Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend verändern kann. Besonders nach einem ersten Schlaganfall ist das Risiko für einen erneuten Schlaganfall erhöht. Dieser Artikel beleuchtet das Schlaganfallrisiko im Zusammenhang mit der Einnahme von Marcumar, insbesondere nach einem Kleinhirninfarkt, und diskutiert Möglichkeiten zur Prävention und zum Management.
Erhöhtes Risiko nach einem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall. In Deutschland erleiden jährlich etwa 70.000 Menschen einen erneuten Schlaganfall. Um dieses Risiko zu minimieren, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, darunter medikamentöse Therapien, Lebensstiländerungen und gegebenenfalls operative Eingriffe.
Medikamentöse Prävention
Plättchenhemmer
Nach einem Schlaganfall werden häufig Plättchenhemmer wie ASS (Acetylsalicylsäure) oder Clopidogrel eingesetzt. Diese Medikamente verhindern, dass sich Blutplättchen an den Gefäßwänden anlagern und aneinanderhaften, wodurch die Bildung von Blutgerinnseln reduziert wird. ASS ist in Schmerzmitteln wie Aspirin enthalten, während Clopidogrel die Blutgerinnung auf andere Weise hemmt. Die Wahl des geeigneten Medikaments oder der Kombinationstherapie sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Plättchenhemmer können Nebenwirkungen haben, insbesondere ein erhöhtes Blutungsrisiko. Die meisten Blutungen sind leicht, aber in seltenen Fällen können auch schwerwiegende Komplikationen wie Magenblutungen auftreten.
Cholesterinsenkende Medikamente (Statine)
Statine werden häufig zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt und können das Risiko für einen erneuten Schlaganfall verringern. Sie schützen und stabilisieren die Gefäßwände und können dadurch der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen. Statine werden oft nach einem Schlaganfall empfohlen, da sie auch das Risiko für einen Herzinfarkt senken.
Lesen Sie auch: Schlaganfall und Marcumar: Was Sie wissen sollten
Obwohl Statine im Allgemeinen gut verträglich sind, können Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen oder Müdigkeit auftreten. Bei Unverträglichkeit eines bestimmten Statins kann auf ein anderes Präparat umgestiegen werden.
Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, die das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöht. Bei Vorhofflimmern kommt es zu ungeordneten elektrischen Impulsen in den Herzvorhöfen, was zu einem unregelmäßigen und schnellen Herzschlag führt. Dadurch können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden, die ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können.
Zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern werden Antikoagulanzien eingesetzt. Es gibt verschiedene Arten von Antikoagulanzien:
- Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs), auch neue orale Antikoagulanzien (NOAKs) genannt, wie Apixaban oder Dabigatran.
- Vitamin-K-Antagonisten, auch Cumarine genannt, wie Phenprocoumon (bekannt unter dem Handelsnamen „Marcumar“) und Warfarin.
DOAKs sind wahrscheinlich etwas wirksamer als Vitamin-K-Antagonisten und führen seltener zu Blutungen. Sie sind daher oft die erste Wahl. Für Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen und gut eingestellt sind, besteht jedoch kein medizinischer Grund für einen Wechsel auf ein DOAK.
Die häufigste Nebenwirkung von Antikoagulanzien sind kleinere Blutungen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten. Schwerwiegendere Blutungen, wie z. B. im Magen oder Darm, sind selten. Die schwerwiegendste Nebenwirkung ist eine Hirnblutung, aber das Risiko hierfür ist sehr gering.
Lesen Sie auch: Umfassende Analyse: Schlaganfall unter Marcumar
Herausforderungen bei der Behandlung mit Antikoagulanzien nach einem Schlaganfall
Die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall mit Gerinnungshemmern stellt Ärzte vor eine Herausforderung. Einerseits ist das Risiko für einen erneuten Schlaganfall in den ersten Tagen nach dem Ereignis besonders hoch, andererseits erhöhen alle Blutverdünner das allgemeine Blutungsrisiko. Zudem ist das Hirngewebe nach einem Schlaganfall empfindlicher, so dass es leichter zu Einblutungen in das betroffene Hirnareal kommen kann.
