere bei Patienten, die eine Aura (visuelle Vorzeichen von Migräne) erleben. Eine niedrigfrequente Stimulation (1 Hz) des okzipitalen Kortex zielt darauf ab, die übermäßige Aktivierung in dieser Region zu dämpfen und damit Migräneanfälle zu verhindern.
  • Dorsolateraler präfrontaler Kortex (DLPFC): Der DLPFC wird ebenfalls oft stimuliert, da er mit der Schmerzverarbeitung und der emotionalen Reaktion auf Schmerzen verbunden ist. Hochfrequente rTMS (10-20 Hz) kann helfen, die Schmerztoleranz zu erhöhen und die Angst vor bevorstehenden Anfällen zu reduzieren.
  • Motorischer Kortex: Manchmal wird der primäre motorische Kortex (M1) als Zielregion verwendet, um neuropathische Schmerzen zu modulieren und die Schmerzschwelle zu erhöhen.

Behandlungsprotokoll

Die Behandlung von Migräne mit rTMS umfasst typischerweise folgende Aspekte:

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  • Stimulationsfrequenz und Intensität: Niedrigfrequente Stimulation (1 Hz) des okzipitalen Kortex wird verwendet, um die neuronale Übererregbarkeit zu dämpfen und die Aktivität in diesem Bereich zu reduzieren. Dies wird in der Regel bei der Behandlung von akuten Migräneanfällen oder zur Prophylaxe verwendet. Hochfrequente Stimulation (10-20 Hz) des DLPFC kann eingesetzt werden, um die allgemeine Schmerztoleranz zu erhöhen und den emotionalen Stress im Zusammenhang mit Migräne zu verringern.

  • Anzahl und Dauer der Sitzungen: Für die akute Behandlung von Migräne kann eine einzelne Sitzung von 10-30 Minuten ausreichend sein, während die prophylaktische Anwendung von rTMS über mehrere Wochen hinweg (typischerweise 20-30 Sitzungen) erfolgt. Prophylaktisch orientierte Behandlungen können über mehrere Monate verteilt sein.

  • Individuelle Anpassung: Die Häufigkeit und Dauer der Behandlung kann je nach Schweregrad der Migräne und dem Ansprechen des Patienten angepasst werden.

Wirkungsweise von rTMS bei Migräne

Die Wirkung von rTMS bei Migräne beruht auf der Modulation der neuronalen Aktivität in den betroffenen Hirnregionen, die für die Entstehung der Migräneanfälle eine Rolle spielen:

  • Hemmung der kortikalen Übererregbarkeit: Viele Patienten mit Migräne haben eine erhöhte neuronale Erregbarkeit, besonders im okzipitalen Kortex. Niedrigfrequente rTMS wirkt hemmend auf die neuronale Aktivität und reduziert die übermäßige Erregbarkeit, die zu Migräneanfällen führen kann.
  • Modulation der Schmerzverarbeitung: Die Stimulation des DLPFC und des motorischen Kortex beeinflusst die Schmerzverarbeitung und kann die Schmerztoleranz erhöhen. Dies geschieht durch die Modulation der Aktivität in schmerzverarbeitenden Netzwerken, was zu einer Verringerung der empfundenen Schmerzintensität führen kann.
  • Förderung der endogenen Schmerzhemmung: rTMS kann die Freisetzung endogener Neurotransmitter wie Dopamin und Endorphine fördern, die eine natürliche Schmerzhemmung bewirken und die Symptome der Migräne lindern.

Studienergebnisse zur rTMS-Behandlung bei Migräne

  • Reduktion der Migränefrequenz: Studien zeigen, dass rTMS die Häufigkeit von Migräneanfällen signifikant reduzieren kann, insbesondere bei regelmäßiger prophylaktischer Anwendung. Patienten berichten oft, dass die Anfälle seltener auftreten und weniger intensiv sind.
  • Linderung akuter Anfälle: Für die akute Behandlung von Migräneanfällen kann eine einzelne niedrigfrequente Sitzung des okzipitalen Kortex die Schwere der Attacke lindern und die Dauer des Anfalls verkürzen. Einige Patienten erleben bereits kurz nach der Behandlung eine deutliche Schmerzlinderung.
  • Verbesserte Lebensqualität: Patienten, die rTMS als prophylaktische Maßnahme verwenden, berichten von einer verbesserten Lebensqualität, weniger Abhängigkeit von Medikamenten und einer besseren Fähigkeit, am täglichen Leben teilzunehmen.

