Migräne durch Kinobesuch: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die vestibuläre Migräne ist eine besondere Form der Migräne, die nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch Schwindel verursacht. Ein Kinobesuch kann bei manchen Menschen Migräne auslösen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der vestibulären Migräne und geht speziell auf den Zusammenhang mit Kinobesuchen ein.

Einführung in die vestibuläre Migräne

Die vestibuläre Migräne ist eine Unterform der episodischen Migräne, was bedeutet, dass sie in Attacken auftritt und nach einigen Minuten bis maximal drei Tagen wieder abklingt. Der Begriff "vestibulär" deutet darauf hin, dass das Gleichgewichtsorgan im Innenohr an den Beschwerden beteiligt ist. Früher wurde diese Form der Migräne auch als Migräne-assoziierter Schwindel, migränebedingte Vestibulopathie oder migränöser Schwindel bezeichnet.

Die vestibuläre Migräne betrifft etwa ein Prozent der mitteleuropäischen, erwachsenen Bevölkerung. Frauen sind im Allgemeinen häufiger betroffen als Männer. Sie ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, sondern kann in jeder Altersgruppe auftreten.

Symptome der vestibulären Migräne

Das Leitsymptom der vestibulären Migräne ist Schwindel. Dieser kann sich als Drehschwindel, lageabhängiger Schwindel oder als Kopfbewegungsintoleranz äußern. Daher wird die vestibuläre Migräne im Volksmund auch als "Schwindelmigräne" bezeichnet. Schwindel tritt zwar auch bei anderen Arten von Migräne auf, ist aber nie so charakteristisch wie bei der vestibulären Migräne.

  • Drehschwindel: Betroffene haben das Gefühl, sich ununterbrochen auf einem Karussell zu befinden.
  • Lagerungsabhängiger Schwindel: Die Symptomstärke hängt von der Position des Kopfes im Raum ab.
  • Kopfbewegungsintoleranz: Betroffene haben das Gefühl, seekrank zu sein, sobald sie ihren Kopf bewegen.

Eine Schwindel-Attacke kann zwischen wenigen Sekunden und mehreren Tagen andauern. Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen halten die Attacken Stunden bis Tage an.

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Ein temporärer Zusammenhang zwischen Schwindel und migränetypischen Kopfschmerzen ist nicht immer vorhanden. Manche Betroffene haben Kopfschmerzen während der Schwindel-Attacken, andere leiden unter Schwindel, ohne jedoch Kopfschmerzen zu haben. Die meisten Patienten weisen allerdings beide Symptome auf - zeitlich allerdings oft unabhängig voneinander.

Neben dem Schwindel gibt es weitere Symptome, die das Beschwerdebild der vestibulären Migräne vervollständigen:

  • Oszillopsien: Scheinbewegungen der Umwelt. Patienten glauben, dass ihr Umfeld sich bewegt, tatsächlich ist es aber unbewegt.
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Gangunsicherheit: Gleichgewichtsstörungen, die sich als Gangunsicherheit zeigen.
  • Migräne-Symptome: Kopfschmerzen, Lärm- und Lichtscheu sowie häufiges Wasserlassen.
  • Auditive Symptome: Hörminderung, Tinnitus oder Ohrendruck.

Im Gegensatz zu Morbus Menière verschlechtert sich die Hörleistung bei der vestibulären Migräne mit der Zeit nicht weiter.

Ursachen und Auslöser der vestibulären Migräne

Die Auslöser der vestibulären Migräne unterscheiden sich nicht wesentlich von den Ursachen der "klassischen" Migräne. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress
  • Gestörter Schlafrhythmus
  • Lebensmittel: Rotwein, Käse, dunkle Schokolade, Geschmacksverstärker wie Glutamat
  • Hormonelle Schwankungen: Besonders im Rahmen der weiblichen Menstruation

Bei den meisten Betroffenen sind die Auslöser jedoch individuell verschieden. Eine spezifische Ursache konnte man bislang nicht nachweisen, jedoch konnte man eine genetische Komponente nachweisen, die mitverantwortlich ist.