Laut Leitlinien liegt der optimale Zeitpunkt für den Beginn der Behandlung bei der Mehrheit der Betroffenen zwischen 4 und 14 Tagen nach dem Schlaganfall. Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass ein früherer Behandlungsbeginn das Risiko für einen erneuten Schlaganfall verringern kann, ohne das Risiko für eine Hirnblutung zu erhöhen.
Operative Maßnahmen
Entfernung von Ablagerungen in der Halsschlagader
Schlaganfälle werden häufig durch Gefäßverengungen (Stenosen) ausgelöst, die durch Ablagerungen an den Wänden der Hirngefäße oder der Halsschlagader entstehen. Ablagerungen in einer Halsschlagader können operativ entfernt werden. Dieser Eingriff wird meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Schlaganfall durchgeführt. Studien zeigen, dass dadurch das Risiko für einen erneuten Schlaganfall deutlich sinken kann.
Stent-Implantation
Um ein Blutgefäß dauerhaft offen zu halten, kann ein Stent eingesetzt werden. Das sind spezielle Gefäßstützen aus Drahtgeflecht, die verhindern sollen, dass sich ein Gefäß erneut verengt oder verschließt. Das Einsetzen eines Stents in einer verengten Halsschlagader beugt Schlaganfällen vor und kann für jüngere Betroffene eine Alternative zur Entfernung von Ablagerungen sein. Dagegen wird nur selten empfohlen, Stents in verengten Gefäßen im Schädel einzusetzen, da dies mit erheblichen Risiken verbunden sein kann.
Lebensstiländerungen
Neben medikamentösen und operativen Maßnahmen spielen Lebensstiländerungen eine entscheidende Rolle bei der Prävention eines erneuten Schlaganfalls.
Lesen Sie auch: Marcumar bei Epilepsie: Was Sie wissen sollten
Körperliche Aktivität
Körperlich aktiv zu sein, stärkt das Herz und die Gefäße. Bewegung und Sport können sich günstig auf die Cholesterinwerte auswirken und den Blutdruck senken. Sport kann zudem eine Gewichtsabnahme unterstützen, stärkt Muskeln und Knochen, verbessert die allgemeine Fitness und das Wohlbefinden. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, verteilt auf mindestens vier Tage, sowie zweimal wöchentlich Krafttraining für alle großen Muskelgruppen.
Auch bei körperlichen Einschränkungen nach einem Schlaganfall ist körperliche Aktivität wichtig. Es lohnt sich, möglichst wenig Zeit im Sitzen und Liegen zu verbringen, regelmäßig aufzustehen und zumindest einige kleine Schritte zu gehen. Selbst im Bett sind kleine Bewegungs- und Kräftigungsübungen möglich. Angehörige und Pflegekräfte können dabei unterstützen. Auch Physio- und Ergotherapie können helfen, Kraft und Beweglichkeit zu stärken. Nach einem Schlaganfall gibt es die Möglichkeit, regelmäßig am Rehasport teilzunehmen.
Rauchstopp
Bei Menschen, die rauchen, ist das Risiko für einen Schlaganfall erhöht, da Rauchen die Gefäßwände schädigt und die Entstehung von Blutgerinnseln begünstigt. Ein Rauchstopp hat zahlreiche gesundheitliche Vorteile, wie z. B. die Vermeidung von Lungenerkrankungen. Verschiedene Angebote unterstützen dabei, mit dem Rauchen aufzuhören, wie eine telefonische Beratung oder ein Kurs zur Raucherentwöhnung.
