Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die von einer Vielzahl von Symptomen begleitet sein kann, darunter Übelkeit, Erbrechen und extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Bei manchen Menschen geht der Migräne eine Aura voraus, die sich in Form von visuellen, sensorischen oder motorischen Störungen äußern kann. Die Behandlung von Migräne umfasst verschiedene Ansätze, darunter auch die Einnahme von Medikamenten. Wie bei allen Medikamenten können auch bei Migränepillen Nebenwirkungen auftreten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Nebenwirkungen von Migränepillen und gibt Hinweise, wie man mit ihnen umgehen kann.
Ursachen und Formen von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den häufigsten Auslösern von Migräneattacken zählen Stress, Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten, bestimmte Wetterlagen und hormonelle Veränderungen.
Migräne kann in verschiedene Formen unterteilt werden, darunter:
- Migräne ohne Aura: Die häufigste Form der Migräne, die sich durch pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit auszeichnet.
- Migräne mit Aura: Bei dieser Form der Migräne treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, wie z. B. Sehstörungen, Empfindungsstörungen oder Sprachstörungen.
- Menstruelle Migräne: Eine spezielle Form der Migräne, die im Zusammenhang mit der Menstruation auftritt. Sie wird durch den Abfall des Östrogenspiegels ausgelöst.
Medikamentöse Behandlung von Migräne
Die medikamentöse Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Es gibt zwei Hauptgruppen von Medikamenten:
- Akutmedikation: Diese Medikamente werden während einer Migräneattacke eingenommen, um die Schmerzen und Begleitsymptome zu lindern. Dazu gehören Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol, Triptane und Antiemetika.
- Prophylaktische Medikamente: Diese Medikamente werden regelmäßig eingenommen, um die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken zu reduzieren. Dazu gehören Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika und CGRP-Antikörper.
Mögliche Nebenwirkungen von Migränepillen
Wie alle Medikamente können auch Migränepillen Nebenwirkungen verursachen. Die Art und Schwere der Nebenwirkungen können je nach Medikament und Person variieren.
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Nebenwirkungen von Akutmedikamenten
- Schmerzmittel:
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung)
- Kopfschmerzen bei übermäßigem Gebrauch
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (bei langfristiger Einnahme von NSAR)
- Triptane:
- Engegefühl in Brust oder Hals
- Schwindel
- Müdigkeit
- Übelkeit
- In seltenen Fällen: Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Antiemetika:
- Müdigkeit
- Schwindel
- Bewegungsstörungen
Nebenwirkungen von prophylaktischen Medikamenten
- Betablocker:
- Müdigkeit
- Schwindel
- Kalte Hände und Füße
- Depressionen
- Verlangsamung des Herzschlags
- Antidepressiva:
- Müdigkeit
- Gewichtszunahme
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Mundtrockenheit
- Verstopfung
- Antiepileptika:
- Müdigkeit
- Schwindel
- Gewichtszunahme
- Haarausfall
- Beeinträchtigung der Leberfunktion
- CGRP-Antikörper:
- Reaktionen an der Injektionsstelle
- Verstopfung
- Müdigkeit
- In seltenen Fällen: Erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen
Umgang mit Nebenwirkungen
Wenn Sie unter Nebenwirkungen von Migränepillen leiden, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen. In vielen Fällen können die Nebenwirkungen durch Anpassung der Dosierung oder durch Wechsel des Medikaments reduziert werden.
Hier sind einige allgemeine Tipps, wie Sie mit Nebenwirkungen umgehen können:
- Nehmen Sie die Medikamente wie von Ihrem Arzt verordnet ein.
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung.
- Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Schlaf.
- Führen Sie ein Migräne-Tagebuch, um mögliche Auslöser und Nebenwirkungen zu identifizieren.
Hormonelle Verhütung und Migräne
Frauen mit Migräne sollten bei der Wahl der Verhütungsmethode besonders vorsichtig sein. Hormonelle Verhütungsmittel, insbesondere solche, die Östrogen enthalten, können Migräneattacken auslösen oder verschlimmern. Insbesondere bei Migräne mit Aura kann die Einnahme der Antibabypille das Schlaganfallrisiko erhöhen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Frauen mit Migräne mit Aura, unabhängig vom Alter auf die Einnahme der Antibabypille zu verzichten. Frauen mit Migräne ohne Aura sollten die Pille ab dem 35. Lebensjahr absetzen oder nur in Ausnahmefällen anwenden.
Alternativ können Frauen mit Migräne auf östrogenfreie Verhütungsmethoden wie die Minipille, die Hormonspirale oder nicht-hormonelle Methoden wie Kondome oder Diaphragma zurückgreifen.
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Menstruelle Migräne und hormonelle Einflüsse
Ein Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne ist bekannt. Viele Frauen leiden unter der sogenannten menstruellen Migräne, die durch den Abfall des Östrogenspiegels ausgelöst wird. Forscher haben herausgefunden, dass Migränepatientinnen größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn ausschütten, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt.
Die Behandlung der menstruellen Migräne kann sowohl akut als auch vorbeugend erfolgen. Akut können Schmerzmittel, Triptane und Antiemetika eingesetzt werden. Vorbeugend können hormonelle Therapien wie die kontinuierliche Einnahme der Pille oder die Verwendung eines Östrogenpflasters helfen, den Östrogenspiegel stabil zu halten.
Die Rolle von Estrogen und anderen Hormonen
Estrogen spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Zahlreiche Gehirnareale, die in die Pathophysiologie der Migräne involviert sind, exprimieren Estrogenrezeptoren. Estrogen kann die Neurotransmission und die Zellfunktion verändern und somit die Schmerzempfindlichkeit beeinflussen.
Ein Abfall des Östrogenspiegels kann Migräneattacken auslösen, während hohe Estrogenkonzentrationen die Bildung von schmerzhemmenden Neurotransmittern und Neuropeptiden fördern können. Auch andere Hormone wie Progesteron, Oxytocin und körpereigene Substanzen wie CGRP spielen eine Rolle bei der Entstehung und Behandlung von Migräne.
Fazit
Migränepillen können eine wirksame Behandlung für Migräne sein, aber sie können auch Nebenwirkungen verursachen. Es ist wichtig, die möglichen Nebenwirkungen zu kennen und mit Ihrem Arzt zu besprechen, wie Sie mit ihnen umgehen können. Frauen mit Migräne sollten bei der Wahl der Verhütungsmethode besonders vorsichtig sein und hormonelle Einflüsse auf ihre Migräne berücksichtigen. Durch eine individuelle Behandlung und eine gute Kommunikation mit Ihrem Arzt können Sie Ihre Migräne in den Griff bekommen und Ihre Lebensqualität verbessern.
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Die Schmerzklinik Kiel als Anlaufstelle
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Zur Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Bitten Sie Ihren Arzt, die Aufnahme-Checkliste auszufüllen.
- Füllen Sie den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Senden Sie alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift.
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