Michael Fleischer: Schwerpunkte in der Neurologie

Die Neurologie ist ein breit gefächertes medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Innerhalb der Neurologie gibt es verschiedene Spezialisierungen, in denen sich Ärzte auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Dieser Artikel beleuchtet die Schwerpunkte von Dr. Michael Fleischer, einem Funktionsoberarzt im Bereich der Neurologie.

Einleitung

Die neurologische Klinik zeichnet sich durch moderne Führungsstrukturen und einen starken Teamansatz aus. Der kollegiale Austausch zwischen allen Berufsgruppen, insbesondere den Pflegenden, wird gefördert. Eine thematisch breite Ausrichtung ermöglicht die Schaffung eigenständiger Bereiche in der Schlaganfall- und Notfallmedizin, der Neuroonkologie, der Neuroimmunologie, der peripheren Neurologie und bei den neurodegenerativen Erkrankungen. Das überregional bekannte Kopfschmerz-, Schwindel- und Rückenschmerzzentrum wurde weiterentwickelt und ein neuer Bereich Epilepsie eröffnet. Ein ärztliches Führungsteam mit flachen Hierarchien vertritt die genannten Bereiche klinisch und wissenschaftlich eigenständig.

Schwerpunkte von PD Dr. Michael Fleischer

PD Dr. Fleischer wechselte Mitte 2016 von Würzburg nach Essen, um seine Facharztausbildung abzuschließen. Im klinischen Alltag widmet er sich hauptsächlich den Bewegungsstörungen und der Tiefenhirnstimulation, welche er zusammen mit Prof. durchführt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung, insbesondere der Modulation der thalamokortikalen Netzwerke mittels optischer und elektrischer Stimulation in der Maus sowie der Neuroprotektion durch Modulation von PAR4 im Schlaganfallmodell.

Klinischer Fokus: Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation

Ein zentraler Schwerpunkt von Dr. Fleischer liegt in der Behandlung von Bewegungsstörungen. Bewegungsstörungen umfassen eine Vielzahl von neurologischen Erkrankungen, die sich durch abnorme oder unwillkürliche Bewegungen auszeichnen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Parkinson-Krankheit: Eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die zu Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen führt.
  • Dystonie: Eine neurologische Bewegungsstörung, die durch anhaltende Muskelkontraktionen gekennzeichnet ist, die zu unwillkürlichen, sich wiederholenden Bewegungen oder abnormalen Haltungen führen.
  • Tremor: Unwillkürliches, rhythmisches Zittern einer oder mehrerer Körperteile.

Dr. Fleischer ist spezialisiert auf die Tiefe Hirnstimulation (THS), eine etablierte Behandlungsmethode für bestimmte Bewegungsstörungen. Bei der THS werden Elektroden in spezifische Zielgebiete im Gehirn implantiert, um elektrische Impulse abzugeben, die die Aktivität der neuronalen Schaltkreise modulieren und die Symptome der Bewegungsstörung lindern können.

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Forschungsschwerpunkte: Neurowissenschaftliche Grundlagenforschung

Neben seiner klinischen Tätigkeit ist Dr. Fleischer auch in der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung aktiv. Seine Forschung konzentriert sich auf die Aufklärung der Mechanismen, die Bewegungsstörungen zugrunde liegen, und die Entwicklung neuer Therapieansätze. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören:

  • Modulation der thalamokortikalen Netzwerke: Untersuchung, wie die Aktivität der thalamokortikalen Netzwerke, die eine wichtige Rolle bei der Bewegungssteuerung spielen, durch optische und elektrische Stimulation beeinflusst werden kann.
  • Neuroprotektion im Schlaganfallmodell: Erforschung der Rolle von PAR4 bei der Neuroprotektion nach einem Schlaganfall und wie die Modulation von PAR4 dazu beitragen kann, Hirnschäden zu reduzieren.

Dr. Fleischer nutzt verschiedene neurowissenschaftliche Methoden in seiner Forschung, darunter:

  • Zellkultur: Anbau von Zellen im Labor, um zelluläre Prozesse zu untersuchen.
  • Elektrophysiologie: Messung der elektrischen Aktivität von Nervenzellen.
  • Tiermodelle: Verwendung von Tieren, um menschliche Krankheiten zu modellieren und neue Therapien zu testen.
  • Optogenetische Stimulation: Verwendung von Licht, um die Aktivität von Nervenzellen zu steuern.

Ziele für die Zukunft

„In der Zukunft möchte ich die Grundlagen der Bewegungsstörungen weiter erforschen, um über die Modulation der beteiligten Netzwerke Therapien für die Dystonie zu entwickeln. Also neurowissenschaftliche Grundlagenforschung an den Patienten zu bringen“, erklärt PD Dr. Fleischer.

Die Neurologische Klinik: Ein Überblick

Die Klinik bietet eine umfassende neurologische Versorgung mit Schwerpunkten in verschiedenen Bereichen. Die gute personelle Ausstattung ermöglicht planbare Freistellungen für Forschungsaktivitäten und moderne Arbeitszeitmodelle. Der Erwerb von Zusatzbezeichnungen wie Intensivmedizin, Schmerztherapie und Geriatrie ist ebenso möglich wie der Erwerb von Zertifikaten für EEG, EP, EMG und Ultraschall.

