Migräne mit Aura: Neurologische Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Migräne mit Aura ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, denen neurologische Symptome vorausgehen. Diese Symptome, die als Aura bezeichnet werden, können vielfältig sein und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. In diesem Artikel werden die Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Migräne mit Aura umfassend erläutert.

Was ist eine Migräne-Aura?

Der Begriff „Aura“ leitet sich von Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, ab. Ähnlich wie die Morgenröte den Tag ankündigt, kündigen Wahrnehmungsstörungen die bevorstehende Kopfschmerzphase bei einer Migräne mit Aura an. Die Migräne mit Aura ist eine von zwei Hauptformen der Migräne, wobei etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten betroffen sind. Sie zeichnet sich durch anfallsartige neurologische Störungen aus, die meist zwischen 5 und 60 Minuten andauern. Treten mehrere Aura-Symptome nacheinander auf, kann sich die Dauer auch verlängern. In der Regel setzen die Kopfschmerzen innerhalb einer Stunde nach Beginn der Aura ein.

Symptome der Migräne mit Aura

Die Symptome einer Migräne mit Aura sind vielfältig und können visuelle, sensible und sprachliche (aphasische) Störungen umfassen. Auren umfassen neurologische Symptome, die im typischen Fall für die Dauer von ca. 30 Minuten dem eigentlichen Migräne-Schmerz vorausgehen. Sie sind durch eine allmähliche Zunahme und ein langsames Abklingen im Anschluss gekennzeichnet. Aura-Symptome bilden sich in der Regel vollständig - meist innerhalb von einer Stunde - zurück.

Visuelle Störungen

Sehstörungen treten bei fast allen (99 Prozent) Migränepatienten mit Aura auf. Die Migräne kann beispielsweise folgende Bildstörungen auslösen:

  • Skotom (Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
  • Blendende Kreise oder Vierecke (die sich immer weiter ausbreiten)
  • Zickzacklinien
  • Blitzlichter
  • Sternschnuppen

Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind. In der Regel bilden sie sich innerhalb von einer Stunde wieder zurück.

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Sensible Störungen

Gefühlsstörungen treten bei 30 bis 54 Prozent der Betroffenen auf. Migränepatienten mit Aura berichten beispielsweise von einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Wangen.

Sprachliche Störungen

Sprachstörungen sind seltener (in 9 bis 31 Prozent der Fälle) und äußern sich zum Beispiel dadurch, dass die Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten beeinträchtigt ist.

Atypische Migräne-Aura

Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fallen:

  • Migräne mit Hirnstammaura: Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.
  • Hemiplegische Migräne: Die Aura geht mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einher. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert.
  • Retinale Migräne: Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.
  • Alice-im-Wunderland-Syndrom: Hierbei handelt es sich um Wahrnehmungsstörungen, bei denen den Betroffenen beispielsweise der eigene Körper ganz klein und der umgebende Raum riesengroß erscheint. Auch Halluzinationen und Orientierungsverlust können auftreten. Wahrscheinlich liegen dem Syndrom organische oder funktionelle Veränderungen in einem bestimmten Bereich des Gehirns zugrunde, dem Temporallappen.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die Ursachen der Migräne mit Aura sind, wie auch bei der Migräne ohne Aura, noch nicht abschließend erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass Menschen mit Migräne eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde aufweisen. Im Rahmen einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht hauptverantwortlich ist.

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Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Migräne-Patienten mit Aura jedoch eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein. Grundlage dieser Störung ist vermutlich ein genetischer Defekt.

Triggerfaktoren

Bestimmte Auslöser - sogenannte Trigger - können Migräneattacken mit Aura hervorrufen. Solche Auslöser sind beispielsweise:

  • Stress
  • Wetterumschwünge
  • Bestimmte Gerüche
  • Konsum von Alkohol, Koffein und Nikotin
  • Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Angestrengtes Lesen oder Fernsehen
  • Äußere Einflüsse wie z.B.

Diagnose der Migräne mit Aura

Die Diagnose einer Migräne mit Aura basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und der Beschreibung seiner Symptome. Der Arzt wird Fragen zu Art, Dauer und Häufigkeit der Kopfschmerzen sowie zu den begleitenden Symptomen stellen. Eine neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung der Migräne mit Aura

Die Behandlung der Migräne mit Aura zielt darauf ab, die Symptome während einer Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren.

Akutbehandlung

Zur Akutbehandlung einer Migräneattacke mit Aura können folgende Medikamente eingesetzt werden:

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  • Schmerzmittel: Leichte bis mittelschwere Migräneattacken können mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin behandelt werden.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei stärkeren Attacken eingesetzt werden können. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
  • Antiemetika: Antiemetika können helfen, Übelkeit und Erbrechen zu lindern, die häufig mit Migräne einhergehen.

Prophylaktische Behandlung

Wenn Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine prophylaktische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Folgende Medikamente können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden:

  • Betablocker: Betablocker werden häufig zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, insbesondere trizyklische Antidepressiva, können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika, wie Topiramat und Valproinsäure, haben sich als wirksam bei der Migräneprophylaxe erwiesen.
  • CGRP-Antikörper: CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist ein Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen CGRP wirken und die Häufigkeit von Migräneattacken deutlich reduzieren können.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Behandlung und Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden:

  • Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräneattacken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
  • Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren für Migräne zu identifizieren und diese möglichst zu vermeiden.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken reduzieren.
  • Biofeedback: Bei der Biofeedback-Therapie lernen Patienten, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst zu beeinflussen, um Schmerzen zu lindern.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprophylaxe wirksam sein kann.
  • Ernährungsumstellung: Insbesondere der Konsum von fermentierten Lebensmitteln kann die Neigung zu weiteren Migräneattacken fördern. „Gereifter Käse, Alkohol und Schokolade können Migräneattacken auslösen. Daher sollten Migränepatienten diese Produkte gegebenenfalls meiden.

Leben mit Migräne mit Aura

Migräne mit Aura kann eine erhebliche Belastung für die Betroffenen darstellen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, die individuellen Triggerfaktoren zu kennen und eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt und dem sozialen Umfeld kann helfen, den Umgang mit der Migräne zu erleichtern und Verständnis und Unterstützung zu erhalten.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Kopfschmerzen neu auftreten oder sich in Art und Intensität verändern.
  • Die Kopfschmerzen von neurologischen Symptomen wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungen begleitet werden.
  • Die Kopfschmerzen trotz Behandlung anhalten oder sich verschlimmern.
  • Die Kopfschmerzen das tägliche Leben stark beeinträchtigen.

Insbesondere bei erstmaligem Auftreten von Aura-Symptomen sollte ein Arzt konsultiert werden, um andere Ursachen auszuschließen.

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