Migräne-Piercing: Kostenübernahme durch die AOK und wissenschaftliche Bewertung

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die für Betroffene eine erhebliche Belastung darstellt. Neben konventionellen Behandlungsmethoden wie Medikamenten und Verhaltenstherapien gibt es auch alternative Ansätze, darunter das Migräne-Piercing (auch Daith-Piercing genannt). Dieser Artikel beleuchtet die Frage, ob die AOK die Kosten für ein Migräne-Piercing übernimmt, und bewertet die wissenschaftliche Evidenz für diese Behandlungsmethode.

Was ist ein Migräne-Piercing?

Ein Migräne-Piercing, auch Daith-Piercing genannt, ist ein Piercing, das durch die Knorpelfalte oberhalb des Gehörgangs gestochen wird. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird dieser Bereich mit einem Energiepunkt in Verbindung gebracht, der in der Akupunktur zur Behandlung von Migräne eingesetzt wird. Befürworter des Migräne-Piercings erhoffen sich durch die dauerhafte Stimulation dieses Punktes eine Linderung der Migränebeschwerden.

Wie funktioniert das Daith-Piercing?

Das Daith-Piercing zielt darauf ab, einen Akupunkturpunkt im Ohr zu stimulieren, der traditionell zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne verwendet wird. Es wird angenommen, dass das Piercing eine ähnliche Wirkung wie Akupunktur oder Akupressur hat, indem es den Energiefluss im Körper reguliert und Blockaden löst, was zu einer Schmerzlinderung führen kann.

Kostenübernahme durch die AOK

Die AOK übernimmt die Kosten für ein Migräne-Piercing in der Regel nicht. Da es sich nicht um ein anerkanntes medizinisches Heilverfahren handelt, müssen Betroffene die Kosten selbst tragen. Diese liegen je nach Piercing-Studio üblicherweise zwischen 30 und 90 Euro.

Leistungen der AOK bei Kopfschmerzen und Migräne

Obwohl die AOK die Kosten für ein Migräne-Piercing nicht übernimmt, bietet sie verschiedene Leistungen zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne an. Dazu gehören:

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  • Gesundheitskurse: Die AOK bezuschusst die Teilnahme an Gesundheitskursen, die beispielsweise Entspannungsübungen oder Stressmanagement-Techniken vermitteln. Diese können helfen, Migräne-Trigger zu reduzieren und die Schmerzschwelle zu erhöhen. Die konkreten Leistungen können sich regional unterscheiden. Es empfiehlt sich, bei der zuständigen AOK nachzufragen.

  • Akupunktur: Einige AOKs übernehmen die Kosten für Akupunkturbehandlungen bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder des Kniegelenks (Gonarthrose). Voraussetzung ist, dass die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen und die Behandlung von einem zugelassenen Vertragsarzt durchgeführt wird, der über eine entsprechende Akupunkturzusatzausbildung verfügt.

  • KopfschmerzSPEZIAL: Die AOK Nordost bietet das Versorgungsprogramm KopfschmerzSPEZIAL für Menschen mit chronischen Kopfschmerzen an. Dabei arbeiten Spezialisten verschiedener Fachgruppen (Neurologen, Physio- und Psychotherapeuten) eng zusammen, um eine umfassende Diagnostik und Therapie zu gewährleisten. Versicherte der AOK Nordost erhalten in Berlin und Rostock innerhalb von maximal zehn Arbeitstagen einen Termin beim Spezialisten-Team.

  • Integrierte Versorgung: Zahlreiche Krankenkassen, darunter die AOK Schleswig-Holstein, die Techniker Krankenkasse und die Deutsche Angestelltenkrankenkasse, haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit spezialisierten Behandlungsnetzen vertraglich geregelt. Dies ermöglicht eine koordinierte und umfassende Behandlung von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen.

Medikamentöse Prophylaxe und Akuttherapie

Die AOK unterstützt ihre Versicherten bei der medikamentösen Prophylaxe und Akuttherapie von Migräne. Bei Patientinnen und Patienten mit mindestens vier Migränetagen pro Monat kann der Einsatz von prophylaktisch wirksamen Medikamenten wie Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin und Clostridium botulinum Toxin Typ A (nur chronische Migräne) in Frage kommen. Wenn diese Wirkstoffe unwirksam, unverträglich oder kontraindiziert sind, können auch die Antikörper Erenumab (Aimovig®), Galcanezumab (Emgality®), Fremanezumab (Ajovy®), Eptinezumab (Vyepti®) oder der CGRP-Antagonist Atogepant (Aquipta®) eingesetzt werden.

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Wissenschaftliche Bewertung des Migräne-Piercings

Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Migräne-Piercings ist begrenzt. Es gibt nur wenige Studien, die diese Behandlungsmethode untersucht haben, und die Ergebnisse sind nicht eindeutig. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) warnt vor den Piercings und stuft sie als ungeeignet zur Behandlung von Migräne ein, da bislang keine klinischen Studien vorliegen, die eine Wirksamkeit belegen.

Risiken und Nebenwirkungen

Wie bei jedem Piercing bestehen auch beim Migräne-Piercing Risiken, darunter:

  • Langsames Abheilen der Durchstichstelle
  • Erhöhtes Infektionsrisiko
  • Narbenbildung
  • Verformungen der Ohrmuschel
  • Erschwerte Akupunkturbehandlung: Ein Piercing kann zukünftige Akupunktur- oder Akupressurbehandlungen am Ohr erschweren.

Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI)

Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim sucht aktuell Teilnehmer für eine Studie, die die Wirksamkeit von Daith-Piercings bei Migräne untersucht. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob Ohrpiercings die Häufigkeit, Dauer und Stärke von Migräneattacken verringern und die Lebensqualität und Stimmung verbessern können.

Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne

Neben dem Migräne-Piercing gibt es zahlreiche andere Behandlungsmethoden, die bei Migräne eingesetzt werden können:

  • Medikamentöse Akuttherapie: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane können bei akuten Migräneattacken helfen.

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  • Medikamentöse Prophylaxe: Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren. Seit einigen Jahren stehen auch spezielle Antikörper (CGRP-Antikörper) zur Verfügung, die gezielt gegen einen Botenstoff wirken, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.

  • Verhaltenstherapie: Entspannungsübungen, Stressmanagement-Techniken und Biofeedback können helfen, Migräne-Trigger zu reduzieren und die Schmerzbewältigung zu verbessern.

  • Sport und Bewegung: Regelmäßiger Ausdauersport kann die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen reduzieren.

  • Akupunktur: Akupunktur kann bei chronischen Schmerzen, einschließlich Migräne, eine wirksame Behandlungsmethode sein.

  • Kopfschmerztagebuch: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, individuelle Migräne-Trigger zu identifizieren und die Wirksamkeit von Behandlungen zu überwachen.

Schwerbehinderung bei Migräne

In manchen Fällen kann Migräne so stark ausgeprägt sein, dass sie als Schwerbehinderung anerkannt wird. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, wie sich die Erkrankung auf die Lebensführung auswirkt. Bei der Zuordnung wird auch berücksichtigt, ob es sich anhand der Kopfschmerztage pro Monat um einen episodischen oder chronischen Verlauf der Migräne handelt. Wird nach dem Prüfen des Antrags ein GdB (Grad der Behinderung) von mindestens 50 zugesprochen, liegt bei Migräne eine Schwerbehinderung vor.

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