Ernährung und Gewichtsmanagement
Wie sich die Ernährung und eine Gewichtsabnahme auf das Risiko eines erneuten Schlaganfalls auswirken, ist bislang wenig untersucht. Bei einem erhöhten Risiko für Gefäßerkrankungen kann es aber sinnvoll sein, eine sehr einseitige Ernährung umzustellen. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung, die sich zum Beispiel an der „mediterranen Kost“ (Mittelmeerkost) orientiert. Darunter verstehen Fachleute viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Olivenöl, Vollkornprodukte, Fisch und Geflügel.
Eine salzärmere Ernährung kann den Blutdruck senken, weil weniger Wasser im Körper gebunden wird. Es wird empfohlen, weniger als 6 Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Dies kann gelingen, indem man beispielsweise nicht alle Speisen zusätzlich salzt und möglichst wenige Fertiggerichte isst, die viel Salz enthalten.
Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) können von einer Gewichtsabnahme profitieren. Je ausgeprägter die Adipositas ist und je länger sie besteht, desto höher ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Je nach Ausgangsgewicht empfehlen Fachleute, innerhalb von 6 bis 12 Monaten zwischen 5 und 10 % des Körpergewichts abzunehmen. Zu Fragen der Ernährung und weiteren Möglichkeiten der Gewichtsabnahme können Hausärzte beraten, aber auch Fachkräfte für Diätassistenz oder Ökotrophologie.
Alkoholkonsum
Menschen mit einem erhöhten Schlaganfall-Risiko wird empfohlen, den Konsum von Alkohol zu beschränken. Denn neben anderen Erkrankungen kann Alkohol auch Schlaganfälle begünstigen. Alkohol erhöht - regelmäßig und ausgiebig getrunken - den Blutdruck. Welche Menge Alkohol „zu viel“ ist, lässt sich jedoch nicht genau sagen. Eine Orientierung geben die allgemeinen Empfehlungen der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen zum Alkoholkonsum.
Kleinhirninfarkt: Besonderheiten und Risikofaktoren
Ein Kleinhirninfarkt ist ein Schlaganfall, der das Kleinhirn betrifft. Das Kleinhirn spielt eine wichtige Rolle bei der Koordination von Bewegungen, dem Gleichgewicht und der Feinmotorik. Symptome eines Kleinhirninfarkts können Schwindel, Koordinationsstörungen, Gangunsicherheit und Sprachstörungen sein.
Ein Verschluss der Arteria vertebralis und eine Stenose der ACI (Arteria carotis interna) können Risikofaktoren für einen Kleinhirninfarkt sein. In solchen Fällen kann eine sorgfältige Blutdruckeinstellung entscheidend sein, um eine ausreichende Durchblutung des Gehirns zu gewährleisten. Einige Neurologen empfehlen bei Patienten mit solchen Gefäßverschlüssen einen höheren Blutdruck, um den Blutfluss durch die verengten Gefäße zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, diese Empfehlung individuell mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, da ein zu hoher Blutdruck auch Risiken birgt.
Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko
Vorhofflimmern erhöht das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, insbesondere bei Personen ab dem 65. Lebensjahr und bei Patienten mit Bluthochdruck. Bei Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden, die ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können. Daher ist es wichtig, Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Die Herzstiftung empfiehlt allen Männern und Frauen ab dem 65. Lebensjahr sowie Patienten mit Bluthochdruck eine regelmäßige Pulsmessung. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, sich ein Blutdruckmessgerät mit Arrhythmieerkennung für den Hausgebrauch anzuschaffen. Diese Geräte zeigen zusätzlich zu den Blutdruckwerten die Herzfrequenz an und geben ein Warnsignal, wenn der Puls unregelmäßig ist.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Vorhofflimmern nicht immer Symptome verursacht. Einige Menschen bemerken Beschwerden wie gelegentliches Herzstolpern oder Herzrasen auch zunächst nicht ernst. Daher ist eine regelmäßige ärztliche Untersuchung wichtig, um Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
tags: #marcumar #schlaganfall #kleinhirn