Spezialisierte Bereiche

Die Klinik hat eigenständige Bereiche in der Schlaganfall- und Notfallmedizin, der Neuroonkologie, der Neuroimmunologie, der peripheren Neurologie und bei den neurodegenerativen Erkrankungen geschaffen. Das Kopfschmerz-, Schwindel- und Rückenschmerzzentrum sowie der neue Bereich Epilepsie ergänzen das Angebot.

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Diagnostische und Therapeutische Möglichkeiten

Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in der Neurologie haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Eine ganze Reihe dieser Verfahren ist dabei nur in größeren neurologischen Zentren verfügbar.

Aus- und Weiterbildung

Die Klinik bietet Fachärztinnen/ Fachärzten sowie Assistenzärztinnen/ Assistenzärzten in fortgeschrittener Weiterbildung die Möglichkeit, sich in verschiedenen Bereichen der spezialisierten Neurologie zu vertiefen. Hierzu zählen das Epilepsiezentrum, das Neuromuskuläre Zentrum, die Neuroimmunologie, das Kopf- und Schwindelzentrum, die spezielle Neuroonkologie, die Neurologische Intensivmedizin und Schlaganfallmedizin sowie die Behandlung von Bewegungsstörungen inkl. tiefen Hirnstimulationsverfahren.

Standardisierung der MRT-Bildgebung bei Multipler Sklerose

Ein wichtiger Aspekt in der Neurologie ist die Diagnostik und Verlaufskontrolle der Multiplen Sklerose (MS). Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt hierbei eine zentrale Rolle. Um die Qualität der Versorgung von MS-Patienten zu verbessern, wurde im Großraum Essen ein Projekt zur Standardisierung und Harmonisierung der MRT-Bildgebung durchgeführt.

Konsensuskriterien und Vorgehensweise

In Zusammenarbeit zwischen Neurologen und (Neuro)radiologen wurden Konsensuskriterien verabschiedet, die Aspekte wie Bildakquisition, Interpretation, Befundübermittlung und interdisziplinäre Zusammenarbeit umfassen. Die Konsensfindung erfolgte anhand der modifizierten Delphi-Methode, einer strukturierten Kommunikationstechnik.

Ergebnisse des Konsenses

Einigkeit bestand darüber, dass die 2017 revidierten McDonald-Kriterien zur Diagnosestellung der MS herangezogen werden und die MRT-Bildgebung die örtliche und zeitliche Dissemination dokumentieren soll. MRT-Verlaufsuntersuchungen sind notwendig, um auch subklinische Krankheitsaktivität zu erfassen und die Effektivität der Therapie festzustellen. Neuere Parameter der MRT durch Messung der Hirnatrophie erfassen die neurodegenerative Komponente der MS.

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Praktische Empfehlungen für die MRT-Untersuchung

Es wurden Empfehlungen zur Durchführung der MRT-Untersuchung erarbeitet, die unter anderem die magnetische Feldstärke, die Repositionierung der Schnittführung und die Verwendung von Kontrastmitteln betreffen. Eine Feldstärke von 1,5 T ist zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle ausreichend. Zur besseren Vergleichbarkeit der Bilder sollte eine standardisierte Repositionierung entlang der HYFA-Linie erfolgen. Es sollten nur noch makrozyklische gadoliniumbasierte Kontrastmittel verwendet werden.

MRT-Protokoll bei Verdacht auf MS

Für die Erstuntersuchung bei Verdacht auf MS wurde ein standardisiertes MRT-Protokoll entwickelt, das verschiedene Sequenzen umfasst. Bei der Erstuntersuchung sollte stets die KM-Gabe vor der FLAIR-Sequenz und vor der axialen T2-Sequenz erfolgen.

Spinale MRT

Bei der Erstuntersuchung zur Abklärung einer MS sollte stets eine MRT der kompletten spinalen Achse durchgeführt werden. Die Gabe von Kontrastmittel ist bei der Erstuntersuchung zur Klärung der Diagnose MS sinnvoll.

Sicherheitsmonitoring und Befundung

Neben der regelmäßigen Verlaufskontrolle dient die MRT dem Sicherheitsmonitoring hinsichtlich therapieassoziierter Komplikationen, wie beispielsweise zur frühen Feststellung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter einer Therapie mit Natalizumab. Um die Arbeit des Neuro‑/Radiologen bei der Befundung zu vereinfachen, sollte der Anfordernde obligatorische Mindestangaben zur Fragestellung, zu der zugrunde liegenden Symptomatik, der aktuellen Krankheitsaktivität sowie zur MS-Verlaufsform zur Verfügung stellen.

Zukünftige Entwicklungen

Auch in Zukunft wird den Befundtexten weiterhin ein hoher Stellenwert zukommen, wenngleich mittelfristig einheitliche Softwarelösungen verfügbar sein werden, die zuverlässig Bilder miteinander vergleichen, Läsionen quantifizieren, vermessen und anatomisch zuordnen. Man kann davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren weitere Bildgebungsparameter zur Diagnostik und Verlaufskontrolle bei der MS in die klinische Praxis eingeführt werden.

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