Nebenwirkungen und Risiken der rTMS-Behandlung

rTMS ist im Allgemeinen gut verträglich und sicher. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

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  • Kopfschmerzen und Kopfhautreizungen: Während oder nach der Behandlung kann es zu leichten Kopfschmerzen oder einem Ziehen in der Kopfhaut kommen. Diese Beschwerden sind jedoch meist mild und von kurzer Dauer.
  • Schwindel: Einige Patienten berichten von leichtem Schwindel nach der Behandlung, der in der Regel innerhalb kurzer Zeit verschwindet.
  • Krampfanfälle: Das Risiko für Krampfanfälle ist äußerst gering, insbesondere bei Verwendung von niedrigfrequenter Stimulation und unter Einhaltung der Sicherheitsprotokolle.

Kombination mit anderen Therapien

rTMS wird oft in Kombination mit anderen Migränebehandlungen eingesetzt:

  • Medikamentöse Prophylaxe: Die Kombination von rTMS mit Migräneprophylaxe-Medikamenten (wie Betablocker oder Antikonvulsiva) kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken weiter reduzieren. Für Patienten, die auf Medikamente nicht ansprechen oder Nebenwirkungen haben, bietet rTMS eine vielversprechende Alternative.
  • Akutmedikamente: Bei akuten Migräneattacken kann rTMS als Ergänzung zu Triptanen oder anderen Akutmedikamenten verwendet werden, um die Wirksamkeit zu steigern.
  • Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken: rTMS kann auch mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen wie Biofeedback, Stressmanagement und Entspannungstechniken kombiniert werden, um die allgemeine Anfälligkeit für Migräneanfälle zu verringern.

Tragbare Magnetstimulationsgeräte

Ein tragbares Magnetstimulationsgerät soll in Zukunft helfen, Migräneattacken zu bekämpfen: Sobald Patienten eine einsetzende Migräne verspüren, pressen sie das Instrument mit beiden Händen gegen den Kopf. Über Magnetimpulse beeinflusst das Gerät die Gehirnströme, so dass der Kopfschmerz abflaut oder erst gar nicht eintritt. Erste Erfolge hat der Mediziner bei Patienten erzielt, die als Vorstufe der Migräneattacke eine sogenannte Aura durchmachen: Das Sehvermögen ist gestört, sie sehen Sternchen und fühlen sich geschwächt. Die Forscher behandelten Patienten mit ihrem Gerät. Dieses erzeugt innerhalb einer kleinen elektrischen Spule ein Magnetfeld, das den Kopf durchdringt und im Gehirn elektrische Ströme erzeugt. Diese Ströme sollen die Auraphase bei Migränepatienten, die oft als Elektrogewitter im Gehirn bezeichnet wird, unterbrechen, bevor die eigentlichen pochenden Kopfschmerzen einsetzen. 39 Prozent der Patienten waren zwei Stunden nach der Magnetimpulsbehandlung noch kopfschmerzfrei. Die Methode sei im Unterschied zu medikamentösen Behandlungen der Migräne frei von Nebenwirkungen, betont der Forscher. Bislang hat Mohammad das Gerät nur bei Migräne mit Aura eingesetzt, die etwa 15 Prozent der Migränepatienten heimsucht. In weiteren Studien sollen die Wirksamkeit auch bei der häufigeren Migräne ohne Aura überprüft werden.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat bereits eine Migräneakuttherapie mittels Magnetstimulation zugelassen, bekannt als “Cerena transkranielle Magnetstimulation (TMS)”. Das Gerät ist bisher nur für die Behandlung von Kopfschmerzen bei Migräne mit Aura zugelassen. Es wird durch ärztliche Verordnung verschrieben. Das Gerät wird angewandt, indem man es an den Hinterkopf positioniert. Es kann dann durch Knopfdruck ein magnetischer Puls freigesetzt werden. Dieser stimuliert die Hirnrinde im Bereich des Hinterhauptes. Die Zulassung beruht auf einer Studie bei 201 Patienten. Diese litten an einer mittelstarken bis starken Migräne mit Aura. Von denen, die den Magnetstimulator einsetzten, berichteten 38%, dass der Schmerz nach 2 Stunden bedeutsam reduziert worden sei. In einer Kontrollgruppe ohne entsprechende Stimulation berichteten nur 17% der Patienten von einer Besserung. 34% der Anwender berichteten nach 24 Stunden von Schmerzfreiheit. Die FDA wies darauf hin, dass Schwindel als Nebenwirkung auftreten kann. Insgesamt sind jedoch die Nebenwirkungen sehr mild und ihr Auftreten sehr unwahrscheinlich. Es gibt nur wenige Berichte über Nebenwirkungen wie Sinusitis, Sprachstörungen und Schwindel. Die FDA empfiehlt, dass das Gerät nicht häufiger als einmal pro 24 Stunden eingesetzt wird. Es ist nur für Personen über 18 Jahre zugelassen. Das Gerät sollte nicht bei Patienten eingesetzt werden, die metallische Gegenstände im Kopfbereich oder im Oberkörper tragen, dies gilt insbesondere auch für Herzschrittmacher oder Hirnstimulatoren.