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Migräne durch Kinobesuch: Der Zusammenhang

Ein Kinobesuch kann bei manchen Menschen mit vestibulärer Migräne oder auch klassischer Migräne eine Attacke auslösen. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Visuelle Reize: Insbesondere bewegte oder komplexe Muster mit vielen Farben und Formen auf der Leinwand können Schwindel und Kopfschmerzen auslösen. Die Teilnahme am Straßenverkehr und das Einkaufen im Supermarkt sind oft besonders herausfordernd für Betroffene.
  • 3D-Filme: 3D-Filme können eine zusätzliche Belastung für die Augen darstellen. Die Augen müssen sich ständig an unterschiedliche Entfernungen anpassen, was zu Anstrengung und Kopfschmerzen führen kann.
  • Lichtempfindlichkeit: Viele Migränepatienten reagieren äußerst empfindlich auf Licht. Die Lichteffekte im Kino, insbesondere in Kombination mit der Dunkelheit, können eine Migräneattacke provozieren. Eine US-Studie deutet sogar darauf hin, dass gedämpftes grünes Licht bei etlichen Patienten die Schmerzen lindert.
  • Geräusche: Laute Geräusche und Musik im Kino können ebenfalls Migräne auslösen.
  • Lange Inaktivität: Langes Sitzen im Kino kann zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen, was wiederum Migräne begünstigen kann.
  • Schlechte Belüftung: In schlecht belüfteten Kinosälen kann die Luftqualität leiden, was ebenfalls Kopfschmerzen und Migräne auslösen kann.

Behandlung der vestibulären Migräne

Die Behandlung der vestibulären Migräne lehnt sich an die allgemeine Migräne-Therapie an. Eine gesunde Lebensführung ist die beste Maßnahme, um die vestibuläre Migräne erfolgreich zu behandeln. Vermeiden Sie Migräne-Auslöser (Trigger), achten Sie auf ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und vergessen Sie nicht, genügend zu trinken. Versuchen Sie außerdem, regelmäßige Arbeitspausen einzubauen, Sport zu treiben und ein Entspannungsverfahren zu lernen - das reduziert Stress und erhöht die Lebensqualität.

Dauern die Attacken länger als 30 Minuten, kann man über eine medikamentöse Therapie nachdenken. Der Grund: Es dauert im Durchschnitt etwa eine halbe Stunde, bis das Medikament seinen Zielort erreicht und es zum Wirkungseintritt kommt.

Akuttherapie:

  • Antiemetika: Metoclopramid und Domperidon wirken gegen die Übelkeit, die das Schwindelgefühl oft begleitet.
  • Triptane: Diese Medikamente bekämpfen gezielt die Migräne und wirken nicht symptomatisch, indem sie beispielsweise den Schmerz betäuben wie übliche Analgetika.
  • Schmerzmittel (Analgetika): Ibuprofen und ASS können den akuten Zustand verbessern, indem sie die Schmerzen beseitigen.

Prophylaxe:

  • Flunarizin: Dieser Calciumkanalblocker blockiert den Calciumkanal im Innenohr und wirkt so direkt am Vestibularorgan.
  • Carboanhydrasehemmer: Acetazolamid und Diclofenamid können bei der Vorbeugung von vestibulärer Migräne ebenfalls gute Ergebnisse erzielen.
  • Magnesium: Bei manchen Betroffenen liegt ein Magnesiummangel vor. In diesen Fällen kann die Einnahme von Magnesium die Symptome der vestibulären Migräne lindern.
  • Weitere Migränemedikamente: Es gibt weitere Medikamente, die generell bei Migräne eingesetzt werden und auch bei vestibulärer Migräne helfen können.

Es ist wichtig zu beachten, dass Prophylaxe-Maßnahmen die Migräne-Tage zwar um etwa die Hälfte reduzieren, aber die Migräne meist nicht komplett verhindern können.

Tipps für Kinobesuche bei Migräne

Wenn Sie unter Migräne leiden und trotzdem gerne ins Kino gehen möchten, können Sie folgende Tipps beachten:

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  • Vermeiden Sie 3D-Filme: Diese können die Augen zusätzlich belasten.
  • Wählen Sie einen Platz in der Mitte des Saals: Dort fällt gleich viel Licht auf beide Augen, sodass ein Auge nicht mehr arbeiten muss als das andere. Außerdem sehen man von dort die Bilder direkt von vorne.
  • Nehmen Sie eine Kopfschmerztablette vor dem Film: So können Sie einer Attacke möglicherweise vorbeugen.
  • Tragen Sie eine Sonnenbrille: Diese kann helfen, die Augen vor dem hellen Licht zu schützen.
  • Machen Sie Pausen: Schließen Sie zwischendurch die Augen oder konzentrieren Sie sich auf unbewegliche Bildausschnitte.
  • Achten Sie auf eine gute Belüftung: Vermeiden Sie Kinosäle, in denen die Luft stickig ist.
  • Vermeiden Sie Trigger: Verzichten Sie auf Popcorn, zuckerhaltige Getränke oder andere Lebensmittel, die bei Ihnen Migräne auslösen können.

