Aimovig (Erenumab): Nebenwirkungen und Anwendung in der Migräneprophylaxe

Erenumab, vermarktet als Aimovig®, ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendung, Nebenwirkungen und andere wichtige Aspekte von Erenumab.

Was ist Erenumab und wie wirkt es?

Erenumab ist ein humaner monoklonaler IgG2-Antikörper, der sich gegen den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) richtet. CGRP ist ein Neuropeptid, das eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräne spielt. Es reguliert die nozizeptive Signalübertragung und wirkt stark gefäßerweiternd. Durch die Bindung von Erenumab an den CGRP-Rezeptor wird die Interaktion mit dem natürlichen Liganden CGRP gehemmt.

Der Wirkstoff Erenumab ist ein monoklonaler Antikörper, der zu den CGRP-Hemmern gehört und zur Vorbeugung von Migräneanfällen eingesetzt wird.

Anwendungsgebiete von Erenumab

Der monoklonale Antikörper Erenumab wird zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat angewendet. Die Behandlung sollte von Ärzten eingeleitet werden, die Erfahrung mit der Diagnose und Behandlung von Migräne haben.

Zugelassen ist die Antikörpertherapie für Erwachsene mit Migräne ab vier Schmerztagen im Monat. Viele Menschen mit schwerer Migräne erhielten erst spät moderne Migränemittel, beklagt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Dabei sei insbesondere die Migräne-Spritze, sogenannte monoklonale Antikörper, zur Vorbeugung (Migräneprophylaxe) der episodischen und chronischen Migräne effektiv und gut verträglich, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) erklärt.

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Dosierung und Anwendung von Aimovig

Die empfohlene Dosis beträgt 70 mg Erenumab alle vier Wochen. Einige Patienten können von einer Dosis mit 140 mg alle vier Wochen profitieren, die in Form von zwei subkutanen Injektionen mit jeweils 70 mg verabreicht wird. In klinischen Studien zeigte sich durch die Dosierung mit 140 mg eine zahlenmäßig höhere Ansprechrate, die statistisch jedoch nicht signifikant war.

Die Behandlung ist für Patienten vorgesehen, die zu Beginn der Behandlung mindestens 4 Migränetage pro Monat aufweisen.

  • Allgemeine Dosierungsempfehlung:
    • Erwachsene: Eine Einzeldosis von 1 Fertigspritze alle 4 Wochen, unabhängig von der Tageszeit.
  • Bei schweren Formen:
    • Erwachsene: Eine Einzeldosis von 2 Fertigspritzen alle 4 Wochen, unabhängig von der Tageszeit.

Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.

Erenumab wird subkutan durch die Patienten selbst angewendet. Die Injektion kann am Bauch, am Oberschenkel oder an der Außenseite des Oberarms verabreicht werden. Bei jeder Folge-Injektion sollte eine andere Injektionsstelle verwendet werden. Injektionen dürfen nicht in empfindliche, verletzte, gerötete oder verhärtete Hautpartien gegeben werden. Der Autoinjektor ist für den einmaligen Gebrauch einzusetzen.

Viele Migränepatienten ist der Umgang mit diesem Autoinjektor vertraut, da ein nahezu identischer Pen auch zur subkutanen Applikation von Sumatriptan s.c. verwendet wird. Im Unterschied dazu wird der Pen nicht in der Attacke bei Bedarf eingesetzt. Die Anwendung erfolgt vielmehr in festen Zeitabständen von vier Wochen zur Vorbeugung nach definiertem Behandlungsplan.

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Wann ist Aimovig nicht geeignet? (Gegenanzeigen)

Aimovig sollte nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe.
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Für manche Menschen kommt die Anti-CGRP-Therapie nicht infrage. Bei Frauen mit Kinderwunsch ist sie nicht geeignet, weil man keine Daten hat, wie sich die Spritze in der Schwangerschaft auswirkt. Auch in der Stillzeit ist sie tabu. Bei bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen schweren Begleiterkrankungen ist besondere Vorsicht geboten; die Entscheidung für die Behandlung sollte daher immer individuell durch einen erfahrenen Neurologen oder eine Neurologin erfolgen.

Schwangerschaft und Stillzeit: Das Arzneimittel sollte nach derzeitigen Erkenntnissen nicht angewendet werden. Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie stillen. Er wird Ihre besondere Ausgangslage prüfen und Sie entsprechend beraten, ob und wie Sie mit dem Stillen weitermachen können.

Ist Ihnen das Arzneimittel trotz einer Gegenanzeige verordnet worden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Der therapeutische Nutzen kann höher sein, als das Risiko, das die Anwendung bei einer Gegenanzeige in sich birgt.

Mögliche Nebenwirkungen von Aimovig

Migräne-Spritzen sind im Allgemeinen gut verträglich und verursachen kaum Nebenwirkungen. Am häufigsten treten leichte Reaktionen an der Injektionsstelle auf, während schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen selten sind.

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Als Nebenwirkungen werden bei 70 mg bzw. 140 mg Erenumab Reaktionen an der Injektionsstelle, Obstipation, Muskelspasmen und Pruritus berichtet. Die meisten dieser Nebenwirkungen sind von leichter oder mittlerer Schwere.

Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen von Migräne-Spritzen zählen Reaktionen an der Injektionsstelle, wie Schmerzen, Rötungen, Verhärtungen und Juckreiz. Diese Reaktionen sind normalerweise mild und verschwinden schnell, oft innerhalb weniger Stunden oder Tage. Außerdem können Patienten gelegentlich über Verstopfung und Muskelkrämpfe klagen. Diese Nebenwirkungen sind ebenfalls meist leicht und beeinträchtigen den Alltag der Patienten nur geringfügig. In seltenen Fällen lösen Migräne-Spritzen Hautreaktionen wie Ausschläge oder Nesselsucht, Nasen-Rachenentzündungen oder Müdigkeit aus. In Einzelfällen kann es zu schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktionen, die sofortige medizinische Hilfe erfordern, kommen. Dazu zählen beispielsweise das Angioödem oder Anaphylaxie. Diese treten in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach der Injektion auf.

Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

  • Überempfindlichkeit, wie:
    • Akute starke allergische Reaktion die mehrere oder alle Körpergebiete betrifft (Anaphylaxie)
    • Spontan auftretende (Schleim-) Haut-Schwellung (Angioödem)
    • Hautausschlag
    • Schwellung
    • Wassereinlagerung (Ödem)
    • Nesselausschlag (Urtikaria) durch Medikamente
  • Verstopfung
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Immunbedingter Hautausschlag mit Juckreiz
  • Muskelkrampf
  • Reaktion an der Einstichstelle

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Aufgrund der Metabolisierungswege monoklonaler Antikörper werden keine Wechselwirkungen mit gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln erwartet. Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben. Das gilt auch für Arzneimittel, die Sie selbst kaufen, nur gelegentlich anwenden oder deren Anwendung schon einige Zeit zurückliegt.

Hinweise zur Lagerung von Aimovig

Das Arzneimittel muss im Kühlschrank, vor Frost geschützt und im Dunkeln (z.B. im Umkarton) aufbewahrt werden. Wird das Arzneimittel bei Raumtemperatur bis 25°C aufbewahrt, darf es höchstens 7 Tage verwendet werden. Das Arzneimittel ist nach Anbruch/Zubereitung nur zur einmaligen Anwendung vorgesehen. Reste müssen verworfen werden! Vor der Anwendung sollte die Lösung visuell geprüft werden.

Studienergebnisse und Nutzenbewertung

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Erenumab die Anzahl der monatlichen Migränetage reduzieren kann. Die Reduktion der Migränetage pro Monat im Vergleich zu Placebo liegt mit etwa ein bis drei Migränetagen in ähnlichen Größenordnungen wie durch die bisherigen für diese Indikation zugelassenen Prophylaktika.

Bei der frühen Nutzenbewertung von Erenumab ergab sich für das IQWiG und die AkdÄ in der Gesamtschau ein Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen (IQWiG: mindestens beträchtlich) für Patienten mit mindestens vier Migränetagen pro Monat, für die eine konventionelle Migräneprophylaxe infrage kommt, gegenüber der ZVT Best Supportive Care (BSC).

Der G-BA sah für Erenumab in dieser Fragestellung einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen als belegt an.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 400 Euro pro Spritze nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben. Ein Grund, warum die Krankenkassen so hohe Hürden vor Erstattung der Therapie eingebaut haben, sind die hohen Kosten der Migräne-Spritze.

Vor diesem Hintergrund strebt der Hersteller eine zeitlich begrenzte Erstattung für schwer betroffene Migränepatienten an, bei denen vier (für die episodische Migräne, d.h. weniger als 15 Kopfschmerztage pro Monat) bis fünf (für die chronische Migräne, d.h. 15 und mehr Kopfschmerztage pro Monat) zugelassene Vortherapien erfolglos waren.

Alternativen zur Migräne-Spritze

Die monoklonalen Antikörper gelten als Meilenstein in der Migräne-Behandlung. Vor ihrer Zulassung gab es zur Vorbeugung der schmerzhaften Attacken nur Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt worden waren und sich im Nebeneffekt auch positiv auf Migräne auswirkten. Diese Standard-Therapien sind nach wie vor wichtig. „Eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit der Anfallsprophylaxe ist Ausdauersport“, betont Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. Auch Kraftsport, Entspannungsübungen, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Methoden der Stressbewältigung könnten helfen, Migräneattacken zu vermeiden.

Welche Alternativen gibt es zur Migräne-Spritze? Die konventionellen Präparate bleiben daher weiter wichtig, so Neurologin Holle-Lee.

Die Rolle von CGRP bei Migräne

Der Migräneschmerz basiert nach heutigen Erkenntnissen auf einer neurogenen Entzündungsreaktion an den Arterien der Hirnhäute. Entzündungsstoffe werden dort im Initialstadium der Migräneattacke freigesetzt. Diese führen zu einer verstärkten Schmerzempfindlichkeit der Hirnhäute mit Schwellung und Erweiterung der Gefäßwände. Jeder Pulsschlag führt zu einem pochenden, hämmernden Migräneschmerz, jede Bewegung des Kopfes tut weh und verstärkt den Schmerz.

Im Mittelpunkt steht dabei das Calcitonin Gene-Related Peptide, kurz CGRP. Es ist ein Neuropeptid, das aus 37 Aminosäuren besteht und durch das identische Gen wie das Hormon Calcitonin kodiert wird. CGRP zählt zu den stärksten gefäßerweiternden Substanzen und spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung der Migräne. Gibt man sogenannte monoklonale Antikörper, kann die Wirkung dieser Entzündungsstoffe für einige Wochen gestoppt und die Wahrscheinlichkeit für Migräneattacken reduziert werden.

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