Weitere Neuromodulationsverfahren bei Migräne

Neben der TMS gibt es noch weitere Neuromodulationsverfahren, die bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden:

  • Transkutane Vagusnervstimulation (tVNS): Hierbei wird ein Hautast des Nervus vagus im Bereich der Ohrmuschel mittels Elektrode stimuliert. Studien zeigen positive, aber nicht immer signifikante Effekte auf die Schmerzfreiheit und die Reduktion der Migränetage.
  • Transkutane Supraorbitalis-Neurostimulation (tSNS): Hier wird der Stimulator auf der Stirn der Patient:innen angebracht. Studien zeigen eine Reduktion der Migräneattacken und Kopfschmerztage.
  • Externe trigeminale Nervenstimulation (e-TNS): Hier wird eine Stimulation von mehr als einer Stunde durchgeführt. Studien zeigen eine signifikante Verbesserung beim Schmerzempfinden.
  • Elektrische Fernneuromodulation (REN): Hier wird für 45 Minuten TNS-artig am Oberarm stimuliert, was profunde Effekte auf den Trigeminus hat. Studien zeigen, dass das Verfahren der pharmakologischen Behandlung nicht unterlegen war und im prophylaktischen Setting die Migränefrequenz reduzieren kann.
  • Kinetische Oszillationsstimulation (KOS): Hierbei wird das Gerät in ein Nasenloch eingebracht und mittels Oszillation der parasympathische Reflexbogen induziert, was darauf abzielt, den Trigeminus positiv zu beeinflussen.
  • Okzipitale Nervenstimulation (ONS): Hier werden die beiden Okzipitalnerven stimuliert. Studien zeigen eine Reduktion der Attackenhäufigkeit.
  • Tiefe Hirnstimulation (DBS): Hierbei werden Elektroden tief im Gehirn platziert, um bestimmte Hirnregionen zu stimulieren. Studien zeigen eine signifikante Reduktion der Kopfschmerztage und die Intensität durch die Behandlung signifikant reduziert waren.
  • Burst-Stimulation: Hier werden hochfrequente Pulse verwendet, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen.

Risiken und Kontraindikationen der Magnetfeldtherapie

Jede Behandlung birgt gewisse Risiken - so auch die Magnetfeldtherapie. Die Therapieform ist ungeeignet, wenn eine Schwangerschaft vorliegt oder Erkrankungen wie Epilepsie, Schilddrüsenüberfunktion, Venenentzündungen, Krebs oder Infekte. Auch Menschen, die mit Herzrhythmusstörungen leben und einen Herzschrittmacher tragen, dürfen nicht mit einer Magnetfeldtherapie behandelt werden. An sich ist das erzeugte Magnetfeld nicht zu spüren. Dennoch kann es sein, dass durch die verstärkte Durchblutung Symptome wie Kribbeln, Müdigkeit, Unruhe oder ein Wärmegefühl auftreten.

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