Krankheitsverlauf und Prognose

Die Symptome der vestibulären Migräne dauern zwischen fünf Minuten und 72 Stunden. Die Beschwerden klingen bis zum nächsten Migräne-Anfall komplett ab und halten nie länger als drei aufeinanderfolgende Tage und keinesfalls wochenlang an.

Mithilfe von geeigneten Prophylaxe-Maßnahmen lassen sich die Migräne-Tage meistens um etwa die Hälfte reduzieren. Trotzdem kommt es immer wieder zu episodischen Migräne-Anfällen, das lässt sich kaum vermeiden. Vielen Betroffenen gelingt es aber, ihre individuellen Auslöser (Trigger) aufzudecken und oft auch zu vermeiden, oder sie finden einen Weg, um mit den Symptomen umzugehen.

Vestibuläre Migräne ist nicht heilbar. Dennoch gibt es immer wieder Fälle, bei denen es zu einer Spontanremission kommt. Viele Patientinnen und Patienten haben jedoch immer wieder Migräne-Anfälle. Kommen Migränepatientinnen in die Wechseljahre, lassen die Kopfschmerzen oft nach und der Schwindel tritt alleine auf.

Differentialdiagnosen

Manchmal ist die vestibuläre Migräne von anderen Erkrankungen des Innenohrs schwierig zu unterscheiden. Zu den Differentialdiagnosen gehören unter anderem:

  • Morbus Menière: Betroffene weisen oft ebenfalls Migräne-Symptome auf. Zusätzlich leiden sie unter Hörverlust, Tinnitus und Ohrendruck. Diese Symptome verschlimmern sich im Laufe der Erkrankung.
  • Transitorisch ischämische Attacken (TIAs): TIAs betreffen meist ältere Patientinnen und Patienten. Die Symptome (Sprachschwierigkeiten, Verwirrtheit, Sehverlust besonders auf einem Auge, Schwindel, Gleichgewichts- und Koordinationsverlust) halten zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden an.
  • Vestibularisparoxysmie: Durch Nervenkompression kommt es bei der Vestibularisparoxysmie zu Schwindel-Attacken, die einige Sekunden andauern. Diese Attacken treten bis zu 100-mal am Tag auf. Zusätzlich - und von den Schwindel-Attacken unabhängig - klagen Betroffene über anfallsartige auftretende Beschwerden wie Ohrendruck, Hörminderung und Tinnitus.
  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS): Bei BPLS kommt es zu kurzen Schwindel-Attacken, sobald der Kopf bewegt wird. Die Beschwerden treten unter anderem beim Aufstehen, Hinlegen, Umdrehen und Aufrichten auf und werden von einem rhythmischen „Augenzittern“ begleitet (Nystagmus). Endet die Bewegung, endet auch der Schwindel. Bis zur nächsten Bewegung sind die Betroffenen beschwerdefrei.
  • Psychogener Schwindel: Dieser Schwindel ist die Folge einer Angststörung. Daher tritt er besonders situativ auf, also bei sehr pessimistischen, katastrophisierenden Gedanken, bei extremer Angst, Herzrasen, Luftnot und bei Muskelzittern (Tremor).
  • Orthostatische Hypotonie: Wenn das Blut beim Aufstehen in den Beinen versackt, sinkt bei den Betroffenen der Blutdruck. Dann spricht man von einer orthostatischen Hypotonie. Direkt nach dem schnellen Aufstehen kommt es zu einer kurzen Benommenheit, zu Schwindel und Sehstörungen.

Narkolepsie und Migräne

Es ist wichtig zu erwähnen, dass auch andere neurologische Erkrankungen wie Narkolepsie mit Migräne assoziiert sein können. Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, die unter anderem durch Tagesschläfrigkeit, Kataplexie und gestörten Nachtschlaf gekennzeichnet ist. Studien haben gezeigt, dass Migräne bei Narkolepsie-Patienten häufiger auftritt.

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